Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e.V.


Einladung
zur Vortragsveranstaltung am Donnerstag, dem 8. Februar 2024 um 19 Uhr
im Raum 240 der Ravensberger Spinnerei:


Orthodoxie in Russland und in der Ukraine –
Ein spannungsvolles Miteinander in Bereicherung und Abgrenzung


In unserem Rundbrief vom Herbst 2022 hatten Bärbel und Ulrich Wehmann von der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im Spätsommer 2022 berichtet. Ausgehend von den Verwerfungen, die die proklamierte Autonomie der
Ukrainischen Orthodoxie in der weltweiten Orthodoxie nach sich gezogen hatte, war in dem Bericht auch die Rede von den verdeckten Verstimmungen, die die gleichzeitige Anwesenheit der Vertreter der russischen und der ukrainischen Orthodoxie mit sich brachte.


Wir wollen am Abend des 8.2. den Beziehungen zwischen der russischen und der ukrainischen Orthodoxie nachgehen und haben dazu die Historikerin Frau Dr. Nadezhda Beliakova eingeladen, eine ausgewiesene Spezialistin auf diesem Gebiet.


Sie floh mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Juni 2022 nach Deutschland, weil ihre Familie in Moskau wegen der Teilnahme an Antikriegsdemonstrationen bedroht wird. Die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde erkannte offiziell ihren Status als verfolgte Wissenschaftlerin an, die Humboldt-Stiftung fördert ihre Tätigkeit an der Universität Bielefeld im Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte.


Ihr Thema wird die Verflechtungsgeschichte zwischen dem ukrainischen und dem russischen Christentum sein. Nach einem historischen Rückblick wird sich Frau Dr. Beliakova im Wesentlichen dem 20. Jahrhundert widmen. Der atheistische Staat der UdSSR bekämpfte die Religiosität in der Bevölkerung und auch die immer wieder aufflammenden Unabhängigkeitsbestrebungen der Ukraine. Dennoch konnte die Ukraine nach dem 2. Weltkrieg eine fördernde Rolle für die personelle Versorgung der russischen orthodoxen Kirche spielen, Frau Dr. Beliakova wird dies beschreiben und erläutern.


Nach der Perestrojka haben wir bei Besuchen im Gebiet und in der Stadt Nowgorod erlebt, wie eine Kirche nach der anderen wieder „arbeiten“ durfte, wie also das kirchliche Leben wieder aufblühte. Wie und warum das ukrainische Christentum dann in einer radikalen Transformation mit dem Motto „Moskau ist uns keine Mutter, Rom kein Vater“ seine eigene Identität definierte, das wird uns Frau Dr. Beliakova in ihrem Vortrag erläutern.


Sie hält den Vortrag auf Deutsch und ist anschließend zum Gespräch mit uns bereit.


Wir freuen uns auf einen interessanten Abend.
Seien Sie herzlich willkommen!                                                                                                                  Für den Vorstand: Brunhild Hilf


Dr. Nadezhda Beliakova vor dem Nowgoroder Kreml

 

 

Unter der Redaktion von Frau Dr. Beliakova erschien im Sommer 2023 in London das Buch:
„Religious Life in the Late Soviet Union – From Survival to Revival“ (1960 – 1980).


Der Titel gibt einen Hinweis auf ihre Forschungsthemen: religiöser Aktivismus und kirchliche Diplomatie während des Kalten Krieges, Menschenrechte und Religionsfreiheit in den
sozialistischen Ländern Osteuropas, gelebte Religion  christlicher Gemeinschaften in der UdSSR, Geschlecht und Religion in der osteuropäischen Geschichte.


Aktuell befasst sie sich unter dem Titel „Geteiltes Deutschland und „verfolgte Christen im Osten“ mit Kommunikationsnetz-werken religiöser Aktivisten über den „Eisernen Vorhang“ hinaus während der 1970-er Jahre.


Studiert hat sie an der Staatlichen Lomonossow-Universität in Moskau, wo sie auch promoviert wurde. Zwölf Jahre lang

arbeitete sie anschließend am Institut für Weltgeschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften.

 

Forschungsaufenthalte führten sie nach Münster, Fribourg und Wien – und nun nach Bielefeld.


26.11.2023

Was sind unsere Vorhaben für diesen Winter?


Memorial, die unermüdliche und unsterbliche Organisation für Menschenrechte, hat eine neue Zentrale in Genf gegründet. Sie sammelt wie eh und je Dokumente zu Menschenrechtsverletzungen und bereitet die Herausgabe eines Buches vor, in dem die „Letzten Worte“ politisch Verurteilter vor Gericht publiziert werden – Zeugnisse von Unbeugsamkeit und der Liebe zur Wahrheit. Zusammen mit Amnesty international wollen wir dieses Buch vorstellen, sobald es erschienen ist. Zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember d.J. wird dies nicht mehr möglich sein.


Aus Essen, das mit der Stadt Nizhnij Nowgorod („Klein-Nowgorod“) partnerschaftlich verbunden ist, erfuhren wir, dass dort aktuell junge russische Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren konnten – warum sollte uns dies nicht auch möglich sein? Wir möchten es jedenfalls versuchen, haben mit den Organisatoren des Bethel-Jahres Kontakt aufgenommen und mit einer Deutsch-Dozentin der Universität in Welikij Nowgorod („Groß-Nowgorod“!): Im vergangenen Jahr konnte sie junge Deutsch-Studierende motivieren, an unserem Schreibwettbewerb teilzunehmen – nun versucht sie, mutige InteressentInnen für ein FSJ zu gewinnen. Wir hoffen, dass es gelingt und wir im Sommer 2024 junge russische FSJ-ler hier begrüßen können.


Eine nächste Mitgliederversammlung planen wir für Februar 2024: seit dem vergangenen Jahr arbeitet Frau Dr. Nadezhda Beliakova aus Moskau an der Universität Bielefeld an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie. Sie ist ausgewiesene Spezialistin für die Beziehungen zwischen der Russischen und der Ukrainischen Orthodoxie und wird uns dazu einen Vortrag halten.


Es soll im Dezember dazu noch ein Rundbrief verfasst werden – zusammen mit unseren Grüßen zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel.
Für den Vorstand: Brunhild Hilf


04.11.2023

Das Kuratorium weist besonders auf Filmvorführungen, Filmwochenenden, Podiumsdiskussionen und Lesungen im November 2023 und Januar 2024 der Deutsch-Russische Gesellschaft Münster e.V. hin. (siehe DRG-Rundbrief von Oktober 2023)

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Deutsch-Russische Gesellschaft Münster
DRG_Herbstrundbrief_10_2023.pdf
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Westfalenblatt vom 07. März 2023

Texte und Fotos aus des Westfalen-Blatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion."
(www.westfalen-blatt.de)

 


31.12.2022

Wir gratulieren Herrn Prof. Dr. Michail Pevzner zur Verleihung des Nationalpreises

„Professor des Jahres 2022“

Für die Region Nord-West wurde er im November
zusammen mit vier Kollegen der Petersburger Universität,
die andere Fachrichtungen vertreten, ausgezeichnet.
Es handelt sich um eine nichtstaatliche Würdigung,
die von der „Russischen Professorenversammlung“ vorgenommen wird.
Wir freuen uns mit ihm!

 

Über den nachfolgenden Link öffnet sich ein Video zum beruflichen Werdegang von Prof. Dr. Michail Pevzner – leider nur in russischer Sprache.

 

Den Link kopieren und im Browser öffnen.


https://disk.yandex.ru/d/VLQ0ZcGNPjxjuQ

 

Januar 2023

 

„Das heutige Kiew hinterlässt
einen seltsamen und bitteren Eindruck.
Nach wie vor außergewöhnlich ist
bei den Menschen die Liebe zum Leben –
Die Stadt hat eine große und
zählebige Seele. Von einem tiefen,
dreifachen Atem ist diese
ukrainisch-jüdisch–russische
Stadt durchdrungen...“
(Ossip Mandelstam 1922-27)

 


Dieses von tiefem Leid gebeugte Klageweib zeichnete Boris Nepomnjaschtschij,
er wurde 1945 in Kiew geboren, studierte in Odessa und wählte später Nowgorod zu seiner Heimat. 1993 zeigte er in der Universität Bielefeld seine altmeisterliche Kunst.


Liebe Mitglieder und Freunde der Städtepartnerschaft mit W.Nowgorod!
Wie der Charakter Kiews und das Leben dieses Zeichners betont die Vergabe des Friedensnobelpreises 2022 an drei regierungskritische zivilgesellschaftliche Organisationen aus Belarus, der Ukraine und Russland ihre geistige Verbundenheit – und dennoch zertritt dieser Bruderkrieg nun in grausamster Manier diese Bande.
Unsere Beziehungen zur Partnerstadt Welikij Nowgorod tasten sich auf dünnem Eise weiter, offiziell ruhen sie, und dennoch leisteten beide Stadtverwaltungen ihren Beitrag zu einem Friedensbuch, das die Aquarelle eines deutschen und eines russischen Künstlers aus Kriegs- und Nachkriegszeit vereint. Sehr froh sind wir auch über die Teilnahme von Deutsch-Studierenden der Universität Nowgorod an unserem Schreibwettbewerb mitten in den ersten Kriegswochen, die Verbindung zu ihnen und ihren überaus engagierten Dozenten ist eine Brücke in düsterer Zeit. Denn es wird im Frühjahr 2023 eine Fortsetzung geben.
So gehen wir mit Ihnen in ein neues Jahr und hoffen auf friedlichere Zeiten dort; wir danken Ihnen/ Euch für Ihre/ Eure Begleitung auf diesem Weg und wünschen uns allen gesegnete Festtage!


Für das Kuratorium: Brunhild Hilf

 

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18.09.2022

Das Aquarellbuch als Friedensgespräch in einer heillosen Zeit

 

Die Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Welikij Nowgorod ist Teil einer von Deutschen und Russen gemeinsam geleisteten Arbeit der Verständigung und Versöhnung nach der Katastrophe, die von deutschem Boden ausgegangen war.
Der nun vom Moskauer Regime Ende Februar begangene und noch anhaltende Tabubruch in der Friedensordnung Europas beschädigt dieses Friedenswerk. Aber wir bewahren es in Erinnerung für die Zeit, die danach kommen wird, denn es bleibt Beispiel und Vorbild.

 

Dieses Buch, das das fiktive Gespräch zweier Maler über die Gräben des Zweiten Weltkrieges hinweg dokumentiert, soll uns dabei helfen:

  • der deutsche Künstler beklagt in seinen Bildern die Zerstörung, die der deutsche Überfall auf die UdSSR in Nowgorod anrichtete,
  • der russische Künstler feiert die Wiederauferstehung der alten Stadt nach dem Friedensschluss im Mai 1945.

Ihre Malweise ist ähnlich, es ist das Bekenntnis zur Aufgabe des Chronisten, der wirklichkeitsgetreu wiedergibt, was er sieht und erlebt. Beide sind Zeitzeugen. Im Jahre 2016 kam es zur Begegnung ihrer Bilder im Museum in Welikij Nowgorod bei einer gemeinsamen Ausstellung:

Ihre Werke konnten stellvertretend als „Kinder“ der Künstler im Rahmen der Städtepartnerschaft ein Friedensgespräch miteinander beginnen – diesen Dialog dokumentiert dieses Buch – in beiden Sprachen.

Als reales Friedensgespräch ist das Buch auch ein Beweis dafür, dass sowohl freundschaftliche als auch gesellschaftliche Verbindungen in dieser Zeit aufrecht erhalten bleiben, an die wieder angeknüpft werden kann nach dem Krieg.

 

Für das Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld Welikij Nowgorod e.V. Brunhild Hilf

im Sommer 2022


Bei Interesse an dem Aquarell-Buch (15 € plus ggf. Versandkosten)
nehmen Sie bitte per E-Mail Kontakt auf mit Frau Brunhild Hilf
unter bhilf@gmx.de oder telefonisch unter 0521 / 889282.