Hier finden Sie unseren aktuellen Rundbrief: In diesen berichten wir aus den aktuellen Projekten, Wissenswertes aus Welikji Nowgorod und spannende Themen aus Russland. Wir geben Tipps aber auch nützliche Informationen.


Rundbrief Nr. 98                                                                                                                                                                                Januar 2020

 

Einladung zur öffentlichen Vortragsveranstaltung und Mitgliederversammlung
am Donnerstag, dem 23. Januar 2020 um 19 Uhr
in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei
Sehr geehrte Mitglieder und Freunde der Städtepartnerschaft mit Welikij Nowgorod,
unser Gast an diesem Abend ist der russische Politologe Alexander Morosow, sein Thema
Russland – Aufbruch von unten ?
Wachsende Proteste - Erwartungen der Zivilgesellschaft - Reaktion der Macht


Nach den großen Demonstrationen im Mai 2012 gab es eine Zeit der scheinbaren Beruhigung, aber in den vergangenen Jahren haben die Protestaktionen wieder stark zugenommen, nicht nur in Moskau und St. Petersburg. Soziale Ungerechtigkeit, niedriger Lebensstandard und das politische System an sich sind die wichtigsten Ursachen.
Vorläufiger Höhepunkt waren die Protestaktionen im Sommer 2019, bei denen es längst um mehr ging als um freie Wahlen. Zahlreiche willkürliche Verhaftungen waren die Folge.
Alexander Morosow wird in seinem Vortrag einen Überblick über diese neuen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten geben, die Erwartungen aufzeigen, die damit verbunden sind, und darstellen, welche Maßnahmen die politischen Machthaber ergreifen und wohin diese Entwicklungen führen könnten. Viele Fragen wirft das auf!
Der Vortrag wird in der übersetzten Fassung gehalten, die Diskussion wird gedolmetscht.
Der Eintritt ist frei. Seien Sie herzlich willkommen!

Brunhild Hilf

Als selbständiger Teil der Forschungszentren der philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag wurde vor fast zwei Jahren das Boris-Nemzov-Zentrum gegründet, gefördert von der Boris-Nemzov-Stiftung für Freiheit mit Sitz in Deutschland. Stiftung und Zentrum tragen den Namen des Oppositionspolitikers, der im Frühjahr 2015 in Moskau ermordet worden ist, und will in seinem Sinne daran arbeiten, dass die Freiheit der Information und Bildung garantiert ist und dass europäische Werte und der Russisch-Deutsche Dialog gefördert werden. Der Preis, der alljährlich verliehen werden soll, geht an Personen des öffentlichen Lebens, die sich besonders engagieren für die Meinungsfreiheit und für die Hilfe für politisch, rassisch oder religiös Verfolgte.
Mitbegründet wurde es von seiner Tochter, der Journalistin Schanna Nemcova: Sie träume davon, eine solche Institution auch in Russland zu eröffnen, da dort aber die Forschungsfreiheit nicht gewährleistet sei, komme dem Zentrum in Prag große Bedeutung zu. So biete es einstweilen auch den russischen Akademikern eine Heimat, die zuhause in Schwierigkeiten geraten seien. Co-Direktor ist Alexander Morosow, Politikwissenschaftler und Publizist, der von 2008 bis 2013 regelmäßig für unabhängige Medien arbeitete, bis 2015 war er Chefredakteur des Online-Mediums „Russian Journal“.

 

Planungen für 2020
Friedensfest 1945 – 2020

 

Städtepartnerschaften sind in der Mehrzahl „Kinder“ des Friedensschlusses 1945 mit den ehemaligen Kriegsgegnern Deutschlands – so auch die Beziehung zu Welikij Nowgorod. Motiviert durch den NATO-Doppelbeschluss von 1979, dem der Deutsche Bundestag im Winter 1983 zustimmte, wuchs just damals der Wunsch in Bielefeld nach einer Freundschaft mit einer sowjetrussischen Stadt, damit „man nie wieder aufeinander schießen“ müsse.
In Erinnerung daran und im Bewusstsein, dass wir hier zwar jetzt Zeiten ohne Krieg erleben, während die Welt an vielen Orten brennt, real oder im Waffenfeuer, werden wir Anfang Oktober ein Friedensfest feiern und Frieden zu bauen üben.
Alle Bielefelder Städte- bzw. Projektpartnerschaften sind eingeladen teilzunehmen. Für die Initiatoren sind drei Grundsätze maßgeblich : Es sollen Gäste aus den Partnerstädten eingeladen werden, es sollen Begegnungen geplant werden, die über die Grenzen einer Partnerschaft hinausgehen, also mindestens drei verschiedene nationale Partner einbeziehen, und das Programm solle sich besonders an Jugendliche wenden.
Als zentraler Zeitpunkt ist festgelegt der 3./ 4. Oktober, wobei am 4.10. ein Festakt geplant ist. An diesen beiden Tagen ist der Große Ratssaal reserviert für diese Aktivitäten.
Workshops eröffnen das Fest am 3.10. und werden es auch am Anfang der Woche beschließen. Wer mit eigenen Ideen zur Gestaltung und zur Finanzierung beitragen möchte,
ist hochwillkommen!

Sommerreise 2020
Die Sommerreise haben wir Ihnen im Juni-Rundbrief angekündigt – zur Zeit nimmt sie konkrete Gestalt an. Manch einer unter Ihnen hat in der Vergangenheit den Klub junger Seeleute (KJuM) kennengelernt, eine Schule für seemännische Berufe, in der Jugendliche im Alter von 9 – 17 Jahren in ihrer Freizeit unterrichtet werden, bis sie gemeinsam selbständig ein Schiff führen können. Das wird in den langen Sommerferien-Monaten auf den klubeigenen Schiffen auch praktiziert. Im Jahre 1967 hat Kapitän Nikolaj Gennadiewitsch Waruchin diese Schule gegründet, die auf exemplarische Weise Kinder und Jugendliche mit Kompetenzen ausstattet, die es ihnen ermöglichen, Verantwortung für das eigene Leben und Überleben und das ihrer Gemeinschaft auf See zu übernehmen. Wer diese Schule absolviert hat, ist der nicht befähigt für das Leben in einer Demokratie?
Wir planen derzeit, uns von einem der Schulschiffe des KJuM in St. Petersburg abholen zu lassen. Hoffentlich führt der Wolchow dann mehr Wasser als im Sommer 2018 – die 2 1⁄2-tägige Schiffsreise wollen wir auch nutzen, um mit Nowgoroder Freunden an Bord neue Projekte auszutüfteln...

Anschließend werden wir in Welikij Nowgorod touristische Orte sowie partnerschaftlich bedeutsame Institutionen aufsuchen und uns mit den Bürgern der Partnerstadt austauschen. Das „Boot“ der Reisegruppe ist mit fast 30 Passagieren voll besetzt - und voller Vorfreude!


Demonstrationen 2012: Die gescheiterte Revolution – Äußerungen von Teilnehmern fünf Jahre danach


In Münster steht eine Ausstellung bereit, die dokumentiert, wie Teilnehmer an den Demonstrationen des Jahres 2012 diese Erfahrungen verarbeiten: Wir zitieren aus dem Ausstellungskatalog – in der Hoffnung, diese Ausstellung auch in Bielefeld noch zeigen zu können.


Ilya Budraitskis, Dozent, Schwerpunkt politische Theorie
Mit Blick auf den gesamten vorherigen Zeitraum der Entpolitisierung während der ersten beiden Amtszeiten Putins und der Regierung von Medwedew war das etwas völlig Außergewöhnliches. Damit deutete sich das Ende des Konsenses an, der bis dahin die Gesellschaft prägte. Es war eine von einer Minderheit organisierte Bewegung, die letztlich nicht den Übergang zur Mehrheitsbewegung schaffte.
... So oder so wird es dieses Regime in der Zukunft mit Massenprotesten zu tun bekommen. 2011 – 2012 war lediglich ein kurzlebiges geisterhaftes Phänomen, das sich in der Praxis noch offenbaren wird.

Elena Kostyuchenko, Journalistin der „Novaya Gazeta“, engagiert sich für die LGBT-Bewegung
... Ich arbeite seit 12 Jahren bei der Zeitung. Die ganzen Nullerjahre waren irgendwie sehr... 
Irgendwie waren alle zufrieden. In dem Sinn, dass es zum Leben gereicht hat, man musste sich nicht anstrengen und konnte trotzdem gut verdienen. Und plötzlich wurde es eng. Den Leuten schien es, dass man einfach nur den Wunsch zu äußern brauche, etwas mehr Luft zum Atmen zu bekommen, und mehr Wertschätzung oder noch etwas, was sich schnell ändern lässt. Die Leute wollten mehr Luft zum Atmen, wurden stattdessen aber auf ihre Plätze verwiesen.
... Ich wünsche mir, dass sich die nächsten Proteste auf bestimmte Ziele konzentrieren, auf das, was wir wirklich wollen, wofür wir bereit sind uns einzusetzen, um das zu erreichen, was wir wollen.


Denis Mustafin, Künstler, Regisseur
Das war eine echt interessante Zeit, kreativ... Denn wir haben unsere eigenen künstlerischen und politischen Aktionen in das ganze damalige Programm einfließen lassen und unsere eigene Tagesordnung, eine lokale, eingebracht.
Es gab recht schräge Momente, als Leute mit völlig unterschiedlichen, ziemlich radikalen Ansichten an einem Ort aufeinandertrafen. Dabei haben wir uns der Opposition nicht wirklich angeschlossen, aber zum damaligen Zeitpunkt gab es für uns im Großen und Ganzen einen gemeinsamen Feind, der uns das Leben schwermachte, logischerweise die Polizei. Das war eine spontan in der Stadt entstandene eigene Stadt. Also mit Maskerade und Protest und gleichzeitiger Analyse diese Protests an Ort und Stelle und der Suche nach irgendeiner Lösung. Bloß... wir haben es einfach nicht hinbekommen, das müssen wir zugeben.


Alexey Polikhovich, Korrespondent des Portals OVD-Info
Der Mai 2012 war wohl wie so ein kleines Jahr 1968. Es hatte noch gar nicht richtig angefangen, da war es auch schon wieder niedergeschlagen. Das war typisch für uns in Russland, für unsere Generation. Für mich endete es mit Gefängnis. Der „Bolotnaja-Fall“ ist einer der größten politischen Prozesse im heutigen Russland. Und ein Gefängnisaufenthalt ist wirklich eine schwierige Angelegenheit. Aber ich kann mich davon jetzt nicht distanzieren, ich kann nicht sagen, dass ich wollte, dass das alles nicht hätte sein sollen, weil mich das extrem stark verändert hat. Ich stehe auf diesem Fundament. Es ist Teil von mir.

 

 

Adressen der Vorstandsmitglieder

Dr. Manfred Dümmer, Heckstraße 16, 33609 Bielefeld, Tel. 325 385

Ulrich Eckert, Albertstr.10, 33649 Bielefeld, T. 9 467 120

Hans-Georg Fischer, Hagenkamp 44, 33609 Bielefeld, Tel. 330 233

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Dr. Gerlinde Günther-Boemke, Deppendorfer Straße 160, 33619 Bielefeld, Tel. 05 203 – 1 205

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Dr. William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Dr. Klaus Trillsch, Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930

Erika Weichert, Am Balgenstück 33b, 33611 Bielefeld, Tel. 83 731

 

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

www.bielefeld-welikijnowgorod.de

Brunhild Hilf - Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild Hilf und Rebecca Nußbaum

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld, IBAN DE93 4805 0161 0000 114041, BIC SPBIDE3BXXX


Download
Rundbrief Nr. 98 (Januar 2020).pdf
Adobe Acrobat Dokument 606.0 KB

Download
Rundbrief Nr. 97 (November 2019).pdf
Adobe Acrobat Dokument 276.1 KB

Download
Rundbrief Nr. 96 (Juni 2019).pdf
Adobe Acrobat Dokument 419.6 KB

Download
Rundbrief Nr. 95 (April 2019).pdf
Adobe Acrobat Dokument 690.4 KB

Download
Rundbrief Nr. 94 (Oktober 2018).pdf
Adobe Acrobat Dokument 294.1 KB

Download
Rundbrief Nr. 93 (Juni 2018).pdf
Adobe Acrobat Dokument 306.2 KB

Download
Rundbrief Nr. 92 (Januar 2018).pdf
Adobe Acrobat Dokument 308.3 KB

Download
Rundbrief Nr. 91 (Oktober 2017).pdf
Adobe Acrobat Dokument 413.2 KB

Download
Rundbrief Nr. 90 (März 2017).pdf
Adobe Acrobat Dokument 287.3 KB

Download
Rundbrief Nr. 89 (Dez. 2016).pdf
Adobe Acrobat Dokument 853.6 KB

Download
Rundbrief Nr. 88 (April 2016).pdf
Adobe Acrobat Dokument 365.4 KB

Download
Rundbrief Nr. 87 (Feb. 2016).pdf
Adobe Acrobat Dokument 382.5 KB


Download
Rundbrief Nr.86 November 2015.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.1 MB

Download
Rundbrief Nr. 85 April 2015.pdf
Adobe Acrobat Dokument 547.9 KB

Download
Rundbrief Nr. 84 Jan. 2015.pdf
Adobe Acrobat Dokument 276.4 KB

Download
Rundbrief Nr. 83 Okt. 2014.pdf
Adobe Acrobat Dokument 355.8 KB

Download
Rundbrief Nr. 82 (Mai 2014).pdf
Adobe Acrobat Dokument 344.2 KB

Download
Rundbrief Nr. 80a Oktober 2013.pdf
Adobe Acrobat Dokument 318.1 KB

Download
Rundbrief 80.pdf
Adobe Acrobat Dokument 319.0 KB

Download
Rundbrief 78.pdf
Adobe Acrobat Dokument 348.0 KB

Download
Rundbrief 77.pdf
Adobe Acrobat Dokument 642.1 KB

Download
Rundbrief 76.pdf
Adobe Acrobat Dokument 309.2 KB

Download
Rundbrief 75.pdf
Adobe Acrobat Dokument 338.1 KB

Download
Rundbrief 74.pdf
Adobe Acrobat Dokument 326.4 KB

Download
Rundbrief 73 S. 1-6.pdf
Adobe Acrobat Dokument 426.6 KB
Download
Rundbrief 73, S. 7-8.pdf
Adobe Acrobat Dokument 140.4 KB

Download
Rundbrief 72.pdf
Adobe Acrobat Dokument 479.6 KB

Download
Rundbrief 71.pdf
Adobe Acrobat Dokument 382.2 KB

Download
Rundbrief 70.pdf
Adobe Acrobat Dokument 328.6 KB

Download
Rundbrief Nr. 69.pdf
Adobe Acrobat Dokument 320.6 KB