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27. Jahrgang
Nr.74/November 2011
Sehr verehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods,
Hiermit lade ich Sie ein zur
öffentlichen Mitgliederversammlung am
Montag, dem 14.11.2011 um 20 h
in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei
(VHS) im Ravensberger Park 1
Unsere Vorstellungen von Russland werden geprägt von
Erfahrungen, die wir mit russischen Menschen machen oder gemacht haben. Dies
können Kontakte in der ehemaligen Sowjetunion sein, im heutigen Russland – aber
auch Begegnungen mit Spätaussiedlern, mit Menschen deutscher Herkunft,
die aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu uns gekommen sind.
Auch in Bielefeld bilden sie eine bedeutsame Gruppe, deren Integration von
städtischen Ämtern und Wohlfahrtsorganisationen gefördert wird.
Beim DRK in Bielefeld ist es Frau Tatjana
Trembatsch, die lange Jahre selber Projekte für Übersiedler betreut und
Ehrenamtliche für diese Arbeit ausgebildet hat und auch weiterhin in der
Beratung von Spätaussiedlern tätig ist. Sie wird an diesem Abend von ihrer
Arbeit berichten: von den spezifischen Hürden, die von Spätaussiedlern genommen
werden müssen, um sich hier einzuleben, von ihren Erfahrungen mit unserer
Lebensrealität und davon, wie wir sie unterstützen können auf ihrem Weg in das
Heimischwerden in ihrer alten neuen Heimat.
Herzlich willkommen!
Brunhild Hilf
Unser Jubiläum
Der Vertrag der Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Welikij
Nowgorod wurde am 17. September 1987 feierlich unterzeichnet. Eine mehrköpfige
Delegation war angereist und der festliche Akt im Rathaus konnte von der
Bielefelder Öffentlichkeit beobachtet werden.
2012, 25
Jahre später, möchten wir diesen Geburtstag gern wieder mit russischen
Gästen feiern. Über das Jahr verteilt wird es etliche Gelegenheiten geben, bei
denen die Bielefelder Bürger russische Kunst und Kultur aus dem Gebiet Nowgorod
hier erleben.
Den Auftakt
wird eine Fotoausstellung bilden: vom ersten bis vierten Advent werden
in der Neustädter Marienkirche wunderbare großformatige Fotografien zu sehen
sein von
den Szenen,
die ein Meister aus Magdeburg in Bronze gestaltet hat und die die Festtagspforte
der Sophienkathedrale in Welikij Nowgorod schmücken. Sie sollen die
adventliche Erwartung begleiten und gleichzeitig die Tür öffnen für das Jubiläumsjahr.
Schwester
Carola, Oberin des Bielefelder
Ursulinenkonvents, wird nach dem Gottesdienst am ersten Advent um 11:30 Uhr die
Ausstellung einführend eröffnen.
Mitte März wird für zwei Wochen Dr. Wladimir Jarisch
hier sein: er hat sich wissenschaftlich mit der Kulturgeschichte des Birkenrindenhandwerks
befasst, das rund um den Globus in vielen nördlichen Ländern den Alltag der
bäuerlichen Bevölkerung geprägt hat. In der VHS wird er an drei Nachmittagen
einen Birkenflecht-Kurs anbieten: am 10., 13. und 14. März.
Im
Jubiläumsmonat wird ein Orchester hier zum Fest aufspielen, das vorher
in Welikij Nowgorod die Feierlichkeiten zum 1150-jährigen Jubiläum der
Staatsgründung Russlands begleiten darf: das Orchester der russischen
Volksinstrumente namens Babanov unter der Leitung von Vitalij Beljaev. Mit
Instrumenten wie Dombra, Gusli, Balalajka musizieren sie klassische, moderne
und volkstümliche europäische Weisen.
Von Nikolaj
M. Lokot´kov haben wir Ihnen im letzten Rundbrief berichtet. Nach wie vor
hoffen wir, dass er mit seinen Bildern 2012 persönlich nach Bielefeld kommen
wird. Zurzeit werden im Desjatinnyj-Kloster in Welikij Nowgorod seine Bilder
ausgestellt, die eine große Bandbreite seines Schaffens verraten: große
Farbflächen, ausdrucksstarke Gestik, satirischer Witz. Er hat sich über unsere
Einladung an ihn nach Bielefeld gefreut und wird Kostproben seines vielfältigen
Schaffens mitbringen. Bei Gesprächen zwischen ihm und den Bielefelder Schülern
und Schülerinnen, die im September seine Ausstellung besuchten, wurde sein
pädagogisches Talent deutlich: es schlägt sich nieder in einer Kunstzeitschrift
für Kinder von hoher Qualität. Zwei bedeutende russische Preise hat er für sein
Wirken erhalten.
Zu einseitig
würde das Jubiläumsjahr, wenn die Reisebewegung nur in einer Richtung erfolgt:
im Herbst soll eine Reise nach Welikij Nowgorod stattfinden. Bei Dr. M.
Schräder (Tel. 882
909) entsteht
derzeit eine Liste mit Interessenten: für eine Woche im September oder Oktober
– so ist der Plan.
Für alle
diese Projekte werden Orte und Termine noch rechtzeitig bekannt gegeben – wir
hoffen auf reges Interesse und freuen uns auf vielfältigen Genuss!
B. Hilf
Neues aus der Nowgoroder Presse
Sinn dieser
Rubrik, die nun zum sechsten Mal im Rundbrief erscheint, ist es nicht, nur
Lokalnachrichten aus Welikij Nowgorod in deutscher Sprache bekannt zu machen,
sondern vielmehr Themen aufzugreifen, die von gesamtrussischem Interesse sind,
aber auch in unserer Partnerstadt Aktualität besitzen: Auch in Nowgorod übt die
kirchliche Hierarchie Druck auf die Politik aus (Schließung des Restaurants
„Detinez“ im Kreml), auch hier (sowie in Poughkeepsie/New York, Darmstadt oder
Perugia) werden fragwürdige Gerichtsurteile gefällt (die „Nowgoroder Affäre“ –
siehe Rundbrief Nr.73), auch unbotmäßige Unternehmer aus Nowgorod landen im
Gefängnis (Wladimir Fjodorow von der Firma „Splav“). Es kann sein, dass auch
künftig solche kritischen Blicke auf das Geschehen in der Stadt am Wolchow-Fluß
geworfen werden.
Die
Turbulenzen um die Firma „Splav“ haben sich anscheinend noch lange nicht
gelegt. Wie in den Rundbriefen Nr. 70, 71 und 72 berichtet, ist „Splav“
(russisch „Legierung“) ein Hersteller von Ausrüstung für die Atomindustrie und
einer der größten privaten Arbeitgeber Welikij Nowgorods. Auf den Leiter und
Hauptaktionär Wladimir Fjodorow, der die Firma maßgeblich in der
nachsowjetischen Zeit aufgebaut hat, wurde vor etwa vier Jahren Druck ausgeübt,
seine „Splav“-Anteile an RosAtom (die staatliche Monopolgesellschaft für
Atomenergie im zivilen und militärischen Bereich) zu verkaufen. Dazu war er
auch bereit, allerdings wollte er unmittelbar an RosAtom verkaufen, während mit
hohen Staatsbeamten gut verdrahtete Mittelsmänner darauf bestanden, eigene
dicke Gewinne an der Transaktion einzustreichen. Dies lehnte Fjodorow ab,
woraufhin eine kriminalpolizeiliche Verfolgung des Widerspenstigen einsetzte,
die nicht nur zufällig an die Chodorkowsij-Geschichte gemahnt. Zur neuesten
Lage folgende vier Meldungen:
Welikij Nowgorod.ru / Великий Новгород.ру, 4.7.2011
(Igor Dawljattschin)
„Nowgoroder Gericht verurteilt Ex-Chef der
Firma ‚Splav’ zu 10 Jahren verschärfter Haft
Das
Nowgoroder Amtsgericht hat den Chef der Firma ‚Splav’ Wladimir Fjodorow zu 10
Jahren Freiheitsentzug mit Verbüßung der Strafe in einer Kolonie mit
verschärften Bedingungen verurteilt. Der Korrespondent von Welikij Nowgorod.ru
berichtet aus dem Gerichtsaal, dass die zweite Beteiligte am Prozess, Elena
Muchina, zu vier Jahren und vier Monaten in einer Kolonie mit allgemeinen
Bedingungen verurteilt wurde. Das Gericht befand Fjodorow und Muchina für
schuldig, im Jahr 2000 gemeinsam die GmbH ‚Haus des Buchhalters’ um die Summe
von rund drei Millionen Rubel erpresst zu haben. Darüber hinaus wurde Fjodorow
schuldig gesprochen, in den Jahren 2005 und 2007 durch Erpressung und Betrug
Anteile vom Stammkapital der GmbH ‚Maschinenbau-Holding’ im Wert von mehr als
700 Millionen Rubel ergaunert zu haben [...] Für die Verbrechen zusammen hat
das Gericht insgesamt […] 10 Jahre Freiheitsentzug [und zusätzlich dazu] eine
Strafe von 800.000 Rubeln angeordnet. […] Die Staatsanwaltschaft hatte 12 Jahre
Freiheitsentzug beantragt sowie 8 Jahre für Muchina. Der Leiter von ‚Splav’
wurde am 12. Mai 2008 verhaftet und befindet sich seitdem in verschiedenen Gefängnissen.
Wir merken an, dass 10 Tage vor seiner Festnahme der Ehrenbürger Welikij
Nowgorods Wladimir Fjodorow aus den Händen des russischen Präsidenten Wladimir
Putin den ‚Orden für Verdienste um das Vaterland’ IV. Klasse erhalten hatte.
Die Belegschaft des Unternehmens betrachtet das Geschehen als den Versuch einer
feindlichen Übernahme der Aktiengesellschaft ‚Splav’.
Das Urteil
ist noch nicht rechtskräftig, so dass beide Seiten noch Berufung einlegen
können. Die Reaktion des Anwalts von Wladimir Fjodorow ist noch nicht bekannt,
er hat sich geweigert, einen Kommentar abzugeben. Die Reaktion der
Staatsanwaltschaft ist ebenfalls noch unbekannt.“
http://vnru.ru/news/pring/?id=28660
Am 18. Juli
2011 haben Fjodorow selbst, sein Anwalt sowie Frau Muchina beim Gericht
Berufung eingelegt. Welikij Nowgorod.ru /
Великий Новгород.ру, 28. September
2011 (Igor Dawljattschin)
„Fall des Ex-Chefs des Nowgoroder
Unternehmens ‚Splav’ ans Amtsgericht zurück überwiesen
Eine Quelle im Gebietsgericht von Nowgorod hat der
Nachrichtenagentur Welikij Nowgorod.ru mitgeteilt, dass im Fall des Ex-Chefs
des Unternehmens ‚Splav’ Wladimir Fjodorow keine Prüfung der Berufungsgesuche
der Verurteilten stattgefunden hat. ‚In Zusammenhang mit den Eingaben der
Verurteilten Fjodorow und Muchina zum Protokoll der Sitzung des Amtsgerichts
wird der Fall an das Amtsgericht zur Erfüllung der Anforderungen der
Strafprozessordnung zurückverwiesen’, berichtete die Quelle. Vorher wurde auf
Antrag der Verteidigung die Sitzung vertagt. […] Presseberichte haben darauf
hingewiesen, dass Personenkreise um den ehemaligen Generalbevollmächtigten des
russischen Präsidenten im Föderationskreis Nordwestrussland Ilja Klebanow sowie
um den gegenwärtigen Gouverneur des Nowgoroder Gebietes Sergej Mitin Interesse
an den Aktien der Gesellschaft ‚Splav’ gezeigt hatten.“ http://vnru.ru/news/28-09-2011.htm?29541
Welikij Nowgorod.ru / Великий Новгород.ру, 27. September
2011
„Appell von ‚Splav’ zugunsten des ehemaligen
Generaldirektors Wladimir Fjodorow
Am 22. September 2011 fand in Welikij Nowgorod eine
Vollversammlung der Belegschaft der geschlossenen Aktiengesellschaft ‚Splav’
statt. […] Die Mitarbeiter der zu ‚Splav’ gehörenden Unternehmen halten die
strafrechtliche Verfolgung ihres ehemaligen Leiters für fabriziert: ‚Wir sind
überzeugt, dass dieser Fall voll und ganz gefälscht ist und dass die Festnahme
und Verurteilung unseres ehemaligen Direktors Folge des bereits drei Jahre
andauernden Versuches einer feindlichen Übernahme unseres Unternehmens
sind’. Einige Zeit vor der Festnahme
Fjodorows hat man begonnen, Druck auf ihn auszuüben, die Firma an RosAtom zu
verkaufen, allerdings nicht auf direktem Wege, sondern über gewisse
Mittelsmänner, die in Beziehung zu regionalen Staatsbeamten standen. Diese
Forderung hat Fjodorow abgelehnt. Danach wurde der Druck auf ihn direkt von
Seiten des Machtapparates ausgeübt – durch die staatlichen Ordnungskräfte. Letztlich führte dies zu Wladimir Fjodorows
Festnahme und zu seiner Untersuchungshaft in St. Petersburg, heißt es im Brief
der Belegschaft. [Alle Anträge von Fjodorow auf Freilassung gegen Kaution oder
mit Auflagen wurden abgelehnt – drei Jahre lang.] Dabei wussten die Behörden,
nach den Worten der Mitarbeiter von ‚Splav’, dass Fjodorow an einem schweren
Krebsleiden erkrankt war. Nach drei Jahren in U-Haft hat sich seine Gesundheit
stark verschlechtert, da ihm die nötige medizinische Betreuung vorenthalten
wurde.
Die Autoren
des Briefes begreifen nicht, warum ‚das Plündern von Unternehmen [engl. corporate raiding] in Russland immer
noch stattfindet, obwohl ihm von den höchsten Stellen der Kampf angesagt worden
ist, und warum Schwindler, die die Früchte der Arbeit anderer einheimsen
wollen, unbestraft bleiben. Im Falle der Plünderung der Firma ‚Splav’ werden Tausende von
Menschen auf der Straße landen, ihnen wird die Existenzgrundlage geraubt, und
unser Gebiet wird einen seiner führenden Steuerzahler verlieren’, heißt es im
Appell der Belegschaft.“ […]
http://vnru.ru/news/29-09-2011.htm?29518
Welikij Nowgorod.ru / Великий Новгород.ру, 5. Oktober
2011
„Bei ‚Splav’ in Welikij Nowgorod Leitung ausgetauscht
In der Firma ‚Splav’ in Welikij Nowgorod hat eine
erzwungene Auswechslung der Leitung stattgefunden […] ‚Die angeblich neue Leitung ist eingetroffen,
sie legt aber keine Dokumente vor, deshalb bleibt für uns nach wie vor Nikolaj
Wladimirowitsch Fjodorow [Sohn des ehemaligen Direktors Wladimir Fjodorow –
Ub.] der Direktor’, betont der berichterstattende Sekretär der Firma. Auf einer
heute im Gebäude von ‚Splav’ anberaumten Pressekonferenz erklärte Alexander
Dmitriew, der neue Direktor der Firma, den anwesenden Journalisten die Umstände
des Führungswechsels. Demzufolge fanden die wesentlichen Ereignisse am
Dienstagabend statt. ‚Gestern tagte der Rat der Direktoren der Firma Splav und
fasste die Entscheidung über die Auswechslung; anstatt des bisherigen Direktors
Nikolaj Wladimirowitsch Fjodorow wurde ich ernannt’, teilte Alexander Dmitriew
mit. Dmitriew selbst war bei der Sitzung nicht anwesend und konnte nicht sagen,
wie viele Mitglieder des Rates teilgenommen hatten, ein Quorum sei jedoch
gegeben gewesen. Das Angebot, die Leitung zu übernehmen, wurde ihm am Vorabend
unterbreitet.
Laut Dmitriew fand am Vormittag eine Versammlung der
Belegschaft zum Thema ‚Zukunft der Arbeit von Splav’ statt. Niemand von den
anwesenden Mitarbeitern äußerte Unzufriedenheit mit der Entscheidung der neuen
Leitung. ‚Ich habe gesagt, dass kein einziger Mensch entlassen würde, außer den
Top-Managern, die die Politik der neuen Leitung nicht mittragen’, erklärte
Dmitriew. ‚Wir haben erklärt, warum wir eingesetzt worden sind, wer wir sind,
und dass, wenn jemand diese Situation nicht akzeptiert, es nur einen Ausweg
gibt: einen anderen Arbeitsplatz zu suchen.’
Der neue Direktor bestätigte die Presseberichte, wonach am Vorabend ein
Polizeiaufgebot auf dem Firmengelände
erschienen sei. Laut seinen Angaben habe ein Mitarbeiter der Firma die
Ordnungshüter angefordert. Alexander Dmitriew teilte den Journalisten mit, dass
er ein Nowgoroder sei, dass er früher bei der Miliz und später der
stellvertretende Generaldirektor der AG ‚Alkon’ [große, traditionsreiche
Wodkafabrik in Nowgorod – Üb.] gewesen sei. Bis zum heutigen Tag wurde die
Firma ‚Splav’ von Nikolaj Fjodorow geleitet. Laut einigen Berichten befindet er
sich zurzeit in Großbritannien. Einstweilen hat Welikij Nowgorod.ru keine
Stellungnahme der ehemaligen Leitung erhalten“.
http://vnru.ru/news/05-10-2011.htm?29635
Auswahl,
Kommentar und Übersetzung: Dr. William Rotsel
Adressen
der Vorstandsmitglieder
Christel
Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd,
Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf, Schelpsheide
12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
Dr. William Rotsel,
Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von Savigny, Auf der
Hufe 23, 33613 Bielefeld, Tel. 886
414
Dr. Michael Schräder,
Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Dr. Klaus Trillsch,
Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.
Brunhild Hilf - Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld
Redaktion: Brunhild und
Rebecca Hilf
Konto des Kuratoriums:
Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041
27. Jahrgang
Nr.73/Juni 2011
Sehr verehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods,
hiermit lade ich Sie ein zur
öffentlichen Mitgliederversammlung am
Montag, dem 27.06.2011 um 20 h
in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei
(VHS) im Ravensberger Park 1
Jahrestage sind Anlässe, die Vergangenheit wachzurufen, um
ihre Bedeutung für die Gegenwart zu überprüfen. In diesem Jahr werden es 70
Jahre sein, dass das national-sozialistische Deutschland die Sowjetunion
überfiel, besetzte und dort Ghettos und Vernichtungslager errichtete. Für
Tausende Juden aus dem Gebiet des Deutschen Reiches war das Ghetto Minsk in
„Weißrussland“ und das nahegelegene Lager Trostenez Endstation ihres Lebens –
ebenso wie für Juden aus Minsk und Umgebung, für sowjetische Kriegsgefangene, Gefängnisinsassen,
Widerstandskämpfer und nichtjüdische Zivilisten. In der Geschichtskultur
der beteiligten Staaten spielte dieses Geschehen lange kaum eine Rolle. Dieses
Schweigen bricht die „Geschichtswerkstatt Minsk“, die auf dem Gelände
des ehemaligen Ghettos eine Anlaufstelle für Opfer des Zweiten Weltkrieges
bietet, ein Archiv mit Lebensgeschichten angelegt hat und Besuchergruppen aus
dem In- und Ausland das damalige Geschehen am authentischen Ort nahebringt.
Die Arbeit wird koordiniert vom Internationalen Bildungs-
und Begegnungswerk Dortmund und Minsk (IBB) und den jüdischen Gemeinden in
Belarus. Als der 60. Jahrestag des Ghettos begangen wurde, kam auch der
belarussische Präsident. Zu uns kommt Nathalie Roy, die für das IBB
arbeitet und – unterstützt von Bildmaterial – von der Arbeit der
Geschichtswerkstatt berichten wird.
Ich erwarte einen eindrücklichen Vortrag und lade Sie zu
diesem besonderen Abend herzlich ein!
Brunhild Hilf
Das Sommercamp
„Die UN-Millenniumsziele“ in Bielefeld
Am 9. März sind wir in die deutsche Partnerstadt von
Welikij Nowgorod gekommen, um für ein Semester an der Uni Bielefeld im Rahmen
eines Kooperationsprogramms zu studieren. Nach den ereignisvollen
Einführungswochen, die das International Office der Uni für uns sorgfältig
organisiert hat, hat für uns das Studium begonnen, das wir auch mit zahlreichen
Kulturveranstaltungen innerhalb und außerhalb der Universität kombinieren. Eine
von ihnen ist das Sommercamp „Die UN-Millenniumsziele“, das vom 1. bis 12. Juli
in Bielefeld stattfindet.
Schon vor unserer Reise nach Bielefeld haben wir von Frau
Hilf aus dem Kuratorium „Städtepartnerschaft
Bielefeld – Welikij Nowgorod“ von dem Camp erfahren. Aus dem Infoblatt,
das uns geschickt wurde, hatten wir nur eine vage Vorstellung von dieser
Veranstaltung bekommen, die Informationen aber haben unser Interesse richtig
erweckt. Kurz nach der Ankunft in Bielefeld wurden wir beide zur
Mitgliederversammlung des Kuratoriums im März liebenswürdig eingeladen, nach
der Frau Hilf für uns ein Treffen mit Frau Barbara Frey – einer der VeranstalterInnen des Camps – organisiert
hat.
Frau Frey ist eine
Mitarbeiterin des „Welthauses Bielefeld“ – einer Organisation, die vor vielen
Jahren gegründet wurde, um soziale Gerechtigkeit und eine zukunftsfähige
Entwicklung in der Welt zu fördern. Frau Frey hat für uns eine kleine Führung
im „Welthaus“ gemacht und einige Informationen über ihre Arbeit erzählt. Wir
waren echt begeistert, von solch einer Organisation und ihrer Tätigkeit und
ihren Leistungen zu erfahren, weil es leider in Nowgorod keine ähnliche
Organisation gibt. Die Informationen über die UN-Millenniumsziele und das
Sommercamp haben wir ebenso interessant gefunden. Offensichtlich wurden die im
Jahre 2000 von der UNO zusammengefassten Ziele von Vertretern aus 192 Ländern
einschließlich Russland unterschrieben, was diese Länder zu aktiven Maßnahmen
zur Verwirklichung der acht UN-Ziele verpflichtete. Das Ziel des Camps ist es
dabei, die in den UN-Zielen erwähnten Probleme in die Öffentlichkeit zu
„ziehen“ und die Gesellschaft für sie zu sensibilisieren. Was wir besonders
aufregend gefunden haben, war die Tatsache, dass dieses Ziel des Camps in
möglichst kreativer Form erfüllt werden muss, und zwar durch phantasievolle
Kompositionen und Aufführungen auf den Straßen der Stadt. Dafür werden die
Teilnehmer mit Musik-, Tanz- und Theaterworkshops während des Camps beschäftigt
sein.
Was unsere Teilnahme am Camp angeht, so können wir leider
wegen des Studiums an der Universität am Sommercamp als echte Teilnehmer nicht
beteiligt sein, weil es 100% Zeit von uns verlangt. Aber wir freuen uns schon
ganz besonders über die Möglichkeit, als Helfer für die Gruppe aus Welikij
Nowgorod an der Veranstaltung teilzunehmen. Da jede Gruppe am Anfang des Camps
eine Kurzpräsentation machen soll, haben wir schon umfangreiche Informationen
über die in Russland im Rahmen des Projektes durchgeführten Maßnahmen und
Aktionen und die für das Land besonders akuten Probleme gesammelt, was
eigentlich eine äußerst interessante Aufgabe war. Obwohl die Arbeit der
russischen Behörden in dem Bereich von internationalen Organisationen hoch
geschätzt wird, lassen sich jedoch noch gewisse Probleme erkennen: die
Schwierigkeit der Verwirklichung der UN-Ziele in allen Regionen des Staates,
die Umweltverschmutzung, die Verbreitung von Krankheiten wie HIV/AIDS usw. Wir
tauschen diese Angaben mit den Nowgoroder Teilnehmern und besprechen mit ihnen
die Einzelheiten ihrer Präsentation per Internet. Während des Camps werden wir
außerdem an bestimmten Tagen als Dolmetscher für Russisch, Deutsch und Englisch
assistieren.
Wir sind unseren DozentInnen an der Universität Nowgorod
und Herrn Dr. Lutz Köster äußerst dankbar für diese wunderbare Chance des
Forschungsaufenthaltes an der Uni Bielefeld sowie dem Kuratorium „Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij
Nowgorod“ und dem „Welthaus Bielefeld“ – für die Unterstützung und Möglichkeit, uns am Camp zu beteiligen.
Alexander und Anastasia
Am Sommercamp nehmen Jugendliche aus
allen Bielefelder Partnerstädten teil. Da es aus EU-Mitteln finanziert wird,
war bis Februar eine Teilnahme von Jugendlichen aus Welikij Nowgorod nicht
vorgesehen. Aus unserer Sicht (s. Rundbrief Nr. 72) war das nicht hinnehmbar –
und in bewährter Kooperation mit dem Büro für Städtepartnerschaften im Rathaus,
mit Herrn Selonke, gelang es uns, Mittel für die Teilnahme von sechs russischen
Jugendlichen zu bekommen. Aus 14 Bewerbern haben wir sechs ausgewählt, die wir
in Gastfamilien unterbringen möchten, um die Gesamtkosten zu senken. Vier
Quartiere stehen bereit, zwei junge Frauen, die Deutsch oder Englisch sprechen,
müssen von 29.06. bis 13.07. noch untergebracht werden. Da sie jeden Tag ab 10
Uhr morgens bis abends spät beschäftigt sind, handelt es sich um ein „bed &
breakfast“-Angebot: wer möchte es machen?
B. Hilf
Neues (und weniger Neues) aus der
Nowgoroder Presse
Städtische Wochenzeitung
NOWGOROD / Городская еженедельная газета НОВГОРОД,
27.4.2011
Wunder in der
Schtschusew-Straße
Das Kind,
das aus dem Fenster eines mehrstöckigen Wohnhauses in Welikij Nowgorod
herausgefallen war und das sich jetzt auf der Intensivstation der
Gebietskinderklinik befindet, kann seit gestern, dem 26. April, wieder
selbstständig Nahrung zu sich nehmen. Wie der Bevollmächtigte der
Kinderschutzbehörde des Nowgoroder Gebiets berichtete, „können die Ärzte diesen
Vorfall nur als Wunder bezeichnen“. Wie „Nowgorod“ bereits berichtet hat,
geschah der Zwischenfall am 24. April gegen 18.00 Uhr Moskauer Zeit. Laut
behördlichen Angaben wurde ein unbekanntes Kind im Alter von einem Jahr und
zehn Monaten, das angeblich aus einem 9. Stock in der Schtschusew-Straße
gefallen war, mit Kopfverletzungen per Krankenwagen in die Kinderklinik
eingeliefert. Die Tatsache des Sturzes bestätigte sich und die Eltern des
Jungen wurden nach einer gewissen Zeit ermittelt. „Die Familie war nicht in
Nowgorod gemeldet, lebt aber laut Auskunft des Jugendamtes in geregelten
Verhältnissen. Laut vorläufiger Version wachte das Kind auf, ging ans Fenster
und lehnte sich ans Moskitonetz, das zusammen mit dem Kind heraus fiel“,
berichtet der Pressedienst der Kinderschutzbehörde. Zurzeit untersuchen die
lokalen Organe des Innenministeriums alle Umstände des Vorfalls.
[Anmerkung
des Übersetzers: Diese Nachricht vom Fenstersturz eines Kindes in Nowgorod
erinnert an eine schon ältere Geschichte, über die ich seit langem berichten
wollte und die in Russland, insbesondere im russischen Internet, längst unter
dem Namen „Nowgoroder Affäre“ (Новгородское дело) für
einigen Wirbel gesorgt hat: Ende Februar 2007 fiel ein dreijähriges Mädchen in
einem Wohnblock in Nowgorod im Treppenhaus über oder durch das Geländer aus dem
2. Stock ins Erdgeschoss - und überlebte Gott sei Dank auch. Aber ein 11-jähriger
Nachbarsjunge hat angeblich den Vorfall beobachtet und hat der Polizei
gegenüber behauptet, die Mutter (die er als "älteres Mädchen"
beschrieb) habe das Kind hinuntergeschubst. Ab dort nahm die Geschichte einen
unheilvollen Lauf. Der Einfachheit halber werde ich im Folgenden Auszüge aus
dem Artikel „Новгородское дело“ („Die
Nowgorod Affäre“) im russischen Wikipedia zitieren.]
http://ru.wikipedia.org/wiki/Новгородское_дело
[Am 26.
Februar 2007 war Antonina Martynowa, eine damals 22-jährige ehemalige Studentin
der Nowgoroder Universität, die zu der Zeit in Moskau lebte, mit ihrer
dreijährigen Tochter Alisa bei Antoninas Mutter in der Kosmonauten-Str. in
Nowgorod zu Gast. Gegen 9 Uhr ging die Großmutter zur Arbeit, die Wohnungstür
im 2. Stock blieb unverschlossen – damit die Nachbarskinder in die
Gemeinschaftswohnung hineinkonnten. Laut Erklärung von Antonina Martynowa
geschah dann folgendes:]
Antonina
ging ins Badezimmer, um die Zähne zu putzen. Als sie heraus kam, sah sie, dass
das Kind weg war und sie lief hinaus, um es zu suchen. Vor der Tür im
Treppenhaus […] sah sie, dass Alisa zwischen die Stäbe im Geländer geklettert
war und auf dem 12 cm breiten Absatz stand. Ohne etwas zu sagen, damit das Kind
nicht erschrak, sprang sie dem Kind zu Hilfe, konnte es aber nicht packen.
Alisa fiel hinunter, zwei Stockwerke tief. Antonina lief hinunter, um Hilfe zu
rufen, benachrichtigte den Rettungsdienst, die beiden wurden ins Krankenhaus
gebracht. Gleichzeitig eine Etage höher im Treppenhaus befand sich ein
elfjähriger Junge, ein Freund des Sohnes der Nachbarn. Er lief zu den Nachbarn
und sagte, dass „ein Mädchen ein anderes
Mädchen hinuntergeworfen hat“, worauf die Nachbarn offenbar die Polizei
verständigten. Die Polizei kam ins Krankenhaus, wo sie Antonina befragte,
obwohl diese sich im Schockzustand befand.
Nach drei Tagen wurden Antonina und das Kind gebeten, wegen Überbelegung
das Krankenhaus zu verlassen. Die Mediziner stellten Verletzungen mittlerer
Schwere fest (Kiefertrauma), die beiden verließen das Krankenhaus. […] Es
vergingen drei Wochen, Antonina und Alisa wollten nach Moskau zurückkehren [wo
sie mit dem neuen Freund und jetzigen Ehemann Antoninas lebten; sie war vom
Vater des Kindes geschieden]. Am 16. März jedoch bekam Antonina von der Polizei
Besuch. Der Beamte überreichte ihr eine Vorladung als Zeuge zur
Staatsanwaltschaft und bemerkte nebenbei, dass der Tatbestand eines Verbrechens
festgestellt worden sei, weil der Sturz kein Unfall war, und dass Antonina
wegen Paragraph 105 des Strafgesetzbuches belangt werde: „Mord“.
[Hier muss
aus einer anderen Quelle – deren Glaubwürdigkeit ich natürlich nicht beurteilen
kann - eine Bemerkung zum Untersuchungsführer der Staatsanwaltschaft
eingeschoben werden.]
www.politcensura.ru/stol_cenzora/krutoj_rejndzher_kolodkin_pravosudie_po_novgorodski,
05.02.2007.
Autor: Aleksandr Kurjakov
Der
Untersuchungsführer der Nowgoroder Staatsanwaltschaft [Kolodkin] wird
allmählich zu einem der „Newsmaker“ in der russischen Presse. […] Es ist
allerdings fraglich, ob der recht unbescheidene Mitarbeiter der
Staatsanwaltschaft mit seinem plötzlichen Ruhm zufrieden ist: Er wird
größtenteils in für ihn höchst ungünstigen Zusammenhängen erwähnt. Viele
Journalisten geben unzweideutig zu verstehen, dass die jetzige „Nowgoroder
Affäre“ schlicht und einfach „aus den Fingern gesaugt“ wurde – Kolodkin ist
längst im Rentenalter, und er möchte nicht sang- und klanglos, sondern mit
einem richtigen Knall aus dem Dienst scheiden. Mehrere maßgebliche Beobachter
meinen, dass der erfahrene Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft (seine Dienstzeit
beträgt fast 30 Jahre; seine Karriere begann schon zu Zeiten der
„Rechtsprechung nach sowjetischer Art“) deswegen auf eine Anklage gegen
Antonina [Martynowa] besteht. […] Sie werfen ihm vor, die Anklage von vorne bis
hinten erfunden zu haben. […] Man spricht im Übrigen davon, dass solche
Praktiken bei den Organen der Staatsanwaltschaft recht verbreitet seien und
dass diese Methode für Herrn Kolodkin selbst in höchstem Maße charakteristisch
sei.
[Es folgen
Beispiele für Anklagen durch Kolodkin, die sich später als falsch erwiesen
haben und die zum Teil zunächst zu Verurteilungen führten, die von höheren
Instanzen kassiert worden waren. Jetzt zu den Anschuldigungen des Herrn
Kolodkin:]
http://deyna-alex.livejournal.com/3281.html
Laut
Ergebnissen der vorläufigen Untersuchung
hat am 26.2.2007 gegen 9.00 Uhr morgens [Martynowa] den von ihr
geplanten vorsätzlichen Mord an ihrer dreijährigen Tochter Alisa auszuführen
versucht, weil das Kind sie bei der Gestaltung ihres persönlichen Lebens
störte. Sie brachte das Kind aus der Wohnung Nr. 31 in der Kosmonautenstrasse
26 in Welikij Nowgorod, wo sie sich aufhielten, ins Treppenhaus. Gleich darauf,
in der Annahme, dass sich im Treppenflur keine Augenzeugen befanden, hat
[Martynowa] den Sturz ihrer Tochter vom zweiten Stock als Unfall inszeniert […]
Absichtsvoll und mit dem Ziel, ihr Leben auszulöschen, hat sie die Tochter
durch die Metallstäbe des Geländers gedrückt, so, dass sich diese außerhalb der
Sicherheitszone befand; mehrere Sekunden lang hielt sie das Kind so. Dann
setzte [Martynowa] ihre verbrecherische Absicht fort, indem sie die Finger
losließ und dabei ihre Tochter in den offenen Raum des Treppenhauses fallen
ließ, wodurch sich der Sturz und der darauf folgende Aufprall des Kopfes und
des Körpers auf den Steinfußboden im Erdgeschoß ereigneten. […] [Martynowas]
Schuld an dem Verbrechen ist bewiesen durch die Aussagen eines minderjährigen
Zeugen (ein Junge von 11 Jahren, der zur Zeit des Vorfalls im Treppenhaus des
3. Stocks stand), der die verbrecherischen Handlungen unmittelbar während ihrer
Ausführung beobachtete. […]
[Obwohl der
Junge nicht behauptet hatte, dass „das größere Mädchen“ „das kleinere“ durch die Gitterstäbe
geschoben hätte und obwohl keinerlei Zeugenaussagen negative Hinweise auf das
Verhältnis zwischen Martynowa und ihrer Tochter enthielten, schloss die Anklage
ihr Plädoyer vor Gericht so ab:]
Martynowa
verhielt sich gleichgültig gegenüber ihrem Kind, faktisch hat sich die
Großmutter um es gekümmert. Da [Martynowa] aber in den Augen ihrer Bekannten
nicht als schlechte Mutter erscheinen wollte, gab sie das Kind nicht auf,
sondern beschloss, sich von ihm zu befreien durch Mord, wobei sie dem Geschehen
den Anschein eines Unfalls gab.
[In einem
Interview mit der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ vom 15.9.2008 antwortete
Kolodkin auf die Frage, ob die Ermittlung einzig und allein auf den Aussagen
des Jungen basiere: ]
http://kp.ru/daily/24163.5/376844
Im Prinzip,
ja. Der Junge hat alles mit eigenen Augen gesehen. Und innerhalb einer Minute
hat er den Nachbarn, die wegen des Lärms aus ihren Wohnungen gelaufen waren,
erzählt, was passiert war. Er ging die Treppe hinunter und hat vor allen Leuten
auf Antonina gezeigt: „Dieses Mädchen hat das andere hinuntergeworfen“. Mehr
Beweise als das braucht man nicht […].
[Nun dann,
der Prozess kann beginnen! Am 19.4.2007 wurde gegen Antonina Anklage erhoben,
sie wurde in Untersuchungshaft genommen, woraus sie nach 18 Tagen mit der
schriftlichen Verpflichtung, den Aufenthaltsort nicht zu verlassen, entlassen
wurde. Im September und Oktober 2007 wurde sie 24 Tage lang in Moskau im
besonders in der sowjetischen Zeit berüchtigten Serbski-Institut für
forensische Psychiatrie begutachtet – und für psychisch unauffällig befunden.
Der Prozess selbst fand vom 2. bis 22. Juli 2008 in Nowgorod statt – als Geschworenenprozess
und auf Antrag der Staatsanwaltschaft hinter verschlossenen Türen. Zum
Prozess:]
http://ru.wikipedia.org/wiki/Новгородское_дело
Wie sich
später herausstellte, wurden die Sachverständigen für die Verteidigung, die
extra nach Nowgorod gekommen waren, vor Gericht nicht zugelassen; die
Geschworenen erhielten auch keine Gelegenheit, Mutter und Tochter zusammen zu
Gesicht zu bekommen, nicht einmal auf Fotografien. Nach der Urteilsverkündung
gab Oleg Sykow, Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer der russischen
Föderation, zu Protokoll, dass das Gericht „alles tat, damit die Geschworenen
ausschließlich Informationen, die für die Anklage von Vorteil waren, zu Ohren
bekamen“; das Gericht war „nicht an einer objektiven Betrachtung der Frage
interessiert“, da während der Sitzungen nur die Seite der Anklage vertreten
wurde. Am 24. Juli befand das Geschworenenkollegium Antonina des ihr
vorgeworfenen Verbrechens für schuldig und merkte an, sie verdiene keine
Nachsicht.

[Als am 28.
Juli das Strafmaß vom Gericht festgelegt werden sollte, erschien Martynowa, die
sich ja seit ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaft auf freiem Fuß befand,
nicht - wegen Krankheit. Am nächsten Tage erschien sie ebenfalls nicht,
woraufhin das Gericht ihre Festnahme anordnete. Ihr neuer Freund, jetzt
Ehemann, ]
Kirill Martynow, erklärte, dass seine
Frau bereits in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli zusammen mit Alisa
verschwunden war und dass ihr Aufenthaltsort ihm unbekannt sei. Das Gericht
schrieb sie zur Fahndung in der ganzen Russischen Föderation aus.
[Und dabei ist es bis heute
geblieben. Antonina und Alisa sind immer noch verschwunden, Antonina meldet
sich ab und zu, auch mit Fotos von den beiden zusammen, per Internet; es
kursieren Gerüchte, wonach Mutter und Tochter sich ins Ausland abgesetzt haben.
[Auswahl und Übersetzung: Wasja Rotsel]
Ein exklusiver „Sadko“ – als Oper im
Nowgoroder Kreml
Zwei
Internet-Nachrichtenagenturen, www.severinform.ru und www.baltinfo.ru , sowie die Tageszeitung
„Nowgorodskije Vedomosti“ berichten am 3., 13. und 19. Mai über den folgenden
Beschluss der Nowgoroder Stadtverwaltung, Abteilung “Runder Tisch zur
Entwicklung des Event-Tourismus“ (sobytijnyj turizm):
Am 13. Juni 2011 wird als Höhepunkt und
Abschluss der diesjährigen russischen Hansetage unter freiem Himmel im
Nowgoroder Kreml die Oper „Sadko“ von A. N. Rimskij-Korsakov durch das
Petersburger Mariinskij-Theater aufgeführt. Mehr als 400 Schauspieler werden in
historischen Kostümen vor den Kremlmauern und der Sophienkathedrale die
sagenhaften Erlebnisse des armen Nowgoroder Guslispielers* nachspielen, der
nach langer Seefahrt und mannigfachen Verführungen, zu schnellem Reichtum zu
gelangen, schließlich als reicher Mann in die Heimat und zu seiner Frau
zurückkehrt. Von den 19 Millionen Rubel (etwa 475.000 €), die bewilligt wurden,
wird die Stadt 5 Millionen und die Gebietsverwaltung den Rest tragen. Erwartet
werden bis zu 3000 Zuschauer. An die Theaterkasse der Philharmonie gingen 500
Tickets. 350 davon waren am 19. Mai bereits verkauft, wie die„Vedomosti“
schreiben. 250 Freikarten gab es auch. Aber die waren, wie es hieß, „nur für
besonders wichtige Personen reserviert.“ Die Tickets sollen zwischen 34 € und
125 € kosten.
Abgesehen
von der schieren Unmöglichkeit überhaupt an Tickets heranzukommen, fragt man
sich, welche Nowgoroder Normalfamilie sich so etwas leisten kann.
Auch in Internetforen wird Unmut laut.
Keiner versteht die hohen Eintrittspreise, wo doch so viel Staatsgeld geflossen
sei. Man erinnert sich an ein ähnliches Ereignis im Jahr 2003. Damals haben der
Chor und das Symphonieorchester des Mariinskij-Theaters ebenfalls unter freiem
Himmel ein Konzert gegeben, und damals seien 5000 Freikarten verteilt worden! Aber
vielleicht denken sich die Stadtoberen, dass die musikliebenden Nowgoroder vom
24. Mai bis zum 13. Juni zu den „Tagen der slavischen Schrift und Kultur“
kommen können, wo sie genügend Gelegenheiten haben werden, um an einem der
vielen, sicher preiswerteren und leichter zugänglichen Konzerte teilnehmen zu
können, die den Begründern des kyrillischen Alphabets (slavjanskaja azbuka),
Kirill und Metod, gewidmet sind.
*Eine
‚Gusli‘ ist ein mit der Leier verwandtes Saiteninstrument.
Ulrike von Savigny
Chodorkovskij und kein Ende
Die Verteidiger von Michail Chodorkovskij
und seinem Jukos-Ex-Miteigner Platon Lebedev haben kürzlich einen
Revisionsantrag gestellt. Er richtete sich gegen die erneute Verurteilung vom
Dezember 2010 und wurde am 24. Mai vom Moskauer Stadtgericht abgelehnt. Das
wird niemanden verwundern, der „Putins Chefsache“, die erste Verurteilung wegen
angeblicher Geldunterschlagung und persönlicher Bereicherung, im Jahr 2005
verfolgt hat. Was der Angelegenheit jetzt noch einen neuen Charakter gibt, ist
die erstmalige Stellungnahme der Menschenrechtsorganisation Amnesty
International.
Nicola Duckworth, die Direktorin für
Mitteleuropa und Zentralasien von ai, erklärte die beiden Angeklagten zu „prisoners
of conscience“. Sinngemäß sagte sie: Was man den beiden Gefangenen im
ersten Prozess genau zur Last gelegt habe, bleibe nach wie vor offen. Klar sei
aber beim zweiten Prozess geworden, dass der Fall Chodorkovskij nicht
wirtschaftlich, wie immer behauptet wurde, sondern rein politisch motiviert sei,
da schon die unteren Gesetzesorgane, also die Moskauer Behörde, nicht nach
rechtsstaatlichen Prinzipien gearbeitet und jegliche Verteidigung behindert
hätten. Der Oberste Gerichtshof bleibe jetzt die letzte Instanz. Er müsse die
beiden Häftlinge am 2. Juli bzw. 25. Oktober 2011 nach Verbüßung ihrer
jeweiligen 7-jährigen Strafen auf freien Fuß setzen und dürfe nicht der
Forderung der Anklage nach einer Haftverlängerung um weitere sechs Jahre
stattgeben.
Alexandra
Odynova, Korrespondentin von „The Moscow Times“ schreibt in der Ausgabe vom 26.
Mai 2011 weiter: „Der Begriff „prisoner of conscience“ (uznik sovesti) stammt
aus den 60-er Jahren und wurde von Amnesty auf die sowjetischen Dissidenten
angewendet. Er blieb in Gebrauch und wurde zuletzt für bekannte oppositionelle
Aktivisten wie B. Nemzov, I. Jashin, und E. Limonov benutzt, die an einem
(nicht angekündigten) Treffen für Versammlungsfreiheit im Anschluss an eine
Silvesterfeier demonstriert hatten und nach kurzzeitiger Inhaftierung frei
gelassen wurden.Telefonisch sagte Jashin, die jüngste Entscheidung (von
Amnesty) sei sehr angebracht, geradezu überfällig und stelle für die beiden
Geschäftsleute „eine wichtige moralische Unterstützung dar“. Nach Meinung
Jashins vergrößere der Status eines „prisoner of conscience“ die Sicherheit in
der Haft, könne sie aber nicht voll garantieren. Am 25.5. äußerte sich Vera
Tschelischtschewa in der Internetzeitung „gazeta.ru“ zufrieden mit dem
Amnesty-Beschluss. Die Organisation habe ihre Zweifel an der Rechtmäßigkeit des
Urteils ausgedrückt und die Kassationsinstanz dazu aufgerufen, es aufzuheben.
Der neue Status, der die prominenten
Häftlinge geradezu adelt und vielleicht sogar in Russland wieder mehr Menschen
an sie erinnert, dürfte V. Putin genau so wenig behagen, wie der zeitgleiche,
in der SZ vom 27. Mai auf Seite 9 beschriebene Auftritt von Michail
Chodorkovskijs erwachsenem Sohn Pavel, der in Berlin das Buch vorstellte, das
von seinem Vater in der Haft geschrieben wurde. Die „Briefe aus dem
Gefängnis“ hat der Knaus-Verlag veröffentlicht; „sie enthalten den
Briefwechsel mit den Schriftstellern L. Ulitzkaja und B. Akunin sowie eine
Reihe von Essays, Überlegungen Chodorkovskijs zur Demokratie in Russland, zum
starken sozialen Staat, wie ihn der einstige Oligarch in der Haft zu vertreten
beginnt, aber auch zu Glaubensfragen.“ Auf die Frage eines Interviewers an den
aus Sicherheitsgründen in den USA lebenden jungen Mann, ob er, wenn denn
Chodorkovskij endlich frei käme, „keine politische Rolle für seinen Vater
sehe“, antwortete er, „ich habe in den vergangenen siebeneinhalb Jahren meinen
Vater vermisst, nicht einen Politiker“.
Ulrike von
Savigny
Ausstellung und Zeitzeugengespräche
Von 10. bis
zum 16.9.2011 zeigt die Deutsch-Ukrainische-Gesellschaft Bielefeld (DUGB) die
Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl
– Menschen – Orte – Solidarität“ in
Bielefeld.
Die
vom IBB Dortmund entwickelte Wanderausstellung, die in mehr als 30 Städten in
Deutschland, Österreich und den Niederlanden gezeigt wird, will das Ausmaß der
Katastrophe von Tschernobyl erneut sichtbar machen.
Am
26. April 2011 jährte sich die Reaktorkatastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl
zum 25. Mal. Vor den jüngsten tragischen Ereignissen in Japan war die
Katastrophe in der ehemaligen Sowjetunion beinahe in Vergessenheit geraten,
obwohl die gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Folgen für die
betroffenen Menschen und Länder bis heute gravierend sind. Noch heute leben
fünf Millionen Menschen in den kontaminierten Gebieten. Ihr Leben hat sich seit
1986 für immer verändert.
Die
Ausstellung wird von zwei Zeitzeugen begleitet, die in Gesprächen von ihren
persönlichen Erfahrungen aus den Tagen und Monaten nach dem Super-Gau berichten
werden. Für sie werden vom 11.9. bis 15.9. Übernachtungsmöglichkeiten gesucht.
Die Gasteltern sollten die russische oder ukrainische Sprache beherrschen.
Die DUGB
plant während der Ausstellungsdauer auch Zeitzeugengespräche vor Schulklassen
von Montag bis Mittwoch oder Donnerstag. Dafür werden noch Übersetzer gesucht.
Wenn
Sie Interesse daran haben oder einen Zeitzeugen aufnehmen möchten, teilen Sie
dieses bitte Frau Krasa mit:
Email:
petrakrasa@web.de oder telefonisch unter 05204/9235550.
Adressen
der Vorstandsmitglieder
Hans-Georg
Fischer, Hagenkamp 44, 33609 Bielefeld, Tel. 330233
Christel
Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd,
Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf, Schelpsheide
12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
Dr. William Rotsel,
Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von Savigny, Auf der
Hufe 23, 33613 Bielefeld, Tel. 886
414
Dr. Michael Schräder,
Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Dr. Klaus Trillsch,
Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.
Brunhild Hilf, Schelpsheide
12, 33613 Bielefeld
Redaktion: Brunhild und
Rebecca Hilf
Konto des Kuratoriums:
Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041
27. Jahrgang
Nr.72/März 2011

Nach einer
heidnischen Legende wandert der Meister auf der Hirtenflöte Veles Korovin durch
das Land; seine Musik vertreibt die Winterdepression, in die die monatelange
grimmige Kälte Menschen und Vieh einsperrte.
Sehr verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij
Nowgorods!
Hiermit lade ich Sie ein zur
Öffentlichen Jahreshauptversammlung am
Montag, dem 21.03.2011 um 19 h
in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei
(VHS) im Ravensberger Park 1
Wir wollen an diesem Abend unser Nachdenken über die
Situation und Politik Russlands fortsetzen, indem wir einen Mitarbeiter aus dem
Generalkonsulat in Bonn einladen: Herrn Oleg Evgen´evič Markov.
Er wird in seinem Referat den gegenwärtigen Stand der deutsch-russischen
Beziehungen beleuchten und den Beitrag der deutsch-russischen
Städtepartnerschaften zur Entwicklung der bilateralen Beziehungen
darstellen. Wir werden – wie immer – danach die Möglichkeit nutzen können,
Fragen zu aktuellen Problemen zu stellen. Ich denke, es ist gut, einmal einem
offiziellen Vertreter des Landes unserer Partnerstadt zuzuhören, und bin
neugierig auf seine Wahrnehmung und Darstellung.
Herzlich Willkommen!
Brunhild Hilf
Tagesordnung der Jahreshauptversammlung
19 Uhr 1 Jahresberichte
1.1 Bericht der Vorsitzenden
1.2 Bericht des Kassenwartes
1.3 Stellungnahme und Entlastung durch die Rechnungsprüfer
1.4 Aussprache über die Arbeit des Kuratoriums
1.5 Entlastung des Vorstandes 2 Nachwahlen zum Vorstand
20 Uhr
3 Vortrag des Herrn Markov
Die
nächsten Termine für Mitgliederversammlungen sind Montag, der 27. Juni und
Montag, der 14. November 2011.
Jugendcamp im Juli 2011
Im
September 2000 nahmen 189 Länder einstimmig die sogenannte „Millenniumserklärung“
an, darunter auch die russische Föderation. Bei dieser Resolution geht es um
eine gemeinsame Agenda zur weltweiten Armuts- und Hungerbekämpfung, zur
Verbesserung der Grundbildung und Gesundheit, zur Gleichstellung der
Geschlechter, zum Umweltschutz und zum Aufbau einer globalen Partnerschaft
für Entwicklung.
Nun
bereitet das Welthaus Bielefeld seit Anfang dieses Jahres eine Veranstaltung
vor, an der im Juli dieses Jahres für zwölf Tage etwa 50 Jugendliche aus allen
Bielefelder Partnerstädten teilnehmen sollen. Da das „Camp“ aus EU-Mitteln
finanziert wird, stehen für die russischen Teilnehmer keine Projektmittel zur
Verfügung. Dennoch dürfen sie nicht fehlen, ist doch die Partnerschaft mit
Welikij Nowgorod die lebendigste und farbigste aller Bielefelder
Städte-Wahlverwandtschaften. Während dieses Jugendcamps sollen die Teilnehmer
einander vom Stand der Entwicklung in ihrem eigenen Land berichten und in Workshops,
also in kultur- und sprachenübergreifenden Aktionsformen wie Theater, Musik,
Malerei, Film und Installationen, ihre Erfahrungen und Ideen zu den Millenniumszielen
darstellen.
Für
die Reise- und Aufenthaltskosten der russischen Teilnehmer, die wir zu etwa 50%
aus den vorhandenen Mitteln des Kuratoriums finanzieren können, bitten wir Sie
um eine Spende (Stichwort: „Millenniumscamp“) auf unser Vereinskonto.
Vielen
Dank!
Brunhild
Hilf
Jubiläum
Im
Jahre 2010 wird die Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Welikij Nowgorod
25 Jahre alt. Dass dies gefeiert werden wird, ist keine Frage. Gefragt aber
sind Ihre Ideen und Wünsche dazu: wen, welche Gruppe würden Sie gerne hierher
einladen? Wer von Ihnen würde gerne nach W. Nowgorod reisen? Wann?
Bitte
geben Sie einem der Vorstandsmitglieder Nachricht – wir freuen uns auf Ihre
Anregungen!
Bilder aus Russland
Die
uns zum Dank von Dmitrij S. Kondratjew überlassenen Bilder werden vom
15. März an für etliche Wochen im Klinikum Rosenhöhe in der Abteilung für
Koloproktologie zu sehen sein. Das wird dann die vierte und letzte Benefiz-Ausstellung
sein.
Es
war das Anliegen des Malers, einer sozialen Einrichtung Bielefelds zu helfen –
so ist der Erlös der bisher verkauften Bilder der „Löwengrube“, der
Kinderabteilung des Bielefelder Tisches, zugeflossen; insofern wäre uns ihr
Verkauf am allerliebsten.
Die
dennoch verbleibenden Bilder würden wir anschließend gerne als Dauerleihgaben
im öffentlichen und halböffentlichen Raum zeigen und bitten daher um Anregungen
für geeignete Orte.
Aber
wir wollen Ihnen gerne auch neue russische Künstler vorstellen.
In
Staraja Russa, das 100 km südlich von Welikij Nowgorod im Nowgoroder Gebiet
liegt und bekannt ist als Kurort und zeitweiliger Aufenthaltsort Fjodor M.
Dostoewskijs, lebt Nikolaj Lokot´kow als Maler, Kunstpädagoge und
Herausgeber einer Kunstzeitschrift für Kinder. Für diese editorische Tätigkeit
wurde er unlängst mit dem renommierten Preis des Akademikers Dmitrij S.
Lichatschow ausgezeichnet: „für sein herausragendes Bemühen um die Erhaltung
des kulturellen Erbes Russlands.“
Hier
zeigen wir Ihnen eine Kostprobe seiner Zeichnungen. Beispiele seiner schönen
farbigen Bilder werden wir hoffentlich irgendwann bald in Bielefeld ausstellen
können. Brunhild Hilf
Ein
kleines Nest
Der
weiße Clown
Updates zu den Texten aus der
Nowgoroder Presse (Rundbriefe 69, 70 und 71)
Zum
Schicksal des nach verbreiteter Meinung zu Unrecht festgenommenen und seit mehr
als zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzenden Direktors und Hauptaktionärs der
Nowgoroder Firma „Splav“ ließ sich nichts Aktuelleres finden als folgende
Internet-Meldung:
www.regnum.ru,
10.12.2010
„Der in der Sache des ehemaligen
Generaldirektors des Unternehmens ‚Splav’ Wladimir Fjodorow angesetzte Gerichtstermin
wurde wegen des prekären Gesundheitszustandes des Angeklagten vertagt. Das hat
am heutigen 10. Dezember Fjodorows Anwalt Konstantin Jelisejew mitgeteilt.
Laut
Anwalt wurde am 6.12. der Rettungsdienst zu seinem Mandanten in den
Gerichtssaal gerufen. Die Ärzte haben empfohlen, Wladimir Fjodorow in eine
Intensivstation außerhalb des Untersuchungsgefängnisses einzuweisen. Er
befindet sich jetzt auf der kardiologischen Intensivstation des
Akron-Krankenhauses. Zurzeit (...) ist sein Zustand zwar stabil, er wird aber
von den Ärzten und Familienmitgliedern als äußerst beunruhigend eingestuft.
Der Anwalt sieht die Ursache der
markanten Verschlechterung des Gesundheitszustandes in einem Zusammentreffen
verschiedener widriger Umstände. Jelisejew wies darauf hin, dass seit Anfang
der Untersuchungshaft das operative Personal der Hauptverwaltung des
Innenministeriums der Region Nordwest wiederholt sowohl psychisch als auch
physisch auf seinen Mandanten eingewirkt hat. Ebenfalls wurde vom Gericht aus
Druck ausgeübt, um einen Wechsel des Anwalts zu erzwingen – zwecks zügigerer
Durchführung des Prozesses (...)“
Folgende
Notiz führt ein übriges Mal vor Augen, dass jede Geschichte mindestens zwei
Seiten hat. In Rundbrief Nr. 71 hatten wir etwas gutgläubig die Geschichte vom
ach so umweltbewussten Geschäftsgebaren der Nowgoroder Niederlassung der
bayrischen Holzverarbeitungsfirma Pfleiderer zitiert. Jetzt ergibt sich eine
andere Sicht auf die Pfleiderer Fabrik im Dorf Podberez’e, das 15 km nördlich
von Welikij Nowgorod liegt. Der hier beschriebene Vorgang bietet ein
interessantes Beispiel für die Äußerungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft im
heutigen Russland.
http://novgorod.rfn.ru/rnews.html?id=288, Sergej Subarew/19.11.2010
„Dorfbewohner von Podberez’e werden nicht zur Kundgebung zugelassen
Bewohner der nahe gelegenen
Dörfer verlangen ein unabhängiges Gutachten über die Tätigkeit des
Pfleiderer-Werkes. Der Volksversammlung (народный сход: eine im Grundgesetz festgelegte Form der Äußerung des Protests oder
der Unzufriedenheit seitens des Volkes), auf welcher diese Forderung
gestellt wurde, wohnten auch ein Vertreter des Menschenrechts-Bevollmächtigten
für Russland sowie Mitglieder der Öffentlichkeitskammer (общественная палата: das 2005 eingeführte beratende Gremium für
die Kommunikation zwischen der Zivilgesellschaft und den staatlichen Behörden) bei.
Die erste und dringlichste
Forderung der frierenden Dorfbewohner war, das Klubhaus im Dorf für die Sitzung
zu öffnen. Die Leute behaupteten, dies sei ihnen vorher zugesichert worden,
dass aber in letzter Minute die Schlüssel abhanden kamen… Der Vorschlag, die
Tür aufzubrechen und ins Klubhaus einzutreten blieb allerdings nur ein
Vorschlag. Die Volksversammlung wurde direkt auf der Straße abgehalten. Zu den
Wortmeldungen gehörte ein kurzer Vortrag über Formaldehyd, welches in dieser
europäischen Fabrik verwendet wird. Die Redner erinnerten daran, dass
Pfleiderer nach zahlreichen Kontrollen wegen Überschreitung der Obergrenze für
Formaldehyd in der Luft bestraft wurde. Allerdings auch danach, laut Meinung
der Anwesenden, hat sich nichts geändert. Die Versammelten klagten über
Gesundheitsprobleme, wobei alle Symptome ähnlich seien.
Der Vertreter des
Menschenrechtsbevollmächtigten schlug den Dorfbewohnern vor, jedes Mal, wenn
Symptome auftreten, den Rettungsdienst anzurufen – wenn sich die offiziellen
Anrufe zahlreich genug anhäufen, werde eine föderale Untersuchung stattfinden
müssen. Die Dorfbewohner wurden unterstützt von den lokalen Ratsabgeordneten
und vom Abgeordneten der Gebietsduma, Aleksej Afanasew. Die Forderungen der
Versammlung enthielten drei Punkte: Eine unabhängige Untersuchung der lokalen
Bevölkerung; ein unabhängiges ökologisches Gutachten; eine staatsanwaltschaftliche
Kontrolle der bisher erstellten Gutachten. Vertreter des betreffenden
Unternehmens konnten nicht angehört werden – entweder waren sie nicht anwesend,
oder sie zogen es vor, unerkannt zu bleiben.“
In Rundbrief Nr. 70 berichteten
wir über die Enthüllung der auch durch Spendenaktionen finanzierten „Säule des
soldatischen Ruhmes“ am Ende des Karl-Marx-Prospekts vor dem Kino-Zentrum in
Welikij Nowgorod rechtzeitig zum Tag des Sieges am 9. Mai 2010. In der Folge
entwickelte sich folgende skurrile Kontroverse über die Umbenennung der Straße
und des Platzes:
Nowgoroder Nachrichten / Новгородские ведомости,
15.2.2011/Jurij Krasawin
„Die Kommission für Ortsnamen in
Welikij Nowgorod hat empfohlen, den Karl-Marx-Prospekt in Woskresenskij
(=Auferstehungs-)-Boulevard umzubenennen und die Fläche vor dem Kino-Zentrum
als Platz des soldatischen Ruhmes zu bezeichnen.
Die Kommission hat sich mit
dieser Entscheidung zehn Monate Zeit gelassen. Im Frühling des letzten Jahres,
als die Errichtung der Säule ‚Stadt des soldatischen Ruhmes’ auf dem Platz vor
dem Kino-Zentrum begann, stellte sich auch die Frage nach der Umbenennung des
dorthin führenden Karl-Marx-Prospekts.
‚Das ist gar kein ‚Prospekt’, und
Karl Marx hat so gut wie keinen Bezug zu Welikij Nowgorod’ – meinten die
Befürworter der Umbenennung.
Damals wurde vorgeschlagen, die
Straße vom Hauptbahnhof zum Kino-Zentrum in Prospekt des soldatischen Ruhmes
umzubenennen. Diese Idee hat aber eine zwiespältige Reaktion hervorgerufen, vor
allem unter den Anwohnern der Strasse. Die Befürworter und Gegner der
Umbenennung beschlossen, am Vorabend des 65. Jahrestages des Sieges im Großen
Vaterländischen Krieg einander nicht die Köpfe einzuschlagen, sondern die Frage
zu vertagen und alles in Ruhe und unter Beteiligung der Bewohner zu
entscheiden.
Im letzten Herbst wurden Umfragen
durchgeführt, bei denen sich die Mehrheit der Nowgoroder dafür aussprach, den
Prospekt so zu nennen wie bisher. Dennoch beschloss die Kommission für
Ortsnamen im Dezember, dass der Prospekt umbenannt werden und der Platz einen
Namen erhalten soll.
Am vorigen Freitag versammelten sich
die Kommissionsmitglieder, um endlich abzustimmen und ihre Empfehlung an die
Stadtduma weiterzuleiten. Vorher teilten sich die Wissenschaftler, Historiker
und Vertreter der Öffentlichkeit in der Kommission in drei Gruppen. Und jede
Gruppe hatte ihren Vorschlag. Oder zwei. Dadurch ergaben sich fünf mögliche
Kombinationen: Platz und Boulevard (bzw. Prospekt) des soldatischen
Ruhmes; Platz des soldatischen Ruhmes und Woskresenskij-Boulevard (-Prospekt);
Platz des soldatischen Ruhmes und Bahnhof-Strasse (-Boulevard/Prospekt); Platz
des soldatischen Ruhmes und Prospekt (Boulevard) des Sieges; Garde-Platz und
Bahnhof-Prospekt (Boulevard). Eine Diskussion fand praktisch nicht statt. Die
Abstimmung ergab zehn Stimmen für die Kombination Platz des soldatischen Ruhmes
und Woskresenskij-Boulevard. Der ursprüngliche Vorschlag – Prospekt des
soldatischen Ruhmes – erhielt null Stimmen.
Jetzt haben die Duma-Abgeordneten
das Wort [….]“
[Auswahl
und Übersetzung: Wasja Rotsel]
Was bedeutet Winterkälte?
Aus Nowgoroder Zeitungen (15. -
22. Februar 2011)
Während die „Nowgoroder
Nachrichten“ („Nowgorodskie Vedomosti“) für die dritte Februarwoche ein Anhalten der anomalen Kälte
vorhersagen, berichtet eine andere Zeitung der Stadt Nowgorod schon von
Vorsorgemaßnahmen für die nun bevorstehende lange Zeit des
Frühjahrshochwassers.
Am 15. 2. schreibt die
Internetausgabe der „Vedomosti“:
Nach den Informationen des
Nowgoroder Hydrometrischen Zentrums werden die Lufttemperaturen bis
einschließlich Wochenende noch 8-13 Grad unterhalb der für diesen Monat
üblichen Norm liegen. Die Tagestemperaturen, (die durch einen scharfen
Nordostwind noch unangenehmer werden), erreichen dabei nicht über minus 20 Grad
Celsius. Am Freitag werden in der Stadt sogar bis minus 30 Grad erwartet. Die
niedrigsten Werte werden im Norden und Nordosten des gesamten Gebiets zu messen
sein.
Am 22. 2. ist folgende Meldung in
der Online-Ausgabe der Städtischen Wochenzeitung Nowgorod (Gorodskaja
Ezhenedel’naja Gazeta Novgorod) unter der Überschrift
„Frühjahrshochwasser bedroht W.N. und sechs Kreisstädte. Eine
Umsiedlung der Bewohner wird nicht ausgeschlossen“ zu lesen.
Ich
fasse kurz den Inhalt zusammen: Aufgrund des letzten langen und schneereichen
Winters, der auch durch Internetaufnahmen dokumentiert ist, will man in diesem
Jahr der Schneeschmelze mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen begegnen. 2800
Arbeitskräfte und 400 technische Einheiten sollen insgesamt eingesetzt werden.
Besonders wichtig sind Aufklärungsflüge über voraussichtlichen
Überschwemmungsgebieten, wobei vor allem die Zu- und Abflüsse des Ilmensees
überwacht und Barrikaden durch Eispfropfen möglichst verhindert oder zumindest
abgeschwächt werden sollen. Die Staatliche Aufsichtsbehörde Rospotrebnadzor
soll die Überwachung der Kanalisation und der Regenwasserreservoirs verstärken
und alle Wasserschutzdämme überprüfen. Auch die Katastrophenhilfe soll sich
darauf vorbereiten, Medikamente gegen Darminfektionen bzw. Epidemien in
überfluteten Gebieten zu verteilen. Die Vorsorge kann nicht allein von der Stadt
Nowgorod geleistet werden, sondern obliegt auch den Verwaltungsorganen der vom
Hochwasser betroffenen Landkreise.
Diese Nachrichten über W.
Nowgorod haben mich nachdenklich gemacht. Wir alle haben den zweiten langen und
ungewöhnlich kalten Winter jetzt gründlich satt. Aber sind wir nicht klimatisch
total verwöhnt? Ich wollte jedenfalls, ich könnte meinen Nowgoroder Freunden
(auch am Telefon) noch mehr zuhören, mitfühlen mit dem, was sie aushalten
müssen, und mir von ihrer Gelassenheit eine gute Scheibe abschneiden!
Ulrike von
Savigny
Adressen
der Vorstandsmitglieder
Christel Franzen,
Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd,
Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf, Schelpsheide
12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
Dr. William Rotsel,
Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von Savigny, Auf der
Hufe 23, 33613 Bielefeld, Tel. 886
414
Dr. Michael Schräder,
Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Dr. Klaus Trillsch,
Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.
Brunhild Hilf - Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld
Redaktion: Brunhild und
Rebecca Hilf
Konto des Kuratoriums:
Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041
26.
Jahrgang
Nr. 71 /
November 2010
Sehr verehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods,
Hiermit lade ich Sie ein zur
öffentlichen Mitgliederversammlung am
Montag, dem 15.11.2010 um 20 h
in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei
(VHS) im Ravenberger Park 1
An diesem Abend werden wir unser Nachdenken über die
politische Wirklichkeit Russlands fortsetzen: Was ist das für ein Land, das
seine Geschichte so pompös und farbig feiert, wie viele von uns es im
September 2009 anlässlich des 1150jährigen Jubiläums unserer Partnerstadt
miterleben konnten? Welches Bild von sich selbst vermittelt der russische Staat
mit Jubelfeiern dieser Art? Welchen Anteil hat daran die Bevölkerung,
wie sieht deren Mitbestimmung dabei aus? Ist ihre Mitfreude erwünscht? Auch der
Ausdruck ihres Mitleidens, ihrer schmerzvollen Erinnerung an finstere Seiten
der eigenen Geschichte? Spielen diese überhaupt eine Rolle?
Prof. Dr. Dr. h. c. Stephan Merl, Ordinarius für Osteuropäische
Geschichte an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und
Theologie der Universität Bielefeld, hat im September 2010 die 1000-Jahrfeier
der Stadt Jaroslavl miterlebt und dabei Entwicklungen des russischen
Staatsverständnisses beobachtet, die bedenkenswert sind. Seine Beobachtungen
zum Verhältnis von Herrschaft und russischem Volk, zu dessen Dynamik in
den letzten 20 Jahren wird er uns mitteilen. Er knüpft dabei an den Vortrag an,
den er anlässlich des 20. Geburtstags der Idee einer Partnerschaft mit einer
sovjetrussischen Stadt im Dezember 2003 im Haus der Kirche gehalten hat, und er
wird auf diese Weise einen Bogen spannen, in den so manche unserer Fragen
über das heutige Russland gestellt werden können.
Wir dürfen gespannt auf seine Antworten sein und uns auf
einen interessanten Abend freuen!
Seien Sie uns herzlich willkommen!
Brunhild Hilf
Zum
Tode von Wladimir I. Powetkin
und
sein Lebenswerk mit feinen und feierlichen Worten; namhafte Historiker erkennen
darin seine Pionierleistungen an. Im Krieg bei Stalingrad geboren, absolvierte
er in Kursk lediglich eine künstlerisch-graphische Ausbildung und kam
anschließend 1969 nach Nowgorod, wo er sich archäologischen Forschungen
widmete: er entwickelte eine Methode zur Restauration von Birkenrindenurkunden,
erstellte aus Bruchstücken von Holzinstrumenten aus dem 11. Jahrhundert
(Guslis, Pfeifen, Schalmeien) klingende Musikinstrumente und erforschte ihre
Musikkultur bei Expeditionen in nordrussische Dörfer. Das Zentrum für
Musikkultur des 10. – 15. Jahrhunderts, das er 1990 gründete, dokumentiert
diesen von ihm besonders geliebten Teil seines Lebenswerks, das der große
Historiker Dmitrij Lichatschow würdigte als ein wichtiges Tor zur Erforschung
des altrussischen Geisteslebens.
In
den letzten Jahren widmete er sich außerdem der Rekonstruktion einer besonderen
Kostbarkeit: Tausende von Wachsfragmenten fügte er zusammen zu dem bisher
ältesten slavischen Buch: einem Psalter aus dem 11. Jahrhundert.
In
mehr als 80 wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Aufsätzen legte er
die von ihm entwickelten Methoden dar, regte die Erforschung und Diskussion der
altrussischen Volkskultur an und beschrieb die Rolle der Musik im Leben des
nordrussischen Dorfes.

Als
er sich im Frühsommer 1989 zu Vorträgen in Freiburg aufhielt, gelang es uns,
ihn nach Bielefeld einzuladen, wo er in der Matthäuskirche am Brodhagen
auftrat: mit Musik und Wort. Seitdem wurde seine Arbeit beständig von uns
unterstützt und aufmerksam begleitet.
Innovativ
forschend in der russischen Kulturgeschichte, war er doch im Kontakt mit
anderen Menschen unendlich bescheiden und achtsam, aber unbeirrbar und von
hohem Anspruch, wenn es um sein berufliches Ethos ging. Der Weg zu dem Ruhm der
letzten Jahre war anfänglich steinig, aber zuletzt sind ihm doch die verdienten
hohen Ehren zuteil geworden.
Ein
wirklich unersetzlicher Verlust.
Brunhild Hilf
Bilder von Dmitrij S. Kondratjew
Vor nunmehr einem Jahr übergab
uns die Witwe des im Januar 2008 verstorbenen Malers Dmitrij S. Kondratjew 19
seiner großen, schönen Bilder. In seinem Testament hatte er sie einer sozialen
Einrichtung in Bielefeld vermacht zum Dank für eine überaus erfolgreiche
Ausstellung im Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität
Bielefeld im Winter 1993/94. Zweimal sind sie bereits gezeigt worden: im Herbst
2009 im Franziskus-Hospital, im Winter dann im Haus Nazareth in Bethel. Der
Erlös von sechs verkauften Bildern ging bereits an die „Löwengrube“, die
Kinderbetreuung des Bielefelder Tisches.
Die 13 verbliebenen Bilder werden
nun in diesem Winter im Arbeitsgericht ausgestellt werden, das sich
traditionell als Galerie für Künstler der Region zur Verfügung stellt. Nach
einer Vernissage am Donnerstag, dem 18. November um 19 Uhr kann man die
Gemälde im Gerichtsgebäude an der Detmolder Straße 9 im ersten (und vermutlich
auch zweiten) Obergeschoss zu den Öffnungszeiten anschauen:
Montag – Freitag 8 – 15.30 Uhr. Bis 13. Januar wird dies
möglich sein.
Wir laden herzlich dazu ein!
B.Hilf
Neues aus der Nowgoroder Presse
Update zu den Berichten
aus den Rundbriefen Nr. 69 und 70
Das beliebte Restaurant „Detinez“, das von 1968 bis 2009 auf dem
Gelände des Nowgoroder Kremls betrieben wurde, ist und bleibt geschlossen. Laut
den letzten privaten Erkundungen ist auch bisher keine passende neue
Örtlichkeit für das Restaurant gefunden worden. (Siehe Rundbrief Nr. 69.)
Wladimir Fjodorow, der Direktor und Hauptaktionär der Nowgoroder
Firma „Splav“ (u.a. ein wichtiger Lieferant von Ausrüstungen für russische
Kernkraftwerke), ist weiterhin, und das seit Mai 2008, in Untersuchungshaft.
Der Haftbefehl wurde bereits zehnmal verlängert, zum letzten Mal am 27 April,
eine neue Vernehmung wurde für den 9. November 2010 angesetzt – und das, obwohl
der 57-jahrige Fjodorow an einer ganzen Reihe von ernsthaften Erkrankungen
leidet (von einer chronischen Radikulopathie über eine kardiale Ischämie und
einen im Haft erfolgten Schlaganfall bis zu einer Krebserkrankung).
Am 21. Juli 2010 fasste die
(unabhängige, aber nicht unbedingt deswegen unbefangene) russische Website
„Stringer“ (http://stringer.ru) die
Hintergründe der Festnahme Fjodorows so zusammen:
„In
Welikij Nowgorod ist der Grund für Fjodorows Untersuchungshaft kein Geheimnis.
Er schuf und leitete eins der profitabelsten Unternehmen des Nowgoroder
Gebietes, die Fabrik ‚Splav’. Zum ersten Mal wurde ihm bereits im Jahr 2007 ein
Kaufangebot für das heiß umworbene Unternehmen gemacht. Fjodorow war auch zu
einem Verkauf bereit. Aber er stellte drei Bedingungen. Das Geschäft sollte
unmittelbar an Rosatom [die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands]
verkauft werden; eine objektive Bewertung des Unternehmens sollte erstellt werden;
da Fjodorow nicht der alleinige Eigentümer der Fabrik war, sollten alle
Aktionäre dem Verkauf zustimmen.
Hochgestellte Mittelsmänner verlangten jedoch, dass das Unternehmen durch eine
dritte, völlig unbekannte Firma ge- und wieder verkauft werden sollte; dessen
Geschäftsführer war der durch Skandale wohlbekannte Alexander Bobownikow.
Fjodorow lehnte ab. Und dann begann man, aus allen Rohren auf ihn zu
schießen.
Fjodorow erhielt Drohungen, seine
Ehefrau, eine angesehene Ärztin, erhielt eine Strafanzeige und, obwohl diese
haltlos war, wurde sie von ihrer Stelle entlassen. Fjodorow bestand seinerseits
auf einer objektiven Bewertung des Unternehmens und auf einem Verkauf ohne
Vermittler. Diese Verfahrensweise aber versprach den korrupten Beamten keinerlei
persönliche Vorteile, deshalb hielten sie den Druck auf Fjodorow aufrecht.“
(http://stringer.ru/publication.mhtml?Part=48&PubID=13996;
Erfreulichere Nachrichten aus der
Welt der Wirtschaft in Nowgorod
enthält folgendes (gekürzte) Interview mit Wladimir Kotenjow, dem jungen
russischen Generaldirektor der Nowgoroder Niederlassung des bayrischen
Fußboden- und Holzwerkstoffherstellers Pfleiderer AG (der beabsichtigt, für
€175 Millionen in Kürze eine weitere, große, moderne Fabrik in Nowgorod zu
bauen):
Nowgoroder Nachrichten / Новгородские ведомости,
5.10.2010 [das Interview führte
Julia Generosowa]
Generosowa: Wladimir
Wladimirowitsch, meinen Sie, dass man jetzt von einer Erholung von der
Wirtschaftskrise in der Möbelbranche sprechen kann, die ja Ihr Hauptkunde ist?
Kotenjow:
Ich
kann nicht leugnen, dass Pfleiderer die Auswirkungen der Krise in den letzten
zwei Jahren gespürt hat. In unserer Branche und in den benachbarten Branchen
war ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen – der Markt für Spanplatten
schrumpfte im Jahr 2009 um 30 bis 40%. Die Preise für Pfleiderers Produkte
fielen in den letzten zwei Jahren um 20%. Glücklicherweise besitzt unsere Firma
ausreichende Reserven, um solchen Preisdruck auszuhalten.
Ich weise darauf hin, dass
bereits während der Krise unser Unternehmen begonnen hat, neue Produkte
herauszubringen. Unsere Geschäftspartner benötigten feuchtigkeits-beständiges
Material für Badezimmermöbel und Tischplatten, also brachten wir
nicht-laminierte Spannplatten auf den Markt. Außerdem, gerade in dieser
Krisenzeit, hat Pfleiderer die Herstellung von Platten mit reduziertem
Formaldehydgehalt für IKEA aufgenommen. Wir rechnen damit, dass längerfristig
auch die großen russischen Möbelhersteller Produkte mit besseren ökologischen
Indikatoren auf den Markt bringen werden. Die Erfahrung der westlichen Länder
zeigt, dass die Nachfrage nach ökologisch einwandfreiem Mobiliar schnell
wächst. Ja, Ökoplatten sind teurer als gewöhnliche, aber unsere Gesundheit und
die Gesundheit unserer Kinder ist auch kostbar.
Im
Großen und Ganzen verbessert sich die Lage in der Möbelbranche, aber über eine
Erholung von der Krise wird man erst nach den Ergebnissen des ersten Quartals
des nächsten Jahres urteilen können.
(…)
Generosowa: Sie haben erklärt,
dass die Pfleiderer AG beabsichtigt, der Gemeinschaft ökologisch
verantwortlicher Holzwirtschaft (Global Forest and Trade Network/GFTN des WWF –
W.Ro) beizutreten. Was hat Pfleiderer davon?
Kotenjow:
Zu dieser Vereinigung gehören die
50 größten russischen holzverarbeitenden Firmen, die sich die Prinzipien der
verantwortlichen Waldbewirtschaftung zueigen gemacht haben. Unsere Firma hat in
diesem Gebiet erhebliche eigene Verdienste. Zum Beispiel richten wir uns beim
Kauf von Nutzholz nach den „Ökologischen Grundsätzen in der Holzversorgung“
[des WWF] in dem wir Verträge für Rohstoffe abschließen, deren Herkunft keine
Zweifel hervorruft.
Der Beitritt zum GFTN ist ein
Beitrag zur ökologisch verantwortlichen, sozialorientierten und ökonomisch
lebensfähigen Forstbewirtschaftung, die es erlauben wird, Russlands natürliches
Erbe für weitere Generationen zu erhalten. Man muss wegkommen von einer reinen
Versorgungsmentalität in Bezug auf den Wald zugunsten einer zivilisierteren
Haltung. Und das ist nur möglich, wenn es eindeutige Spielregeln gibt.
Trauer um
Ingeborg Huber
Nachdem
Frau Ingeborg Huber im Jahre 1989 mit ihrem Mann Dr. Ludwig Huber aus Hamburg
nach Bielefeld gekommen war, wechselte sie bald von der Altphilologie zur
Slavistik. Von diesem eigenen Erkundungs- und Erfahrungsort aus war sie ihrem
Mann eine partnerschaftliche Begleiterin, als dieser die enge Kooperation mit
der Pädagogischen Fakultät der Universität in Welikij Nowgorod aufbaute und
gestaltete.
Viele
von uns haben sie auf den Mitgliederversammlungen erlebt als wache, kritische,
auch humorvolle Zuhörerin, die mit Vorschlägen und Fragen eine eigene Dynamik
in unsere Gespräche brachte.
Ihr
Leben fand in diesem Sommer ein allzu frühes Ende. Wir sind sehr traurig und
denken in freundlicher Anteilnahme an ihren zurückbleibenden Ehemann.
Brunhild Hilf
Neu im Vorstand
Im Frühjahr haben wir zwei neue
Vorstandsmitglieder gewählt, Frau Schapansky und Herrn Dr. Trillsch. Die
erstere hat leider unseren Vorstand vor kurzem verlassen, um sich verstärkt
anderen Aufgaben zu widmen. Geblieben aber ist Dr. Klaus Trillsch, den
wir Ihnen hier traditionsgemäß kurz vorstellen – auch wenn viele von Ihnen ihn
bereits als engagierten Freund Welikij Nowgorods kennen, der auch auf einer
Mitgliederversammlung von seiner gynäkologischen Tätigkeit im Gebiet Nowgorod
erzählt hat.
Wie
ein Kind auf die Welt kommt, wie es von der Mutter, von Hebammen und Ärzten
empfangen und in den ersten Wochen begleitet wird, davon hängt viel für sein
späteres Leben ab. Diese Phase menschenfreundlich zu gestalten und nach allen
Regeln der ärztlichen Kunst, das ist das Anliegen Herrn Dr. Trillschs, das sich
in den Geburtskliniken der Stadt und des Gebiets Nowgorod schnell viele
Geburtshelfer zu eigen gemacht haben, nachdem sie durch ihn auf behutsame Weise
Einblicke in neue Verfahren und Überlegungen erhalten hatten. Regelmäßig fährt
er dorthin, operiert und referiert. Der damalige Oberbürgermeister Eberhard
David hat ihm unter anderem für seine Verdienste um die Reformen in der
Nowgoroder Gynäkologie im Sommer 2009 die silberne Ehrennadel der Stadt
Bielefeld verliehen.
Lange Jahre war Herr Dr. Trillsch
im Vorstand des Freundeskreises der Evangelisch-lutherischen Gemeinde St.
Nikolaj Welikij Nowgorod in Bielefeld, der sich leider im Sommer 2010 auflösen
musste.
Jubiläum
Im September 2012 wird die
Städtepartnerschaft mit Welikij Nowgorod 25 Jahre alt. So, wie wir unsere
russischen Freunde kennen, werden sie sich diese Gelegenheit zum Feiern nicht
entgehen lassen. Und auch wir werden uns davon anstecken lassen, wissen aber
noch nicht, wie wir dieses Jubiläum begehen wollen. Gerne würden wir manche
Gruppen aus der Partnerstadt hierher einladen, vielleicht nicht unbedingt alle
gleichzeitigwie von drei Jahren. Hiermit aber sei die Ideenfabrik eröffnet für
Bürgerbegegnungen im Jahre 2012: Sie sind herzlich eingeladen
mitzufabrizieren!
B.Hilf
Europaklasse
Alljährlich wird für vier Wochen
im Bethel-Gymnasium eine Klasse gebildet aus SchülerInnen verschiedener
europäischer Länder, unter denen auch immer ein bis zwei SchülerInnen aus
Welikij Nowgorod sind.
Sie bekommen vom Kuratorium
gewisse Zuschüsse zu den Fahrt- und Aufenthaltskosten, da wir Wert darauf
legen, dass es interessierte, engagierte junge Menschen sind, was nicht gleichbedeutend
damit ist, dass ihre Eltern vermögend sind. 2010 war Elena Andreeva hier –
dieser Brief kam von ihr.
Sehr geehrte Frau
von Savigny,
ich bitte um Entschuldigung, es tut mir echt leid, dass ich so spät meinen
Brief schreibe. Ich habe mich wahrscheinlich in der Anschrift geirrt, darum
haben Sie keinen Brief von mir bekommen.
Ich bedanke mich bei Ihnen für die Möglichkeit,
einen wunderschönen Monat in Deutschland zu verbringen. Ich konnte viele
interessante Leute aus verschiedenen Ländern kennen lernen, mit denen ich im
Briefwechsel stehe. Ich konnte nicht nur meine Sprachkenntnisse in Deutsch
verbessern, sondern meine Kenntnisse in verschiedenen Bereichen vertiefen.
Besonders beindruckend war für mich unsere Fahrt nach Berlin. Davon hatte ich
immer geträumt. Das war ganz anders, als ich es mir vorher vorgestellt hatte.
Ich bin sehr dankbar für die Sorge, Aufmerksamkeit, Unterstützung und Hilfe
meiner Lehrerin und Begleiterin Frau Müller-Antholz, meiner Gasteltern und
anderer Leute, mit denen ich mich bekannt gemacht hatte.
Alles war interessant und spannend veranstaltet. Das waren für mich
unvergessliche Tage, an die ich mich immer mit Freude erinnern werde. Ich
vermisse meine neuen Bekannten und Freunde. Es wäre natürlich toll, wenn wir
uns irgendwann treffen könnten.Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer
Tätigkeit, die ich sehr wichtig für die Entwicklung der menschlichen
Beziehungen in der ganzen Welt finde.
Vielen Dank mit herzlichen Grüßen von Ihrer
ehemaligen Europa-Schülerin
Andreeva Elena
Adressen
der Vorstandsmitglieder
Christel Franzen,
Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd,
Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf, Schelpsheide
12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
Dr. William Rotsel,
Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von Savigny, Auf der
Hufe 23, 33613 Bielefeld, Tel. 886
414
Dr. Michael Schräder,
Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Dr. Klaus Trillsch,
Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.
Brunhild Hilf - Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld
Redaktion: Brunhild und
Rebecca Hilf
Konto des Kuratoriums:
Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041
Rundbrief No. 70 / Mai 2010
Sehr
verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods!
Hiermit
lade ich Sie ein zur öffentlichen Mitgliederversammlung
am Montag, dem 7.6.2010 um 20 h
in
Raum 240 der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1
In unserer
Juni-Zusammenkunft möchten wir mit Ihnen unser Nachdenken über Russland
fortsetzen: wie entwickelt sich dort der Schutz der Menschenrechte? Seit
den Morden an kritischen Journalisten, unerschrockenen Menschenrechtsverteidigern
und Aktivisten humanitärer Projekte wuchs der Eindruck, dass der russische
Staat diese nicht hinreichend schützt und solche Verbrechen nicht rückhaltlos
aufklärt. Führt die Sorge vor tödlichen Bedrohungen zum Rückgang des zivilrechtlichen
Engagements? Im Sommer 2009 stellte die Menschenrechtsorganisation MEMORIAL
ihre Arbeit in Tschetschenien zunächst ein. Eine Ermutigung für sie war dann
die Verleihung des „Sacharowpreises für geistige Freiheit“ vom Europäischen
Parlament. Oleg Orlow, der stellvertretend den Preis entgegennahm, sprach in
einem Interview von den Einschüchterungen und Schikanen des Staates, durch
Neofaschisten und Rassisten, er sprach über den „Träumer“ im Kreml und über die
schleichende Rehabilitierung Stalins: oft hätten er und seine Mitstreiter,
insbesondere im Nordkaukasus, das Gefühl, „mit einem Löffel ein Meer
zu leeren“.
Wir haben Peter Franck,
den Russlandexperten von Amnesty International Deutschland eingeladen, mit
uns einige Wasserproben von diesem „Meer“ zu untersuchen.
Ich bin neugierig auf
diesen Abend und lade Sie alle recht herzlich dazu ein!
Brunhild Hilf
September 2010: Gastfamilien gesucht
Eine Gruppe von Deutsch-Studenten
aus unserer Partnerstadt wird Anfang September Bielefeld besuchen. Sie erkunden
gemeinsam Alltags- und kulturelles Leben, erproben ihre Deutsch-Kenntnisse und
wollen Ausflüge in die Umgebung machen. Teile des Programms werden von uns
vorbereitet und angeboten, im wesentlichen aber werden die jungen Leute
zusammen mit der sie begleitenden Dozentin selbstständig unterwegs sein. Sie
können in der Rathauskantine Mittag essen.
Was also wird von den
Gastfamilien erwartet?
Neben dem „bed &
breakfast“-Angebot, für das wir uns schon jetzt herzlich bedanken!:
Ein Nowgorod-Treff ist im Zusammenhang mit diesem Besuch
geplant, denn die Studierenden bringen parodistische Märchenvorführungen mit.
Neues aus der Nowgoroder Presse
Nowgoroder Nachrichten / Новгородские ведомости,
8.5.2010
[Autor:
Swetlana Dubowizkaja]
Heute findet in Welikij Nowgorod die feierliche Enthüllung der Säule
„Stadt des soldatischen Ruhmes“ statt
Das Ereignis, auf das alle
warten, wird heute stattfinden: Die Verhüllung wird von der 10 Meter hohen
Säule fallen, die Einweihungszeremonie wird ablaufen, die Ehrensalve wird
erschallen und die ersten Blumen werden den Sockel der Säule verzieren.
Hunderte von Stadtbewohnern werden an diesem Tag hierher kommen [vom Bahnhof
geradeaus, zum Kinozentrum am Karl-Marx-Platz, auf halbem Weg Richtung Kreml]:
Würdenträger, Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, Vertreter der
Arbeitskollektive der Stadt, Schüler und einfache Nowgoroder. Viele haben
unmittelbar teilgenommen an der Erschaffung dieser Gedenkstätte, indem sie
ihren Beitrag an die Stiftung „Soldatischer Ruhm“ geleistet und somit die
Sammlung von Mitteln zu einer gesellschaftlichen Aktion gemacht haben. […]
Wir erinnern daran, dass
der Erlass zur Verleihung des Ehrentitels der Russischen Föderation „Stadt des
soldatischen Ruhmes“ am 29. Oktober 2008 vom Präsidenten Dmitrij Medwedew
unterzeichnet wurde. Seine Zeilen, verewigt in bronzener Umrahmung am Fuße der
Kolonne, kann jedermann lesen: „Für Tapferkeit, Standhaftigkeit und massenhaften
Heldenmut seitens der Verteidiger der Stadt im Kampf um die Freiheit und
Unabhängigkeit des Vaterlandes…“ Im selben Jahr, als Ergebnis einer
landesweiten Ausschreibung, wurde der aussagekräftigste Entwurf in der Form
einer dorischen Säule, gekrönt von einem vergoldeten bronzenen Wappen der
Russischen Föderation, ausgewählt.
Die
Gesamtkosten des Projekts betrugen 30 Millionen Rubel [=ca. €770.000] – eine
ansehnliche Summe für die Stadt. Um den Bau anzufangen, hat man 10 Millionen
Rubel aus dem Haushalt der Stadt bewilligt und gleichzeitig ein Sonderkonto für
freiwillige Spenden eröffnet. Als erste reagierten darauf die Nowgoroder
Pädagoginnen und Pädagogen und die Veteranen des Großen Vaterländischen
Krieges; die Mitarbeiter der Verwaltung Welikij Nowgorods und die städtischen
Angestellten schossen ein Prozent ihres Gehaltes zur Errichtung des Denkmals
zu. Danach schlossen sich der Aktion Unternehmen und Organisationen der Stadt,
Schüler und Rentner an. […]
Kurz vor den Feierlichkeiten zum
Tag des Sieges [9. Mai] beschlossen die Abgeordneten der Nowgoroder
Gebietsduma, 10 Millionen Rubel für die Errichtung der Gedenkstätte „Stadt des
soldatischen Ruhmes“ bereitzustellen. Die Gesamtssumme der Spenden des Volkes,
die von 200 Organisationen und 7000 Privatpersonen bis dato eingetroffen sind,
beträgt über 6 Millionen Rubel. Ein weiterer Teil der Kosten wird aus dem Erlös
vom Verkauf von Kerzen im Rahmen der städtischen Aktion „Wir erinnern uns“
bestritten, die am 9. Mai mit einer Schweigeminute auf dem
Siegesplatz/Sophienplatz abgeschlossen wird. Die Leiter der Stiftung
„Soldatischer Ruhm“ hoffen aber, dass auch nach dem 65. Jahrestag des Sieges die
Spendensammlung für die Säule weitergehen wird, weil jeder eingehende Rubel
sofort zur Begleichung der Rechnungen überwiesen wird - die Bauunternehmen, wie
es so schön heißt, strecken ihre Arbeit vor. […]
Die Wochenzeitschrift Nowgorod
/ Городская еженедельная газета Новгород, 7.5.2010
[Autor: Michail Bogoljubow]
Erstmals eine
Vize-Gouverneurin für das Nowgoroder Gebiet
Laut Beschluss der Verwaltung des
Nowgoroder Gebiets wird mit Wirkung vom 5. Mai Veronika Minina in den zivilen
Staatsdienst des Gebiets übernommen und in Abstimmung mit der Nowgoroder
Gebietsduma zur ersten Vertreterin des Oberhauptes der Gebietsverwaltung für
die Dauer der Amtszeit des Gouverneurs ernannt. [….]
Die Wochenzeitschrift Nowgorod /Городская еженедельная газета Новгород, 29.4.2010
[Autor: Michail Bogoljubow]
Versuch der feindlichen Übernahme von Nowgoroder Unternehmen kommt vor
Gericht
Vom stellvertretenden
Generalstaatsanwalt für den föderalen Bezirk Nord-West Alexander Guzan wurde
die Anklageschrift in der Strafsache gegen Mitglieder einer organisierten
Gruppe in Zusammenhang mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme von
Unternehmen auf dem Territorium des Nowgoroder Gebiets bestätigt.
Strafrechtlich belangt werden zwei Bürger Welikij Nowgorods: der
Generaldirektor der ZAO „Splav“ Wladimir Fjodorow, 56, und die
Generaldirektorin der OOO „Inter-Service“ Elena Muchina, 47. Die Ermittlung
wirft ihnen vor, im Jahr 2000 Mittel der OOO „Haus des Buchhalters“ in der Höhe
von 4,7 Millionen Rubel erpresst und in der Folge das illegal erlangte Geld
legalisiert zu haben. Außerdem wird Fjodorow Erpressung im Jahr 2007 von 20%
des Stammkapitals der OOO „Holding Maschinenbauwerke“ im Wert von 34,6
Millionen Rubel vorgeworfen sowie die betrügerische Aneignung von 19,87% des
Stammkapitals derselben Gesellschaft im Wert von 441,7 Millionen Rubel [= €11,7
Millionen]. ‚Danach haben die genannten Personen das durch kriminelle
Machenschaften erworbene Vermögen legalisiert’ – so die Mitteilung der
Staatsanwaltschaft.
Wladimir Fjodorow wird wegen
Erpressung und Betrug sowie bandenmäßiger Verschleierung unrechtmäßig erlangter
Vermögenswerte in besonders großem Maßstab [§§…] angeklagt. Elena Muchina wird
der Erpressung und der Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte
bezichtigt [§§…].
Die Straftat wurde von der
Ermittlungsbehörde der Generaldirektion des Innenministeriums für den föderalen
Bezirk Nord-West untersucht. Für Fjodorow wurde Untersuchungshaft angeordnet,
Muchina wurde gegen 5 Millionen Rubel Kaution auf freien Fuß gesetzt. Die
Unterlagen der Untersuchung sind zur Prüfung an das Nowgoroder Stadtgericht
überwiesen worden.
Erläuterung: Im Artikel
fehlt jeglicher Hinwies auf die Hintergründe der Splav-Affäre, jegliche
Andeutung, dass die Geschichte vielleicht zwei Seiten hat. Es liegt also nahe,
dass die Leser von Nowgorod schließen,
mit Fjodorow und Muchina seien zwei hochkarätige Wirtschaftsgauner in die Fänge
der Fahnder geraten. Erste Leserreaktionen im Internetforum der Zeitung sind
auch entsprechend: „Verurteilen und einsperren muss man diese Schwindler und
Betrüger […].“ Dennoch entpuppt sich das Forum als mediendemokratisches
Korrektiv gegen die einseitige Berichterstattung im eigenen Blatt: Am 30.4.
schreibt ein weiterer Leser: „Für die, die nicht auf dem Laufenden sind, möchte
ich erklären, dass diese Affäre
fabriziert worden ist, um Fjodorow in Untersuchungshaft zu halten (seit 2
Jahren) und um auf ihn Druck auszuüben, um von ihm die Aktien von Splav zu
erpressen. Fjodorow selbst ist zurzeit Opfer einer feindlichen Übernahme
seitens hochrangiger lokaler und föderaler Beamten. Man hält ihn fest, bloß
weil er vor dem Gesetz unschuldig ist und gar nicht vorhatte, sich davon zu
machen. Die ganzen Banditen sind auf freiem Fuß, die soll man lieber verfolgen.
Das hat aber [für die da oben] wenig Sinn, da die Banditen eben nicht
Mehrheitspakete von Aktien großer, profitabler Unternehmen kontrollieren, die
man ihnen wegnehmen kann.“
Etwas mehr Licht – wenn auch
nicht Klarheit - in die Sache bringt ein Artikel in der überregionalen
unabhängigen („nezavisimyj“ = unabhängig) Nesawissimaja
gaseta / Независимая газета
vom 2.11.2010. Dort erfährt man, dass „Splav“ (=Metallegierung) mit seinen 3500
Mitarbeitern ein strategisch wichtiger Produzent von Ventilen und Armaturen für
Kernkraftwerke und Ölplattformen und unter den Unternehmen Nowgorods der
zweitgrößte Steuerzahler ist. Die marode Firma (ehemals „Kontur“) wurde nach
ihrer Privatisierung infolge des Zerfalls der Sowjetunion von Wladimir
Fjodorow, der bereits bei der Gründung 1980 (laut „Splav“ 1978) ihr Direktor
war, auf Vordermann gebracht und modernisiert, so dass sie nie mehr, auch in
Krisenzeiten, um staatliche Zuschüsse bitten musste; im Gegenteil, sie ist als
Sponsor für lokale Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser aufgetreten und war
auch ein wichtiger Geldgeber der 29. Hansetage und der Feierlichkeiten zum
1150. Jahrestag der Gründung Welikij Nowgorods im vorigen Jahr. Während der
Feierlichkeiten im September 2009 haben Arbeiter der Fabrik eine Sitzblockade
zur Unterstützung ihres schon damals seit eineinhalb Jahren in
Untersuchungshaft einsitzenden Direktors organisiert. Fjodorow habe selbst die
Demonstranten überzeugt, zur Vermeidung von Störungen stattdessen nur eine
Pressekonferenz abzuhalten. Deren Ausstrahlung im lokalen Fernsehen wurde aber
– von wem auch immer - verhindert.
Fjodorow
zum Verhängnis wurde laut „Nesawissimaja gaseta“ die im Mai 2008 geäußerte
Absicht, seine Mehrheitsanteile an „Splav“ an die staatliche Firma „Rosatom“ zu
verkaufen: der wichtige Zulieferer wäre zum Bestandteil der staatlichen
Kernenergie-Gesellschaft geworden. Laut weit verbreiteter Vermutung erklären
sich die Strafanträge und Fjodorows Inhaftierung dadurch, dass andere mächtige
private Interessenten die Firma übernehmen wollten – und dass sie die nötigen
Verbindungen besitzen, um die Staatsanwaltschaft gegen Fjodorow in Gang zu
setzen. Auch die Inhaber von Minderheitsanteilen an „Splav“ seien am –
lukrativeren – privaten Verkauf der Firma interessiert. Nach der Festnahme des
Direktors hat ein noch rechtzeitig als Hochstapler entlarvter „Vertreter“ der
Firma versucht, die gefälschten Mehrheitsaktien zu verkaufen! Jetzt läuft auch
gegen ihn ein Prozess.
Was lehrt uns diese skurrile
Geschichte? Etwa, dass wir uns hier im Westen freuen sollen, da unsere
Wirtschaft von solchen üblen finanziellen Machenschaften verschont bleibt?
Übersetzungen und Kommentar: Wasja Rotsel
Adressen
der Vorstandsmitglieder
Christel Franzen,
Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr.
387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf, Schelpsheide
12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
William Rotsel, Spandauer
Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von Savigny, Auf der
Hufe 23, 33613 Bielefeld, Tel. 886 414
Lisa Schapansky,
Meindersstraße 3, 33615 Bielefeld, Tel. 9 890 301
Michael Schräder, Leiblstr.
99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Klaus Trillsch, Saarbrücker
Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.
Brunhild Hilf - Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld
Redaktion: Brunhild und
Rebecca Hilf
Konto des Kuratoriums:
Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041
Aus dem Rundbrief Nr. 69 vom März 2010
Am Rande beobachtet...
..., nämlich am Rande der
Jubiläumsfeier „1150 Jahre Welikij Nowgorod“ im September 2009. Der Verfasser
hatte die Gelegenheit, gemeinsam mit dem früheren Oberbürgermeister Eberhard
David und einem Dolmetscher als Vertreter des Kuratoriums Städtepartnerschaft
Bielefeld – Welikij Nowgorod e.V. und als Gast der Stadt Welikij Nowgorod an
den Jubiläumsfeierlichkeiten teilzunehmen. Dabei ergab sich die Möglichkeit,
gewisse Akzente zu erkennen, die sich Staat und Gesellschaft in der Russischen
Föderation seit der Wendezeit Anfang der 90-er Jahre gesetzt haben.
Als erstes fällt auf, vor allem
bei einer so sorgfältig und aufwändig vorbereiteten städtischen und
gesamtstaatlichen Jubiläumsveranstaltung, dass Nationalgefühl und Nationalstolz
der russländischen Staatsbürger sehr ausgeprägt sind, was von der „Macht“
nachhaltig gefördert wird. Am auffälligsten zeigte sich das an der gewaltig
großen Freiluftbühne auf dem zentral gelegenen Sophienplatz, die unübersehbar
mit den Nationalfarben Weiß-Blau-Rot großflächig eingerahmt war.
Bei einem abendlichen Festkonzert
für die offiziellen Gäste in der Philharmonie war bemerkenswert, dass Seine
Eminenz, der Patriarch von Moskau und ganz Russland, Kyrill als erster
Ehrengast äußerst feierlich und ehrfürchtig begrüßt wurde. Bei seinem –
zeitlich erheblich verzögerten – Einzug
in den Konzertsaal erhob sich das Publikum respektvoll von den Sitzen.
An diesem
Vorgang war beispielhaft zu erkennen, dass die Rolle der Russisch-orthodoxen
Kirche seit den (inzwischen längst entschwundenen) Jahren von Perestrojka und
Glasnost im öffentlichen Leben des Landes erheblich an Bedeutung gewonnen hat.
Diese Renaissance der Kirche wird auch sichtbar an zahlreichen
wiederhergestellten oder neu errichteten Kirchen- und Klostergebäuden. Das
heutige Verhältnis zwischen Staat und Kirche kann man durchaus als ein
neuerliches Bündnis von Thron und Altar bezeichnen. Wobei es allerdings der Staat
ist, der, wenn es drauf ankommt, das Sagen hat.
Das
Hauptportal der im Kreml gelegenen Sophienkathedrale, die bekannte Nowgoroder
Bronzetür, deren Reliefplatten Mitte des 12. Jahrhunderts in einer Magdeburger
Werkstatt hergestellt worden sind, ist rechtzeitig zum Stadtjubiläum neu
aufgearbeitet worden. Die beiden eindrucksvollen, großen Türflügel, auf denen
u.a. Szenen aus dem Alten Testament und dem Leben Christi dargestellt sind,
erstrahlen jetzt wieder in neuem Glanz.
Hingegen
haben die Verantwortlichen bisher darauf verzichtet, auch das düstere
Lenin-Denkmal auf dem Sophienplatz und das gewaltige Siegesmonument am
Steilufer des Wolchow „runderneuern“ zu lassen. Ganz im Gegensatz zu der
schlichten, würdigen Gedenkstätte mit dem ewigen Feuer für die im Zweiten
Weltkrieg Gefallenen der Sowjetischen Armee.
Dass viele
Russen leidenschaftliche Schachspieler sind, ist bekannt. Dass es aber auch
öffentliche „Schach-Häuser“ gibt, war für den Berichterstatter neu. Ein solches
Haus der Schachfreunde befand sich während der Festtage in der dicht bestückten
Ladenstraße zwischen Kreml und Sophienplatz. Im Inneren des Pavillons waren ca.
15 kleine Tische aufgestellt, mit Schachbrettern und den bei Schachprofis
üblichen Spezialuhren. Nach Wunsch konnte der Besucher mit einem der anwesenden
einheimischen Schachfreunde eine Partie spielen. Wer als auswärtiger Gast den
ersten Zug machte, konnte einen der liebenswürdigen Züge unserer russischen
Freunde im alltäglichen Leben bestätigt finden. Zugleich ging er aber auch das
nicht zu unterschätzende Risiko ein, die Partie zu verlieren.
Eberhard
Heyd
Kriegskindheiten in Russland und
Deutschland
Inhalte des Vortrags von Herrn Prof. Dr. H.H. Nolte auf der
Mitgliederversammlung des Kuratoriums am 16.11.09.
Da die Kindheit sehr vieler Kuratoriumsmitglieder, mich selbst
eingeschlossen, in eine Zeit in und nach
dem 2. Weltkrieg fällt (für die Russen „Vaterländischer Krieg“), war das Thema
nicht nur historisch interessant, sondern berührte sicherlich bei einigen
Zuhörern auch eigene Erfahrungen.
Professor Nolte hat sich im Herbst 2009 mit 20 anderen russischen und
deutschen Osteuropawissenschaftlern - alle zwischen 1935 und 1945 geboren – in
Moskau zu einer mehrtägigen Konferenz zum obengenannten Thema getroffen. Einer
der Teilnehmer, B. Bonwetsch (s.u.), hat das Tagungsergebnis anschließend
herausgegeben. Warum in der Gruppe der Befragten keine Durchschnittsbürger,
sondern ausschließlich Menschen zu Wort kamen, die nach dem Krieg als Professoren
der gehobenen Mittelschicht angehörten, erklärt der Vortragende mit
pragmatischen Gründen: eine solche Studie sei kostengünstig. Die Professoren
müsse man nicht extra suchen. Sie könnten sich mündlich und schriftlich gut
ausdrücken “…und täten dies nur allzu gern“. Außerdem hätten sie sich als
Kinder nicht von anderen Kindern unterschieden. In einer schriftlichen
Ausarbeitung des Themas kommt der Referent zu Ergebnissen, aus denen ich hier
zitieren werde:
„Wie wirkte der Krieg auf die Kinder? In der deutschen Erfahrung
standen Bombenkrieg, Kinderlandverschickung und für diejenigen, die östlich
Oder und Neiße geboren wurden, Vertreibung sachlich im Vordergrund der
Erfahrungen. Kernpunkt der westdeutschen Debatte wurde vor allem das
Verwaistwerden.
Anders als in den deutschen Befragungen kommt in allen Berichten von
den russischen ‚Kriegskindern’ Hunger vor. Frau Saposchnikowa schreibt, dass der Vater schon 1941 fiel und die Mutter
versuchte, die drei Kinder am Leben zu halten. Im Sommer kochten sie Suppe aus
wilden Kräutern, aber im Winter waren sie darauf angewiesen, dass die Menschen,
die Hofparzellen hatten, ihnen Kartoffeln abgaben. Frau Thomas berichtet von
einem besonderen Fall, weil die Mutter Kosakin und der Vater Mennonit war; sie
fliehen innerhalb Sibiriens und bleiben unter russischem Namen immer nur so
lange, bis sie den Behörden verdächtig werden. Sie versuchen, alles ‚zur Ware
zu machen’, was sie besitzen, um zu überleben; entscheidend ist, dass die
Großmutter eine Kuh besitzt. Herr Tsfasman, der aus Gomel in die Gegend von
Orenburg evakuiert wurde, schreibt, dass man ständig ans Essen dachte und er
sich 1948 zum ersten Mal sattessen konnte. Die Mutter von Pawlow ‚tat alles
Mögliche und Unmögliche, um uns vor dem Hungertod zu bewahren’ – aber sie wird
denunziert, als sie ein Kleid gegen Mais tauscht und stirbt im Kontext des
Strafprozesses. Er beschreibt das Essen – Frühstück aus Pellkartoffeln und
heißem Wasser (manchmal mit einem Schuss Milch ‚geweißt’), mittags Kohl oder
rote Beete und Kartoffeln, abends Pfannkuchenfladen aus Kartoffelmehl, das man
vorher ausgepresst hatte, um die Stärke herauszuziehen. Auch das Brot besteht
zum großen Teil aus Kartoffeln. Im Frühjahr suchen die Kinder Sauerampfer am
Fluss und fangen auch mal einen Fisch. Auch Pawlow erinnert 1946/47 als das
Jahr, in dem am meisten gehungert wurde. Suchorukow beschreibt den Hunger im
Winter 1941/42 in Leningrad: ‚Um den Hunger irgendwie zu stillen, nagten wir an
den kleinen Zweigen irgendwelcher Sträucher, leckten die gekalkten Wände ab,
saugten Tischlerleim aus den Möbeln und knabberten an Buchrücken, weil auch sie
mit Leim aufgeklebt waren, der Stärke enthielt.’ Er entgeht dem Hungertod, weil
er mit einem Kinderheim im Frühjahr 1942 über den Ladogasee evakuiert wird. Nur
Filitow schreibt, dass er nicht hungern musste. Jerin berichtet, ‚wir
überlebten, starben nicht vor Hunger, an Unterernährung, auch wegen der Kuh’.
Warum war der Hunger derart prägend? Sowohl in der deutschen wie der
russischen Geschichtsschreibung wird manchmal übersehen, dass Hunger ein
geplanter Teil der deutschen Besatzungspolitik in der UdSSR war. (…) Es war ein
grundsätzliches Ziel des Ostfeldzugs, in Osteuropa einen bevölkerungsarmen
‚leeren’ Raum zu schaffen, in dem dann Deutsche siedeln könnten. Konkret war es
das Ziel der deutschen Regierung, Getreide und andere Nahrungsmittel aus den
eroberten bzw. zu erobernden Gebieten für deutsche Zwecke zu nutzen (…).
Das Scheitern der sowjetischen Winteroffensive 1941/42 nach der
Schlacht vor Moskau hatte für die Nahrungsmittelversorgung der UdSSR sehr
ähnliche Wirkungen wie die, welche die deutsche Führung mit dem Abtrennen des
Getreide produzierenden Südens vom industriellen Norden im Sommer 1941 geplant
hatte. Der Norden Russlands hungerte also, weil die Zufuhr von Nahrungsmitteln
aus dem Süden unterbrochen war und weil die Zahl der Menschen, die im Norden
lebten, vergrößert worden war…. Mitte und Norden Russlands haben weithin Böden
aus Grund- und Endmoräne, die mit Sandflächen, Mooren und Moränenrücken oft
wenig fruchtbar sind - eigentlich nur dort, wo Seen verlandeten. Hinzu kommt,
dass diese Gebiete während der Hälfte des Jahres Temperaturen unter dem
Gefrierpunkt haben, so dass keine Frucht angebaut werden kann, die mehr Monate
braucht, um reif zu werden. Die Humusdecken entsprechen den
Vegetationsperioden, denn nur, wo viel wächst, kann auch viel Humus entstehen.
Zwar gibt es also Anbauflächen für Roggen, aber mehr eben für Kartoffeln,
Zwiebeln, Kohl und andere Hackfrüchte, die mit kurzen Vegetationsperioden
auskommen. (…) Ohne die Lebensmittellieferungen aus den USA wäre die Todesrate
sowjetischer Menschen im Kriege noch deutlich höher gewesen. (...) Auf die
Hungersnot bis zum Ende des Krieges folgte im Kontext des mühsamen
Wiederaufbaus und nach dem abrupten Abbruch der amerikanischen
Lebensmittellieferungen 1946/47 eine weitere Hungersnot in der UdSSR, der etwa
eine Million Menschen zum Opfer fielen. (...)
Im Vergleich der Erinnerungen deutscher Kriegskinder mit russischen und
daraus, dass in fast allen Erinnerungen der Russen der Hunger eine große Rolle
spielte, begreift man eher, wie unterschiedlich die Lebensverhältnisse auf
beiden Seiten der Front waren. (...) Der Hunger war ein wichtiger Teil der
demographischen Katastrophe, welche der Zweite Weltkrieg für die UdSSR und alle
Nachfolgestaaten bedeutet hat. (...) Der Hunger in Deutschland hatte keineswegs
dieselbe Größenordnung wie die Hungersnot 1941-1944 in der damaligen UdSSR.
Niemand hatte wirklich vor, die Deutschen verhungern zu lassen oder genauer –
als Morgenthau Pläne der Entindustrialisierung Deutschlands vortrug, die
vielleicht auf so etwas hinausgelaufen wären, gab es in Kanada und den USA eine
derartige Empörung, dass diese Vorhaben nicht weiter verfolgt wurden. (…)
Das Genre Erinnerungsliteratur ist in Deutschland weit verbreitet;
Erinnerungen an die Zeit des Weltkriegs, an Flucht und Vertreibung sind
tausendfach veröffentlicht und mehrfach sogar verfilmt worden. Sofort nach
Kriegsende setzten diese Publikationen ein und gehen seitdem weiter. (…) Aus
dem Vergleich wird deutlich, dass solche Erinnerungen in Russland kein
derartiges Massenphänomen sind. Etabliert war in der UdSSR ein eigenes Genre
der Erinnerungen an heldenhafte Taten an der Front oder als Partisan. (…) Auf
der russischen Seite war die Beschäftigung mit den Traumata der Kriegskindheit
unbekannt oder zum heroischen Bild erstarrt. (…) Sicher waren die Gründe für
das „Vergessen“ z. T. politischer Natur, Erinnerungen an einen Alltag, der zu
dem Bild vom siegreichen Sozialismus wenig passte, wurden nicht gefördert. Ein
anderer Grund war aber vielleicht auch, dass die Individualisierung im Westen
weiter gegangen ist als in Osteuropa. Im Westen mit seinem hohen Lebensstandard
nehmen viele Menschen sich Zeit und Gelegenheit, sich mit sich selbst und der
eigenen Geschichte zu befassen. In ärmeren Weltgegenden, in denen die Sorge um
das tägliche Brot mehr Zeit in Anspruch nimmt, hat diese Beschäftigung mit sich
selbst eine ähnlich breite Öffentlichkeit (noch?) nicht erreicht.“
Vielleicht
kann die Konferenz dazu beitragen, wenn - wie Professor Nolte hofft - das von
B. Bonwetsch herausgegebene Buch mit den Tagungsberichten ins Russische
übersetzt wird, dass sich die Wissenschaft auch in Russland einmal mit der
Analyse von Kriegsfolgen auf Kinder befasst (aus denen nur in diesem Fall
zufällig lauter Professoren wurden). Tabus werden ja nicht sofort gebrochen,
sondern eher langsam und in der Stille. Dass die Zeit reif dazu ist, hat der
Vortrag deutlich gemacht.
Literatur:
B. Bonwetsch (Hrsg.) Kriegskindheit und Nachkriegsjugend in zwei Welten, Essen
2009, 29.50 €
Ulrike von Savigny
Vermischtes aus der Nowgoroder Presse
Viele von uns haben wohl im Restaurant „Detinez“* im Nowgoroder Kreml
bei einer Einladung oder einer Abschiedsveranstaltung ein leckeres
altrussisches Abendessen genossen. Das Restaurant, das seit 1968 existiert,
befindet sich teils im Pokrow-Turm der Kremlmauer, teils im Gebäude der
ehemaligen, sich an den Turm anschmiegenden Mariä-Schutz-Kirche (Церковь Покрова Пресвятой Богородицы). Die gerichtlich angeordnete und vom
Bürgermeister verfügte Schließung des Restaurants am 24. Dez. 2009 hat die
Gemüter in Welikij Nowgorod kräftig erhitzt und bietet den Stoff für eine
lebhafte öffentliche Diskussion – und wäre gut geeignet als Gegenstand einer
soziologischen oder politikwissenschaftlichen Untersuchung über die versteckten
Machtstrukturen, auch auf Kommunalebene, in der heutigen russischen
Gesellschaft. Und der hier in deutscher Übersetzung abgedruckte Zeitungsartikel
könnte als Beispiel für die journalistische Behandlung von heiklen Themen in der
offiziellen, staatlich finanzierten und kontrollierten russischen Presse
dienen.
Man wird aus dem Artikel nicht wirklich schlau, er ist voll von
kryptischen Andeutungen und versteckten Anspielungen, Transparenz scheint kein
Ziel zu sein. Ein Abgeordneter der städtischen Duma wird regelrecht demontiert
– ob zu Recht oder nicht, ist unklar. Der Erzbischof Lew wird in einem Satz als
Anstifter der ganzen Angelegenheit ins Spiel gebracht, aber Details und Belege
oder eben ein Dementi fehlen. Andere Medien munkeln, dass Lew und sogar der
Patriarch von Moskau und ganz Russland Kyrill I. bei der Regierung interveniert
haben, weil es ihnen ein Dorn im Auge ist, dass in einer Kirche ein Restaurant
betrieben wird. (Nach Bielefeld darf man sie also nicht einladen.)
Das Restaurant ist tatsächlich über die Stadtgrenzen hinaus recht
bekannt; seine im Artikel wenig schmeichelhaft dargestellte Betreiberin Galina
Elisarova hat im Jahr 2004 den „Goldenen Kranich“ erhalten für ihren „Beitrag
zur Renaissance der Gaststättenkultur in Russland.“ Der angeprangerte
Stadtduma-Abgeordnete A.A. Moiseew ist
anscheinend als unabhängiger Kandidat in die Duma gewählt worden und ist dort
Vorsitzender der „ständigen Kommission für die Entwicklung des kleinen und
mittleren Unternehmertums und des Tourismus.“ Der Nowgoroder Oberbürgermeister
Bobryschew, der die Schließung des „Detinez“ verfügt hat, hat einen Sohn
Wladimir, der zufällig Besitzer einer Reihe von Restaurants ist – Konkurrenten
des „Detinez“ eben. Und schließlich sollte man wissen, dass Beanstandungen
wegen Verstößen gegen die Brandschutzbestimmungen zum probaten Mittel geworden
sind für Vorgehen gegen für gewisse Behörden unliebsame Institutionen und
Betriebe. Aber nach der Brandkatastrophe in Perm im letzten Dezember (155 Tote)
haben auch die ganz legitimen feuerpolizeilichen Inspektionen und Schließungen
im ganzen Land drastisch zugenommen.
Die Schließung des „Detinez“ ist kein weltbewegendes Ereignis, die
Affäre, die darum entstanden ist, birgt aber lehrreiche Einsichten in das
Funktionieren des gesellschaftlichen Systems, einschließlich dem der
Publizistik.
*(Das
Wort „Detinez“ [детинец] war bis zum 14. Jh. die
Bezeichnung für das, was seitdem „Kreml“ genannt wird – und für beide Wörter
gibt es eine Vielzahl von sich widersprechenden etymologischen Erklärungen.) Wasja Rotsel

Leidenschaften und Merkwürdigkeiten
Aus den Nowgoroder
Nachrichten vom 23.1.2010
Diese Woche ist die vom
Gebietshauptamt des föderalen Ministeriums für Zivil- und Katastrophenschutz (МЧС) gesetzte Frist für die
Beseitigung der bei einer Inspektion des Nowgoroder Restaurants „Detinez“
zahlreich festgestellten Verstöße gegen die Brandschutzbestimmungen abgelaufen.
Die Forderungen des Amtes sind nicht erfüllt worden. Aber die Leidenschaften,
die um den „Detinez“ entbrannt sind, haben damit nichts zu tun.
In den Medien ertönen Aufrufe zur
Rettung des beliebten Restaurants, das ja nicht nur in Nowgorod, sondern im
ganzen Land bekannt ist. Oder „auf der ganzen Welt“, wie der Abgeordnete der
Duma der Stadt Welikij Nowgorod Andrej Moiseew sagt, der auch als
ehrenamtlicher Anwalt des Restaurants auftritt. Seine flammenden Reden [gegen
die Schließung des „Detinez“] wimmeln von düsteren Vokabeln, wie „auf
Bestellung“, „Korruption“, „Drohung“, „Überfall“ und anderen mehr.
Einverstanden, diese Geschichte
enthält eine Menge Merkwürdigkeiten. Aber die Merkwürdigkeiten führen nicht
unbedingt zu uneingeschränkter Anteilnahme mit den „Vertriebenen“. Die Meinung
ist weit verbreitet, dass alles vom Erzbischof „angestiftet“ wurde. Fakt ist,
dass bereits am 14. Mai des Vorjahres das Nowgoroder Gebietsamt der föderalen
Agentur für die Verwaltung des Staatsvermögens der „Detinez“-GmbH den
Pachtvertrag gekündigt hat – wegen Zahlungsverzug beim Pachtzins. Die Vorwürfe
waren stichhaltig (das muss sogar Herr Moiseew zugeben), und das Restaurant hat
sich auch beeilt, den Rückstand zu begleichen. Aber die Räumlichkeiten
verlassen will es nicht. Deshalb hat das Amt dem Geschäftspartner nochmals eine
gütliche Trennung vorgeschlagen: Am 18. Juni wurde die „Detinez“-GmbH
aufgefordert, die Liegenschaft bis zum 21. September zu räumen. Als die Frist
abgelaufen war, begannen die Verhandlungen vor Gericht.
Es gäbe viel zu sagen über
Traditionen und Wahrzeichen. Und umso mehr über die schwierige Situation der
Menschen, die im „Detinez“ arbeiteten. Man könnte auch die Kunden fragen, ob
sie in letzter Zeit mit allem in der Gaststätte zufrieden waren – mit der
Qualität der Speisen, dem Service, den Preisen. 3000 bis 4000 Rubel [€70 - €95]
pro Person für ein Menü mit Getränken – ist das ein Wahrzeichen? Aber wir kommen vom Thema ab.
Im Prinzip haben wir es hier mit
zwei Geschäftspartnern zu tun. Der eine bekam Zweifel bezüglich der
Gewissenhaftigkeit des anderen und schlug vor, die Geschäftsbeziehungen zu
beenden. Dabei hat er keine Killer und keine Gangster angeheuert, sondern hat
seine Ansprüche ganz und gar zivilisiert begründet. Im Gegenzug hat der
fehlbare Partner aber nicht versucht, die Missverständnisse auszuräumen,
sondern ist zum Angriff übergegangen. Bei der gerichtlichen Voruntersuchung hat
„Detinez“ gegen das Vermögensverwaltungsamt Gegenklage erhoben und die
Annullierung des Pachtvertrags verlangt. (Es fragt sich nur, warum er dann den
Vertrag bis zum Frühjahr 2009 erfüllt hat?) Dies brachte nur einen Teilerfolg:
der Gerichtstermin wurde um einen Monat verschoben. Wie zu erwarten war, fiel
am 25. November die Entscheidung zugunsten des Klägers (des
Vermögensverwaltungsamtes).
Ich erinnere: Unsere Zeitung ist
seit langem auf dem Laufenden. Wir berichteten von der Situation schon am 8.
Dezember, einen Tag nachdem der „Detinez“ für 60 Tage wegen Verstößen gegen die
Brandschutzbestimmungen geschlossen wurde. Durch einen Entscheid des
Stadtgerichts, wohlgemerkt. Die Leiterin des „Detinez“, Galina Elisarowa,
teilte damals unserem Korrespondenten mit, dass sie gegen den Entscheid
Berufung einzulegen gedenke. Hat sie aber nicht. Ebenso wenig hat sie
fristgerecht Berufung gegen die Kündigung des Pachtvertrags beim Schiedsgericht
eingelegt.
Also, wer ist im Unrecht? Derjenige,
der nach dem Buchstaben des Gesetzes gehandelt hat oder derjenige, der
versucht, die Angelegenheit nach den Regeln des Verbrechermilieus zu lösen? Die
Frage ist, versteht sich, rhetorisch. Weil Herr Moiseew als Anwalt des
„Detinez“ fungiert, der sich gerne auf
das Gesetzt beruft, selbst aber nach den Gesetzen der Unterwelt lebt. […] Als er von der Nowgoroderin N. eine
Zweizimmer-Wohnung mietete, hat er ab dem 1. Juli 2005 vertragsgemäß die Miete
bezahlt. Dann plötzlich im letzten September beschloss er, die Zahlungen auf
ein Drittel zu kürzen. „Warum, hat er nicht gesagt“, beklagt sich die
Vermieterin. „Er lässt mich nicht in die Wohnung ’rein und er weigert sich,
’raus zu ziehen. Ich habe ihm viele Kündigungen geschickt, aber er sagt, er
hätte sie nie bekommen. Schließlich habe ich den Abgeordneten verklagt, weil es
so aussieht, als hätte er vor, in meiner Wohnung auf ewig zu bleiben.“
Die
Gutmütigkeit von Frau N. hat Andrej Anatoljewitsch, übrigens, weidlich
ausgenützt. Laut Nina Michajlowna N. brauchte Moiseew, als er für die Duma zu
kandidieren beschloss, eine Registrierung (Anmeldung). Also überredete er die
Dame, ihn als wohnhaft in [ihrem] Haus im Dorf Rakomo im Kreis Nowgorod
anzumelden. Hinterher musste Frau N. die fiktive Anmeldung vor Gericht
rückgängig machen, was mit großen Schwierigkeiten verbunden war, und noch
gestern hatte sie vor, mit dem Gerichtsentscheid zur Verwaltung ins Dorf zu
fahren.
Solche
Vertreter und Schützer des Volkes haben wir also. Ihre Kleider sind weiß. Aber
nur nach außen. Was den „Detinez“ angeht, hat die regionale Verwaltung nicht
vor, die in eine schwierige Lage geratenen ehemaligen Angestellten sich selbst
zu überlassen, sondern wird, falls nötig, bei der Arbeitssuche behilflich sein.
Außerdem, wie uns Denis Besrukow, Leiter des staatlichen Amtes für den Schutz
des Kulturerbes beim regionalen Kulturausschuss, mitteilt, sucht man im
Nowgoroder Kreml nach Räumlichkeiten, die für eine „zeitgemäße Verwendung“
geeignet wären – einschließlich für ein Restaurant mit altrussischer Küche. Es
gibt schon verschiedene Möglichkeiten.
Gennadij Rjabkin
Rundbrief Nr. 68
November 2009
Sehr verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij
Nowgorods!
Hiermit lade ich Sie ein zur
öffentlichen
Mitgliederversammlung am Montag, dem 16.11. um 20 Uhr
in Raum 240 der Ravensberger Spinnerei
(VHS) im Ravensberger Park 1
Unser Referent an diesem Abend wird Prof. Dr.
Hans-Heinrich Nolte sein, der Osteuropäische Geschichte an der Universität
Hannover lehrte. Im Oktober 2009 nahm er teil an einer Konferenz in Moskau über
"Kriegskindheiten in Russland und Deutschland" und wird
darüber berichten. Dieses Thema wird in interdisziplinärer Zusammenarbeit
erforscht.
Von psychoanalytischer Seite kam der Anstoß, die historische
Forschung nahm ihn auf und untersuchte die Kindheit und das weitere Schicksal
derer, die zwischen dem Ende der 1920-er Jahre und den letzten Kriegsjahren
geboren wurden.
Erziehung während der durch die nationalsozialistische bzw.
stalinistische Ideologie geprägten Zeit, Kriegserfahrungen: Bomben,
Vertreibung, Kinderlandverschickung, Vaterlosigkeit – wie wirkten sich diese
traumatischen Erfahrungen im späteren Leben aus?
Wo liegen die Unterschiede zwischen deutschen und russischen
Kindern?
Welche Rolle spielt und spielt der Opferstatus in der
politischen Auseinandersetzung?
Wie intensiv wird das Thema aufgearbeitet: Gibt es hier
Unterschiede zwischen Deutschland und Russland?
Das Thema verspricht einen berührenden und anregenden Abend!
Seien Sie
herzlich willkommen!
Brunhild Hilf
1150
Jahre Welikij Nowgorod
Kuratoriumsreise
zum Jubiläumsfest unserer Partnerstadt
Im Jahre 2007, anlässlich der Nowgoroder Tage in Bielefeld, luden uns
die Vertreter der Stadt Welikij Nowogord ein, ihre Stadt, unsere Partnerstadt,
im Jahre 2009 zu zwei herausragenden Anlässen zu besuchen. Erstmals fand vom
18. – 21. Juni der Internationale Hansetag der Neuzeit in einer russischen
Stadt, in Welikij Nowgorod, statt, und vom 19. – 21. September feierte die
Stadt ihr 1150-jähriges Bestehen.
Die Reisegruppe des Kuratoriums fuhr daher vom 16. – 24. September mit
22 Personen zu dem großen Stadtjubiläumsfest. Einige Reisende waren zum ersten
Mal in Welikij Nowgorod, andere im Jahre 2006 bei den Bielefelder Tagen und
ich, der Berichterstatter, war vor 15 Jahren das letzte Mal in Welikij Nowgorod
gewesen. So waren die Erwartungen an die Reise ganz unterschiedlich.
Gleich am Donnerstag, 17.09., nach unserem Anreisetag, machten wir
eine Stadtführung mit „unserer“ Svetlana Cvetkova. Sehr viel hatte sich in den
Jahren verändert. Die Stadt präsentiert sich nun von ihrer besten Seite, und
ich glaube, nicht nur wegen des Jubiläums. Die Gebäude im Zentrum sind
liebevoll renoviert und restauriert.
Die goldene Kuppel der Sophien-Kathedrale strahlt über der Stadt und
dem Kreml. Die Parkanlagen waren alle sehr gepflegt und die Vorbereitungen zum
großen Stadtjubiläum warfen ihre Schatten voraus. Ich war sehr angenehm
überrascht.
Der Freundschaftsverein hatte uns dann zu einem festlichen Abend in
den Räumen der Deutschfakultät eingeladen. Nach einem bunten Programm mit dem
Chor der Studenten, zwei tollen, lustigen Sketchen, Tanzdarbietungen und
Gesangsvorträgen dreier Studentinnen in russischer und französischer Sprache
saßen wir noch lange bei Tee und Kuchen in der Bibliothek mit den Studentinnen
und Studenten beisammen, bei angeregter und interessanter Unterhaltung.
Am nächsten Tag machten wir eine Rundreise mit dem Bus zum
Freilichtmuseum „Vitoslavlicy“, dem wunderschön renovierten Jurjevkloster und
der Halbinsel Peryn mit der Klause der Gottesgebärerin, einem wundervollen,
kleinen Kirchlein mit einer ganz besonderen Aura. Geheimtipp, sehr
empfehlenswert.
Nach einem Konzert des Nowgoroder Orchesters für Volksinstrumente am
Abend im Zentrum „Dialog“ war der Besuch in Gastfamilien oder bei Freunden
vorgesehen. Unsere Freundschaftsgesellschaft hatte für „passende“ Gastfamilien
gesorgt. Teilweise hatten sich die Gastgeber und Gäste schon am Vortag beim
Freundschaftsabend kennen gelernt.
Die nächsten drei Tage standen ganz im Zeichen des Stadtjubiläums. Am
Samstag war um 11.00 Uhr die festliche offizielle Eröffnungsfeier auf dem
Sophienplatz vor dem Kreml.
Eine große Bühne, mit den russischen Staatsfarben geschmückt, bot den
Rahmen für eine imposante Zeremonie mit einer Tanzdarbietung junger Leute, mit
dem Vorbeimarsch von Fahnenträgern aller benachbarten und befreundeten Städte -
auch das Bielefelder Wappen war zu sehen - sowie mit einem Schauexerzieren zu
Fuß und zu Pferde des Wachregiments des Präsidenten der Russischen Föderation
in historischen Uniformen.
Über die ganze Stadt verteilt gab es Vorführungen der verschiedensten
Art: Konzerte, Spiele für Kinder, Ausstellungen, einen mittelalterlichen Markt
mit landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkten des Nowgoroder Gebietes
und vieles mehr.
Den Abschluss dieses Tages bildete eine spektakuläre Lasershow am
Volchov über die Geschichte der Stadt mit anschließendem riesigem
Feuerwerk.
Der Sonntag stand zur freien Verfügung, und man konnte mit seinen
Freunden die Darbietungen des Stadtfestes ansehen.
Am Montag besuchte unsere Reisegruppe dann den Deutschen
Soldatenfriedhof Pankovka, und nach einer ergreifenden Rede von Godehard
Franzen legten wir zum Gedenken an die Kriegsopfer einen Kranz am Kreuz nieder.
Anschließend trafen wir uns mit
Veteranen im Kreml, um auch hier einen Kranz für die russischen
Kriegsopfer am Ewigen Feuer niederzulegen. Hier hielten Christel Franzen und
ein russischer Veteran die Reden, und es war für alle ein ergreifender Moment
mit symbolträchtigem Charakter.
Am nächsten Tag besuchten einige interessierte Mitreisende und unsere Reiseleiterin, Kirsten Hartmann, das
Behinderten- und Rehazentrum „Viktorija“ für Kinder und Jugendliche. Hierher
hatte das Kuratorium Spendengelder überwiesen bzw. persönlich überbracht. Wir
konnten uns von dem sinnvollen Einsatz der Gelder überzeugen und bewunderten
den hingebungsvollen und aufopfernden Idealismus der Ärzte, Psychologen, Therapeuten
und Pflegekräfte.
Eine Schiffsfahrt auf dem Volchov
bis zum Jurjevkloster am Ilmensee bildete am nächsten Tag den offiziellen
Abschluss unserer Reise, bevor es am Donnerstag, den 24. September, wieder
zurück nach Bielefeld ging.
Einen herzlichen Dank möchte ich
allen sagen, die zum Gelingen der Reise beigetragen haben, der Stadtverwaltung
von Welikij Nowgorod, dem Freundschaftsverein, Svetlana Cvetkova und ganz
besonders Kirsten Hartmann, unserer hervorragenden Reiseleiterin.
Ich weiß für mich, dass ich
bestimmt nicht wieder 15 Jahre brauche bis zur nächsten Reise in unsere
Partnerstadt Welikij Nowgorod.
Armin Sachse
Einladung
Wir laden Sie ein zu einem Welikij-Nowgorod-Treff
am 14. Januar 2010 im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus Am Brodhagen 36. Wir
werden uns dann Bilder des Jubiläums anschauen und aktuelle und wichtige Themen
besprechen.
Eine Silberne Ehrennadel
Kurz
vor dem Ende seiner Amtszeit hat unser Oberbürgermeister Eberhard David fünf
Bürger unserer Stadt mit der Silbernen Ehrennadel für besonderes
ehrenamtliches Engagement augezeichnet;
darunter waren zwei, die sich für die Beziehungen zu Welikij Nowgorod
einsetzen: Frau Brunhild Hilf und Herr Dr. Klaus Trillsch.
Ich habe zuerst gezögert, diese
Ehrung anzunehmen, habe dann aber zugestimmt in dem Bewusstsein, dass jeder
Preis nicht nur dem persönlich Ausgezeichneten gilt, sondern vielen anderen
Menschen, mit denen er ihn eigentlich teilen müsste. So spreche ich hier Ihnen
allen und insbesondere den ehemaligen und derzeitigen Vorstandsmitgliedern
meinen Dank dafür aus, dass sie immer wieder bereit waren und sind, Herz
und Sinn zu öffnen für die Belange der Bürger unserer russischen Partnerstadt
und ihnen die Hand zu reichen.
Meine Dankesworte an Herrn E. David anlässlich der Verleihung
der Ehrennadel am 27.8.2009 im Alten Rathaus habe ich in ein Plädoyer für
Welikij Nowgorod und unsere Arbeit gefasst:
Sehr verehrter Herr David!
Unsere Familie kam im Jahre 1983
von Heidelberg nach Bielefeld.
Meine Dankesworte könnten eine
Antwort sein auf die Frage: wieso Nowgorod mir geholfen hat, mich in Bielefeld
heimisch zu fühlen.
Es werden drei Abschnitte sein,
drei Blickrichtungen: ein Rückblick, ein Blick auf Menschen, die in der
Partnerschaft eine besondere Rolle spielen, und ein kleiner Ausblick in die
Zukunft.
Als im Herbst 1983 in Bielefeld
wie an anderen Orten Deutschlands Menschen auf die Straße gingen, protestierten
sie dagegen, dass hier amerikanische Raketen aufgestellt werden sollten, Cruise
Missiles und Pershing II-Raketen, die Ziele in der UdSSR hätten treffen können.
Manche Demonstranten erinnerten sich daran, dass rund 40 Jahre vorher
deutsche Soldaten nach Osten gefahren waren, um die als minderwertig geltenden
slavischen Völker zu vernichten und deren Land als Lebensraum für die arische
Herrenrasse zu usurpieren. Die Scham darüber ließ sie nicht in Ruhe – ebenso
wie die Angst, Ähnliches könnte sich in Zukunft wiederholen.
Die Erinnerung an diese finstere
gemeinsame Zeit färbte so manche Begegnung am Anfang, war doch die Stadt am Wolchow
im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört worden. Aber so wurde die Idee
geboren, Brüder und Schwestern in einer russischen Stadt zu suchen und zu
finden. Denn auf Familienmitglieder schießt man nicht.
Der Versöhnungsgedanke
beseelte und beflügelte engagierte Bielefelder, und die Begeisterung ihrer
Aktivitäten steckte auch die Entscheidungsträger hier und in Nowgorod an, so
dass vier Jahre später der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet werden konnte:
am 17.September 1987.
Um uns ein Bild von dieser Stadt
zu machen, die vor 22 Jahren Bielefelds 5. Partnerstadt wurde, möchte ich Sie
bitten, mit mir einen Zeitsprung zu tun in das Jahr, in dem Bielefeld
gegründet wurde: in das Jahr 1214.
Господин Великий Новгород – der Herr Groß Nowgorod (so nannte sich die Stadt) –
– besaß damals einen Freiheitsbrief,
der ihm die republikanische Unabhängigkeit gegenüber dem ersten Staat auf
russischer Erde, der Kiever Rus`, bescheinigte: diese Autonomie war 200 Jahre
vorher erkämpft worden;
– sie war Mittelpunkt eines Reiches,
das von der Ostsee, dem Nordmeer über die Waldajhöhen, wo die Wolga entspringt,
bis zum Ural reichte, wo man Silber schürfte;
– sie hatte neben dem fürstlichen
Bürgermeister seit 50 Jahren einen Erzbischof
und regelte wichtige
Angelegenheiten in einer Volksversammlung, dem „вече“;
– sie hatte seit 15 Jahren den ersten Hanse-Handelsvertrag
überhaupt „mit allen
deutschen Städten und mit den
Gotländern und mit allen Völkern lateinischen Glaubens“ (so die Stadturkunde);
– sie nahm sich das Recht heraus, Fürsten, die
zur Unzeit „auf dem Wolchow Wildenten und auf dem freien Felde Hasen gejagt,
einem Bürger den Hof, einem anderen Silber geraubt und Ausländer aus der Stadt
vertrieben hatten“ zu verjagen, in der Stadtchronik hieß es dann: „sie zeigten
ihnen den Weg“ – „показаша путь“.
Die – nach langem Widerstand –
endgültige und grausame Unterwerfung unter die Moskauer
Zentralherrschaft im Jahre 1570 beendete die lange stolze,
freiheitlich-demokratische Epoche der Geschichte Groß-Nowgorods.
Zwar ist die goldene Kuppel der
Sophienkathedrale das offizielle Emblem des im kommenden Monat zu feiernden
1150-jährigen Jubiläums, aber die Heilige Sophia ist nicht mehr die Allegorie
der Souveränität Nowgorods wie im kämpferischen 15. Jahrhundert, sondern
das offizielle Konzept der Feierlichkeiten betont den gesamt-russischen
Charakter des Festes.
Kehren wir zurück zur Entwicklung
der Städtepartnerschaft: neben dem vertraglich festgelegten Austausch
offizieller Delegationen traten viele andere Bürgergruppen miteinander in
Kontakt und bereits im ersten Jahr auch Einzelpersonen, die einander vorher
nicht kannten.
Wurden sie zu Schwestern und
Brüdern? So einfach gestaltete sich dies nicht: Nowgorod ist per Luftlinie fast
2000 km entfernt, seine Bürger lebten in
einem Staat, der damals ein völlig anderes Gesellschaftssystem und damit
ein anderes Menschenbild hatte. Die Perestrojka und der Zusammenbruch
der UdSSR rüttelte dann die Wirtschaft, das Selbstverständnis der Russen
und ihr Wertesystem gehörig durcheinander – keine ruhigen Zeiten für
Neuorientierungen.
Was beförderte dennoch die
Entstehung freundschaftlicher Beziehungen? An erster Stelle die überaus
großherzige Gastfreundschaft des russischen Volkes. Auf beiden Seiten
wuchs die Neugier füreinander, die Freude am Austausch mit Gleichaltrigen, mit
Berufskollegen, allen voran die Pädagogen, mit Menschen, die das gleiche Hobby
pflegen (Musiker, Tänzer, Schachspieler, Sportler...). Die Geschichte der
Beziehungen zwischen Bielefeldern und Nowgorodern ist vielgestaltig,
unübersehbar die vielen Beiträge vieler, vieler Menschen.
Wen soll ich heute hier
persönlich nennen? Menschen, die Besonderes beigetragen haben, die
stellvertretend für viele stehen oder Menschen, die mir besonders viel
bedeuten?
In der Literaturwissenschaft
steht die Zahl 3 für Vollkommenheit, zusammen mit der 4 – addiert
oder multipliziert - ergeben sich die bedeutsamen Zahlen 7 und 12, heilige
Zahlen. So möchte ich auf deutscher Seite 3 und auf russischer Seite 4 Personen
nennen:
Es gibt einen schönen,
respektvollen russischen Gruß: низкий поклон
– eine tiefe Verneigung – entbiete ich Rudolf Lange, Dieter Schwerdtfeger
und Dietrich Becker:
Sie verliehen der Idee durch ihr
Wirken Inspiration und Kraft.
Als erste auf der russischen
Seite der Wegbereiter nenne ich Svetlana Ivanovna Cvetkova, eine
profunde Kennerin der Kunst, der Architektur und der Geschichte der Stadt
Nowgorod und der Seelen ihrer Bewohner: sie hat diese vielen 100-en
Bielefeldern nahegebracht. Ihre guten Kenntnisse sozialer Institutionen machen
sie zur vorzüglichen Beraterin für uns, wenn es um die sinnvolle Verwendung des
Gehaltscents geht.
Faszinierend für mich als
Pädagogin ist der „Klub junger Matrosen“ – eine hohe Schule der Seemannskunst,
besucht wird diese Schule von Schülern in ihrer Freizeit, bis sie ausgebildet
sind, den Ernstfall zu bestehen: wer wie Kapitän Nikolaj Gennadijevitsch Varuchin
in den Zeiten staatlicher Bevormundung Jugendlichen beibringt, wie sie in
voller Verantwortung ein Schiff über die Weltmeere bewegen, verdient größte
Hochachtung. (Dass dort keine Schülerinnen zugelassen werden, halte ich für
einen Fehler.)
Außerordentliches hat auch
Vladimir Ivanovitsch Povetkin hervorgebracht: als er bei Ausgrabungen
Reststücke von Musikinstrumenten fand, weigerte er sich, diese wie üblich im
Museum in einer Vitrine auszustellen. Nein, er erkundete auf musikhistorischen
Exkursionen ihr ursprüngliches Aussehen und ihre kulturelle Bestimmung,
restaurierte sie eigenhändig (er hat wahrhaftig „zolotye ruki“, d.h.
goldene, begabte Hände) und erweckte ihren Klang zu neuem Leben. Heute leitet
er ein musikhistorisches Zentrum.
Der vierte ist der Nomade, wie
sein Familienname sagt, der – wie er gern hervorhebt – herumgehen darf, wenn
andere stehen und applaudieren: Aleksandr Alekseevitsch Kotschevnik, denn
er muss dann fotografieren. Er hat den ursprünglichen Pioniergeist nie
aufgegeben, mit ihm zusammen durfte ich viele Luftschlösser bauen und sie auf
ihr Fundament setzen.
Lieber,
verehrter Herr David! Ihnen hat diese Städtepartnerschaft in den 20 Jahren
Ihrer Dienstzeit als Oberbürgermeister besonders am Herzen gelegen. Im ersten
Jahr Ihrer Amtszeit begrüßten Sie die jungen Seeleute, die vom Emdener Hafen
auf dem Landweg nach Bielefeld kamen, um auf dem Rückweg Bielefelder Jungs mit
an Bord nach Nowgorod zu nehmen. Ihre ausgewogene Beratung und zupackende
Unterstützung hat die Arbeit des Kuratoriums stets klug und tatkräftig
begleitet, vor allem anlässlich der
Festwochen in den Jahren 2006 und 2007. Ich danke Ihnen für diese
großartige Kooperation zwischen Professionellen in der Stadt und Ehrenamtlichen
auf unserer Seite und besonders für Ihr persönliches Engagement.
Welche Baustellen zeichnen
sich ab für unsere Arbeit?
Stellvertretend nenne ich 3
Bereiche:
1. Seit wenigen Jahren erst sind Behinderte
in Russland kein Tabuthema mehr. Der Gehaltscent der Bielefelder städtischen
Mitarbeiter erlaubt uns, etliche Einrichtungen zu unterstützen, die mit
Behinderten arbeiten. Über die materielle Hilfe hinaus wünsche ich mir auch
fachlichen Austausch auf diesem Gebiet.
2. Russischsprachige Mitbürger
unter uns haben mitunter Integrationsschwierigkeiten. Das wunderbare
Gehörlosentheater aus Welikij Nowgorod in Zusammenarbeit mit einer Bielefelder
Pädagogin und Schauspielerin ist dabei, ein gemeinsames Projekt zu entwickeln,
das Schule machen könnte. Der Deutsch-Russische-Austausch in Berlin und St.
Petersburg entwickelt ähnliche Arbeitsformen.
3. Ein weites Feld, das die
Zukunft des Lebens auf unserer Erde bedroht, sind ökologische Fragen.
Ich stelle mir vor, dass auch sie eine größere Rolle spielen könnten in unserer
partnerschaftlichen Zusammenarbeit.
Werden aus
den Bürgern unserer Städte Brüder und Schwestern? Es sind viele Freunde und
Freundinnen, viele gute Kollegen, auch Ehepaare erwachsen aus dieser Verbindung
– so kann es weitergehen.
Ein Nowgoroder Maler stellte mich beim Besuch seiner
Vernissage den Anwesenden und dem Fernsehen als „seine Schwester“ vor. Er
meinte dies im geistig-seelischen Sinne. Viele nahmen es für BARE MÜNZE: mit
solchen Pfunden lässt sich trefflich wuchern!
Wir Bielefelder können stolz auf
unsere Bruderstadt Welikij Nowgorod sein.
Brunhild Hilf
Ein halbes „Gorodischtsche“ als
Geschenk
Die alte Residenz der russischen Fürsten, das Gorodischtsche Rjuriks,
das dicht neben dem heutigen Nowgorod liegt, bekam kurz vor der
1150-Jahres-Feier die Chance, zum Mekka für Touristen und Archäologen zu
werden.
Seit die Stadt Nowgorod im Jahr 1998 durch den Erlass des
russischen Präsidenten wieder zu „Welikij Nowgorod“ (Großnowgorod) und ihr ein
Jahr später die westliche Seite des Hügels auf dem das Dorf Gorodischtsche
liegt, zugeschlagen wurde, erfolgte jetzt dank der hartnäckigen Forderungen der
Nowgoroder Duma - nachdem zuvor städtische und Gemeindechefs gemeinsam zur
Ortsbesichtigung gefahren waren - auch die Rückgabe der restlichen Hektar Land,
die im Mittelalter dazu gehört hatten.
Historiker und Archäologen sind
glücklich über dieses Geschenk.
(Nowgorod, Städtische Wochenzeitung Nr. 37, S.9, 27.9.09)
Die Adressen unseres Vorstands
Karin Clasmeier,
Bossestr. 21, 33615 Bielefeld, Tel. 173 502 oder 9 216 325
Christel
Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd,
Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf,
Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
Kirsten
Hartmann, Oelmühlenstr. 105, 33604 Bielefeld, Tel. 1 369 528 oder 68 294
(Apotheke)
Werner Matthes,
Babenhauser Str. 30, 33619 Bielefeld, Tel. 892 364 (privat) oder 86 039 (8 – 17
Uhr)
William Rotsel,
Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von
Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,
Tel. 886 414
Michael
Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.
Brunhild Hilf
- Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld
Redaktion:
Brunhild und Rebecca Hilf
Konto des Kuratoriums:
Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kt
25. Jahrgang
Nr.67 /Juni 2009
Einladung
zur öffentlichen Mitgliederversammlung
am Montag, dem 8. Juni 2009 um 20 Uhr
in Raum 240 der Ravensberger Spinnerei
(VHS) im Ravensberger Park 1
Sehr verehrte, liebe Mitglieder und
Freunde Welikij Nowgorods!
Zu unserer sommerlichen Mitgliederversammlung haben wir als Referenten Stefan Melle eingeladen. Er
ist Geschäftsführer des Deutsch-Russischen Austausches (DRA) in Berlin;
dieser Verein unterstützt gemeinsam mit seiner gleichnamigen
Partnerorganisation in St. Petersburg nichtstaatliche soziale
Einrichtungen, Bürgerinitiativen und
Menschenrechtsorganisationen in Russland, der Ukraine und Belarus. Der DRA
fördert ihre Kooperation mit anderen Sektoren der Gesellschaft, organisiert
gemeinsame Projekte und Austauschprogramme. Darüber hinaus realisiert der DRA
EU-Projekte, betreibt eine Freiwilligenagentur und berät als Experte für
Osteuropa Stiftungen, Akteure der Politik und andere Multiplikatoren. Auch
die Integration russischsprachiger Migranten in Deutschland durch deren
Qualifizierung für ehrenamtliches Engagement gehört zu seinem Arbeitsbereich.
Aufgrund dieser Arbeit in zivilgesellschaftlichen Wachstumsprozessen hat
Herr Melle tiefe Einblicke in die Entwicklung Osteuropas bekommen, an denen er
uns teilhaben lassen wird.
Herr Melle hat in Berlin und Moskau Osteuropa-Wissenschaften
und Politologie studiert, als Journalist und Publizist gearbeitet und bei
Publikationen über die rechtsstaatliche Entwicklung Russlands und über Putin mitgewirkt.
Wir versprechen uns von diesem Abend Anstöße zur Reflexion
über unser Tun und Impulse für künftiges Weiterarbeiten.
Es wäre schön, wenn Sie kommen und mithören, mitdenken,
mitfragen und mitplanen!
Brunhild Hilf
Ein Dank mit Bildern
Im Winter 1993/94 zeigte das Zentrum für
interdisziplinäre Forschung an der Universität Bielefeld eine Ausstellung mit
Werken des Nowgoroder Malers Dmitrij Kondratjew. Dieses „Fenster nach
Europa“, als solches hat der Künstler damals diese Ausstellung wahrgenommen,
hat sich in der Folge für ihn weit geöffnet und Liebhaber seiner Kunst
angelockt, ihm aber auch Inspiration geschenkt für sein weiteres Schaffen. Fast
70-jährig ist er im Januar 2008
verstorben.
In seinem Testament
verfügt er, dass eine Gruppe seiner Bilder erneut den Weg nach Bielefeld nehmen
soll, um seine Dankbarkeit zu zeigen gegenüber der Stadt, die ihm so viel neuen
Lebensmut und -erfolg geschenkt hat. Wir planen, die Bilder im Oktober
im Foyer des St. Franziskus-Hospitals zu zeigen; sie können dann auch
erworben werden. Der Erlös ist nach dem Willen D. Kondratjews für einen
sozialen Zweck bestimmt.
Brunhild
Hilf
Über
die Schwierigkeiten der Orthodoxie im
modernen Russland
Die
online-Zeitschrift der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen “Kultura“
(www.kultura-rus.de) besteht seit 2005. Sie erscheint zweimonatlich und bietet
- auch für Laien gut lesbar - wissenschaftlich fundierte Analysen über die
Vielfalt und Gegensätzlichkeit des russischen Kulturlebens. Die aktuelle
Ausgabe Nr.2-09 befasst sich mit der heutigen Situation der Orthodoxie.
Kaleidoskopartig beleuchten fünf
Aufsätze die verwirrende Situation.
Die amerikanische Journalistin Sophia Kishkovsky berichtet über das
Schicksal religiöser Literatur seit der
Oktoberrevolution und die wichtige Rolle, die die russischen Emigranten aus den
USA und ihre kleine Organisation RBR, (religious books for Russia), 1979
gegründet, für ihre Erhaltung gespielt haben. Die in Amerika gedruckten und zum
größten Teil ins Russische übersetzten Bücher und Broschüren erreichten die
Sowjetbürger lange Zeit nur als Schmuggelware. Erst seit 1992 ist
der Versand legal und immer noch wichtigste Informationsgrundlage für Gläubige
und Interessierte in Russland. Der Zusammenschluss der Russischen Orthodoxen
Kirche mit der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland fand 2007 unter
Präsident Putin statt. Seit Gorbatschow waren auch in Russland schon eigene
kleine Verlage der seit 1979 bestehenden
RBR entstanden, aber noch im Jahr 1998 wurden in vielen russischen
Priesterseminaren die Bücher amerikanischer und anderer ausländischer Theologen
zur Orthodoxie als zu liberal
abgelehnt. Acht Jahre vorher war der für die Ökumene eintretende Moskauer
Priester Aleksandr Men noch auf offener
Straße ermordet worden.
Heute
sei die Situation grundlegend anders, beteuert die Autorin. Manchmal seien es
die Bischöfe selbst, die Bücher bei RBR, längst
in Zusammenarbeit mit russischen Verlagen, für ihre Priesterseminare
anforderten. Aber der Mangel, vor allem an Kinderliteratur, sei
weiterhin groß. Um einen breiten
Leserkreis zu erreichen, werden auch viele kostenlose Broschüren verteilt.
Ein Priester aus Pskow, der
außer 24 (!) Gemeinden noch ein Gefängnis und ein Kinderheim zu betreuen hat,
schrieb an den Verlag, dass er große Hilfe durch die Literatur erführe. Ein
anderer berichtete aus Kolyma, einem Ort trauriger Berühmtheit durch den GULAG.
„Danke für die Bücher! Hier am Ende der
Welt ist es wirklich schwierig, Bücher zu finden, die man braucht“.
Gleichzeitig bat er um DVDs mit Predigten des aufgeklärten Metropoliten A.
Bloom, der in London das Moskauer Patriarchat vertreten hat. Der weiter
gespannte Horizont der ausländischen religiösen Literatur ist für diese Menschen
tröstlich und überlebenswichtig.
Über
einen anderen Ausschnitt russischen orthodoxen Lebens berichtet die Autorin Olga Sweschnikowa in ihrem Bericht über
die neue Universitätskirche in Omsk, wo zum ersten Mal ein weltliches
Hochschulsystem orthodoxe Priesterausbildung ermöglicht. Der Grund war
zunächst banal - das Bistum Omsk-Tara hatte kein eigenes Priesterseminar- aber die Notlage führte zu einem Experiment
mit sehr gutem Ausgang.
Im Gegensatz zu
Kirchenbesuchern in anderen russischen
Städten ist die Gemeinde hier vorwiegend jung. Die Studenten verschiedenster
Fakultäten kommen während ihrer
Studienzeit „oft mit sehr vagen
religiösen Vorstellungen“ in den Gottesdienst, halten dann nach Abschluss des
Studiums aber den Kontakt zur Gemeinde und bringen ihre Kinder und Familie zum Abendmahl mit in die Kirche.
Die Universitätsgemeinde
ist fortschrittlich und aktiv. Die Kunststudenten der pädagogischen
Universität haben ihre Kirche „ Zur Heiligen Märtyrerin Tatjana“ eigenhändig
mit Mosaiken ausgeschmückt. Die Jugendlichen aus der Gemeinde
feiern und spielen an kirchlichen
Festtagen zusammen. Es gibt eine Sonntagsschule und Intensivkurse
zur orthodoxen Liturgie, die an allen Werktagen abends stattfinden. Hierbei
unterrichten sich Gemeindemitglieder gegenseitig, die Fortgeschrittenen die
Neuanfänger. Die Jugendlichen aus der Gemeinde dürfen sowohl an den
Veranstaltungen des Bistums, wie auch an Ausstellungen und überkonfessionellen
Konferenzen teilnehmen. Hier zeigt sich auch der Reichtum einer multiethnischen
und multikonfessionellen Stadt: In der südwestsibirischen Millionenstadt
Omsk leben 79 verschiedene Religionsgemeinschaften. Die Anzahl der
Protestantischen Gemeinden ist mit 33 erstaunlich hoch.
Aus Platzgründen habe ich
mich auf diese beiden, mir besonders interessant scheinenden, Aufsätze
beschränkt. Auch die übrigen Beiträge seien Ihnen anempfohlen.
Inzwischen
schickt die Redaktion von ‚Kultura‘ einen verzweifelten Appell aus: die
„Gerda-Henkel- Stiftung“, die die Zeitschrift zwei Jahre lang unterstützt hat,
fällt ab Jahresmitte als Sponsor weg. Die Suche nach neuen Sponsoren läuft zwar
auf Hochtouren, aber eine Übergangszeit kann nur durch private Spenden
überbrückt werden. Vielleicht kann es durch Ihre Hilfe sogar gelingen, einen
langfristigen neuen Sponsor ausfindig zu machen.
Wir vom Vorstand finden, dass es ein Riesenverlust wäre,
wenn diese um Zwischentöne und sorgfältige Recherchen bemühte Zeitschrift
eingestellt werden müsste. Das Institut der Forschungsstelle Osteuropa ist als
gemeinnützig anerkannt, Spenden sind also steuerlich absetzbar.
Bankverbindung
: Forschungsstelle Osteuropa, Konto-Nr.1228 7868, Spark. Bremen, BLZ 290 501
01, Verwendungszweck ‚Spende für Kultura‘.
Ulrike
von Savigny
Zweites Strafverfahren gegen Michail Chodorkowskij
Michail Chodorkowskij war als Vorstandsvorsitzender
des sehr erfolgreichen, aber inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos einer
der zahlreichen russischen sog. Oligarchen (Großunternehmer) und Milliardäre.
Im Gegensatz zu den meisten seiner Berufskollegen hat er sich den ehemaligen
Präsidenten Wladimir Putin zum erbitterten Feind gemacht, indem er der
Kremlverwaltung - nicht zu Unrecht - öffentlich Korruption
vorwarf und zugleich politische Ambitionen zu entwickeln begann.
Der Kreml schlug schließlich zurück.
Chodorkowskij wurde im Oktober 2003 unter spektakulären Umständen während einer
Geschäftsreise verhaftet und im September 2005 unter dem Vorwurf des Betrugs,
der Veruntreuung und der Steuerhinterziehung zu 8 Jahren Lagerhaft verurteilt.
Die Strafe verbüßte er bisher in einer Strafkolonie im südöstlichen Sibirien.
Z. Zt. sitzt er in einem Untersuchungsgefängnis in Moskau.
Inzwischen ist ein zweites Strafverfahren
gegen den prominenten Strafgefangenen eingeleitet worden, diesmal unter dem
Vorwurf u. a. des Diebstahls von Rohöl in großen Mengen und der Unterschlagung.
Das Verfahren wird vor einem Moskauer Strafgerichtshof durchgeführt. Nach
Aussage seiner Verteidiger drohen dem Angeklagten in dem neuen Verfahren bis zu
22 Jahre Haft.
Der neue Präsident der Russischen Föderation,
Dmitrij Medwedjew, hat wiederholt erklärt, er werde für eine echte
Unabhängigkeit der Justizbehörden des Landes sorgen. Ablauf und Ergebnis des
neuen Strafverfahrens gegen Chodorkowskij werden beispielhaft zeigen, ob es
Medwedjew gelingt, diese Zusage einzuhalten.
Eberhard Heyd
Gehaltscent
Mit dem Bericht über das Kinderheim in Schimsk und
über die Eltern-Behinderten-Initiative Rodnitschok, in der Sebastian Stahl arbeitet, haben Sie in
den letzten Rundbriefen zwei Projekte kennen gelernt, die wir mit dem
Gehaltscent unterstützen. Weitere Gelder kommen anderen Institutionen zugute,
die mit behinderten Kindern und Jugendlichen arbeiten oder aber mit solchen aus
verwahrlosten Familien.
Außerdem fördern wir ein Projekt, das mit Kindern
unter dem Motto "Ich entscheide mich für das Leben" Informationstage
über Drogenmissbrauch veranstaltet und so Suchtprophylaxe betreibt. Wir möchten
auch das Gynäkologieprojekt des Franziskushospitals weiter unterstützen.
Brunhild Hilf
Siegfried Lenz
erinnert an Lew Kopelew
Seit 2001 wird in Köln der Lew-Kopelew-Preis
verliehen an Menschen, die im Geiste des Namensgebers tätig sind. Andere
Empfänger des Preises waren zuletzt Hans Küng (2006) und Memorial, die
russische Menschenrechtsorganisation
(2002).
Am 29.3.2009 erhielt ihn Siegfried Lenz. In seiner Laudatio
würdigt er den Germanisten und Humanisten
Lew Kopelew:
„Der Aufklärung verpflichtet, traf Lew Kopelew eine
Entscheidung, die man nur mit Bewunderung und Bewegung zur Kenntnis nehmen
kann, eine einzigartige Entscheidung. Er suchte Lager mit deutschen
Kriegsgefangenen auf. Er hielt Vorträge. Zu ihnen, die unter Hunger und Heimweh
litten, sprach er nicht über die Lehren des Marxismus, sondern über deutsche
Kultur, über den unzerstörbaren Geist des Landes, das seinem eigenen Volk ein
beispielloses Unglück gebracht hatte. Er sprach über Hölderlin, über Kant und
Hegel, er rief den Erschöpften, den Besiegten, ins Gedächtnis, was sie einst
besaßen und brachte ihnen im Elend des Lagerlebens die Werke von Dürer und
Cranach nahe. Es darf wohl angenommen werden, dass es für viele seiner Zuhörer
eine erste Begegnung mit deutschem Geist war, und ich stelle mir vor, wie sie
auf die tiefen Kenntnisse des Vortragenden reagierten. Dass sich neben
Erstaunen eine unwillkürliche Bewunderung zeigte, scheint mir gewiss, und ich
halte es nicht für ausgeschlossen, dass, wenn auch nur bei einigen, eine
unerwartete Empfindlichkeit für das eigene Tun entstand. Die geltende
Rechtsprechung erkannte in diesen Lehrstunden eine „Glorifizierung der
bürgerlichen deutschen Kultur“. Wir können es anders auslegen; wir können darin
eine Ethik des Verzeihens erkennen. Eine Bestätigung übrigens hörten wir von
Heimkehrern, die nach langer Gefangenschaft in ihren Berichten oft genug die
Mitmenschlichkeit des russischen Volkes erwähnten, seine Hilfsbereitschaft und
auch sein Mitleid.“ (...)
„Die Anklage, der sich der Major der Roten Armee Lew Kopelew
gegenüber sah, lautete auf „bürgerlich-humanistische Propaganda des Mitleids
mit dem Feind“. Das Militärtribunal verhängte als damals angemessenes Strafmaß:
zehn Jahre Straflager.“ (...) „Nach den Schrecken des Krieges
und nach überstandenen Straflagern übersetzte er Goethe und Anna Seghers,
schrieb Biographien über Heine und Brecht und schuf mit seinem Buch über
„Faust“ ein Zeugnis der Aufklärung, das, denkt man an Thomas Mann, einer
Erkundung deutscher Wesensart gleichkommt.“ (...)
Als Teilnehmer an Menschenrechtsaktionen verlor er
1968 seine Dozentur als Literaturwissenschaftler, reiste auf Einladung von Heinrich Böll und
Marion Gräfin Dönhoff 1980 nach Köln und verlor 1981seine russische
Staatsbürgerschaft; 1990 erhielt er sie zurück.
Sein
Lebenswerk ist der Verteidigung der Freiheit des Wortes gewidmet, das Brücken
baut zwischen Menschen
verschiedener Herkunft.
Brunhild
Hilf
Die Adressen unseres Vorstands
Karin Clasmeier,
Bossestr. 21, 33615 Bielefeld, Tel. 173 502 oder 9 216 325
Christel
Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd,
Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf,
Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
Kirsten
Hartmann, Oelmühlenstr. 105, 33604 Bielefeld, Tel. 1 369 528 oder 68 294
(Apotheke)
Werner Matthes,
Babenhauser Str. 30, 33619 Bielefeld, Tel. 892 364 (privat) oder 86 039 (8 – 17
Uhr)
William Rotsel,
Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von
Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,
Tel. 886 414
Michael
Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Herausgeber: Kuratorium
Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.
Brunhild Hilf
- Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld
Redaktion:
Brunhild und Rebecca Hilf
Konto des
Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041
Einladung zur Jahreshauptversammlung
am Montag, dem 2. März 2009 um 20 Uhr
in Raum 240 der Ravensberger Spinnerei
(VHS) im Ravensberger Park 1
Verehrte, liebe Mitglieder und Freunde
Welikij Nowgorods!
Im ersten Teil des Abends wird der
Vorstand seinen Jahresbericht (siehe Tagesordnung in der Innenseite dieses
Rundbriefes) abgeben.
Im zweiten Teil wird Dr. Klaus
Trillsch vom Franziskus-Hospital über sein "Gynäkologie-Projekt"
sprechen.
Am Ursprung der Kooperation
zwischen Geburtshelfern und Hebammen in Bielefeld und Welikij Nowgorod steht
eine russische Mutter, die ihren ersten Sohn 1981 in Russland, den zweiten 1996
in Deutschland auf die Welt brachte und aufgrund der Unterschiede die Situation
für Gebärende und ihre Neugeborenen in ihrer Heimat verändern wollte. Ihre
Wünsche und Vorstellungen fanden Gehör in einer Nowgoroder Klinik; das
Franziskus-Hospital nahm gastfreundlich Abgesandte von dort auf und ließ sie hospitieren. Hier entstand sodann
der Kontakt zu dem Gynäkologen Dr. Klaus Trillsch, der seit 2003 mit einigen
Kliniken des Nowgoroder Gebietes einen intensiven Fachaustausch pflegt, welcher
sich nicht nur auf theoretischer Ebene, sondern in ganz praktischen Erfahrungen
darstellt. Wie in einem Land Kinder auf die Welt kommen, dies hat sehr viel zu
tun mit dem Menschenbild, das man dort pflegt.
Ich freue mich
auf einen anregenden Abend und heiße Sie herzlich willkommen!
Brunhild Hilf
Als
Zivi in Russland?
Wir fragen uns
manchmal, welchen Ertrag die "Bielefelder Tage in Welikij Nowgorod"
2006 und die "Welikij Nowgoroder Tage in Bielefeld" 2007 gehabt
haben, und sind überzeugt davon, dass viele Einzelbegegnungen das Verständnis
der Bürger der Partnerstädte für einander vertieft haben. Manche Kontakte
werden lange halten und das Leben der Beteiligten verändern. Gewiss ist dies
der Fall bei Sebastian Stahl, der – obwohl damals Schüler im Abiturjahrgang –
sich zu den Anfängern in der Klasse 11 auf die Schulbank setzte, um Russisch zu
lernen. Sein Plan, als Zivildienstleistender ein ganzes Jahr in Welikij
Nowgorod zu arbeiten, wurde durch die neuen Visabestimmungen durchkreuzt: nach
3 Monaten musste er wieder heimfahren. Nun suchen wir mit ihm nach Möglichkeiten,
zurückzukehren. Denn: der hier folgende Bericht zeigt, dass er das sehr gerne
tun möchte und – auch gebraucht wird.
Am 9. Januar 2009 kehrte ich nach drei erlebnisreichen
Monaten aus Welikij Nowgorod zurück. Das vergangene Vierteljahr hatte ich in
der Stadt als Freiwilliger für das Sozialprojekt „Rodnitschok“ gearbeitet, eine
Betreuungseinrichtung für junge Menschen mit Behinderungen. Das
Rodnitschok-Zentrum ging 1996 aus einer Elterninitiative hervor und hat sich
seitdem unter der Leitung seiner Gründerin Olga Andreeva kontinuierlich
weiterentwickelt. Heute arbeiten in der Einrichtung Frau Andreeva und zwei
feste Mitarbeiter sowie zahlreiche freiwillige Helfer.
Eltern, deren Kinder eine Behinderung haben, können ihre
Kinder tagsüber im Zentrum betreuen lassen. Auf diese Weise ermöglicht man den
Jugendlichen eine Abwechslung im Alltag und gibt ihnen die Möglichkeit, sich
auch mit anderen Jugendlichen zu sozialisieren. Ihre Eltern erhalten dadurch
die Möglichkeit, ihrem Alltag oder einer Arbeit nachzukommen. Das Alter der
Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die das Zentrum in den drei Monaten besuchten,
war sehr unterschiedlich und lag zwischen 14 und in Einzelfällen bis zu 30
Jahren. Ein fester Kern dieser Betreuten kommt regelmäßig jeden Tag, während
andere vielleicht wöchentlich oder seltener vorbeischauen. Manche der Betreuten
sind so selbstständig, dass sie den Weg zum Zentrum jeden Tag allein
zurücklegen; andere sind darauf angewiesen, von ihren Verwandten gebracht zu
werden. Dies hängt stark von ihrer individuellen Behinderung ab; viele dieser
Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben eine Kombination aus geistiger und
körperlicher Behinderung. Auch Rollstuhlfahrer besuchen das Zentrum regelmäßig,
sind aber in der Minderheit. Zweimal am Tag gibt es im Zentrum eine Mahlzeit,
die in der eigenen Küche von den Mitarbeitern zubereitet wird. Jede dieser
Tageshälften wird mit Angeboten wie gemeinsames Basteln, Malen, Singen, Spielen
oder Lernen ausgefüllt, die Jugendlichen können jedoch oft auch selbstständig
über ihre Zeit verfügen und sich je nach Möglichkeit einer Beschäftigung
zuwenden - besonders beliebt war bei einigen von ihnen das Schachspiel. An zwei
Tagen in der Woche bietet eine Musikpädagogin ein kleines interaktives Programm
an, welches bei den Jugendlichen sehr beliebt ist.
Für weitere
Abwechslung sorgen in unregelmäßigen Abständen die Besuche mancher
Grundschulklassen oder Studenten, diese präsentieren den Jugendlichen dann
kleinere Theater- oder Musikaufführungen. Im Sommer unternimmt man gemeinsame
Fahrten und besucht Sehenswürdigkeiten der Region. Da das Non-Profit-Projekt
sich zunächst nur durch Spenden finanziert, hat es sich zur Existenzsicherung
einen kleinen Nebenverdienst aufgebaut, in dem es seine Räumlichkeiten ab und
an für Touristen mit oder ohne Behinderung zur Übernachtung anbietet.
Die drei Monate, die ich bei Rodnitschok mitgeholfen habe,
vergingen sehr schnell. Ich hatte mich schneller, als ich zuvor erwartete,
einleben können und wurde sofort in den Alltag der Einrichtung eingebunden. Die
Mitarbeiter um Olga Andreeva sind sehr herzliche Menschen, die sich bemühen, den
behinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine angemessene Betreuung im
Zentrum und damit eine Abwechslung in ihrem Alltag zu ermöglichen. Täglich
waren zwischen zehn und zwanzig Jugendliche und junge Erwachsene im Zentrum,
die meisten von ihnen kamen gleich zu Beginn am Morgen. Zusammen mit meinem
Kollegen begann der Tag daraufhin mit gemeinsamen Fitness- und Motorikübungen.
Die Ansage dieser Übungen wurde mit großer Freude von einem der Jungen, sowohl
körperlich als auch geistig behindert, übernommen. Danach folgte das Programm
der Musikpädagogin, eine Ansprache, ein gemeinsames Spiel oder aber eine Phase
der Selbstbeschäftigung. Oft hieß dies für mich, dass ich mit einem oder
mehreren der Jugendlichen Schach, Mühle oder ein anderes Spiel spielte – diese
Brettspiele sind überaus beliebt; vor allem Schach. Manchmal aber hatte auch
jemand den Wunsch, etwas Deutsch oder Englisch von mir zu erfahren, so dass wir
zusammen Vokabeln lernten. Auch kleinere Spaziergänge in der nächsten Umgebung
waren Teil des Vormittages. Darauf folgte das gemeinsame Mittagessen, bei dem
es meine Aufgabe war, einem jungen Mann zu assistieren. Für den Nachmittag
waren oftmals kleinere Angebote unter Anleitung geplant. Es wurde gemalt,
gewerkelt, mit Knete modelliert oder gemeinsam das Lesen, Schreiben oder
Rechnen vertieft. Nach der Volljährigkeit besuchen die Jugendlichen in der
Regel keine Sonderschule mehr, und so finden sie bei Rodnitschok weiterhin eine
kleine Möglichkeit, ihre Fähigkeiten etwas auszubauen oder zu erhalten. Der
Abschluss des Tages war das gemeinsame Teetrinken, zu dem es auch immer etwas
Süßes gab. Danach verließen die ersten Betreuten das Zentrum, und der Tag
endete gegen 17 Uhr.
Parallel zu der
Tätigkeit im Zentrum selbst arbeitete ich zusätzlich zweimal in der Woche mit
zwei jungen Frauen, die aufgrund ihrer Behinderung momentan keine Möglichkeit
haben, Rodnitschok regelmäßig zu besuchen – denn auch Hausbesuche gehören zum
Angebot des Zentrums. Und so unternahmen wir Spaziergänge oder übten zur
Abwechslung vom Alltag gemeinsam Fremdsprachen.
Abschließend kann ich über meinen
Aufenthalt sagen, dass ich sehr froh bin, über das Kuratorium an das
Rodnitschok-Zentrum vermittelt worden zu sein. Die Erfahrungen, die ich dort
machte, sind sehr positiv. Obwohl die finanziellen Mittel des Zentrums knapp
bemessen sind, habe ich dort eine engagierte, angemessene Betreuung der
Jugendlichen erlebt. Besonders die positive Haltung, die bei vielen dieser
Jugendlichen trotz ihrer Behinderung zu spüren war, hat mich beeindruckt.
Sebastian Stahl
Tagesordnung der
Jahreshauptversammlung
1. Jahresberichte
1.1 Bericht
der Vorsitzenden
1.2 Bericht
des Kassenwartes
1.3 Stellungnahme
und Entlastung durch die Rechnungsprüfer
1.4 Aussprache
über die Arbeit des Kuratoriums
1.5 Entlastung
des Vorstandes
2. Neuaufnahmen
3. Vortrag von
Dr. K. Trillsch
An den Botschafter
der Russischen Föderation in
Deutschland
im Januar 2009
|
Mord an
dem Rechtsanwalt Markelow und an der Journalistin Baburowa in Moskau
am 19.
Januar 2009
Meine Freunde und ich sind seit vielen Jahren mit den
Menschen Ihres Landes und deren Wohlergehen in aufrichtiger Sympathie
verbunden. Wir betätigen uns aktiv im Rahmen einer langjährigen und sehr
lebendigen Partnerschaft zwischen unserer Stadt Bielefeld und der Stadt
Welikij Nowgorod. Immer wieder besuchen uns Bürger aus der altehrwürdigen
Metropole im Nordwesten Russlands, worüber wir uns jedes Mal sehr freuen.
Um so mehr haben wir
mit Entsetzen und Abscheu erfahren müssen, dass vor wenigen Tagen, am 19. Januar 2009, der Rechtsanwalt Stanislaus
Markelow (34) und die Journalistin Anastasja Baburowa (25) in Moskau auf
offener Straße erschossen worden sind. Dieser unfassbare, brutale Mordanschlag hat
offensichtlich politische Hintergründe, denn der hinterrücks erschossene
Rechtsanwalt hat u.a. Mandanten vertreten, die unter massiven
Menschenrechtsverletzungen zu leiden hatten. Die bei derselben Aktion getötete Journalistin
war für die Moskauer Zeitung „Novaja Gazeta“ tätig, die für ihre auf Fakten
beruhende, regierungskritische
Berichterstattung bekannt ist.
Unser tiefes
Mitgefühl gilt den Familien, den Kollegen und Freunden der so hinterhältig
Getöteten.
Auch Ihnen, sehr geehrter
Herr Botschafter, ist bekannt, dass in den vergangenen Jahren immer wieder
russische Staatsbürger, die es gewagt hatten, aus begründeten Anlässen sich
mit der Staatsmacht anzulegen, den Mut, von ihren verfassungsmäßig garantierten
Grundrechten Gebrauch zu machen (z. B. vom Grundrecht der Meinungsfreiheit),
mit dem Leben haben bezahlen müssen. Eines der prominentesten Beispiele ist
die brutale Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja im Oktober 2006.
Diese Untat trägt dieselbe schändliche Handschrift wie der aktuelle
Mordanschlag vom 19. Januar 2009.
Im Interesse des
Rechtsstaates Russische Föderation und im Interesse des Ansehens Ihres großen
Landes im In- und Ausland erwarten wir, dass die zuständigen staatlichen
Organe ohne falsche Rücksichten alles Erforderliche tun, um den Täter und
seine kriminellen Hintermänner möglichst rasch zu ermitteln und sie ihrer
gerechten Strafe zuzuführen.
Eberhard Heyd
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Premiere in Russland:
Hanse-Tage in Welikij Nowgorod
Aus Anlass des
1150-jährigen Stadtjubiläums finden die alljährlichen Hansetage im Jahre 2009
in Welikij Nowgorod statt – zum ersten
Mal überhaupt in Russland, zum 24. Mal in
der Neuzeit.
Vier Tage im Juni werden der Erinnerung
an diesen Handelsbund gewidmet sein, der im Mittelalter große ökonomische und
politische Macht besaß. Im niederländischen Zwolle wurde 1980 die Idee geboren,
die Tradition der jahrhundertealten Zusammenarbeit der beteiligten Städte
wiederzubeleben – heute gehören dem neuzeitlichen Hansebund mehr als 160 Städte
in 15 europäischen Ländern an. Seit 1993 ist Welikij Nowgorod darin aktives
Mitglied. Unter dem Motto "Die Grenzen erweitern" sollen die Gäste
der diesjährigen Hansetage vom 18. – 21. Juni 2009 in Welikij Nowgorod ihre
Kenntnisse über die beteiligten Orte erneuern und vertiefen: der Hansemarkt
stellt die heutigen Teilnehmer vor, während der Historische Basar im Kreml und
auf dem Jaroslav-Hof Einblicke in ihre vielfältig-bunte Geschichte und Kultur
erlaubt. Über Fragen der aktuellen ökonomischen Zusammenarbeit wird ein
Internationales Forum debattieren.
Die Adressen unseres Vorstands
Karin Clasmeier, Bossestr. 21, 33615 Bielefeld, Tel. 173 502 oder 9 216 325
Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102
Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 87, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233
Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282
Kirsten Hartmann, Oelmühlenstr. 105, 33604 Bielefeld, Tel. 1 369 528 oder 68 294
(Apotheke)
Werner Matthes, Babenhauser Str. 30, 33619 Bielefeld, Tel. 892 364 (privat)
oder 86 039 (8 – 17 Uhr)
William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668
Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld, Tel. 886 414
Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909
Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod
e. V.
Brunhild Hilf - Schelpsheide 12 -
33613 Bielefeld
Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf
Konto
des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041
Zum Rundbrief Nr. 65 vom November
2008
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Juni 2008
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