21.06.2022

EINLADUNG

zum Öffentlichen Vortrag

am Mittwoch, dem 29. Juni 2022 um 19 Uhr

Prof. Dr. Frank Grüner (Universität Bielefeld)

 

Die Auswirkungen des Krieges

auf die russische (Zivil-) Gesellschaft

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

von links:
Uli Eckert, Brunhild Hilf, Felix Jaitner


Zusammenfassung des Vortrages von Felix Jaitner:

 

Dr. Felix Jaitner, Politikwissenschaftler und Bereichsleiter Klima & Umwelt im Deutsch-Russischen Austausch (DRA) in Berlin, referiert mit einer Präsentation zur „Klima- und Umweltpolitik Russlands“.

 

Der DRA, der sich für den fachgeschützten Austausch und mit Projekten im Bereich Soziales und Umwelt mit und in Belarus, der Ukraine und Zentralasien, bes. aber mit und in Russland eingesetzt hat, ist seit Mai 2021 in Russland verboten. Ziel war und ist eine nachhaltige Entwicklung in den genannten Ländern. Herr Dr. Jaitner merkt zu Beginn seines Vortrags an, dass aufgrund der Isolierung der politischen Elite, der nicht vorhandenen Transparenz Entscheidungsprozesse in Russland für Menschen/Journalisten und Wissenschaftler kaum durchschaubar seien. Er spricht von einer sog. „Kremlastrologie“.

 

Anhand konkreter Beispiele des Umweltverhaltens von Firmen in Russland v.a. im Rohstoffsektor werden die Probleme in der Klima- und Umweltpolitik Russlands aufgezeigt. Die Rohstoffwirtschaft in Russland ist seit der Wende und der damit einhergehenden Privatisierung zugunsten von Oligarchen voll in den kapitalistischen Weltmarkt eingebunden. „Gesetz und Ordnung sind privatisiert“. Es gibt eine enge Verbindung von Staat und Wirtschaft. Z.T. riesige Gewinne werden nicht oder kaum in Umweltmaßnahmen investiert. Aber Rohstoffe jeder Art sind die Säule der russischen Wirtschaft und der Finanzierung des russischen Staates. 20 % des BIP machen die fossilen Energierohstoffe Kohle, Gas und Öl aus. 55 % der fossilen Energieträger-Exporte gehen in den Westen. Die Förderung verlagert sich von West- nach Ost-Sibirien und Offshore im Norden. Sie war und ist mit einer hohen Umweltverschmutzung in der Produktion und einem hohen Klimagas-Ausstoß verbunden.

 

Es gibt nur geringe Investitionen in Bildung und Forschung. Industriell mit führend ist Russland nur im Bereich Atomenergie-Technik und Rüstung. Beides wird weltweit exportiert.

 

Zuständig für den Klima- und Umweltschutz ist das Ministerium für Rohstoffförderung und Umweltschutz. Mit dem Ende der demokratischen Entwicklung in Russland 1993 wurde das Umweltrecht marginalisiert und privatisiert. Kontrollaufgaben wurden weitgehend der Privat-Wirtschaft übertragen. Dies lässt kaum Raum für Klima- und Umweltschutz.

Die Konsequenz: der Temperaturanstieg in Russland ist 2,5 x höher als im globalen Durchschnitt.

 

Die russische Umweltbewegung ist jung und kommunal verankert. Die Klima- und Umweltbedrohung ist durchaus – auch bedingt durch die Ereignisse wie großflächige Waldbrände, Auftauen der Permafrostböden unter gleichzeitiger Freisetzung von klimaschädlichem Methan-Gas, Verschmutzung von Böden und Gewässern aufgrund von Unfällen sowie Emissionen von Abgasen und Abwasser – bei den Russen*innen angekommen. Proteste gerade in den Großstädten werden von der Staatsmacht aber systematisch unterdrückt.

 

Es stellt sich die Kernfrage: Wie kann man Russland statt zu isolieren integrieren? Ohne Russland wird der Klimaschutz weltweit nicht erfolgreich sein, die Klimaziele nicht erreicht werden können – unabhängig von dem entsprechenden politischen System. Dr. Jaitner betont die Verantwortung der Käufer der russischen Rohstoffe und hier bes. auch Deutschlands, die erheblich mehr Druck auf Politik und Wirtschaft in Russland ausüben müssen. Zumal das Zeitfenster für mögliche Klimaschutz-Maßnahmen nur noch für ca. 10 Jahre offen steht.

 

Frau Hilf weist abschließend darauf hin, dass Dr. Jaitner das Vortrags-Honorar für Projekte des DRA – Eco-Action zur Beseitigung von Umwelt-Belastungen durch Kampfhandlungen in der Ukraine und Unterstützung von Einrichtungen für Binnenflüchtlinge in der Ukraine – zur Verfügung stellt.

 

Bielefeld, 23.05.2022

Dr. M. Dümmer/ B. Hilf

 

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 21.05.2022

Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod *e.V.

                                                                                                   ( * Abkürzung im Folgenden : WN)

 

Jahresbericht 2021

 

Es gab eine einzige Mitgliederversammlung:

Am 30. 09. sprach Dr. Anke Giesen vom Vorstand MEMORIAL Deutschland über „Zivilgesellschaftliche Protestbewegungen in Russland“. An dem Termin fand auch die doppelte Jahreshauptversammlung 2019 und 2020 statt.

 

Die Gestaltung unserer Aktivitäten im Verlauf des Jahres war - wie bereits ab März 2020 - geprägt von den wechselnden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, so dass vor allem die so wichtigen realen Begegnungen mit Bürgern der Partnerstadt fast gänzlich entfielen – eine zunehmend schmerzhafte Lücke. Andere Projekte erfuhren wichtige Veränderungen.

 

Verändert wurde so ein Projekt, das im Sommer 2020 von der Universität in WN vorgeschlagen worden war als digitale Begegnungsplattform zwischen jungen Men­schen in WN und Bi. Nach der Ablehnung durch das GOETHE-Institut konnte in ge­meinsamer Anstrengung ein modifiziertes Konzept entstehen, das im Wintersemester 2021/ 2022 in das Studienprogramm der Universität in WN für Deutschlernende Ein­gang fand – nun als BiNow-Projekt.

Unsere Kooperationspartner sind außer der Universität in WN die hiesige Universität und die Fachhochschule, das Rudolf-Rempel-Berufskolleg, das Ceciliengymnasium, das Theater Bielefeld und diverse Einzelpersonen.

Daraus ist die Idee hervorgegangen, für die Deutschlernenden in Schulen und in der Universität in WN einen Schreibwettbewerb zu veranstalten, der im Februar 2022 startete.Einsendeschluss ist der 30.04.22 : wir sind gespannt auf die Texte!

 

Im Vorstand haben wir uns 5 Mal digital und 3 mal real getroffen und über Vieles nachgedacht und diskutiert und Neues geplant.

Es wurden zwei Rundbriefe verfasst und versandt: im Mai und im September.

Reiseplanungen haben wir angesichts der Fortdauer der Pandemie und der niedri­gen Impfzahlen in Russland verworfen. Auch eine Teilnahme an der Städtepartner­schaftskonferenz in Kaluga im Juni kam aus diesem Grunde weder für Vertreter der Stadt Bielefeld noch für uns in Frage. Die Aktivitäten des Deutsch-Russischen Fo­rums, die diese Konferenzen planen, sind im Frühjahr d.J. ausgesetzt worden, so dass auch die kommende Veranstaltung in Essen im Sommer 2023 fraglich er­scheint.

Auch die Partnerschaft zwischen Dr. Trillsch und der Gynäkologie in WN pausiert.

Immerhin konnte ein Beitrag zur Festschrift zum 70. Geburtstag des Prof. Dr. Dr. h. c. Michail Pevzner verfasst werden, er ist ein Pionier der Städtepartnerschaft mit dem Schwerpunkt auf der Hochschulkooperation – aber immer mit wachem Blick für das, was rundum dazu gehört.

 

Im Juni jährte sich der deutsche Überfall auf die UdSSR zum 80. Mal, wir haben vergebliche Anstrengungen unternommen, diverse regionale und überregionale Medien dazu zu bewegen, über die vielen friedenspolitischen Aktivitäten des Kura­toriums zu berichten – der weit verbreitete event - Journalismus möchte Reales sehen und nur darüber Bericht erstatten. Das wird dauern.

Mitte November endlich konnte die Arbeit am Buchprojekt neu starten, das die Aquarelle des deutschen Malers Gottfried Gruner und des russischen Kollegen Semjon Pustovojtov vereint. Hindernisse waren der fehlende Vertrag für die Ver­wendung der Bilder des Herrn Pustovojtov und dann die pandemiebedingten Einschränkungen für das redaktionelle Zusammenwirken. Aber nun bestehen klare Hoffnungen auf die Fertigstellung im Sommer 2022.

 

Die „Radio-Brücke“, die regelmäßige Erzählung von unseren politischen, alltäglichen oder zivilgesellschaftlichen Erfahrungen für das lokale Radio Slavia und deren direkte Sendung wurde fortgesetzt, ihre Funktion ist das Kennenlernen unseres Alltags und der Anstoß zur Reflexion der eigenen Lebensumstände.

Es gab vom Rathaus ausgehend keine Sitzung der Partnerschaftskommission.

Mangels realer Begegnungen ist die homepage aufgewertet worden durch regel­mäßige Aktualisierungen.

 

PLANUNG & PROGRAMM 2022:

 

Zutiefst erschütterte uns Ende Februar der durch nichts zu rechtfertigende Angriff russischer Streitkräfte auf die Ukraine. Dieser Bruderkrieg fordert unzählbare Opfer in beiden Armeen und in der Zivilbevölkerung der Ukraine, Ängste und Leiden unter vielen Menschen. Eine Kluft der Entfremdung und des Hasses entstand zwischen einander nahestehenden Menschen. Für eine Zeitlang ruhen in manchen Städtepartnerschaften offizielle Kontakte. In unserer zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit aber haben wir erlebt, welche Bereicherung Menschen erfahren, die sich Fremden nähern, wie so wahrer und belastbarer Frieden entsteht – ein großer Schatz.

Wir wollen ihn hüten und weiter nähren – in der Hoffnung, dass dieser Weg auch in Zukunft eine Grundlage für das Zusammenleben in Europa sein wird.

 

Jahreshauptversammlung am 19.05.2022 mit Felix Jaitner, dem Bereichsleiter Klima und Umwelt beim Deutsch-russischen Austausch.

 

Fertigstellung des Aquarell-Buches : Gruner und Pustovojtov – Kriegsgegner und Brüder in der Kunst.

 

Weitere Kooperationen und gemeinsame Veranstaltungen sind im Gespräch mit dem Lehrstuhlinhaber für Osteuropäische Geschichte der Universität Bielefeld Prof. Dr. Frank Grüner, mit Johann Saathoff, dem Russland-Beauftragten der Bundesregie­rung u.a..

 

Fortsetzung der Kooperationen und langfristigen Projekte:

Planung einer Bürgerreise im Sommer 2023 mit einer Rückkehr der Goldenen Schale aus der im Krieg zerstörten Kuppel der Sophienkathedrale.

 

Unterstützung eines Denkmals für Opfer der Wehrmacht in einem psychiatrischen Krankenhaus in WN im 2. Weltkrieg.

Gehaltscent, Radio-Brücke, Zusammenarbeit mit „Novyj gorod“, mit dem „Sternenha­fen“ in WN u.a.

 

Brunhild Hilf

www.bielefeld-welikijnowgorod.de

(Stand: 01.05.2022)

 

 


Wir wollen über dem Krieg in der Ukraine das andere, nicht minder wichtige Thema unserer Zeit nicht vergessen und haben deshalb für die


Jahreshauptversammlung Felix Jaitner eingeladen,


den zuständigen Bereichsleiter für Umwelt- und Klimaschutz im Deutsch-Russischen Austausch (dra), der Erfahrung mit solchen Projekten in Russland gemacht hat. Der dra ist – wie etliche andere – im letzten Jahr zur unerwünschten Organisation erklärt worden.

Wir laden Sie daher für den 19. Mai 2022 in den Rochdale Saal des Alten Rathauses ein!