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Jahrgang
Nr. 64 / Juni 2008
RUNDBRIEF Nr. 63 / Februar 2008
Sehr
verehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods !
Wir
laden Sie herzlich ein zur öffentlichen Jahreshauptversammlung
am Montag,
dem 25. Februar 2008 um 20 Uhr
im
Raum 240 der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1
Gern verbinden wir das
Berichten und Nachdenken über unsere Tätigkeit mit der Einladung an einen
Referenten, der unsere Kenntnisse über Russland erweitert. Das ist auch diesmal
geschehen, aber voraussichtlich werden gesundheitliche Probleme sein Kommen
verhindern. Ob wir so kurzfristig Ersatz finden, kann ich heute noch nicht
sagen.
Tagesordnung: 1.
Jahresberichte
1.1 Bericht der Vorsitzenden
1.2
Bericht des Kassenwarts
1.3 Stellungnahme und Entlastung durch die
Rechnungsprüfer
1.4 Aussprache über die Arbeit des Kuratoriums
1.5 Entlastung des Vorstands
2. Wahl neuer Vorstandsmitglieder
Da zwei
Mitglieder aus dem jetzigen Vorstand ausscheiden,
müssen wir wählen:
a)
Wahl eines Kassenwarts
b) Wahl eines Schriftführers
c) Nachwahl von zwei Beisitzern
d) außerdem Nachwahl eines
Kassenprüfers
3. Neuaufnahmen
4. Weitere Themen für den Abend sind
bei
Redaktionsschluss des Rundbriefes noch offen.
Ich wünsche uns allen
trotzdem einen interessanten Abend
und freue mich auf Ihre
Teilnahme.
Brunhild
Hilf
Iwan Normalverbraucher in
Putins Wirtschaftswunderland
Folgender Auszug aus einem Brief eines Teilnehmers an den
Welikij-Nowgorod-Tagen im Oktober enthält interessante Einblicke in die
täglichen Sorgen eines „Iwan-Normalverbrauchers“ im heutigen Russland. (Anmerkung: 1 Rubel = € 0,028, € 1 = 35,85 Rubel.)
[...]
Ich denke, es wird für Dich nicht uninteressant sein, eine wahrhaftige Auskunft
über unser Alltagsleben zu erhalten.
Das, was Putin und seine Mannschaft unaufhörlich über das
„wirtschaftliche Wachstum“ im Lande und über den gesteigerten Lebensstandard
der Menschen sagen, ist eine absolute Lüge. Sie verwenden den berüchtigten
sowjetischen Begriff „im Durchschnitt“, d.h. irgendwelche 3% der Bevölkerung
(die Oligarchen) haben ein Vermögen von Dutzenden von Milliarden, während
gewöhnliche Sterbliche (wie ich), die viel arbeiten für die paar Groschen,
keinerlei Vermögen besitzen und gar nichts auf der Bank haben (ich z.B. habe
300 Rubel auf dem Konto) – alles wird restlos fürs Essen und fürs Leben gebraucht,
zum Sparen bleibt nichts übrig. Ja, dann
werden ihre Milliarden mit unseren Kopeken addiert und durch alle geteilt – und
siehe da, „im Durchschnitt“ geht es allen besser.
Die
Renten und Gehälter werden schon zweimal
im Jahr um 200 oder 300 Rubel erhöht, aber diese Zulagen wiegen keineswegs die
in kosmische Höhen schießenden Preise auf. Jetzt im Oktober, als wir in
Bielefeld waren, stiegen die Preise insbesondere für Milchwaren, aber auch für
vieles andere, was der Mensch jeden Tag braucht, um das Zweifache, sodass jetzt
Käse, Butter, Milch, saure Sahne und Brot Luxusartikel sind, von Eiern ganz zu
schweigen. Ich esse gerne Käse, und früher hatte ich für gewöhnlich 2-3 Sorten
im Kühlschrank. Jetzt habe ich eine, und die nicht regelmäßig. Schon seit drei
Wochen habe ich keinen Käse, ich möchte welchen kaufen, aber im Geschäft kann
ich ihn nur angucken. Eier waren für mich immer das Verlegenheitsgericht - du
kommst spät und müde nach Hause, hast keine Zeit zum Kochen, und ein Rührei ist
die Rettung, aber jetzt sind auch Eier ein seltener Gast im Hause. Oder saure
Sahne – ich habe sie immer im großen Becher gekauft, bis Oktober für 26 Rubel,
jetzt kostet sie 47. Und so weiter und so fort. Und das nennt Putin
Wirtschaftswachstum! Ja, natürlich, die da oben haben diesen Preissprung im
Oktober nicht gemerkt, und sie unternehmen nichts, um die unverschämten
„businessmen“ auf dem Markt zu bändigen
[...]
Wasja Rotsel
Gehaltscent für Welikij Nowgorod
Seit 1969
verzichten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung Bielefeld auf
den Teil ihres Gehaltes, der hinter dem Komma steht, um dieses Geld sozialen
Projekten, notleidenden Menschen, vor allem in Bielefelds Partnerstädten,
zukommen zu lassen. 2007 und 2008 fließt dieser Gehaltscent nach Esteli in
Nicaragua und nach Welikij Nowgorod.
Etliche
Jahre konnten wir mit Spendengeldern Kinderheime, Kindergärten, Einrichtungen
für Behinderte, Programme zur Suchtprophylaxe u.ä. unterstützen. Das Geld ging
in kleinen Summen an uns persönlich bekannte
Menschen, so dass wir sicher waren, dass es unmittelbar seinen Zweck erfüllt.
Dieser Spendentopf war 2007 leer, so dass der Gehaltscent, der jeweils am Ende
eines Jahres zusammengerechnet und ausbezahlt wird, uns hoch willkommen ist.
Wir werden in einem der nächsten Rundbriefe über die Verwendung Genaueres
berichten.
Die Ballons flogen noch über den Genfer See hinaus
Am
8. Januar ist die bisher letzte Postkarte von unserer Luftballonaktion bei den
Welikij Nowgoroder Tagen zurückgekommen; in einem Weinberg in Guldental wurde
sie gefunden. Damit sind jetzt 34 der Karten wieder nach Bielefeld geschickt
worden. Nicht alle haben damals eine Karte an ihren Ballon gebunden, so können
wir nicht genau sagen, wie hoch der Prozentsatz ist.
Eigentlich
ist es logisch, aber ich habe mich doch gewundert: Wenn man ein Lineal auf eine
Landkarte legt, von Bielefeld zum Genfer See und etwas darüber hinaus, kann man
genau sehen, in welchen Gebieten unsere Karten gefunden wurden, in Deutschland,
in Frankreich und in der Schweiz. Der weiteste Ballon erreichte das Gebiet von
Savoyen, in der Nähe der italienischen Grenze. Manche Finder haben auch einige
persönliche Worte dazu geschrieben. Ein Beispiel: „Hallo Marija! Wir haben
Deinen Ballon am 20.10.07 in Sechshelden im Wald gefunden. Der Sturm Kyrill
hatte an dieser Stelle ganz viele Bäume gefällt, so dass der Weg versperrt war
und wir über ganz viele Bäume klettern mussten. Dort fanden wir Deine Karte –
Viele Grüße!“
Wir
freuen uns über die Rückmeldungen und den Erfolg der Aktion.
Dietrich Becker
Deutscher Chor der Bilingualen Pädagogischen Fakultät Welikij Nowgorod
An
der Universität in Welikij Nowgorod wird altes deutsches Liedgut gepflegt –
vornehmlich mit der Absicht, die Kenntnisse der deutschen Sprache zu fördern.
Die Chorsänger möchten ihre Sprachkenntnisse gerne auch einmal hier im Lande
erproben und werden daher voraussichtlich Ende April für eine Woche hier sein.
In diesem Zusammenhang werden wir versuchen, einen Nowgorod-Treff zu
organisieren: ein zwangloses Zusammensein mit ihnen zum Austausch von Erfahrungen. Der Chor ist wohl auch
bereit, z. B. in Altersheimen aufzutreten.
Wieder runde Geburtstage zu feiern
20
Jahre alt wurde die offizielle Städtepartnerschaft mit Welikij Nowgorod im vergangenen Jahr – ein großes Fest zur
Freude darüber haben wir veranstaltet. Nun wird es im Dezember 2008 25 Jahre
her sein, dass der Wunsch geboren wurde mit einer sowjetischen Stadt in Kontakt
zu treten, um Begegnungen zwischen den ehemaligen Feinden, den Deutschen und
den Russen, zu ermöglichen, damit der Friede dauerhaft werde.
Im September 2009
wird dann das Kuratorium 25 Jahre alt, das sich dieser Idee annahm und sie
binnen 2 Jahren so erfolgreich vertrat, dass am 17. 9. 1987 die Unterschriften
der beiden Bürgermeister unter den Partnerschaftsvertrag gesetzt wurden.
Sie
dürfen sich gerne mit Ideen, wie dies zu feiern sei, beteiligen!
Brunhild Hilf
„Das Schaudern vor dem Bösen ist
die höchste Form der Moralität“
Im
Herbst 1991 würdigte die Stadt Nowgorod einen ihrer ausdrucksstärksten Bürger
mit einer ersten Werkschau seiner Bilder: Dmitrij Sergeewitsch Kondratjew.
Seine gekrümmten Bauerngestalten, vom Leid gebeugt, seine alarmierend Posaune
blasenden Unruhe-Engel, seine suchenden Vögel und geflügelten Pferde, seine
bitteren ländlichen Genreszenen mit Brot, Tisch, Schaufel, Kreuz, Samowar: dem
Grunde der russischen Volkskunst entstiegen – und doch so ganz anders: nicht
demütig – schlicht – beschaulich, sondern rebellisch, entsetzt angesichts des
roten Rades der Unterdrückung, mit Abscheu sich abwendend vom Stier der Gewalt.
Expressiv in Farbgebung und Körpersprache. Der Bitte um einen Kontakt folgte
die Einladung
ins Atelier des Malers: stolz zeigt er dort
Bild um Bild, lässt sich ein auf ein Gespräch, erklärt, freut sich über
Deutungsversuche, scharfsinnig und spottlustig spricht er über die alltäglichen
gesellschaftlichen Erfahrungen, die zu seinen Darstellungen führen. Die
Sprachlosigkeit angesichts der Ungeheuerlichkeit der Unterdrückung durch den
Sowjetstaat setzt er um in Bilder, auf denen Unbeugsamkeit und seelische Stärke
sich dem Machtwillen widersetzen. „Das Schaudern vor dem Bösen ist die höchste
Form der Moralität“ – ein Motto seines Lebens. Im
Winter 1993/94 zeigte das ZiF der Universität Bielefeld eine große Auswahl
seiner bildnerischen Fragen und Antworten. 10 Monate vor Vollendung seines 80.
Lebensjahres ist Dmitrij Sergeewitsch Kondratjew am 16.
Januar 2008 gestorben.
Brunhild
Hilf
„Größte Härte“
In
diesen Tagen erinnern die Zeitungen uns daran, dass genau vor 65 Jahren in
Stalingrad die Kriegswende an der Ostfront eintrat. Den Anfang dieses Krieges
dokumentiert die Ausstellung „Größte Härte“, die bis zum 16. März im
Historischen Saal der VHS (RaSpi) zu sehen ist und begleitet wird von
zahlreichen Veranstaltungen verschiedenster beteiligter Institutionen:
Vorträge, Lesungen, Filme lassen tiefe Einblicke zu in menschliche Schicksale,
die im weitesten Sinne vom Krieg in Osteuropa betroffen waren. Ich möchte Ihnen
dieses Programm sehr ans Herz legen.
Brunhild
Hilf
Die
Adressen unseres Vorstands
Christel Franzen, Kupferheide 39a,
33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Kirsten
Hartmann, Huberstraße 24, 33 607 Bielefeld, Tel.1369 528
Brunhild
Hilf, Schelpsheide 12, 33 613 Bielefeld, Tel. 889 282
Werner Matthes, Babenhauser Str. 30, 33619
Bielefeld, Tel. 892 364
William
Rotsel, Spandauer Allee 16, 33 619 Bielefeld, Tel. 105 668
Armin
Sachse, Tuchstraße 19, 33 699 Bielefeld,
Tel. 200 898
Ulrike von Savigny, Auf der Hufe
23, 33613 Bielefeld, Tel. 886 414
Michael
Schräder, Leiblstr. 99, 33 615 Bielefeld, Tel. 882 909
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e V.
Brunhild Hilf – Schelpsheide
12 – 33613 Bielefeld
Redaktion: Brunhild Hilf
Konto des Kuratoriums Sparkasse
Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto. Nr.
114041
Zum Rundbrief Nr. 62 vom November 2007
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