Hier finden Sie unseren aktuellen Rundbrief: In diesen berichten wir aus den aktuellen Projekten, Wissenswertes aus Welikji Nowgorod und spannende Themen aus Russland. Wir geben Tipps aber auch nützliche Informationen.


32. Jahrgang / Nr. 89/ Dezember 2016

 

Sehr geehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods!

 

Auf der international besetzten Literatur-Tagung in Tutzing anlässlich des 25. Jahrestages der Auflösung der UdSSR am 8. Dezember 1991 sagte am 4.12.2016 der Petersburger Literaturtheoretiker Aleksandr Skidan, dass es zur Zeit in seiner Gesell-schaft viel Lärm gebe, eine Fülle von laut sich gebärdenden Deklarationen, die über ihre tatsächliche inhaltliche Leere hinweg- täuschen. Er nahm dabei sowohl die Literatur als auch die Politik in den Blick. Nötig sei in dieser Zeit das Schweigen, um Raum für das Hören, für echte Dialoge und neues Verstehen zu bereiten. Das mag an dieser Stelle nur wie ein vor weihnachtlich gut gemeinter Gedanke klingen, aber darüber hinaus ist es so etwas wie eine Grundidee für unsere Vorhaben für das kommende Jahr, in dem wir den 30. Geburtstag der Partnerschaft unserer Städte feiern. Wir planen Begegnungen und gemeinsame Projekte von deutschen und russischen Bürgern.

Ein Höhepunkt wird der 21. Mai 2017 sein, an dem in einem Festakt der Vertrag über eine neue Zusammenarbeit der Universität in W. Nowgorod mit der Fachhochschule Bielefeld unterzeichnet werden wird. Vom Kuratorium aus planen wir ein Projekt, das Studierende beider Seiten zum Thema Mode und Gestaltung zusammenführen soll. Ein anderes Konzept soll die Kooperation mit der jungen ökologisch und sozial orientierten Reforminitiative „Novyj gorod“ vertiefen und bereichern: es geht um Urban Gardening in Nowgorod und Graffitti in Bielefeld.

Einen kleinen Einblick in die reiche Ernte von Veit Mettes Reise nach W. Nowgorod im Mai 2017 wird es bei den „Nachtansichten“ am 27. April geben. Ende 2017 öffnet sich dann das Historische Museum für diese Bilder. Weitere Gelegenheiten zum Dialog bietet ein Geschichtsseminar im Herbst und ein theaterpädagogisches Rechercheprojekt zum Thema „Stoff“, das seinen Ertrag für 2018 ankündigt. Wir hoffen, dass wir Ihnen einen genaueren Terminplan zur Zeit unserer Jahreshauptversammlung am 23.03.17 vorlegen können. Es lohnt sich vermutlich, sich diesen Termin vorzumerken, denn neben den alljährlichen Formalia wird ein Gastreferent direkt aus der Russischen Föderation berichten.

Nach drei großen Veranstaltungen in der ersten Jahreshälfte 2016 haben wir auf eine vierte im Spätherbst verzichtet, und so ist dies ausnahmsweise keine Einladung zu einer Mitgliederversammlung, aber ein Rundbrief mit Rückblicken und Vorausschauen. So finden Sie hier eine Würdigung Dietrich Beckers, dem viele Bürger beider Städte unendlich viel zu verdanken haben. Die  bewährte Presseschau Wasja Rotsels enthält u. a. eine offene und kritische Darstellung eines Themas, das nicht wenige Frauen in Nowgorod existentiell betrifft - und manch anderes: schauen Sie selbst !

Bei vorsichtiger Schätzung kommen wir für das Jubiläumsjahr auf ein Budget von 6.000, - €, das Materialkosten und Reisekostenzuschüsse für vor allem russische Gäste umfasst. Die bisherigen Bemühungen, Sponsoren zu begeistern, sind durchaus ermutigend, aber noch nicht beglückend und entspannend. Falls Sie uns einen Hinweis auf mögliche Spender geben

möchten, schicke ich Ihnen das entsprechende Schreiben gern zu.

Brunhild Hilf

 

 

Dietrich Becker * 8.3.1935   + 13.10.2016

 

Pionier der Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Welikij Nowgorod

 

Anfang der 1970-er Jahre war – durch Vermittlung von Harald Poelchau - zwischen Smolensk und Berlin ein deutsch-russischer Lehrlingsaustausch in Gang gekommen. Dietrich Becker, damals im Sozialpfarramt in Berlin, begleitete die deutsche Gruppe. Als bei der zweiten Reise deutlich wurde, dass der direkte persönliche Kontakt von den sowjetischen Behörden nicht erwünscht war, fanden die deutschen Gäste und ihr astrein sächsisch sprechender russischer Partner Mittel und Wege, doch zueinander zu kommen und so den eigenen Gedankenaustausch sowie den zwischen den jungen Bürgern beider Länder zu vertiefen. Letztlich konnten die Mächtigen das dann nicht mehr verhindern.

Diese Geschichte ist über 40 Jahre her – und doch so aktuell wie lange nicht mehr. Die Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Welikij Nowgorod ist in den Menschen lebendig – trotz politischer Krisenzeiten. Das ist zu einem überragenden Teil Dietrich Beckers Verdienst. 1984, kurz nach der Gründung des Kuratoriums, das sich die Anbahnung der Beziehungen zwischen Bielefeld und Nowgorod zum Ziele gesetzt hatte, wurde an ihn die Bitte gerichtet, die Arbeit im Vorstand zu unterstützen – er stimmte zu und prägte diese Arbeit bald nachhaltig. Die vielen Bürgerreisen, die er seit 1986 leitete, brachten Menschen beider Städte zueinander, Menschen mit gleichen Berufen, Interessen, Hobbies, und führten zu tiefen Freundschaften zwischen ihnen. Die Voraussetzung dafür war seine überaus sorgfältige Planung und ein solides Vertrauensverhältnis zwischen ihm und seinen russischen Partnern, nur so war es möglich, dass einzelne deutsche Gäste oder kleine Gruppen individuell eingeladen wurden in Familien, in den Schulunterricht, in Betriebe, um zu hospitieren und um persönliche Kontakte zu schließen. Davon lebt die Städtepartnerschaft noch heute, das zeigen die erschütterten Trauerreaktíonen von zahlreichen Freunden und Bekannten aus W.Nowgorod anlässlich seines Todes.

Manches davon, wie Dietrich Becker unsere Städtepartnerschaft gestaltete, findet man wieder, wenn man sich seinen Lebenslauf anschaut; immer wieder wählt er seinen eigenen Weg, unabhängig von vorgegebenen Mustern, und findet große Befriedigung in der Begegnung mit Menschen, die ihm vertrauen. Dies mögen wenige Entscheidungen seines Lebensweges belegen: geboren in Schwerin, flieht er mit seiner Mutter 1950 nach Hamburg, der Vater ist in einem Arbeitslager in Workuta interniert. Früh verlässt er auf eigenen Wunsch die Schule, um 15-jährig eine Elektromechaniker-Lehre zu absolvieren, legt dann aber doch 1958 das Abitur

ab.

Er studiert Theologie in Hamburg, Heidelberg, Bonn und Münster, heiratet noch als Student, in der Ehe werden drei Kinder geboren. Die Ausbildung und Tätigkeit als Pfarrer erfolgt in der Westfälischen Landeskirche. Nach dem Gemeindepfarramt lehrt er an der Rudolf-Rempel-Schule und erlebt in der Begegnung mit den jungen Menschen seine schönste berufliche Zeit. 2004 heiratet er erneut, seine Frau Marlies Ostendorf teilt mit ihm seine Liebe zur Musik und zu den Bürgern Nowgorods.

Wer ihn als Freund und im Kuratorium erlebte, dem wird seine bedächtige Art der Problemlösung, sein Engagement für die sorgfältige Planung von Begegnungen, seine Freude an eigener künstlerischer und journalistischer Gestaltung unserer Publikationen, sein großartiger Humor und blitzender Witz und seine tiefe Bescheidenheit im Gedächtnis bleiben.

 

Brunhild Hilf

 

NEUES AUS DER NOWGORODER PRESSE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Mädchen vor dem Symbol der vor

25 Jahren untergegangenen Großmacht

UdSSR – in Welikij Nowgorod am 9.

Mai 2016, dem Tage des Sieges 1945

Foto: Veit Mette

 

Zur Wahl in den USA:

vnnews.ru 9.11.2016

 

Nowgoroder Senator begrüßt Trumps Sieg bei der Wahl in den USA

 

„Der Senator im Föderationsrat für das Nowgoroder Gebiet Aleksej Kostjukow gab seinen Kommentar zu der Meldung über Donald Trumps Wahl zum Präsidenten der USA:

‚Trumps Sieg stellt eine Niederlage für den anti-russischen Kurs von Obama-Clinton dar. Die Beziehungen zu Russland waren ein wichtiger Faktor in der Wahlkampagne in den USA. Die Kandidatin der Demokraten Hillary Clinton führte mit Unterstützung der gegenwärtigen Obama-Administration ihren Wahlkampf unter einer anti-russischen Flagge. Wir können heute feststellen,

dass der anti-russische außenpolitische Kurs von Obama-Clinton, ein Kurs, der die bestehende Ordnung in der Welt insgesamt umzustoßen drohte, nicht die Unterstützung der Mehrheit der Amerikaner fand. Man möchte hoffen, dass die neue amerikanische Administration die richtige Schlussfolgerung aus dem Ergebnis der Kampagne um die Präsidentschaft zieht und dass die

Erklärungen, die Donald Trump im Laufe des Wahlkampfes zu den Beziehungen zu unserem Land und zu der Außenpolitik der USA insgesamt abgab, realisiert werden‘, erklärte der Pressedienst Kostjakows.

Laut ‚Bloomberg‘ sammelte der Kandidat der Republikaner 276 Wahlmännerstimmen, sechs mehr als die notwendige Zahl.“

(Autor: Aleksander Kobjakow)

 

http://vnnews.ru/politic/51165-novgorodskij-senator-privetstvuet-pobedu-trampa-na-vyborakh-v-ssha.html

 

 

 

novgorod.ru. 9.11.2016

Sergej Mitin: Mir ist Trump sympathischer als Clinton

„Heute, am 9. November, beim Treffen des Gouverneurs des Nowgoroder Gebiets Sergej Mitin mit Journalisten und Bloggern, äußerte der Regionalchef seine Meinung zu der Wahl des Präsidenten in den USA. Mitin bemerkte, dass ihm Donald Trump sympathischer sei als Hillary Clinton. Mitin schließt sich den Worten Wladimir Putins an, der heute erklärte, er sei bereit, mit jedem rechtmäßig gewählten Präsidenten der USA zusammen zu arbeiten. ‚Die Situation müsste sich [nun] zum Besseren wenden. Niemand braucht heute die Gegnerschaft zweier Mächte. Trump ist ein Geschäftsmann, als pragmatischer Mensch wird er die

Beziehungen zu Russland zurecht rücken, weil sie Amerika nur Vorteile bringen‘‚ sagte der Gouverneur. [...]‘In der Nowgoroder Regionalgeschäftsstelle der Liberaldemokratischen Partei Russlands wurde Donald Trump auch unterstützt, ‚weil sich vieles, was er tut und sagt, krass unterscheidet von der bisherigen antirussischen Rhetorik des Oval Office‘. Der Leiter der Nowgoroder

Liberaldemokraten, der Vize-Sprecher der Nowgoroder Gebietsduma Aleksej Tschursinow, verglich D. Trump mit W. Schirinowski [und das war als Kompliment gemeint – Üb.] (...) (Autor: anonym)

 

https://news.novgorod.ru/news/152550/

 

Mitin und Bobryschew

Welikij Nowgorods Oberbürgermeister (russ. мэр/mer, in Anlehnung an fr. maire oder engl. mayor) Jurij Bobryschew und Sergej Mitin, der Gouverneur des Nowgoroder Gebiets und Partei“freund“ Bobryschews (beide Einiges Russland, die s.g. Kremlpartei), liegen seit langem in unerbittlichem Clinch miteinander. Beide sind umstritten, beide stehen unter Korruptionsverdacht - und jeder will den anderen aus dem Amt gejagt sehen. Die Vorwürfe und Schuldzuweisungen sind so mannigfaltig und für einen Außenstehenden so verworren, dass man sie kaum entwirren kann. Ende 2015, als sich Bobryschew ausgerechnet auf Dienstreise in Deutschland befand (aber nicht in Bielefeld), wurde er von der Stadtduma mit 23 Stimmen zu 7 entlassen. Als er nach Nowgorod zurückkehrte, wies er darauf hin, dass ein „Impeachment“ in absentia nicht rechtens sei. Und er behielt das Amt. Als die nächste Abstimmung stattfand, fehlten so viele stimmberechtigte Abgeordnete, dass kein Quorum erreicht wurde. Und so weiter und so fort. Die neueste Meldung zu der Fehde Bobryschew – Mitin ist folgende: novgorod.ru, 1.11.2016 (W.Ro.)

 

Sergej Mitin bekam eine „5“ im Arbeitszeugnis als Gouverneur

„Der Gouverneur des Nowgoroder Gebiets Sergej Mitin bekam im Kreml-Rating der Gouverneure nur einen Punkt von fünf möglichen, was für die Experten auf seine bevorstehende Entlassung hinweist. Bei Erstellung des Ratings wird auch das Alter der Führungspersonen berücksichtigt. Die Zeitschrift ‚Profil‘ berichtet, dass im ganzen Land die Auswechslung aller Gouverneure über 60 Jahre vorgesehen ist, insbesondere derer, die bereits das Höchstalter für den Staatsdienst von 65 Jahren erreicht haben. Zur Zeit gehören 30 Gouverneure zu dieser Altersgruppe, ein Drittel der Gesamtzahl.

Sergej Mitin ist in diesem Jahr 65 geworden. Seine Amtszeit läuft im Herbst 2017 aus. Experten meinen, er habe nur eine minimale Chance, wiedergewählt zu werden. ‚Profil‘ schreibt dazu:

‚Es gibt viele Probleme in der Region und es liegt nah, dass eine der jungen Führungskräfte aus dem Föderalen Sicherheitsdienst FSB oder dem Föderalen Dienst zum Schutz des Präsidenten und der Regierung FSO Mitin ersetzen wird. Das sind Geheimdienstkader aus der Umgebung des neuen Kremlklans, genannt ‚Neuseer Kooperative‘ oder ‚Waldajscher Klub der Freunde Putins‘, die in letzter Zeit aktiv mitmischen bei der Aufteilung der Führungspositionen in der regionalen Politik. Diese Angehörige des Militär- und Geheimdienstestablishments sind Vertraute Viktor Solotows, des Chefs von Rosgwardija, der Nationalgarde Russlands, der in der Datschensiedlung Neusee [Новоозёрное] in Waldaj nahe der dortigen Residenz des Präsidenten der Russischen Föderation wohnt‘. [...]“

(Autor: anonym) https://news.novgorod.ru/news/152373/

 

Dr. habil. Wladimir Schirinowski ist Gründer der s.g. Liberal-demokratischen Partei Russlands – die weder liberal noch demokratisch, sondern rechtsradikal und nationalistisch ist. Charakterlich könnte man Schirinowski selbst am besten mit einem gewissen Donald Trump vergleichen. Typisch für seine außenpolitischen Vorstellungen ist sein Vorschlag, „man solle Atombomben über dem Nordatlantik abwerfen - um mit der Flutwelle Großbritannien zu überschwemmen“ (Spiegel Online,

12.4.2010).(W.Ro.)

 

vnnews.ru, 4.11.2016

Wladimir Schirinowski sendet den Nowgorodern Glückwünsche per Telegramm

„(...) ‚Im Namen der LDPR und persönlich gratuliere ich Ihnen zum Tag der Einheit des Volkes. Der Feiertag verbindet uns alle. Ein Volk ist unbesiegbar, wenn es ein gemeinsames Ziel hat – mit ihren Heldentaten haben dies unzählige Male unsere Väter, Großväter und Urgroßväter bewiesen.

Vergessen wir nicht die Mahnung der Geschichte unseres Staates, die gesammelte Erfahrung an immer neue Generationen weiterzugeben! Wir alle sind für ein starkes und machtvolles Russland. Sie können stolz sein, dass Sie auf der großartigen russischen Erde leben, die eine Vergangenheit und eine wunderbare Zukunft hat. (...)“. (Autorin: Olga Lawrowa)

http://vnnews.ru/social/51095-vladimir-zhirinovskij-prislal-novgorodtsam-pozdravitelnuyu-telegrammu.html

 

Die alternative „Neue Nowgoroder Zeitung“ bezeichnet sich selbst als ein „unabhängiges Presseorgan“, und – gemessen an den Themen, die sie aufgreift und an den Positionen, die sie vertritt - ist sie das auch. Ein Beispiel dafür ist der folgende Artikel über die Prostitution in Welikij Nowgorod, wobei die Autorin selbst betont, dass Prostitution keineswegs ein Problem wäre, das etwa akuter sei in Russland als anderswo; sie grassiert in mindestens der Hälfte der anderen Länder der Welt auch. Dass eine Zeitung über die Prostitution in Russland schreibt, geschweige denn in Nowgorod, ist jedoch kein alltägliches Phänomen. (W.Ro.)

 

 

Können die ‚Strichbienen‘ der sexuellen Sklaverei entkommen?

 

 

 

 

 

 

Auferstehungsbogen – Eingang zum Kreml vom Sophienplatz aus

 

 

Новая новгородская газета/Nowaja nowgorodskaja gaseta, 9.11.2016, S. 17

„Während manche Bewohner der Stadt noch auf dem Weg zur Arbeit sind und daran denken, was sie zu Abend essen werden, wissen andere nicht, ob sie am Abend noch leben werden. Ob das uns gefällt oder nicht, auch in den äußerlich ruhigsten Städten, so wie in Nowgorod, floriert ein kriminelles, aber sehr einträgliches Geschäft. Jeden Tag kaufen Dutzende von Kunden die Zeit und den Körper von absolut ungeschützten Arbeitnehmerinnen aus der Sparte der sexuellen Dienstleistungen.

Das Durchschnittseinkommen von jungen Frauen und Männern in Welikij Nowgorod beträgt 10 bis 15.000 Rubel im Monat [€145 - €220], die mittlere Wohnungsmiete 5 bis 10.000. Die Hochschulgebühren ‚fressen‘ den Rest auf. Die Notwendigkeit, ein Kind zu ernähren, zwingt oft dazu, sich mit der Kreditkarte bis zum Zahltag durchzuwursteln und wenn der Lohn weg ist, zur Kreditkarte zurückzukehren. Wegen der Wirtschaftskrise wird man mindestens 300 Rubel an der Kasse los – und geht mit einer halb gefüllten Einkaufstüte aus dem Geschäft nach Hause.

Möglicherweise ist es genau diese soziale Ungeschütztheit, die viele, hauptsächlich junge Frauen, dazu bringt, ihren Körper zu verkaufen. Dieses „Geschäft“ bringt immerhin nicht weniger als 2000 Rubel pro Tag ein.

Die absolute Mehrheit der Sex-Arbeiterinnen zieht es vor, ohne Mittelsmänner zu arbeiten, um die Einnahmen für sich selbst zu behalten. Die Suche nach Kunden findet in der Regel über das soziale Netz statt, welches beiden Seiten erlaubt, im Schatten zu bleiben, aber auch den Zuhältern hilft, potentielle Opfer zu finden.

Heute gibt es im sozialen Netzwerk V-Kontakte [Im Kontakt, das ‚russische Facebook‘ – Üb.] nicht weniger als 60 ‚Communities‘, die Reklame machen für Sex-Dienstleistungen in Welikij Nowgorod. Interessant ist, dass noch vor einem Jahr in jeder Gruppe täglich mindestens zehn Meldungen veröffentlicht wurden von Menschen, die ihren Körper verkaufen wollten. Der Durchschnittspreis für die Transaktion betrug 1500 bis 2000 Rubel [€22 - €29]. Heute sind die individuellen Meldungen durch ‚korporative‘ Anzeigen ersetzt worden, was zweierlei vermuten lässt: Entweder sind die Sex-Arbeiter vorsichtiger geworden oder sie wurden gezwungen, sich ein ‚Schutzdach‘ zuzulegen.

Nach den Worten einer der auf eigene Faust arbeitenden ‚Strichbienen‘, Alina B. (alle Namen geändert), bekam sie pro Tag mindestens fünf Anfragen. Dabei merkt sie an: ‘Ich wusste, dass jede Minute etwas schief gehen könnte, dass ich vielleicht nicht mehr nach Hause zurückkehren würde. Aber ich brauchte das Geld. Mir schrieb ein Mann und schlug ein Treffen vor. Der ‚Klient‘ entpuppte sich als riesiger, fetter Kerl. Ich stieg in sein Auto, es hatte übrigens dunkel getönte Scheiben, er sagte, er sei 21, sah aber älter aus. Er forderte mich ständig auf, seine Karre zu loben, die Zigaretten und so weiter. Dann sagte er, dass wir raus aus der Stadt fahren. Er fragte, was wäre, wenn die Polizei mich erwischt. Ich sagte, ich weiß es nicht. Er sagte, das ist jetzt schon passiert. Er ließ mich wissen, dass ich ab jetzt für ‚sie‘ arbeiten werde, dass wir raus aus der Stadt fahren und dass ich ‚ihnen für den Anfang 30.000 im Monat abgeben‘ muss. Ich flippte aus. Als wir raus kamen aus der Stadt sprang ich in voller Fahrt aus dem Auto und rannte weg. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich das nicht getan hätte‘.

Maria M. erinnert sich: ‚Wir verabredeten, uns bei McDonald’s zu treffen. Ein weißer Wagen fuhr vor, getönte Scheiben. Ich wählte die Nummer des Kunden, der AB antwortete. Eine künstlich veränderte Stimme sagte, man werde jetzt mit dem Chef reden und ich hätte höflich zu antworten und alles zu tun, was mir gesagt werde. Ich hing sofort auf und rannte weg. Ich schaffte es bis zur Haltestelle und verschwand im Bus‘.

Wer sich mit einem Zuhälter abgibt kann in der Regel nicht mehr raus, auch wenn man will. Dabei ist es klar, dass die Orte, wo die Mädchen arbeiten, der Polizei bekannt sind. Es ist auch kein Geheimnis, dass viele von ihnen unfreiwillig dort sind. Die oben beschriebenen Geschichten bestätigen das: Nicht jede hält die Drohungen einer ganzen Gruppe von Männern aus oder springt aus einem fahrenden Auto und riskiert dabei, eine Invalide zu werden.

Davon sprechen auch die Aussagen von anderen ‚Bienen‘, die im Jahr 2013 vor Gericht gemacht wurden. Damals wurden zwei Nowgoroder Zuhälter, Dmitrij Soboljow und Mstislaw Spirin, zu Gefängnisstrafen ohne Bewährung verurteilt. Die Anklage hat gegen sie nicht nur den Vorwurf der organisierten Prostitution bewiesen, sondern auch Erpressung, schwere Körperverletzung und erpresserische Drohung. Im Grunde waren die Mädchen, die für sie arbeiteten, sexuelle Sklavinnen.

Leider sind Verurteilungen ohne Bewährung eher die Ausnahme als die Regel. Auch heute noch können die Verbrecher weiterhin die Mädchen im Wortsinn zu Invaliden machen und dennoch sicher sein, dass sie unbestraft bleiben.

Alina B. ist es gelungen, im V-Kontakte die Seite von dem Typen zu finden, der sie aus der Stadt brachte – die Seite gehört einem Nikita M. Aus den Einträgen geht hervor, dass der junge Mann verheiratet und Vater eines kleinen Kindes ist. Das Bild eines idealen Familienmenschen hält ihn allerdings nicht davon ab, Fotos von sich mit Waffen einzustellen und Posts zu schreiben, die seine Sehnsucht nach den 1990-er Jahren ausdrücken [die Hohe Zeit der organisierten Kriminalität in Nowgorod – Üb.]. Außerdem lässt sich aus seinen Posts schließen, dass eine Frau, die sich einmal verkauft hat, nicht mehr als lebendes Wesen gilt: Man kann sie bis zum Ablauf des ‚Haltbarkeitsdatum‘ benutzen, Gewaltanwendung ‚bei Bedarf‘ erlaubt. Obwohl Alina herausgefunden hat, wer mit ihr aus der Stadt gefahren war, weigert sie sich kategorisch, zur Polizei zu gehen.

Und das ist nicht verwunderlich. Die heutige russische Gesetzgebung, das juristische System und die Mentalität der Menschen arbeiten alle gegen die misshandelten Sex-Arbeiterinnen. ‚Eine Prostituierte ist kein Mensch, sie ist doch selber schuld‘ – lautet die öffentliche Meinung. Und dieser öffentlichen Meinung sind die Persönlichkeit des Opfers, seine Geschichte und die Gründe für seine Berufswahl zutiefst gleichgültig. Die Praxis zeigt, dass es ungleich schwieriger ist, einen Schuldspruch durchzusetzen gegen jemanden, der eine Sex-Arbeiterin misshandel, als im Falle aller anderen Gewaltopfer.

Was die Unzulänglichkeit des juristischen Systems angeht, die britische Sex-Arbeiter-Aktivistin (und Arbeiterin in der Sex-Industrie) Toni Mac erklärt: ‚In der Hälfte der Länder, einschließlich Russland, Südafrika und einem Großteil der USA, ist die strafrechtliche Haftung aller Beteiligter an der Prostitution – die der Verkäuferin, des Käufers sowie dritter Personen – juristisch festgelegt. Die Gesetzgeber dieser Länder hoffen offenbar, dass die Menschen aus Furcht vor einer Festnahme Angst haben werden, ihre Körper zum Verkauf anzubieten. Aber wenn Sie wählen müssen zwischen dem Gesetz und der Selbstversorgung oder der Versorgung der Familie, dann werden Sie anschaffen gehen, Sie werden das Risiko wählen.

Die strafrechtliche Haftung ist eine Falle. Wer eine kriminelle Vergangenheit hat, der kann nur schwer eine normale Arbeit finden – potentielle Arbeitgeber werden Sie nicht anstellen. Und wenn Sie Geld brauchen, werden Sie in der flexibleren Schattenwirtschaft bleiben. Das Gesetz zwingt Sie, weiterhin Ihren Körper zu verkaufen – obwohl das ganz und gar nicht die Wirkung ist, die vom Gesetz erwartet worden war. Der Staat behandelt Sie wie einen Verbrecher. In vielen Ländern werden Sie gezwungen, Schmiergeld zu zahlen oder sogar Sex mit dem Polizisten zu haben, um eine Festnahme zu vermeiden‘.

Gerade deswegen fürchten nicht nur die Zuhälter keine Strafe, sondern auch die Kunden der Sex-Arbeiterinnen. Wegen des blockierten Rechtsweges wissen die Teilnehmerinnen an dieser Schattenwirtschaft, dass jeder neue Kundenkontakt der letzte sein könnte.

Lisa A. erinnert sich: ‚Ich arbeite seit einem halben Jahr. In dieser Zeit ist meine Nase gebrochen worden, ich wurde zweimal vergewaltigt, einige Male wurde ich betrogen, ich wurde gezwungen, Sachen zu machen, die ich nicht machen wollte. Einige Kunden zwingen dich, die ganze Nacht bei ihnen zu bleiben, obwohl eine Stunde vereinbart wurde. Manche saufen und randalieren, obwohl sie versprochen haben, nüchtern zu bleiben. Manche sind echte Sadisten. Ich sehe das eben, was ihre Frauen und Kinder nicht sehen. Und ich trage die blauen Flecken mit nach Hause‘.

Lisa hat nicht vor, zur Polizei zu gehen, auch deswegen nicht, weil ein ihr bekannter Mitarbeiter der Sicherheitsorgane gesagt hat: ‚Wenn du ganz schlimm zusammengeschlagen wirst, dann komm zu uns, aber dann wirst du auch beweisen müssen, dass ein Zuhälter oder sonst wer es gemacht hat, und das wirst du nicht beweisen können‘.

Letztendlich also, um ihre Rechte zu verteidigen, müssen die Sex-Arbeiterinnen aus dem Schattenbereich heraustreten. Nur eine Gesetzesänderung kann das Problem lösen. Die ‚hohen‘ und absolut oberflächlichen Moralvorstellungen der Mehrheit der Menschen lösen das Problem nicht, sondern verschärfen es nur. Darüber hinaus zeigt die Praxis, dass die Marginalisierung und Nichtbeachtung der Prostitution bloß zu einer Steigerung der Gewalt und der Zahl der Morde führen; allein die Entkriminalisierung oder Legalisierung würde allen Teilnehmern an dem Geschäft wirklich Schutz bieten“. (Autorin: Angelina Sauer)

http://www.nnng.ru/numbers/2016_45/nng45.pdf

(Auswahl, Übersetzung und Kommentierung: W. Rotsel)

 

Новгород/Novgorod, Städtische Wochenzeitschrift 18.11.2016

Intim-„Salon“ im Zentrum von Nowgorod aufgeflogen

„Die Staatsanwaltschaft Welikij Nowgorods hat die Anordnung eines Strafverfahrens durch die Ermittlungsabteilung des Innenministeriums gegen eine Bewohnerin der Stadt wegen Beihilfe zur gewerbsmäßigen Prostitution (Teil 1 §241 Strafgesetzbuch RF) als gesetzeskonform und begründet bestätigt.

Die Staatsanwaltschaft des Nowgoroder Gebiets behauptet, dass die Frau, als Leiterin der Sauna in der Prusskaja Straße 15/1, seit August des Jahres die Ausübung der gewerbsmäßigen Prostitution ermöglichte, indem sie gegen Geldzahlung die Räume der Sauna zwecks Erbringung von intimen Dienstleistungen zur Verfügung stellte. Der Tatbestand wurde durch Kriminalbeamte der Gebietsverwaltung des Innenministeriums aufgedeckt. Während des Einsatzes wurden in der Sauna zwei Prostituierte in flagranti erwischt.

Ablauf und Ergebnisse der Ermittlungen sind unter der Aufsicht der Staatsanwaltschaft Welikij Nowgorods“.

(Autor: anonym)

http://gazetanovgorod.ru/novosti/16490-v-tsentre-novgoroda-vyyavili-intim-salon.html

 

 

Die EUROPA-Klasse in Bethel 2016 und 2017

 

Hier drucken wir Ihnen den rückblickenden Dank der beiden Europa-Klassen-Schülerinnen vom Frühjahr 2016 ab – ihre Teilnahme war durch großzügige Spenden aus dem Kreis unserer Mitglieder ermöglicht worden. Für 2017 hat die Stadt Bielefeld ausnahmsweise eine Reisekostenunterstützung zugesagt, so dass sich jetzt zwei männliche Teilnehmer auf ihre Reise im Frühjahr 2017 vorbereiten. Ihre Aufenthaltskosten hier (ca. 250,- € z.B. für Exkursionen) werden sie nicht ganz aus eigener Tasche begleichen können – zu groß ist die Abwertung des Rubels um 100 %. Wenn Sie helfen können – Ihre Spende ist willkommen und kann bei der Steuererklärung geltend gemacht werden: vielen Dank im Voraus dafür!

 

Die Europaklasse ist es ein schönes Projekt, das das Wissen über Deutschland erweitert. Die Menschen können ihr Deutsch verbessern, neues Wissen bekommen. Als wir in unserer deutschen Familie wohnten, fühlten wir uns wie gegenwärtige Bewohner Deutschlands. Alle Schüler der Europaklasse haben in sehr guten Familien gewohnt und hatten keine Probleme.

Die Schüler können ihren Wortschatz ausdehnen. In unserer Europaklasse waren Schüler aus sieben verschiedenen Ländern: Polen, Tschechien, Italien, England, Ungarn, Frankreich und Russland. Wir haben neue Menschen kennengelernt, haben ein wenig über ihre Heimat erfahren. Alle waren sehr freundlich und gesellig.

Wir haben im Gymnasium Bethel gelernt. Dort waren sehr interessante Stunden der Biologie, Physik, Sozialwissenschaft, auch Deutsch und andere. Alle Lehrer haben gut verstanden, dass wir die Ausländer sind, und sie haben uns geholfen.

Wir hatten viele verschiedene Projekte. Wir waren beim Bürgermeister, in der Fabrik Dr. Oetker. Wir hatten auch ein Minipraktikum mit Menschen mit Behinderungen. Wir werden uns diese Erfahrung für lange Zeit merken, weil wir viele Emotionen bekommen haben. Wir sind nach Berlin gefahren. Es ist eine sehr große und stressige Stadt. Wir haben viele Sehenswürdigkeiten gesehen.

Wir würden das alles gern noch einmal wiederholen, weil es uns sehr gefallen hat. Wir möchten uns gern noch einmal mit unseren Gastfamilien treffen. Die Europaklasse ist ein Projekt, das unbedingt dauern soll. Es war eine sehr gute und große Erfahrung in unserem Leben.

Arina und Anastasia aus Welikij Novgorod

 

 

Dr. Gerlinde Günther-Boemke

 

Seit April 2016 bin ich Beisitzerin im Vorstand des Kuratoriums. Meine Bereitschaft, mitzuarbeiten, entstand im letzten Jahr im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise und den politischen Kontroversen um die Rolle Russlands in diesem Konflikt.

Ich war und bin der Meinung, dass die kriegerischen Handlungen zwischen der Ukraine und Russland nicht durch einfache Freund-Feind-Schemata zu erklären sind, aber gleichwohl durch die Berichterstattung in den Medien als ein Kampf zwischen “ Guten und Bösen “ erscheinen. Ich glaube nicht, dass einseitige Schuldzuschreibungen helfen, Konflikte zu lösen, sondern dass sie das Gegenteil bewirken: Rechtfertigungen statt Reflexion auf der einen Seite, Verurteilungen statt Analyse auf der anderen Seite. Und sie haben noch weitere Konsequenzen. Sie konstruieren ein Feindbild, mit dem Menschen manipuliert werden können. Emotionen wie Unsicherheit und Berührungsangst entstehen, Einstellungen wie Sich-abgrenzen-müssen, am Ende auch Sich-verteidigen-müssen, sind wahrscheinlich.

Als sich im letzten Jahr eine Initiativ-Gruppe von Menschen zusammenfand (die sich „Friedensforum Nowgorod“ nannte, s.a. den entsprechenden BLOG), die sich sowohl persönlich kannten als auch über Kontakte zum Kuratorium für die Fahrt geworben worden waren und z.T. schon über langjährige Kontakte zur Universität in Welikij Nowgorod verfügten, nahm ich im Juni an der Fahrt dieser Gruppe teil. Die beeindruckende Tagung an der Nowgoroder Universität motivierte mich, mich konkreter mit der Städtepartnerschaft zu beschäftigen, zumal deutlich wurde, dass zivilgesellschaftliche Kontakte außerhalb eines wissenschaftlichen Kontextes am ehesten über solche offiziellen Institutionen zu realisieren sind.

Mein Ziel ist daher, durch die Mitarbeit im Kuratorium dazu beizutragen, dass Verständigung und Verständnis möglich wird, dass Vorurteile abgebaut werden und sich zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Workshop mit Studierenden und wissenschaftlichen MitarbeiterInnen an der Universität W. N.

 

 

Neu ausgegrabene Birkenrinden-Urkunden

In der Wochenzeitung (die regelmäßig an alle Nowgoroder Haushalte kostenlos verteilt wird, Anm. d.Übersetzerin) war am 15. Juli dieses Jahres folgende Nachricht zu lesen:

In Welikij Nowgorod haben Archäologen im Ausgrabungsfeld von Nutnej zwei weitere Birkenrindenurkunden gefunden, die unter den Nummern 1083 und 1084 katalogisiert wurden.

Wie der Linguist und Korrespondent der Russischen Akademie der Wissenschaft Aleksej Gippius auf einer Pressekonferenz mitteilte, lässt sich die Urkunde No.1083 auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts datieren. Es handelt sich um einen vollständig erhaltenen Brief, worin ein Nowgoroder mit Namen Radoneg den Auftrag erhält, zwei Ketten anzufertigen. Der Text enthält Einzelheiten über die technische Vorgehensweise, sowie unbekannte Begriffe, deren Bedeutung die Linguisten noch erforschen. Zum ersten Mal werden in einer Urkunde direkte handwerkliche Details mitgeteilt. Das hat es vorher noch nicht gegeben. In anderen Urkunden waren nur indirekte Hinweise auf das Handwerk enthalten, wie Dr. Elena Rybina, Professorin an der Historischen Fakultät der Moskauer Lomonosov-Universität (MGU) feststellte. Bei der Urkunde No. 1084 handelt es sich um ein Finanzdokument, das ein Auszahlungsregister enthält.

Ende Juni hat man auf dem Ausgrabungsfeld Troizkij XV ( unweit der Kremlmauer, Anm. d. Übers.) die Urkunde No. 1082 gefunden. Sie enthält eine Notiz über eine Geldschuld („Obrok“bezeichnet die jährlich zu zahlende Geldsumme, die die Leibeigenen an ihren Grundherrn zahlen mussten.) In diesem Urkundentext stießen die Historiker zum ersten Mal auf das Wort “posak“. Aufgrund von Vergleichen mit Texten aus der Gegend um Pskow und Twer‘ war dies ein Wort für Betrüger, Dieb oder Landstreicher. Es sei aber unwahrscheinlich, dass man einen Menschen, der unter Anklage stand, eine halbe Tonne irgendeines Gutes gestohlen zu haben, nur als Dieb, Betrüger oder Strolch bezeichnet hat, führte Alexej Gippius an. Wahrscheinlich handele es sich bei dem Wort um einen Spitznamen oder einen amtlichen Begriff.

Die Birkenrindenurkunde No.1081 wurde Anfang Juni auf dem Ausgrabungsfeld von Nutnej gefunden. Sie enthält Aufzeichnungen über den Grundzins (siehe oben unter „obrok“). Im Text werden drei Namen erwähnt, von denen einer nicht slawisch, sondern finnisch ist. Außerdem ist die Rede von einer Ortschaft Lembovo. Nach den Kommentaren der beiden Linguisten Aleksej Gippius und Andrej Zalizniak handele es sich bei Lembovo oder Lembolovo um ein Dorf im Leningrader Oblast‘. Der Name sei auf das finnische Wort für „Teufel“ zurückzuführen.

Übersetzung: Ulrike von Savigny

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nostalgie und Volksfest am 9. Mai

Foto: Veit Mette

 

 

Adressen der Vorstandsmitglieder

Dr. Manfred Dümmer, Heckstraße 16, 33609 Bielefeld, Tel. 325 385

Hans-Georg Fischer, Hagenkamp 44, 33609 Bielefeld, Tel. 330 233

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Dr. Gerlinde Günther-Boemke, Deppendorfer Straße 160, 33619 Bielefeld, Tel. 05203 - 1205

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Dr. William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld, Tel. 886 414

Dr. Klaus Trillsch, Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930

Erika Weichert, Am Balgenstück 33b, 33611 Bielefeld, Tel. 83 731

 

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

www.bielefeld-welikijnowgorod.de

Brunhild Hilf - Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld

IBAN DE93 4805 0161 0000 114041, BIC SPBIDE3BXXX

 


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