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 Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld - Welikij Nowgorod e. V.

 
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Welikij Novgoroder Tage

 

27. Jahrgang                                                                         Nr.74/November 2011

 

 

 

 

 

Sehr verehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods,

 

Hiermit lade ich Sie ein zur

öffentlichen Mitgliederversammlung am Montag, dem 14.11.2011 um 20 h

in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1

 

Unsere Vorstellungen von Russland werden geprägt von Erfahrungen, die wir mit russischen Menschen machen oder gemacht haben. Dies können Kontakte in der ehemaligen Sowjetunion sein, im heutigen Russland – aber auch Begegnungen mit Spätaussiedlern, mit Menschen deutscher Herkunft, die aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zu uns gekommen sind. Auch in Bielefeld bilden sie eine bedeutsame Gruppe, deren Integration von städtischen Ämtern und Wohlfahrtsorganisationen gefördert wird.

Beim DRK in Bielefeld ist es Frau Tatjana Trembatsch, die lange Jahre selber Projekte für Übersiedler betreut und Ehrenamtliche für diese Arbeit ausgebildet hat und auch weiterhin in der Beratung von Spätaussiedlern tätig ist. Sie wird an diesem Abend von ihrer Arbeit berichten: von den spezifischen Hürden, die von Spätaussiedlern genommen werden müssen, um sich hier einzuleben, von ihren Erfahrungen mit unserer Lebensrealität und davon, wie wir sie unterstützen können auf ihrem Weg in das Heimischwerden in ihrer alten neuen Heimat.

Herzlich willkommen!

Brunhild Hilf

 

 

Unser Jubiläum

 

Der Vertrag der Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Welikij Nowgorod wurde am 17. September 1987 feierlich unterzeichnet. Eine mehrköpfige Delegation war angereist und der festliche Akt im Rathaus konnte von der Bielefelder Öffentlichkeit beobachtet werden.

2012, 25 Jahre später, möchten wir diesen Geburtstag gern wieder mit russischen Gästen feiern. Über das Jahr verteilt wird es etliche Gelegenheiten geben, bei denen die Bielefelder Bürger russische Kunst und Kultur aus dem Gebiet Nowgorod hier erleben.

Den Auftakt wird eine Fotoausstellung bilden: vom ersten bis vierten Advent werden in der Neustädter Marienkirche wunderbare großformatige Fotografien zu sehen sein von


den Szenen, die ein Meister aus Magdeburg in Bronze gestaltet hat und die die Festtagspforte der Sophienkathedrale in Welikij Nowgorod schmücken. Sie sollen die adventliche Erwartung begleiten und gleichzeitig die Tür öffnen für das Jubiläumsjahr.

Schwester Carola, Oberin des Bielefelder Ursulinenkonvents, wird nach dem Gottesdienst am ersten Advent um 11:30 Uhr die Ausstellung einführend eröffnen.

Mitte März wird für zwei Wochen Dr. Wladimir Jarisch hier sein: er hat sich wissenschaftlich mit der Kulturgeschichte des Birkenrindenhandwerks befasst, das rund um den Globus in vielen nördlichen Ländern den Alltag der bäuerlichen Bevölkerung geprägt hat. In der VHS wird er an drei Nachmittagen einen Birkenflecht-Kurs anbieten: am 10., 13. und 14. März.

Im Jubiläumsmonat wird ein Orchester hier zum Fest aufspielen, das vorher in Welikij Nowgorod die Feierlichkeiten zum 1150-jährigen Jubiläum der Staatsgründung Russlands begleiten darf: das Orchester der russischen Volksinstrumente namens Babanov unter der Leitung von Vitalij Beljaev. Mit Instrumenten wie Dombra, Gusli, Balalajka musizieren sie klassische, moderne und volkstümliche europäische Weisen.

Von Nikolaj M. Lokot´kov haben wir Ihnen im letzten Rundbrief berichtet. Nach wie vor hoffen wir, dass er mit seinen Bildern 2012 persönlich nach Bielefeld kommen wird. Zurzeit werden im Desjatinnyj-Kloster in Welikij Nowgorod seine Bilder ausgestellt, die eine große Bandbreite seines Schaffens verraten: große Farbflächen, ausdrucksstarke Gestik, satirischer Witz. Er hat sich über unsere Einladung an ihn nach Bielefeld gefreut und wird Kostproben seines vielfältigen Schaffens mitbringen. Bei Gesprächen zwischen ihm und den Bielefelder Schülern und Schülerinnen, die im September seine Ausstellung besuchten, wurde sein pädagogisches Talent deutlich: es schlägt sich nieder in einer Kunstzeitschrift für Kinder von hoher Qualität. Zwei bedeutende russische Preise hat er für sein Wirken erhalten.

Zu einseitig würde das Jubiläumsjahr, wenn die Reisebewegung nur in einer Richtung erfolgt: im Herbst soll eine Reise nach Welikij Nowgorod stattfinden. Bei Dr. M. Schräder (Tel. 882 909) entsteht derzeit eine Liste mit Interessenten: für eine Woche im September oder Oktober – so ist der Plan.

Für alle diese Projekte werden Orte und Termine noch rechtzeitig bekannt gegeben – wir hoffen auf reges Interesse und freuen uns auf vielfältigen Genuss!                                                B. Hilf

 

 

Neues aus der Nowgoroder Presse

 

Sinn dieser Rubrik, die nun zum sechsten Mal im Rundbrief erscheint, ist es nicht, nur Lokalnachrichten aus Welikij Nowgorod in deutscher Sprache bekannt zu machen, sondern vielmehr Themen aufzugreifen, die von gesamtrussischem Interesse sind, aber auch in unserer Partnerstadt Aktualität besitzen: Auch in Nowgorod übt die kirchliche Hierarchie Druck auf die Politik aus (Schließung des Restaurants „Detinez“ im Kreml), auch hier (sowie in Poughkeepsie/New York, Darmstadt oder Perugia) werden fragwürdige Gerichtsurteile gefällt (die „Nowgoroder Affäre“ – siehe Rundbrief Nr.73), auch unbotmäßige Unternehmer aus Nowgorod landen im Gefängnis (Wladimir Fjodorow von der Firma „Splav“). Es kann sein, dass auch künftig solche kritischen Blicke auf das Geschehen in der Stadt am Wolchow-Fluß geworfen werden.

Die Turbulenzen um die Firma „Splav“ haben sich anscheinend noch lange nicht gelegt. Wie in den Rundbriefen Nr. 70, 71 und 72 berichtet, ist „Splav“ (russisch „Legierung“) ein Hersteller von Ausrüstung für die Atomindustrie und einer der größten privaten Arbeitgeber Welikij Nowgorods. Auf den Leiter und Hauptaktionär Wladimir Fjodorow, der die Firma maßgeblich in der nachsowjetischen Zeit aufgebaut hat, wurde vor etwa vier Jahren Druck ausgeübt, seine „Splav“-Anteile an RosAtom (die staatliche Monopolgesellschaft für Atomenergie im zivilen und militärischen Bereich) zu verkaufen. Dazu war er auch bereit, allerdings wollte er unmittelbar an RosAtom verkaufen, während mit hohen Staatsbeamten gut verdrahtete Mittelsmänner darauf bestanden, eigene dicke Gewinne an der Transaktion einzustreichen. Dies lehnte Fjodorow ab, woraufhin eine kriminalpolizeiliche Verfolgung des Widerspenstigen einsetzte, die nicht nur zufällig an die Chodorkowsij-Geschichte gemahnt. Zur neuesten Lage folgende vier Meldungen:

 

Welikij Nowgorod.ru / Великий Новгород.ру, 4.7.2011 (Igor Dawljattschin)

Nowgoroder Gericht verurteilt Ex-Chef der Firma ‚Splav’ zu 10 Jahren verschärfter Haft

Das Nowgoroder Amtsgericht hat den Chef der Firma ‚Splav’ Wladimir Fjodorow zu 10 Jahren Freiheitsentzug mit Verbüßung der Strafe in einer Kolonie mit verschärften Bedingungen verurteilt. Der Korrespondent von Welikij Nowgorod.ru berichtet aus dem Gerichtsaal, dass die zweite Beteiligte am Prozess, Elena Muchina, zu vier Jahren und vier Monaten in einer Kolonie mit allgemeinen Bedingungen verurteilt wurde. Das Gericht befand Fjodorow und Muchina für schuldig, im Jahr 2000 gemeinsam die GmbH ‚Haus des Buchhalters’ um die Summe von rund drei Millionen Rubel erpresst zu haben. Darüber hinaus wurde Fjodorow schuldig gesprochen, in den Jahren 2005 und 2007 durch Erpressung und Betrug Anteile vom Stammkapital der GmbH ‚Maschinenbau-Holding’ im Wert von mehr als 700 Millionen Rubel ergaunert zu haben [...] Für die Verbrechen zusammen hat das Gericht insgesamt […] 10 Jahre Freiheitsentzug [und zusätzlich dazu] eine Strafe von 800.000 Rubeln angeordnet. […] Die Staatsanwaltschaft hatte 12 Jahre Freiheitsentzug beantragt sowie 8 Jahre für Muchina. Der Leiter von ‚Splav’ wurde am 12. Mai 2008 verhaftet und befindet sich seitdem in verschiedenen Gefängnissen. Wir merken an, dass 10 Tage vor seiner Festnahme der Ehrenbürger Welikij Nowgorods Wladimir Fjodorow aus den Händen des russischen Präsidenten Wladimir Putin den ‚Orden für Verdienste um das Vaterland’ IV. Klasse erhalten hatte. Die Belegschaft des Unternehmens betrachtet das Geschehen als den Versuch einer feindlichen Übernahme der Aktiengesellschaft ‚Splav’.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, so dass beide Seiten noch Berufung einlegen können. Die Reaktion des Anwalts von Wladimir Fjodorow ist noch nicht bekannt, er hat sich geweigert, einen Kommentar abzugeben. Die Reaktion der Staatsanwaltschaft ist ebenfalls noch unbekannt.“

http://vnru.ru/news/pring/?id=28660

 

Am 18. Juli 2011 haben Fjodorow selbst, sein Anwalt sowie Frau Muchina beim Gericht Berufung eingelegt. Welikij Nowgorod.ru / Великий Новгород.ру, 28. September 2011 (Igor Dawljattschin)

Fall des Ex-Chefs des Nowgoroder Unternehmens ‚Splav’ ans Amtsgericht zurück überwiesen

Eine Quelle im Gebietsgericht von Nowgorod hat der Nachrichtenagentur Welikij Nowgorod.ru mitgeteilt, dass im Fall des Ex-Chefs des Unternehmens ‚Splav’ Wladimir Fjodorow keine Prüfung der Berufungsgesuche der Verurteilten stattgefunden hat. ‚In Zusammenhang mit den Eingaben der Verurteilten Fjodorow und Muchina zum Protokoll der Sitzung des Amtsgerichts wird der Fall an das Amtsgericht zur Erfüllung der Anforderungen der Strafprozessordnung zurückverwiesen’, berichtete die Quelle. Vorher wurde auf Antrag der Verteidigung die Sitzung vertagt. […] Presseberichte haben darauf hingewiesen, dass Personenkreise um den ehemaligen Generalbevollmächtigten des russischen Präsidenten im Föderationskreis Nordwestrussland Ilja Klebanow sowie um den gegenwärtigen Gouverneur des Nowgoroder Gebietes Sergej Mitin Interesse an den Aktien der Gesellschaft ‚Splav’ gezeigt hatten.“ http://vnru.ru/news/28-09-2011.htm?29541

 

Welikij Nowgorod.ru / Великий Новгород.ру, 27. September 2011

Appell von ‚Splav’ zugunsten des ehemaligen Generaldirektors Wladimir Fjodorow 

Am 22. September 2011 fand in Welikij Nowgorod eine Vollversammlung der Belegschaft der geschlossenen Aktiengesellschaft ‚Splav’ statt. […] Die Mitarbeiter der zu ‚Splav’ gehörenden Unternehmen halten die strafrechtliche Verfolgung ihres ehemaligen Leiters für fabriziert: ‚Wir sind überzeugt, dass dieser Fall voll und ganz gefälscht ist und dass die Festnahme und Verurteilung unseres ehemaligen Direktors Folge des bereits drei Jahre andauernden Versuches einer feindlichen Übernahme unseres Unternehmens sind’.  Einige Zeit vor der Festnahme Fjodorows hat man begonnen, Druck auf ihn auszuüben, die Firma an RosAtom zu verkaufen, allerdings nicht auf direktem Wege, sondern über gewisse Mittelsmänner, die in Beziehung zu regionalen Staatsbeamten standen. Diese Forderung hat Fjodorow abgelehnt. Danach wurde der Druck auf ihn direkt von Seiten des Machtapparates ausgeübt – durch die staatlichen Ordnungskräfte.  Letztlich führte dies zu Wladimir Fjodorows Festnahme und zu seiner Untersuchungshaft in St. Petersburg, heißt es im Brief der Belegschaft. [Alle Anträge von Fjodorow auf Freilassung gegen Kaution oder mit Auflagen wurden abgelehnt – drei Jahre lang.] Dabei wussten die Behörden, nach den Worten der Mitarbeiter von ‚Splav’, dass Fjodorow an einem schweren Krebsleiden erkrankt war. Nach drei Jahren in U-Haft hat sich seine Gesundheit stark verschlechtert, da ihm die nötige medizinische Betreuung vorenthalten wurde.

Die Autoren des Briefes begreifen nicht, warum ‚das Plündern von Unternehmen [engl. corporate raiding] in Russland immer noch stattfindet, obwohl ihm von den höchsten Stellen der Kampf angesagt worden ist, und warum Schwindler, die die Früchte der Arbeit anderer einheimsen wollen, unbestraft bleiben. Im Falle der Plünderung  der Firma ‚Splav’ werden Tausende von Menschen auf der Straße landen, ihnen wird die Existenzgrundlage geraubt, und unser Gebiet wird einen seiner führenden Steuerzahler verlieren’, heißt es im Appell der Belegschaft.“ […]

http://vnru.ru/news/29-09-2011.htm?29518

 

Welikij Nowgorod.ru / Великий Новгород.ру, 5. Oktober 2011

Bei ‚Splav’ in Welikij Nowgorod Leitung ausgetauscht

In der Firma ‚Splav’ in Welikij Nowgorod hat eine erzwungene Auswechslung der Leitung stattgefunden […]  ‚Die angeblich neue Leitung ist eingetroffen, sie legt aber keine Dokumente vor, deshalb bleibt für uns nach wie vor Nikolaj Wladimirowitsch Fjodorow [Sohn des ehemaligen Direktors Wladimir Fjodorow – Ub.] der Direktor’, betont der berichterstattende Sekretär der Firma. Auf einer heute im Gebäude von ‚Splav’ anberaumten Pressekonferenz erklärte Alexander Dmitriew, der neue Direktor der Firma, den anwesenden Journalisten die Umstände des Führungswechsels. Demzufolge fanden die wesentlichen Ereignisse am Dienstagabend statt. ‚Gestern tagte der Rat der Direktoren der Firma Splav und fasste die Entscheidung über die Auswechslung; anstatt des bisherigen Direktors Nikolaj Wladimirowitsch Fjodorow wurde ich ernannt’, teilte Alexander Dmitriew mit. Dmitriew selbst war bei der Sitzung nicht anwesend und konnte nicht sagen, wie viele Mitglieder des Rates teilgenommen hatten, ein Quorum sei jedoch gegeben gewesen. Das Angebot, die Leitung zu übernehmen, wurde ihm am Vorabend unterbreitet.

Laut Dmitriew fand am Vormittag eine Versammlung der Belegschaft zum Thema ‚Zukunft der Arbeit von Splav’ statt. Niemand von den anwesenden Mitarbeitern äußerte Unzufriedenheit mit der Entscheidung der neuen Leitung. ‚Ich habe gesagt, dass kein einziger Mensch entlassen würde, außer den Top-Managern, die die Politik der neuen Leitung nicht mittragen’, erklärte Dmitriew. ‚Wir haben erklärt, warum wir eingesetzt worden sind, wer wir sind, und dass, wenn jemand diese Situation nicht akzeptiert, es nur einen Ausweg gibt: einen anderen Arbeitsplatz zu suchen.’  Der neue Direktor bestätigte die Presseberichte, wonach am Vorabend ein Polizeiaufgebot  auf dem Firmengelände erschienen sei. Laut seinen Angaben habe ein Mitarbeiter der Firma die Ordnungshüter angefordert. Alexander Dmitriew teilte den Journalisten mit, dass er ein Nowgoroder sei, dass er früher bei der Miliz und später der stellvertretende Generaldirektor der AG ‚Alkon’ [große, traditionsreiche Wodkafabrik in Nowgorod – Üb.] gewesen sei. Bis zum heutigen Tag wurde die Firma ‚Splav’ von Nikolaj Fjodorow geleitet. Laut einigen Berichten befindet er sich zurzeit in Großbritannien. Einstweilen hat Welikij Nowgorod.ru keine Stellungnahme der ehemaligen Leitung erhalten“.

http://vnru.ru/news/05-10-2011.htm?29635

Auswahl, Kommentar und Übersetzung: Dr. William Rotsel

 

                                                      Adressen der Vorstandsmitglieder

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Dr. William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,  Tel. 886 414 

Dr. Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

Dr. Klaus Trillsch, Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf -  Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041

                   

27. Jahrgang                                                                                Nr.73/Juni 2011

 
 

Sehr verehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods,

hiermit lade ich Sie ein zur

öffentlichen Mitgliederversammlung am Montag, dem 27.06.2011 um 20 h

in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1

 

Jahrestage sind Anlässe, die Vergangenheit wachzurufen, um ihre Bedeutung für die Gegenwart zu überprüfen. In diesem Jahr werden es 70 Jahre sein, dass das national-sozialistische Deutschland die Sowjetunion überfiel, besetzte und dort Ghettos und Vernichtungslager errichtete. Für Tausende Juden aus dem Gebiet des Deutschen Reiches war das Ghetto Minsk in „Weißrussland“ und das nahegelegene Lager Trostenez Endstation ihres Lebens – ebenso wie für Juden aus Minsk und Umgebung, für sowjetische Kriegsgefangene, Gefängnisinsassen, Widerstandskämpfer und nichtjüdische Zivilisten. In der Geschichtskultur der beteiligten Staaten spielte dieses Geschehen lange kaum eine Rolle. Dieses Schweigen bricht die „Geschichtswerkstatt Minsk“, die auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos eine Anlaufstelle für Opfer des Zweiten Weltkrieges bietet, ein Archiv mit Lebensgeschichten angelegt hat und Besuchergruppen aus dem In- und Ausland das damalige Geschehen am authentischen Ort nahebringt.

Die Arbeit wird koordiniert vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund und Minsk (IBB) und den jüdischen Gemeinden in Belarus. Als der 60. Jahrestag des Ghettos begangen wurde, kam auch der belarussische Präsident. Zu uns kommt Nathalie Roy, die für das IBB arbeitet und – unterstützt von Bildmaterial – von der Arbeit der Geschichtswerkstatt berichten wird.

Ich erwarte einen eindrücklichen Vortrag und lade Sie zu diesem besonderen Abend herzlich ein!                                                                                                    Brunhild Hilf

 

 

 


 

Wettbewerb Sozialplakat

Aus Mitteln des Gehaltscents der städtischen Mitarbeiter Bielefelds wird ein Projekt in Welikij Nowgorod unterstützt, in dem Kinder und Jugendliche sich über Drogenkonsum und seine Gefahren informieren und Plakate gestalten, die das neue Wissen über Abhängigkeiten und die Befreiung von ihnen darstellen. Hier ist ein Beispiel, das das Thema:

„Welikij Nowgorod – Stadt der Gesundheit“ ins Bild setzt.

 



Das Sommercamp „Die UN-Millenniumsziele“ in Bielefeld

 

Am 9. März sind wir in die deutsche Partnerstadt von Welikij Nowgorod gekommen, um für ein Semester an der Uni Bielefeld im Rahmen eines Kooperationsprogramms zu studieren. Nach den ereignisvollen Einführungswochen, die das International Office der Uni für uns sorgfältig organisiert hat, hat für uns das Studium begonnen, das wir auch mit zahlreichen Kulturveranstaltungen innerhalb und außerhalb der Universität kombinieren. Eine von ihnen ist das Sommercamp „Die UN-Millenniumsziele“, das vom 1. bis 12. Juli in Bielefeld stattfindet.

 

Schon vor unserer Reise nach Bielefeld haben wir von Frau Hilf aus dem Kuratorium „Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod“ von dem Camp erfahren. Aus dem Infoblatt, das uns geschickt wurde, hatten wir nur eine vage Vorstellung von dieser Veranstaltung bekommen, die Informationen aber haben unser Interesse richtig erweckt. Kurz nach der Ankunft in Bielefeld wurden wir beide zur Mitgliederversammlung des Kuratoriums im März liebenswürdig eingeladen, nach der Frau Hilf für uns ein Treffen mit Frau Barbara Frey – einer der VeranstalterInnen des Camps – organisiert hat.

 

Frau Frey ist eine Mitarbeiterin des „Welthauses Bielefeld“ – einer Organisation, die vor vielen Jahren gegründet wurde, um soziale Gerechtigkeit und eine zukunftsfähige Entwicklung in der Welt zu fördern. Frau Frey hat für uns eine kleine Führung im „Welthaus“ gemacht und einige Informationen über ihre Arbeit erzählt. Wir waren echt begeistert, von solch einer Organisation und ihrer Tätigkeit und ihren Leistungen zu erfahren, weil es leider in Nowgorod keine ähnliche Organisation gibt. Die Informationen über die UN-Millenniumsziele und das Sommercamp haben wir ebenso interessant gefunden. Offensichtlich wurden die im Jahre 2000 von der UNO zusammengefassten Ziele von Vertretern aus 192 Ländern einschließlich Russland unterschrieben, was diese Länder zu aktiven Maßnahmen zur Verwirklichung der acht UN-Ziele verpflichtete. Das Ziel des Camps ist es dabei, die in den UN-Zielen erwähnten Probleme in die Öffentlichkeit zu „ziehen“ und die Gesellschaft für sie zu sensibilisieren. Was wir besonders aufregend gefunden haben, war die Tatsache, dass dieses Ziel des Camps in möglichst kreativer Form erfüllt werden muss, und zwar durch phantasievolle Kompositionen und Aufführungen auf den Straßen der Stadt. Dafür werden die Teilnehmer mit Musik-, Tanz- und Theaterworkshops während des Camps beschäftigt sein.

 

Was unsere Teilnahme am Camp angeht, so können wir leider wegen des Studiums an der Universität am Sommercamp als echte Teilnehmer nicht beteiligt sein, weil es 100% Zeit von uns verlangt. Aber wir freuen uns schon ganz besonders über die Möglichkeit, als Helfer für die Gruppe aus Welikij Nowgorod an der Veranstaltung teilzunehmen. Da jede Gruppe am Anfang des Camps eine Kurzpräsentation machen soll, haben wir schon umfangreiche Informationen über die in Russland im Rahmen des Projektes durchgeführten Maßnahmen und Aktionen und die für das Land besonders akuten Probleme gesammelt, was eigentlich eine äußerst interessante Aufgabe war. Obwohl die Arbeit der russischen Behörden in dem Bereich von internationalen Organisationen hoch geschätzt wird, lassen sich jedoch noch gewisse Probleme erkennen: die Schwierigkeit der Verwirklichung der UN-Ziele in allen Regionen des Staates, die Umweltverschmutzung, die Verbreitung von Krankheiten wie HIV/AIDS usw. Wir tauschen diese Angaben mit den Nowgoroder Teilnehmern und besprechen mit ihnen die Einzelheiten ihrer Präsentation per Internet. Während des Camps werden wir außerdem an bestimmten Tagen als Dolmetscher für Russisch, Deutsch und Englisch assistieren.

 

Wir sind unseren DozentInnen an der Universität Nowgorod und Herrn Dr. Lutz Köster äußerst dankbar für diese wunderbare Chance des Forschungsaufenthaltes an der Uni Bielefeld sowie dem Kuratorium „Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod“ und dem „Welthaus Bielefeld“ – für die Unterstützung und Möglichkeit, uns am Camp zu beteiligen.

Alexander und Anastasia

 

Am Sommercamp nehmen Jugendliche aus allen Bielefelder Partnerstädten teil. Da es aus EU-Mitteln finanziert wird, war bis Februar eine Teilnahme von Jugendlichen aus Welikij Nowgorod nicht vorgesehen. Aus unserer Sicht (s. Rundbrief Nr. 72) war das nicht hinnehmbar – und in bewährter Kooperation mit dem Büro für Städtepartnerschaften im Rathaus, mit Herrn Selonke, gelang es uns, Mittel für die Teilnahme von sechs russischen Jugendlichen zu bekommen. Aus 14 Bewerbern haben wir sechs ausgewählt, die wir in Gastfamilien unterbringen möchten, um die Gesamtkosten zu senken. Vier Quartiere stehen bereit, zwei junge Frauen, die Deutsch oder Englisch sprechen, müssen von 29.06. bis 13.07. noch untergebracht werden. Da sie jeden Tag ab 10 Uhr morgens bis abends spät beschäftigt sind, handelt es sich um ein „bed & breakfast“-Angebot: wer möchte es machen?         

B. Hilf

 

 

Neues (und weniger Neues) aus der Nowgoroder Presse

 

Städtische Wochenzeitung NOWGOROD / Городская еженедельная газета НОВГОРОД, 27.4.2011                                           

Wunder in der Schtschusew-Straße

Das Kind, das aus dem Fenster eines mehrstöckigen Wohnhauses in Welikij Nowgorod herausgefallen war und das sich jetzt auf der Intensivstation der Gebietskinderklinik befindet, kann seit gestern, dem 26. April, wieder selbstständig Nahrung zu sich nehmen. Wie der Bevollmächtigte der Kinderschutzbehörde des Nowgoroder Gebiets berichtete, „können die Ärzte diesen Vorfall nur als Wunder bezeichnen“. Wie „Nowgorod“ bereits berichtet hat, geschah der Zwischenfall am 24. April gegen 18.00 Uhr Moskauer Zeit. Laut behördlichen Angaben wurde ein unbekanntes Kind im Alter von einem Jahr und zehn Monaten, das angeblich aus einem 9. Stock in der Schtschusew-Straße gefallen war, mit Kopfverletzungen per Krankenwagen in die Kinderklinik eingeliefert. Die Tatsache des Sturzes bestätigte sich und die Eltern des Jungen wurden nach einer gewissen Zeit ermittelt. „Die Familie war nicht in Nowgorod gemeldet, lebt aber laut Auskunft des Jugendamtes in geregelten Verhältnissen. Laut vorläufiger Version wachte das Kind auf, ging ans Fenster und lehnte sich ans Moskitonetz, das zusammen mit dem Kind heraus fiel“, berichtet der Pressedienst der Kinderschutzbehörde. Zurzeit untersuchen die lokalen Organe des Innenministeriums alle Umstände des Vorfalls.

[Anmerkung des Übersetzers: Diese Nachricht vom Fenstersturz eines Kindes in Nowgorod erinnert an eine schon ältere Geschichte, über die ich seit langem berichten wollte und die in Russland, insbesondere im russischen Internet, längst unter dem Namen „Nowgoroder Affäre“ (Новгородское дело) für einigen Wirbel gesorgt hat: Ende Februar 2007 fiel ein dreijähriges Mädchen in einem Wohnblock in Nowgorod im Treppenhaus über oder durch das Geländer aus dem 2. Stock ins Erdgeschoss - und überlebte Gott sei Dank auch. Aber ein 11-jähriger Nachbarsjunge hat angeblich den Vorfall beobachtet und hat der Polizei gegenüber behauptet, die Mutter (die er als "älteres Mädchen" beschrieb) habe das Kind hinuntergeschubst. Ab dort nahm die Geschichte einen unheilvollen Lauf. Der Einfachheit halber werde ich im Folgenden Auszüge aus dem Artikel „Новгородское дело“ („Die Nowgorod Affäre“) im russischen Wikipedia zitieren.]

 http://ru.wikipedia.org/wiki/Новгородское_дело

 

 

[Am 26. Februar 2007 war Antonina Martynowa, eine damals 22-jährige ehemalige Studentin der Nowgoroder Universität, die zu der Zeit in Moskau lebte, mit ihrer dreijährigen Tochter Alisa bei Antoninas Mutter in der Kosmonauten-Str. in Nowgorod zu Gast. Gegen 9 Uhr ging die Großmutter zur Arbeit, die Wohnungstür im 2. Stock blieb unverschlossen – damit die Nachbarskinder in die Gemeinschaftswohnung hineinkonnten. Laut Erklärung von Antonina Martynowa geschah dann folgendes:]

Antonina ging ins Badezimmer, um die Zähne zu putzen. Als sie heraus kam, sah sie, dass das Kind weg war und sie lief hinaus, um es zu suchen. Vor der Tür im Treppenhaus […] sah sie, dass Alisa zwischen die Stäbe im Geländer geklettert war und auf dem 12 cm breiten Absatz stand. Ohne etwas zu sagen, damit das Kind nicht erschrak, sprang sie dem Kind zu Hilfe, konnte es aber nicht packen. Alisa fiel hinunter, zwei Stockwerke tief. Antonina lief hinunter, um Hilfe zu rufen, benachrichtigte den Rettungsdienst, die beiden wurden ins Krankenhaus gebracht. Gleichzeitig eine Etage höher im Treppenhaus befand sich ein elfjähriger Junge, ein Freund des Sohnes der Nachbarn. Er lief zu den Nachbarn und  sagte, dass „ein Mädchen ein anderes Mädchen hinuntergeworfen hat“, worauf die Nachbarn offenbar die Polizei verständigten. Die Polizei kam ins Krankenhaus, wo sie Antonina befragte, obwohl diese sich im Schockzustand befand.  Nach drei Tagen wurden Antonina und das Kind gebeten, wegen Überbelegung das Krankenhaus zu verlassen. Die Mediziner stellten Verletzungen mittlerer Schwere fest (Kiefertrauma), die beiden verließen das Krankenhaus. […] Es vergingen drei Wochen, Antonina und Alisa wollten nach Moskau zurückkehren [wo sie mit dem neuen Freund und jetzigen Ehemann Antoninas lebten; sie war vom Vater des Kindes geschieden]. Am 16. März jedoch bekam Antonina von der Polizei Besuch. Der Beamte überreichte ihr eine Vorladung als Zeuge zur Staatsanwaltschaft und bemerkte nebenbei, dass der Tatbestand eines Verbrechens festgestellt worden sei, weil der Sturz kein Unfall war, und dass Antonina wegen Paragraph 105 des Strafgesetzbuches belangt werde: „Mord“.

 

[Hier muss aus einer anderen Quelle – deren Glaubwürdigkeit ich natürlich nicht beurteilen kann - eine Bemerkung zum Untersuchungsführer der Staatsanwaltschaft eingeschoben werden.]

www.politcensura.ru/stol_cenzora/krutoj_rejndzher_kolodkin_pravosudie_po_novgorodski,

05.02.2007. Autor: Aleksandr Kurjakov

Der Untersuchungsführer der Nowgoroder Staatsanwaltschaft [Kolodkin] wird allmählich zu einem der „Newsmaker“ in der russischen Presse. […] Es ist allerdings fraglich, ob der recht unbescheidene Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft mit seinem plötzlichen Ruhm zufrieden ist: Er wird größtenteils in für ihn höchst ungünstigen Zusammenhängen erwähnt. Viele Journalisten geben unzweideutig zu verstehen, dass die jetzige „Nowgoroder Affäre“ schlicht und einfach „aus den Fingern gesaugt“ wurde – Kolodkin ist längst im Rentenalter, und er möchte nicht sang- und klanglos, sondern mit einem richtigen Knall aus dem Dienst scheiden. Mehrere maßgebliche Beobachter meinen, dass der erfahrene Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft (seine Dienstzeit beträgt fast 30 Jahre; seine Karriere begann schon zu Zeiten der „Rechtsprechung nach sowjetischer Art“) deswegen auf eine Anklage gegen Antonina [Martynowa] besteht. […] Sie werfen ihm vor, die Anklage von vorne bis hinten erfunden zu haben. […] Man spricht im Übrigen davon, dass solche Praktiken bei den Organen der Staatsanwaltschaft recht verbreitet seien und dass diese Methode für Herrn Kolodkin selbst in höchstem Maße charakteristisch sei.

[Es folgen Beispiele für Anklagen durch Kolodkin, die sich später als falsch erwiesen haben und die zum Teil zunächst zu Verurteilungen führten, die von höheren Instanzen kassiert worden waren. Jetzt zu den Anschuldigungen des Herrn Kolodkin:]

http://deyna-alex.livejournal.com/3281.html

Laut Ergebnissen der vorläufigen Untersuchung  hat am 26.2.2007 gegen 9.00 Uhr morgens [Martynowa] den von ihr geplanten vorsätzlichen Mord an ihrer dreijährigen Tochter Alisa auszuführen versucht, weil das Kind sie bei der Gestaltung ihres persönlichen Lebens störte. Sie brachte das Kind aus der Wohnung Nr. 31 in der Kosmonautenstrasse 26 in Welikij Nowgorod, wo sie sich aufhielten, ins Treppenhaus. Gleich darauf, in der Annahme, dass sich im Treppenflur keine Augenzeugen befanden, hat [Martynowa] den Sturz ihrer Tochter vom zweiten Stock als Unfall inszeniert […] Absichtsvoll und mit dem Ziel, ihr Leben auszulöschen, hat sie die Tochter durch die Metallstäbe des Geländers gedrückt, so, dass sich diese außerhalb der Sicherheitszone befand; mehrere Sekunden lang hielt sie das Kind so. Dann setzte [Martynowa] ihre verbrecherische Absicht fort, indem sie die Finger losließ und dabei ihre Tochter in den offenen Raum des Treppenhauses fallen ließ, wodurch sich der Sturz und der darauf folgende Aufprall des Kopfes und des Körpers auf den Steinfußboden im Erdgeschoß ereigneten. […] [Martynowas] Schuld an dem Verbrechen ist bewiesen durch die Aussagen eines minderjährigen Zeugen (ein Junge von 11 Jahren, der zur Zeit des Vorfalls im Treppenhaus des 3. Stocks stand), der die verbrecherischen Handlungen unmittelbar während ihrer Ausführung beobachtete. […]

[Obwohl der Junge nicht behauptet hatte, dass „das größere Mädchen“  „das kleinere“ durch die Gitterstäbe geschoben hätte und obwohl keinerlei Zeugenaussagen negative Hinweise auf das Verhältnis zwischen Martynowa und ihrer Tochter enthielten, schloss die Anklage ihr Plädoyer vor Gericht so ab:]

Martynowa verhielt sich gleichgültig gegenüber ihrem Kind, faktisch hat sich die Großmutter um es gekümmert. Da [Martynowa] aber in den Augen ihrer Bekannten nicht als schlechte Mutter erscheinen wollte, gab sie das Kind nicht auf, sondern beschloss, sich von ihm zu befreien durch Mord, wobei sie dem Geschehen den Anschein eines Unfalls gab.

[In einem Interview mit der Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ vom 15.9.2008 antwortete Kolodkin auf die Frage, ob die Ermittlung einzig und allein auf den Aussagen des Jungen basiere: ]

http://kp.ru/daily/24163.5/376844

Im Prinzip, ja. Der Junge hat alles mit eigenen Augen gesehen. Und innerhalb einer Minute hat er den Nachbarn, die wegen des Lärms aus ihren Wohnungen gelaufen waren, erzählt, was passiert war. Er ging die Treppe hinunter und hat vor allen Leuten auf Antonina gezeigt: „Dieses Mädchen hat das andere hinuntergeworfen“. Mehr Beweise als das braucht man nicht […].

[Nun dann, der Prozess kann beginnen! Am 19.4.2007 wurde gegen Antonina Anklage erhoben, sie wurde in Untersuchungshaft genommen, woraus sie nach 18 Tagen mit der schriftlichen Verpflichtung, den Aufenthaltsort nicht zu verlassen, entlassen wurde. Im September und Oktober 2007 wurde sie 24 Tage lang in Moskau im besonders in der sowjetischen Zeit berüchtigten Serbski-Institut für forensische Psychiatrie begutachtet – und für psychisch unauffällig befunden. Der Prozess selbst fand vom 2. bis 22. Juli 2008 in Nowgorod statt – als Geschworenenprozess und auf Antrag der Staatsanwaltschaft hinter verschlossenen Türen. Zum Prozess:]

http://ru.wikipedia.org/wiki/Новгородское_дело

Wie sich später herausstellte, wurden die Sachverständigen für die Verteidigung, die extra nach Nowgorod gekommen waren, vor Gericht nicht zugelassen; die Geschworenen erhielten auch keine Gelegenheit, Mutter und Tochter zusammen zu Gesicht zu bekommen, nicht einmal auf Fotografien. Nach der Urteilsverkündung gab Oleg Sykow, Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer der russischen Föderation, zu Protokoll, dass das Gericht „alles tat, damit die Geschworenen ausschließlich Informationen, die für die Anklage von Vorteil waren, zu Ohren bekamen“; das Gericht war „nicht an einer objektiven Betrachtung der Frage interessiert“, da während der Sitzungen nur die Seite der Anklage vertreten wurde. Am 24. Juli befand das Geschworenenkollegium Antonina des ihr vorgeworfenen Verbrechens für schuldig und merkte an, sie verdiene keine Nachsicht.

 

 


 

[Als am 28. Juli das Strafmaß vom Gericht festgelegt werden sollte, erschien Martynowa, die sich ja seit ihrer Entlassung aus der Untersuchungshaft auf freiem Fuß befand, nicht - wegen Krankheit. Am nächsten Tage erschien sie ebenfalls nicht, woraufhin das Gericht ihre Festnahme anordnete. Ihr neuer Freund, jetzt Ehemann, ]

Kirill Martynow, erklärte, dass seine Frau bereits in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli zusammen mit Alisa verschwunden war und dass ihr Aufenthaltsort ihm unbekannt sei. Das Gericht schrieb sie zur Fahndung in der ganzen Russischen Föderation aus.

[Und dabei ist es bis heute geblieben. Antonina und Alisa sind immer noch verschwunden, Antonina meldet sich ab und zu, auch mit Fotos von den beiden zusammen, per Internet; es kursieren Gerüchte, wonach Mutter und Tochter sich ins Ausland abgesetzt haben.


[Auswahl und Übersetzung: Wasja Rotsel]

 
Ein exklusiver „Sadko“ – als Oper im Nowgoroder Kreml

Zwei Internet-Nachrichtenagenturen, www.severinform.ru und www.baltinfo.ru , sowie die Tageszeitung „Nowgorodskije Vedomosti“ berichten am 3., 13. und 19. Mai über den folgenden Beschluss der Nowgoroder Stadtverwaltung, Abteilung “Runder Tisch zur Entwicklung des Event-Tourismus“ (sobytijnyj turizm):

 Am 13. Juni 2011 wird als Höhepunkt und Abschluss der diesjährigen russischen Hansetage unter freiem Himmel im Nowgoroder Kreml die Oper „Sadko“ von A. N. Rimskij-Korsakov durch das Petersburger Mariinskij-Theater aufgeführt. Mehr als 400 Schauspieler werden in historischen Kostümen vor den Kremlmauern und der Sophienkathedrale die sagenhaften Erlebnisse des armen Nowgoroder Guslispielers* nachspielen, der nach langer Seefahrt und mannigfachen Verführungen, zu schnellem Reichtum zu gelangen, schließlich als reicher Mann in die Heimat und zu seiner Frau zurückkehrt. Von den 19 Millionen Rubel (etwa 475.000 €), die bewilligt wurden, wird die Stadt 5 Millionen und die Gebietsverwaltung den Rest tragen. Erwartet werden bis zu 3000 Zuschauer. An die Theaterkasse der Philharmonie gingen 500 Tickets. 350 davon waren am 19. Mai bereits verkauft, wie die„Vedomosti“ schreiben. 250 Freikarten gab es auch. Aber die waren, wie es hieß, „nur für besonders wichtige Personen reserviert.“ Die Tickets sollen zwischen 34 € und 125 € kosten.

Abgesehen von der schieren Unmöglichkeit überhaupt an Tickets heranzukommen, fragt man sich, welche Nowgoroder Normalfamilie sich so etwas leisten kann.

Auch in Internetforen wird Unmut laut. Keiner versteht die hohen Eintrittspreise, wo doch so viel Staatsgeld geflossen sei. Man erinnert sich an ein ähnliches Ereignis im Jahr 2003. Damals haben der Chor und das Symphonieorchester des Mariinskij-Theaters ebenfalls unter freiem Himmel ein Konzert gegeben, und damals seien 5000 Freikarten verteilt worden!

Aber vielleicht denken sich die Stadtoberen, dass die musikliebenden Nowgoroder vom 24. Mai bis zum 13. Juni zu den „Tagen der slavischen Schrift und Kultur“ kommen können, wo sie genügend Gelegenheiten haben werden, um an einem der vielen, sicher preiswerteren und leichter zugänglichen Konzerte teilnehmen zu können, die den Begründern des kyrillischen Alphabets (slavjanskaja azbuka), Kirill und Metod, gewidmet sind.

*Eine ‚Gusli‘ ist ein mit der Leier verwandtes Saiteninstrument.

Ulrike von Savigny

 Chodorkovskij und kein Ende

 Die Verteidiger von Michail Chodorkovskij und seinem Jukos-Ex-Miteigner Platon Lebedev haben kürzlich einen Revisionsantrag gestellt. Er richtete sich gegen die erneute Verurteilung vom Dezember 2010 und wurde am 24. Mai vom Moskauer Stadtgericht abgelehnt. Das wird niemanden verwundern, der „Putins Chefsache“, die erste Verurteilung wegen angeblicher Geldunterschlagung und persönlicher Bereicherung, im Jahr 2005 verfolgt hat. Was der Angelegenheit jetzt noch einen neuen Charakter gibt, ist die erstmalige Stellungnahme der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Nicola Duckworth, die Direktorin für Mitteleuropa und Zentralasien von ai, erklärte die beiden Angeklagten zu „prisoners of conscience“. Sinngemäß sagte sie: Was man den beiden Gefangenen im ersten Prozess genau zur Last gelegt habe, bleibe nach wie vor offen. Klar sei aber beim zweiten Prozess geworden, dass der Fall Chodorkovskij nicht wirtschaftlich, wie immer behauptet wurde, sondern rein politisch motiviert sei, da schon die unteren Gesetzesorgane, also die Moskauer Behörde, nicht nach rechtsstaatlichen Prinzipien gearbeitet und jegliche Verteidigung behindert hätten. Der Oberste Gerichtshof bleibe jetzt die letzte Instanz. Er müsse die beiden Häftlinge am 2. Juli bzw. 25. Oktober 2011 nach Verbüßung ihrer jeweiligen 7-jährigen Strafen auf freien Fuß setzen und dürfe nicht der Forderung der Anklage nach einer Haftverlängerung um weitere sechs Jahre stattgeben.

Alexandra Odynova, Korrespondentin von „The Moscow Times“ schreibt in der Ausgabe vom 26. Mai 2011 weiter: „Der Begriff „prisoner of conscience“ (uznik sovesti) stammt aus den 60-er Jahren und wurde von Amnesty auf die sowjetischen Dissidenten angewendet. Er blieb in Gebrauch und wurde zuletzt für bekannte oppositionelle Aktivisten wie B. Nemzov, I. Jashin, und E. Limonov benutzt, die an einem (nicht angekündigten) Treffen für Versammlungsfreiheit im Anschluss an eine Silvesterfeier demonstriert hatten und nach kurzzeitiger Inhaftierung frei gelassen wurden.Telefonisch sagte Jashin, die jüngste Entscheidung (von Amnesty) sei sehr angebracht, geradezu überfällig und stelle für die beiden Geschäftsleute „eine wichtige moralische Unterstützung dar“. Nach Meinung Jashins vergrößere der Status eines „prisoner of conscience“ die Sicherheit in der Haft, könne sie aber nicht voll garantieren. Am 25.5. äußerte sich Vera Tschelischtschewa in der Internetzeitung „gazeta.ru“ zufrieden mit dem Amnesty-Beschluss. Die Organisation habe ihre Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Urteils ausgedrückt und die Kassationsinstanz dazu aufgerufen, es aufzuheben.

Der neue Status, der die prominenten Häftlinge geradezu adelt und vielleicht sogar in Russland wieder mehr Menschen an sie erinnert, dürfte V. Putin genau so wenig behagen, wie der zeitgleiche, in der SZ vom 27. Mai auf Seite 9 beschriebene Auftritt von Michail Chodorkovskijs erwachsenem Sohn Pavel, der in Berlin das Buch vorstellte, das von seinem Vater in der Haft geschrieben wurde. Die „Briefe aus dem Gefängnis“ hat der Knaus-Verlag veröffentlicht; „sie enthalten den Briefwechsel mit den Schriftstellern L. Ulitzkaja und B. Akunin sowie eine Reihe von Essays, Überlegungen Chodorkovskijs zur Demokratie in Russland, zum starken sozialen Staat, wie ihn der einstige Oligarch in der Haft zu vertreten beginnt, aber auch zu Glaubensfragen.“ Auf die Frage eines Interviewers an den aus Sicherheitsgründen in den USA lebenden jungen Mann, ob er, wenn denn Chodorkovskij endlich frei käme, „keine politische Rolle für seinen Vater sehe“, antwortete er, „ich habe in den vergangenen siebeneinhalb Jahren meinen Vater vermisst, nicht einen Politiker“.

Ulrike von Savigny

 

Ausstellung und Zeitzeugengespräche

 Von 10. bis zum 16.9.2011 zeigt die Deutsch-Ukrainische-Gesellschaft Bielefeld (DUGB) die Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl –  Menschen – Orte – Solidarität“ in Bielefeld.

Die vom IBB Dortmund entwickelte Wanderausstellung, die in mehr als 30 Städten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden gezeigt wird, will das Ausmaß der Katastrophe von Tschernobyl erneut sichtbar machen.

Am 26. April 2011 jährte sich die Reaktorkatastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl zum 25. Mal. Vor den jüngsten tragischen Ereignissen in Japan war die Katastrophe in der ehemaligen Sowjetunion beinahe in Vergessenheit geraten, obwohl die gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Folgen für die betroffenen Menschen und Länder bis heute gravierend sind. Noch heute leben fünf Millionen Menschen in den kontaminierten Gebieten. Ihr Leben hat sich seit 1986 für immer verändert.

Die Ausstellung wird von zwei Zeitzeugen begleitet, die in Gesprächen von ihren persönlichen Erfahrungen aus den Tagen und Monaten nach dem Super-Gau berichten werden. Für sie werden vom 11.9. bis 15.9. Übernachtungsmöglichkeiten gesucht. Die Gasteltern sollten die russische oder ukrainische Sprache beherrschen.

Die DUGB plant während der Ausstellungsdauer auch Zeitzeugengespräche vor Schulklassen von Montag bis Mittwoch oder Donnerstag. Dafür werden noch Übersetzer gesucht.

Wenn Sie Interesse daran haben oder einen Zeitzeugen aufnehmen möchten, teilen Sie dieses bitte Frau Krasa mit:

Email: petrakrasa@web.de oder telefonisch unter 05204/9235550.

 
 

                                  Adressen der Vorstandsmitglieder

Hans-Georg Fischer, Hagenkamp 44, 33609 Bielefeld, Tel. 330233

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Dr. William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,  Tel. 886 414 

Dr. Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

Dr. Klaus Trillsch, Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930

 

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld

 

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

 

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041

27. Jahrgang                                                                            Nr.72/März 2011

 

Nach einer heidnischen Legende wandert der Meister auf der Hirtenflöte Veles Korovin durch das Land; seine Musik vertreibt die Winterdepression, in die die monatelange grimmige Kälte Menschen und Vieh einsperrte.

 

 

Sehr verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods!

 

Hiermit lade ich Sie ein zur

Öffentlichen Jahreshauptversammlung am Montag, dem 21.03.2011 um 19 h

in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1

 

Wir wollen an diesem Abend unser Nachdenken über die Situation und Politik Russlands fortsetzen, indem wir einen Mitarbeiter aus dem Generalkonsulat in Bonn einladen: Herrn Oleg Evgen´evič Markov. Er wird in seinem Referat den gegenwärtigen Stand der deutsch-russischen Beziehungen beleuchten und den Beitrag der deutsch-russischen Städtepartnerschaften zur Entwicklung der bilateralen Beziehungen darstellen. Wir werden – wie immer – danach die Möglichkeit nutzen können, Fragen zu aktuellen Problemen zu stellen. Ich denke, es ist gut, einmal einem offiziellen Vertreter des Landes unserer Partnerstadt zuzuhören, und bin neugierig auf seine Wahrnehmung und Darstellung.

Herzlich Willkommen!                                                                            Brunhild Hilf


Tagesordnung der Jahreshauptversammlung

 

19 Uhr

1          Jahresberichte

1.1       Bericht der Vorsitzenden

1.2       Bericht des Kassenwartes

1.3       Stellungnahme und Entlastung durch die Rechnungsprüfer

1.4       Aussprache über die Arbeit des Kuratoriums

1.5       Entlastung des Vorstandes

2          Nachwahlen zum Vorstand

 

20 Uhr

3          Vortrag des Herrn Markov

 

Die nächsten Termine für Mitgliederversammlungen sind Montag, der 27. Juni und Montag, der 14. November 2011.

 
Jugendcamp im Juli 2011

 Im September 2000 nahmen 189 Länder einstimmig die sogenannte „Millenniumserklärung“ an, darunter auch die russische Föderation. Bei dieser Resolution geht es um eine gemeinsame Agenda zur weltweiten Armuts- und Hungerbekämpfung, zur Verbesserung der Grundbildung und Gesundheit, zur Gleichstellung der Geschlechter, zum Umweltschutz und zum Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung.

Nun bereitet das Welthaus Bielefeld seit Anfang dieses Jahres eine Veranstaltung vor, an der im Juli dieses Jahres für zwölf Tage etwa 50 Jugendliche aus allen Bielefelder Partnerstädten teilnehmen sollen. Da das „Camp“ aus EU-Mitteln finanziert wird, stehen für die russischen Teilnehmer keine Projektmittel zur Verfügung. Dennoch dürfen sie nicht fehlen, ist doch die Partnerschaft mit Welikij Nowgorod die lebendigste und farbigste aller Bielefelder Städte-Wahlverwandtschaften. Während dieses Jugendcamps sollen die Teilnehmer einander vom Stand der Entwicklung in ihrem eigenen Land berichten und in Workshops, also in kultur- und sprachenübergreifenden Aktionsformen wie Theater, Musik, Malerei, Film und Installationen, ihre Erfahrungen und Ideen zu den Millenniumszielen darstellen.

Für die Reise- und Aufenthaltskosten der russischen Teilnehmer, die wir zu etwa 50% aus den vorhandenen Mitteln des Kuratoriums finanzieren können, bitten wir Sie um eine Spende (Stichwort: „Millenniumscamp“) auf unser Vereinskonto.

Vielen Dank!

Brunhild Hilf

 Jubiläum

 Im Jahre 2010 wird die Städtepartnerschaft zwischen Bielefeld und Welikij Nowgorod 25 Jahre alt. Dass dies gefeiert werden wird, ist keine Frage. Gefragt aber sind Ihre Ideen und Wünsche dazu: wen, welche Gruppe würden Sie gerne hierher einladen? Wer von Ihnen würde gerne nach W. Nowgorod reisen? Wann?

Bitte geben Sie einem der Vorstandsmitglieder Nachricht – wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

Bilder aus Russland

 Die uns zum Dank von Dmitrij S. Kondratjew überlassenen Bilder werden vom 15. März an für etliche Wochen im Klinikum Rosenhöhe in der Abteilung für Koloproktologie zu sehen sein. Das wird dann die vierte und letzte Benefiz-Ausstellung sein.

Es war das Anliegen des Malers, einer sozialen Einrichtung Bielefelds zu helfen – so ist der Erlös der bisher verkauften Bilder der „Löwengrube“, der Kinderabteilung des Bielefelder Tisches, zugeflossen; insofern wäre uns ihr Verkauf am allerliebsten.

Die dennoch verbleibenden Bilder würden wir anschließend gerne als Dauerleihgaben im öffentlichen und halböffentlichen Raum zeigen und bitten daher um Anregungen für geeignete Orte.

 
Aber wir wollen Ihnen gerne auch neue russische Künstler vorstellen.

In Staraja Russa, das 100 km südlich von Welikij Nowgorod im Nowgoroder Gebiet liegt und bekannt ist als Kurort und zeitweiliger Aufenthaltsort Fjodor M. Dostoewskijs, lebt Nikolaj Lokot´kow als Maler, Kunstpädagoge und Herausgeber einer Kunstzeitschrift für Kinder. Für diese editorische Tätigkeit wurde er unlängst mit dem renommierten Preis des Akademikers Dmitrij S. Lichatschow ausgezeichnet: „für sein herausragendes Bemühen um die Erhaltung des kulturellen Erbes Russlands.“

Hier zeigen wir Ihnen eine Kostprobe seiner Zeichnungen. Beispiele seiner schönen farbigen Bilder werden wir hoffentlich irgendwann bald in Bielefeld ausstellen können. Brunhild Hilf

 

                

                 Ein kleines Nest                                                          Der weiße Clown

 

 Updates zu den Texten aus der Nowgoroder Presse (Rundbriefe 69, 70 und 71)

 Zum Schicksal des nach verbreiteter Meinung zu Unrecht festgenommenen und seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzenden Direktors und Hauptaktionärs der Nowgoroder Firma „Splav“ ließ sich nichts Aktuelleres finden als folgende Internet-Meldung:

 www.regnum.ru, 10.12.2010

„Der in der Sache des ehemaligen Generaldirektors des Unternehmens ‚Splav’ Wladimir Fjodorow angesetzte Gerichtstermin wurde wegen des prekären Gesundheitszustandes des Angeklagten vertagt. Das hat am heutigen 10. Dezember Fjodorows Anwalt Konstantin Jelisejew mitgeteilt.

Laut Anwalt wurde am 6.12. der Rettungsdienst zu seinem Mandanten in den Gerichtssaal gerufen. Die Ärzte haben empfohlen, Wladimir Fjodorow in eine Intensivstation außerhalb des Untersuchungsgefängnisses einzuweisen. Er befindet sich jetzt auf der kardiologischen Intensivstation des Akron-Krankenhauses. Zurzeit (...) ist sein Zustand zwar stabil, er wird aber von den Ärzten und Familienmitgliedern als äußerst beunruhigend eingestuft.

Der Anwalt sieht die Ursache der markanten Verschlechterung des Gesundheitszustandes in einem Zusammentreffen verschiedener widriger Umstände. Jelisejew wies darauf hin, dass seit Anfang der Untersuchungshaft das operative Personal der Hauptverwaltung des Innenministeriums der Region Nordwest wiederholt sowohl psychisch als auch physisch auf seinen Mandanten eingewirkt hat. Ebenfalls wurde vom Gericht aus Druck ausgeübt, um einen Wechsel des Anwalts zu erzwingen – zwecks zügigerer Durchführung des Prozesses (...)“

Folgende Notiz führt ein übriges Mal vor Augen, dass jede Geschichte mindestens zwei Seiten hat. In Rundbrief Nr. 71 hatten wir etwas gutgläubig die Geschichte vom ach so umweltbewussten Geschäftsgebaren der Nowgoroder Niederlassung der bayrischen Holzverarbeitungsfirma Pfleiderer zitiert. Jetzt ergibt sich eine andere Sicht auf die Pfleiderer Fabrik im Dorf Podberez’e, das 15 km nördlich von Welikij Nowgorod liegt. Der hier beschriebene Vorgang bietet ein interessantes Beispiel für die Äußerungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft im heutigen Russland.

http://novgorod.rfn.ru/rnews.html?id=288, Sergej Subarew/19.11.2010

Dorfbewohner von Podberez’e werden nicht zur Kundgebung zugelassen

Bewohner der nahe gelegenen Dörfer verlangen ein unabhängiges Gutachten über die Tätigkeit des Pfleiderer-Werkes. Der Volksversammlung (народный сход: eine im Grundgesetz festgelegte Form der Äußerung des Protests oder der Unzufriedenheit seitens des Volkes), auf welcher diese Forderung gestellt wurde, wohnten auch ein Vertreter des Menschenrechts-Bevollmächtigten für Russland sowie Mitglieder der Öffentlichkeitskammer (общественная палата: das 2005 eingeführte beratende Gremium für die Kommunikation zwischen der Zivilgesellschaft und den staatlichen Behörden) bei.

Die erste und dringlichste Forderung der frierenden Dorfbewohner war, das Klubhaus im Dorf für die Sitzung zu öffnen. Die Leute behaupteten, dies sei ihnen vorher zugesichert worden, dass aber in letzter Minute die Schlüssel abhanden kamen… Der Vorschlag, die Tür aufzubrechen und ins Klubhaus einzutreten blieb allerdings nur ein Vorschlag. Die Volksversammlung wurde direkt auf der Straße abgehalten. Zu den Wortmeldungen gehörte ein kurzer Vortrag über Formaldehyd, welches in dieser europäischen Fabrik verwendet wird. Die Redner erinnerten daran, dass Pfleiderer nach zahlreichen Kontrollen wegen Überschreitung der Obergrenze für Formaldehyd in der Luft bestraft wurde. Allerdings auch danach, laut Meinung der Anwesenden, hat sich nichts geändert. Die Versammelten klagten über Gesundheitsprobleme, wobei alle Symptome ähnlich seien.

Der Vertreter des Menschenrechtsbevollmächtigten schlug den Dorfbewohnern vor, jedes Mal, wenn Symptome auftreten, den Rettungsdienst anzurufen – wenn sich die offiziellen Anrufe zahlreich genug anhäufen, werde eine föderale Untersuchung stattfinden müssen. Die Dorfbewohner wurden unterstützt von den lokalen Ratsabgeordneten und vom Abgeordneten der Gebietsduma, Aleksej Afanasew. Die Forderungen der Versammlung enthielten drei Punkte: Eine unabhängige Untersuchung der lokalen Bevölkerung; ein unabhängiges ökologisches Gutachten; eine staatsanwaltschaftliche Kontrolle der bisher erstellten Gutachten. Vertreter des betreffenden Unternehmens konnten nicht angehört werden – entweder waren sie nicht anwesend, oder sie zogen es vor, unerkannt zu bleiben.“

 

In Rundbrief Nr. 70 berichteten wir über die Enthüllung der auch durch Spendenaktionen finanzierten „Säule des soldatischen Ruhmes“ am Ende des Karl-Marx-Prospekts vor dem Kino-Zentrum in Welikij Nowgorod rechtzeitig zum Tag des Sieges am 9. Mai 2010. In der Folge entwickelte sich folgende skurrile Kontroverse über die Umbenennung der Straße und des Platzes:

 Nowgoroder Nachrichten / Новгородские ведомости, 15.2.2011/Jurij Krasawin

„Die Kommission für Ortsnamen in Welikij Nowgorod hat empfohlen, den Karl-Marx-Prospekt in Woskresenskij (=Auferstehungs-)-Boulevard umzubenennen und die Fläche vor dem Kino-Zentrum als Platz des soldatischen Ruhmes zu bezeichnen.

Die Kommission hat sich mit dieser Entscheidung zehn Monate Zeit gelassen. Im Frühling des letzten Jahres, als die Errichtung der Säule ‚Stadt des soldatischen Ruhmes’ auf dem Platz vor dem Kino-Zentrum begann, stellte sich auch die Frage nach der Umbenennung des dorthin führenden Karl-Marx-Prospekts.

‚Das ist gar kein ‚Prospekt’, und Karl Marx hat so gut wie keinen Bezug zu Welikij Nowgorod’ – meinten die Befürworter der Umbenennung.

Damals wurde vorgeschlagen, die Straße vom Hauptbahnhof zum Kino-Zentrum in Prospekt des soldatischen Ruhmes umzubenennen. Diese Idee hat aber eine zwiespältige Reaktion hervorgerufen, vor allem unter den Anwohnern der Strasse. Die Befürworter und Gegner der Umbenennung beschlossen, am Vorabend des 65. Jahrestages des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg einander nicht die Köpfe einzuschlagen, sondern die Frage zu vertagen und alles in Ruhe und unter Beteiligung der Bewohner zu entscheiden.

Im letzten Herbst wurden Umfragen durchgeführt, bei denen sich die Mehrheit der Nowgoroder dafür aussprach, den Prospekt so zu nennen wie bisher. Dennoch beschloss die Kommission für Ortsnamen im Dezember, dass der Prospekt umbenannt werden und der Platz einen Namen erhalten soll.

Am vorigen Freitag versammelten sich die Kommissionsmitglieder, um endlich abzustimmen und ihre Empfehlung an die Stadtduma weiterzuleiten. Vorher teilten sich die Wissenschaftler, Historiker und Vertreter der Öffentlichkeit in der Kommission in drei Gruppen. Und jede Gruppe hatte ihren Vorschlag. Oder zwei. Dadurch ergaben sich fünf mögliche Kombinationen: Platz und Boulevard (bzw. Prospekt) des soldatischen Ruhmes; Platz des soldatischen Ruhmes und Woskresenskij-Boulevard (-Prospekt); Platz des soldatischen Ruhmes und Bahnhof-Strasse (-Boulevard/Prospekt); Platz des soldatischen Ruhmes und Prospekt (Boulevard) des Sieges; Garde-Platz und Bahnhof-Prospekt (Boulevard). Eine Diskussion fand praktisch nicht statt. Die Abstimmung ergab zehn Stimmen für die Kombination Platz des soldatischen Ruhmes und Woskresenskij-Boulevard. Der ursprüngliche Vorschlag – Prospekt des soldatischen Ruhmes – erhielt null Stimmen.

Jetzt haben die Duma-Abgeordneten das Wort [….]“

 [Auswahl und Übersetzung: Wasja Rotsel]

 

Was bedeutet Winterkälte?

 Aus Nowgoroder Zeitungen (15. - 22. Februar 2011)

Während die „Nowgoroder Nachrichten“ („Nowgorodskie Vedomosti“) für die dritte Februarwoche ein Anhalten der anomalen Kälte vorhersagen, berichtet eine andere Zeitung der Stadt Nowgorod schon von Vorsorgemaßnahmen für die nun bevorstehende lange Zeit des Frühjahrshochwassers.

Am 15. 2. schreibt die Internetausgabe der „Vedomosti“:

Nach den Informationen des Nowgoroder Hydrometrischen Zentrums werden die Lufttemperaturen bis einschließlich Wochenende noch 8-13 Grad unterhalb der für diesen Monat üblichen Norm liegen. Die Tagestemperaturen, (die durch einen scharfen Nordostwind noch unangenehmer werden), erreichen dabei nicht über minus 20 Grad Celsius. Am Freitag werden in der Stadt sogar bis minus 30 Grad erwartet. Die niedrigsten Werte werden im Norden und Nordosten des gesamten Gebiets zu messen sein.

Am 22. 2. ist folgende Meldung in der Online-Ausgabe der Städtischen Wochenzeitung Nowgorod (Gorodskaja Ezhenedel’naja Gazeta Novgorod) unter der Überschrift

„Frühjahrshochwasser bedroht W.N. und sechs Kreisstädte. Eine Umsiedlung der Bewohner wird nicht ausgeschlossen“ zu lesen.

Ich fasse kurz den Inhalt zusammen: Aufgrund des letzten langen und schneereichen Winters, der auch durch Internetaufnahmen dokumentiert ist, will man in diesem Jahr der Schneeschmelze mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen begegnen. 2800 Arbeitskräfte und 400 technische Einheiten sollen insgesamt eingesetzt werden. Besonders wichtig sind Aufklärungsflüge über voraussichtlichen Überschwemmungsgebieten, wobei vor allem die Zu- und Abflüsse des Ilmensees überwacht und Barrikaden durch Eispfropfen möglichst verhindert oder zumindest abgeschwächt werden sollen. Die Staatliche Aufsichtsbehörde Rospotrebnadzor soll die Überwachung der Kanalisation und der Regenwasserreservoirs verstärken und alle Wasserschutzdämme überprüfen. Auch die Katastrophenhilfe soll sich darauf vorbereiten, Medikamente gegen Darminfektionen bzw. Epidemien in überfluteten Gebieten zu verteilen. Die Vorsorge kann nicht allein von der Stadt Nowgorod geleistet werden, sondern obliegt auch den Verwaltungsorganen der vom Hochwasser betroffenen Landkreise.

 Diese Nachrichten über W. Nowgorod haben mich nachdenklich gemacht. Wir alle haben den zweiten langen und ungewöhnlich kalten Winter jetzt gründlich satt. Aber sind wir nicht klimatisch total verwöhnt? Ich wollte jedenfalls, ich könnte meinen Nowgoroder Freunden (auch am Telefon) noch mehr zuhören, mitfühlen mit dem, was sie aushalten müssen, und mir von ihrer Gelassenheit eine gute Scheibe abschneiden!

Ulrike von Savigny

  

 

                              Adressen der Vorstandsmitglieder

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Dr. William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,  Tel. 886 414 

Dr. Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

Dr. Klaus Trillsch, Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf -  Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041

 

 

26. Jahrgang                                                Nr. 71 / November 2010 

Sehr verehrte Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods,

 

Hiermit lade ich Sie ein zur

öffentlichen Mitgliederversammlung am Montag, dem 15.11.2010 um 20 h

in Raum 240 in der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravenberger Park 1

 

An diesem Abend werden wir unser Nachdenken über die politische Wirklichkeit Russlands fortsetzen: Was ist das für ein Land, das seine Geschichte so pompös und farbig feiert, wie viele von uns es im September 2009 anlässlich des 1150jährigen Jubiläums unserer Partnerstadt miterleben konnten? Welches Bild von sich selbst vermittelt der russische Staat mit Jubelfeiern dieser Art? Welchen Anteil hat daran die Bevölkerung, wie sieht deren Mitbestimmung dabei aus? Ist ihre Mitfreude erwünscht? Auch der Ausdruck ihres Mitleidens, ihrer schmerzvollen Erinnerung an finstere Seiten der eigenen Geschichte? Spielen diese überhaupt eine Rolle?

 

Prof. Dr. Dr. h. c. Stephan Merl, Ordinarius für Osteuropäische Geschichte an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie der Universität Bielefeld, hat im September 2010 die 1000-Jahrfeier der Stadt Jaroslavl miterlebt und dabei Entwicklungen des russischen Staatsverständnisses beobachtet, die bedenkenswert sind. Seine Beobachtungen zum Verhältnis von Herrschaft und russischem Volk, zu dessen Dynamik in den letzten 20 Jahren wird er uns mitteilen. Er knüpft dabei an den Vortrag an, den er anlässlich des 20. Geburtstags der Idee einer Partnerschaft mit einer sovjetrussischen Stadt im Dezember 2003 im Haus der Kirche gehalten hat, und er wird auf diese Weise einen Bogen spannen, in den so manche unserer Fragen über das heutige Russland gestellt werden können.

 

Wir dürfen gespannt auf seine Antworten sein und uns auf einen interessanten Abend freuen!    

Seien Sie uns herzlich willkommen!

Brunhild Hilf

 

 

 

Zum Tode von Wladimir I. Powetkin

 

So wie die Geschichte des Musikers Sadko legendär mit Welikij Nowgorod verbunden ist, so wird es in der Welt der Archäologen, Musikhistoriker und Restaurateure Wladimir I. Powetkin blieben. Er starb am 10.10.2010 im Alter von 67 Jahren. Die Nachrufe in den Nowgoroder Zeitungen beklagen seinen Tod als unersetzlichen Verlust und rühmen ihn


und sein Lebenswerk mit feinen und feierlichen Worten; namhafte Historiker erkennen darin seine Pionierleistungen an. Im Krieg bei Stalingrad geboren, absolvierte er in Kursk lediglich eine künstlerisch-graphische Ausbildung und kam anschließend 1969 nach Nowgorod, wo er sich archäologischen Forschungen widmete: er entwickelte eine Methode zur Restauration von Birkenrindenurkunden, erstellte aus Bruchstücken von Holzinstrumenten aus dem 11. Jahrhundert (Guslis, Pfeifen, Schalmeien) klingende Musikinstrumente und erforschte ihre Musikkultur bei Expeditionen in nordrussische Dörfer. Das Zentrum für Musikkultur des 10. – 15. Jahrhunderts, das er 1990 gründete, dokumentiert diesen von ihm besonders geliebten Teil seines Lebenswerks, das der große Historiker Dmitrij Lichatschow würdigte als ein wichtiges Tor zur Erforschung des altrussischen Geisteslebens.

 

In den letzten Jahren widmete er sich außerdem der Rekonstruktion einer besonderen Kostbarkeit: Tausende von Wachsfragmenten fügte er zusammen zu dem bisher ältesten slavischen Buch: einem Psalter aus dem 11. Jahrhundert.

 

In mehr als 80 wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Aufsätzen legte er die von ihm entwickelten Methoden dar, regte die Erforschung und Diskussion der altrussischen Volkskultur an und beschrieb die Rolle der Musik im Leben des nordrussischen Dorfes.

Владимир Иванович Поветкин

 

Als er sich im Frühsommer 1989 zu Vorträgen in Freiburg aufhielt, gelang es uns, ihn nach Bielefeld einzuladen, wo er in der Matthäuskirche am Brodhagen auftrat: mit Musik und Wort. Seitdem wurde seine Arbeit beständig von uns unterstützt und aufmerksam begleitet.

Innovativ forschend in der russischen Kulturgeschichte, war er doch im Kontakt mit anderen Menschen unendlich bescheiden und achtsam, aber unbeirrbar und von hohem Anspruch, wenn es um sein berufliches Ethos ging. Der Weg zu dem Ruhm der letzten Jahre war anfänglich steinig, aber zuletzt sind ihm doch die verdienten hohen Ehren zuteil geworden.

Ein wirklich unersetzlicher Verlust.

Brunhild Hilf


 

 

Bilder von Dmitrij S. Kondratjew

 

Vor nunmehr einem Jahr übergab uns die Witwe des im Januar 2008 verstorbenen Malers Dmitrij S. Kondratjew 19 seiner großen, schönen Bilder. In seinem Testament hatte er sie einer sozialen Einrichtung in Bielefeld vermacht zum Dank für eine überaus erfolgreiche Ausstellung im Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld im Winter 1993/94. Zweimal sind sie bereits gezeigt worden: im Herbst 2009 im Franziskus-Hospital, im Winter dann im Haus Nazareth in Bethel. Der Erlös von sechs verkauften Bildern ging bereits an die „Löwengrube“, die Kinderbetreuung des Bielefelder Tisches.

 

Die 13 verbliebenen Bilder werden nun in diesem Winter im Arbeitsgericht ausgestellt werden, das sich traditionell als Galerie für Künstler der Region zur Verfügung stellt. Nach einer Vernissage am Donnerstag, dem 18. November um 19 Uhr kann man die Gemälde im Gerichtsgebäude an der Detmolder Straße 9 im ersten (und vermutlich auch zweiten) Obergeschoss zu den Öffnungszeiten anschauen:

Montag – Freitag  8 – 15.30 Uhr. Bis 13. Januar wird dies möglich sein.

Wir laden herzlich dazu ein!

B.Hilf

 

Neues aus der Nowgoroder Presse

Update zu den Berichten aus den Rundbriefen Nr. 69 und 70

 

Das beliebte Restaurant „Detinez“, das von 1968 bis 2009 auf dem Gelände des Nowgoroder Kremls betrieben wurde, ist und bleibt geschlossen. Laut den letzten privaten Erkundungen ist auch bisher keine passende neue Örtlichkeit für das Restaurant gefunden worden. (Siehe Rundbrief Nr. 69.)

 

Wladimir Fjodorow, der Direktor und Hauptaktionär der Nowgoroder Firma „Splav“ (u.a. ein wichtiger Lieferant von Ausrüstungen für russische Kernkraftwerke), ist weiterhin, und das seit Mai 2008, in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl wurde bereits zehnmal verlängert, zum letzten Mal am 27 April, eine neue Vernehmung wurde für den 9. November 2010 angesetzt – und das, obwohl der 57-jahrige Fjodorow an einer ganzen Reihe von ernsthaften Erkrankungen leidet (von einer chronischen Radikulopathie über eine kardiale Ischämie und einen im Haft erfolgten Schlaganfall bis zu einer Krebserkrankung).

Am 21. Juli 2010 fasste die (unabhängige, aber nicht unbedingt deswegen unbefangene) russische Website „Stringer“ (http://stringer.ru) die Hintergründe der Festnahme Fjodorows so zusammen:

„In Welikij Nowgorod ist der Grund für Fjodorows Untersuchungshaft kein Geheimnis. Er schuf und leitete eins der profitabelsten Unternehmen des Nowgoroder Gebietes, die Fabrik ‚Splav’. Zum ersten Mal wurde ihm bereits im Jahr 2007 ein Kaufangebot für das heiß umworbene Unternehmen gemacht. Fjodorow war auch zu einem Verkauf bereit. Aber er stellte drei Bedingungen. Das Geschäft sollte unmittelbar an Rosatom [die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands] verkauft werden; eine objektive Bewertung des Unternehmens sollte erstellt werden; da Fjodorow nicht der alleinige Eigentümer der Fabrik war, sollten alle Aktionäre dem Verkauf  zustimmen. Hochgestellte Mittelsmänner verlangten jedoch, dass das Unternehmen durch eine dritte, völlig unbekannte Firma ge- und wieder verkauft werden sollte; dessen Geschäftsführer war der durch Skandale wohlbekannte Alexander Bobownikow. Fjodorow lehnte ab. Und dann begann man, aus allen Rohren auf ihn zu schießen. 

Fjodorow erhielt Drohungen, seine Ehefrau, eine angesehene Ärztin, erhielt eine Strafanzeige und, obwohl diese haltlos war, wurde sie von ihrer Stelle entlassen. Fjodorow bestand seinerseits auf einer objektiven Bewertung des Unternehmens und auf einem Verkauf ohne Vermittler. Diese Verfahrensweise aber versprach den korrupten Beamten keinerlei persönliche Vorteile, deshalb hielten sie den Druck auf Fjodorow aufrecht.“

(http://stringer.ru/publication.mhtml?Part=48&PubID=13996;

siehe auch Rundbrief Nr. 70)


Erfreulichere Nachrichten aus der Welt der Wirtschaft in Nowgorod enthält folgendes (gekürzte) Interview mit Wladimir Kotenjow, dem jungen russischen Generaldirektor der Nowgoroder Niederlassung des bayrischen Fußboden- und Holzwerkstoffherstellers Pfleiderer AG (der beabsichtigt, für €175 Millionen in Kürze eine weitere, große, moderne Fabrik in Nowgorod zu bauen):

 

Nowgoroder Nachrichten / Новгородские ведомости, 5.10.2010 [das Interview führte Julia Generosowa]

Generosowa: Wladimir Wladimirowitsch, meinen Sie, dass man jetzt von einer Erholung von der Wirtschaftskrise in der Möbelbranche sprechen kann, die ja Ihr Hauptkunde ist?

Kotenjow:

Ich kann nicht leugnen, dass Pfleiderer die Auswirkungen der Krise in den letzten zwei Jahren gespürt hat. In unserer Branche und in den benachbarten Branchen war ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen – der Markt für Spanplatten schrumpfte im Jahr 2009 um 30 bis 40%. Die Preise für Pfleiderers Produkte fielen in den letzten zwei Jahren um 20%. Glücklicherweise besitzt unsere Firma ausreichende Reserven, um solchen Preisdruck auszuhalten.

Ich weise darauf hin, dass bereits während der Krise unser Unternehmen begonnen hat, neue Produkte herauszubringen. Unsere Geschäftspartner benötigten feuchtigkeits-beständiges Material für Badezimmermöbel und Tischplatten, also brachten wir nicht-laminierte Spannplatten auf den Markt. Außerdem, gerade in dieser Krisenzeit, hat Pfleiderer die Herstellung von Platten mit reduziertem Formaldehydgehalt für IKEA aufgenommen. Wir rechnen damit, dass längerfristig auch die großen russischen Möbelhersteller Produkte mit besseren ökologischen Indikatoren auf den Markt bringen werden. Die Erfahrung der westlichen Länder zeigt, dass die Nachfrage nach ökologisch einwandfreiem Mobiliar schnell wächst. Ja, Ökoplatten sind teurer als gewöhnliche, aber unsere Gesundheit und die Gesundheit unserer Kinder ist auch kostbar.

Im Großen und Ganzen verbessert sich die Lage in der Möbelbranche, aber über eine Erholung von der Krise wird man erst nach den Ergebnissen des ersten Quartals des nächsten Jahres urteilen können.

(…)

Generosowa: Sie haben erklärt, dass die Pfleiderer AG beabsichtigt, der Gemeinschaft ökologisch verantwortlicher Holzwirtschaft (Global Forest and Trade Network/GFTN des WWF – W.Ro) beizutreten. Was hat Pfleiderer davon?

Kotenjow:

Zu dieser Vereinigung gehören die 50 größten russischen holzverarbeitenden Firmen, die sich die Prinzipien der verantwortlichen Waldbewirtschaftung zueigen gemacht haben. Unsere Firma hat in diesem Gebiet erhebliche eigene Verdienste. Zum Beispiel richten wir uns beim Kauf von Nutzholz nach den „Ökologischen Grundsätzen in der Holzversorgung“ [des WWF] in dem wir Verträge für Rohstoffe abschließen, deren Herkunft keine Zweifel hervorruft.

Der Beitritt zum GFTN ist ein Beitrag zur ökologisch verantwortlichen, sozialorientierten und ökonomisch lebensfähigen Forstbewirtschaftung, die es erlauben wird, Russlands natürliches Erbe für weitere Generationen zu erhalten. Man muss wegkommen von einer reinen Versorgungsmentalität in Bezug auf den Wald zugunsten einer zivilisierteren Haltung. Und das ist nur möglich, wenn es eindeutige Spielregeln gibt.

 

Auswahl und Übersetzung:  Wasja Rotsel


 

 

 

Trauer um Ingeborg Huber

 

Nachdem Frau Ingeborg Huber im Jahre 1989 mit ihrem Mann Dr. Ludwig Huber aus Hamburg nach Bielefeld gekommen war, wechselte sie bald von der Altphilologie zur Slavistik. Von diesem eigenen Erkundungs- und Erfahrungsort aus war sie ihrem Mann eine partnerschaftliche Begleiterin, als dieser die enge Kooperation mit der Pädagogischen Fakultät der Universität in Welikij Nowgorod aufbaute und gestaltete.

Viele von uns haben sie auf den Mitgliederversammlungen erlebt als wache, kritische, auch humorvolle Zuhörerin, die mit Vorschlägen und Fragen eine eigene Dynamik in unsere Gespräche brachte.

Ihr Leben fand in diesem Sommer ein allzu frühes Ende. Wir sind sehr traurig und denken in freundlicher Anteilnahme an ihren zurückbleibenden Ehemann.

Brunhild Hilf

 

 


Neu im Vorstand

 

Im Frühjahr haben wir zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt, Frau Schapansky und Herrn Dr. Trillsch. Die erstere hat leider unseren Vorstand vor kurzem verlassen, um sich verstärkt anderen Aufgaben zu widmen. Geblieben aber ist Dr. Klaus Trillsch, den wir Ihnen hier traditionsgemäß kurz vorstellen – auch wenn viele von Ihnen ihn bereits als engagierten Freund Welikij Nowgorods kennen, der auch auf einer Mitgliederversammlung von seiner gynäkologischen Tätigkeit im Gebiet Nowgorod erzählt hat.

 

Wie ein Kind auf die Welt kommt, wie es von der Mutter, von Hebammen und Ärzten empfangen und in den ersten Wochen begleitet wird, davon hängt viel für sein späteres Leben ab. Diese Phase menschenfreundlich zu gestalten und nach allen Regeln der ärztlichen Kunst, das ist das Anliegen Herrn Dr. Trillschs, das sich in den Geburtskliniken der Stadt und des Gebiets Nowgorod schnell viele Geburtshelfer zu eigen gemacht haben, nachdem sie durch ihn auf behutsame Weise Einblicke in neue Verfahren und Überlegungen erhalten hatten. Regelmäßig fährt er dorthin, operiert und referiert. Der damalige Oberbürgermeister Eberhard David hat ihm unter anderem für seine Verdienste um die Reformen in der Nowgoroder Gynäkologie im Sommer 2009 die silberne Ehrennadel der Stadt Bielefeld verliehen.

 

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Lange Jahre war Herr Dr. Trillsch im Vorstand des Freundeskreises der Evangelisch-lutherischen Gemeinde St. Nikolaj Welikij Nowgorod in Bielefeld, der sich leider im Sommer 2010 auflösen musste.

B. Hilf

 


Jubiläum

 

Im September 2012 wird die Städtepartnerschaft mit Welikij Nowgorod 25 Jahre alt. So, wie wir unsere russischen Freunde kennen, werden sie sich diese Gelegenheit zum Feiern nicht entgehen lassen. Und auch wir werden uns davon anstecken lassen, wissen aber noch nicht, wie wir dieses Jubiläum begehen wollen. Gerne würden wir manche Gruppen aus der Partnerstadt hierher einladen, vielleicht nicht unbedingt alle gleichzeitigwie von drei Jahren. Hiermit aber sei die Ideenfabrik eröffnet für Bürgerbegegnungen im Jahre 2012: Sie sind herzlich eingeladen mitzufabrizieren!                                      B.Hilf

 

Europaklasse

 

Alljährlich wird für vier Wochen im Bethel-Gymnasium eine Klasse gebildet aus SchülerInnen verschiedener europäischer Länder, unter denen auch immer ein bis zwei SchülerInnen aus Welikij Nowgorod sind.

Sie bekommen vom Kuratorium gewisse Zuschüsse zu den Fahrt- und Aufenthaltskosten, da wir Wert darauf legen, dass es interessierte, engagierte junge Menschen sind, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass ihre Eltern vermögend sind. 2010 war Elena Andreeva hier – dieser Brief kam von ihr.

 

Sehr geehrte Frau von Savigny,
ich bitte um Entschuldigung, es tut mir echt leid, dass ich so spät meinen Brief schreibe. Ich habe mich wahrscheinlich in der Anschrift geirrt, darum haben Sie keinen Brief von mir bekommen.

Ich bedanke mich bei Ihnen für die Möglichkeit, einen wunderschönen Monat in Deutschland zu verbringen. Ich konnte viele interessante Leute aus verschiedenen Ländern kennen lernen, mit denen ich im Briefwechsel stehe. Ich konnte nicht nur meine Sprachkenntnisse in Deutsch verbessern, sondern meine Kenntnisse in verschiedenen Bereichen vertiefen. Besonders beindruckend war für mich unsere Fahrt nach Berlin. Davon hatte ich immer geträumt. Das war ganz anders, als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Ich bin sehr dankbar für die Sorge, Aufmerksamkeit, Unterstützung und Hilfe meiner Lehrerin und Begleiterin Frau Müller-Antholz, meiner Gasteltern und anderer Leute, mit denen ich mich bekannt gemacht hatte.

Alles war interessant und spannend veranstaltet. Das waren für mich unvergessliche Tage, an die ich mich immer mit Freude erinnern werde. Ich vermisse meine neuen Bekannten und Freunde. Es wäre natürlich toll, wenn wir uns irgendwann treffen könnten.Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit, die ich sehr wichtig für die Entwicklung der menschlichen Beziehungen in der ganzen Welt finde.

Vielen Dank mit herzlichen Grüßen von Ihrer ehemaligen Europa-Schülerin
Andreeva Elena

 

                                            Adressen der Vorstandsmitglieder

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Dr. William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,  Tel. 886 414 

Dr. Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

Dr. Klaus Trillsch, Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf -  Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041

 

Rundbrief No. 70 / Mai 2010 

Sehr verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods!

 

Hiermit lade ich Sie ein zur öffentlichen Mitgliederversammlung

am Montag, dem 7.6.2010 um 20 h

in Raum 240 der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1

 

In unserer Juni-Zusammenkunft möchten wir mit Ihnen unser Nachdenken über Russland fortsetzen: wie entwickelt sich dort der Schutz der Menschenrechte? Seit den Morden an kritischen Journalisten, unerschrockenen Menschenrechtsverteidigern und Aktivisten humanitärer Projekte wuchs der Eindruck, dass der russische Staat diese nicht hinreichend schützt und solche Verbrechen nicht rückhaltlos aufklärt. Führt die Sorge vor tödlichen Bedrohungen zum Rückgang des zivilrechtlichen Engagements? Im Sommer 2009 stellte die Menschenrechtsorganisation MEMORIAL ihre Arbeit in Tschetschenien zunächst ein. Eine Ermutigung für sie war dann die Verleihung des „Sacharowpreises für geistige Freiheit“ vom Europäischen Parlament. Oleg Orlow, der stellvertretend den Preis entgegennahm, sprach in einem Interview von den Einschüchterungen und Schikanen des Staates, durch Neofaschisten und Rassisten, er sprach über den „Träumer“ im Kreml und über die schleichende Rehabilitierung Stalins: oft hätten er und seine Mitstreiter, insbesondere im Nordkaukasus, das Gefühl, „mit einem Löffel ein Meer zu leeren“.

Wir haben Peter Franck, den Russlandexperten von Amnesty International Deutschland eingeladen, mit uns einige Wasserproben von diesem „Meer“ zu untersuchen.

Ich bin neugierig auf diesen Abend und lade Sie alle recht herzlich dazu ein!

 

Brunhild Hilf

 

 

September 2010: Gastfamilien gesucht

 

Eine Gruppe von Deutsch-Studenten aus unserer Partnerstadt wird Anfang September Bielefeld besuchen. Sie erkunden gemeinsam Alltags- und kulturelles Leben, erproben ihre Deutsch-Kenntnisse und wollen Ausflüge in die Umgebung machen. Teile des Programms werden von uns vorbereitet und angeboten, im wesentlichen aber werden die jungen Leute zusammen mit der sie begleitenden Dozentin selbstständig unterwegs sein. Sie können in der Rathauskantine Mittag essen.

Was also wird von den Gastfamilien erwartet?

Neben dem „bed & breakfast“-Angebot, für das wir uns schon jetzt herzlich bedanken!:


Offenheit für und Neugierde auf die Gäste – so werden sie für die Gastgeber eine Bereicherung sein.

Ein Nowgorod-Treff ist im Zusammenhang mit diesem Besuch geplant, denn die Studierenden bringen parodistische Märchenvorführungen mit.

 

 

Neues aus der Nowgoroder Presse

Nowgoroder Nachrichten / Новгородские ведомости, 8.5.2010

[Autor: Swetlana Dubowizkaja]

Heute findet in Welikij Nowgorod die feierliche Enthüllung der Säule „Stadt des soldatischen Ruhmes“ statt

Das Ereignis, auf das alle warten, wird heute stattfinden: Die Verhüllung wird von der 10 Meter hohen Säule fallen, die Einweihungszeremonie wird ablaufen, die Ehrensalve wird erschallen und die ersten Blumen werden den Sockel der Säule verzieren. Hunderte von Stadtbewohnern werden an diesem Tag hierher kommen [vom Bahnhof geradeaus, zum Kinozentrum am Karl-Marx-Platz, auf halbem Weg Richtung Kreml]: Würdenträger, Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, Vertreter der Arbeitskollektive der Stadt, Schüler und einfache Nowgoroder. Viele haben unmittelbar teilgenommen an der Erschaffung dieser Gedenkstätte, indem sie ihren Beitrag an die Stiftung „Soldatischer Ruhm“ geleistet und somit die Sammlung von Mitteln zu einer gesellschaftlichen Aktion gemacht haben. […]

Wir erinnern daran, dass der Erlass zur Verleihung des Ehrentitels der Russischen Föderation „Stadt des soldatischen Ruhmes“ am 29. Oktober 2008 vom Präsidenten Dmitrij Medwedew unterzeichnet wurde. Seine Zeilen, verewigt in bronzener Umrahmung am Fuße der Kolonne, kann jedermann lesen: „Für Tapferkeit, Standhaftigkeit und massenhaften Heldenmut seitens der Verteidiger der Stadt im Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes…“ Im selben Jahr, als Ergebnis einer landesweiten Ausschreibung, wurde der aussagekräftigste Entwurf in der Form einer dorischen Säule, gekrönt von einem vergoldeten bronzenen Wappen der Russischen Föderation, ausgewählt.

Die Gesamtkosten des Projekts betrugen 30 Millionen Rubel [=ca. €770.000] – eine ansehnliche Summe für die Stadt. Um den Bau anzufangen, hat man 10 Millionen Rubel aus dem Haushalt der Stadt bewilligt und gleichzeitig ein Sonderkonto für freiwillige Spenden eröffnet. Als erste reagierten darauf die Nowgoroder Pädagoginnen und Pädagogen und die Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges; die Mitarbeiter der Verwaltung Welikij Nowgorods und die städtischen Angestellten schossen ein Prozent ihres Gehaltes zur Errichtung des Denkmals zu. Danach schlossen sich der Aktion Unternehmen und Organisationen der Stadt, Schüler und Rentner an. […]

Kurz vor den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges [9. Mai] beschlossen die Abgeordneten der Nowgoroder Gebietsduma, 10 Millionen Rubel für die Errichtung der Gedenkstätte „Stadt des soldatischen Ruhmes“ bereitzustellen. Die Gesamtssumme der Spenden des Volkes, die von 200 Organisationen und 7000 Privatpersonen bis dato eingetroffen sind, beträgt über 6 Millionen Rubel. Ein weiterer Teil der Kosten wird aus dem Erlös vom Verkauf von Kerzen im Rahmen der städtischen Aktion „Wir erinnern uns“ bestritten, die am 9. Mai mit einer Schweigeminute auf dem Siegesplatz/Sophienplatz abgeschlossen wird. Die Leiter der Stiftung „Soldatischer Ruhm“ hoffen aber, dass auch nach dem 65. Jahrestag des Sieges die Spendensammlung für die Säule weitergehen wird, weil jeder eingehende Rubel sofort zur Begleichung der Rechnungen überwiesen wird - die Bauunternehmen, wie es so schön heißt, strecken ihre Arbeit vor. […]

 

 

Die Wochenzeitschrift Nowgorod / Городская еженедельная газета Новгород,  7.5.2010

[Autor: Michail Bogoljubow]

Erstmals eine Vize-Gouverneurin für das Nowgoroder Gebiet

Laut Beschluss der Verwaltung des Nowgoroder Gebiets wird mit Wirkung vom 5. Mai Veronika Minina in den zivilen Staatsdienst des Gebiets übernommen und in Abstimmung mit der Nowgoroder Gebietsduma zur ersten Vertreterin des Oberhauptes der Gebietsverwaltung für die Dauer der Amtszeit des Gouverneurs ernannt. [….]

 

Die Wochenzeitschrift Nowgorod /Городская еженедельная газета Новгород,  29.4.2010

[Autor: Michail Bogoljubow]

Versuch der feindlichen Übernahme von Nowgoroder Unternehmen kommt vor Gericht

Vom stellvertretenden Generalstaatsanwalt für den föderalen Bezirk Nord-West Alexander Guzan wurde die Anklageschrift in der Strafsache gegen Mitglieder einer organisierten Gruppe in Zusammenhang mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme von Unternehmen auf dem Territorium des Nowgoroder Gebiets bestätigt. Strafrechtlich belangt werden zwei Bürger Welikij Nowgorods: der Generaldirektor der ZAO „Splav“ Wladimir Fjodorow, 56, und die Generaldirektorin der OOO „Inter-Service“ Elena Muchina, 47. Die Ermittlung wirft ihnen vor, im Jahr 2000 Mittel der OOO „Haus des Buchhalters“ in der Höhe von 4,7 Millionen Rubel erpresst und in der Folge das illegal erlangte Geld legalisiert zu haben. Außerdem wird Fjodorow Erpressung im Jahr 2007 von 20% des Stammkapitals der OOO „Holding Maschinenbauwerke“ im Wert von 34,6 Millionen Rubel vorgeworfen sowie die betrügerische Aneignung von 19,87% des Stammkapitals derselben Gesellschaft im Wert von 441,7 Millionen Rubel [= €11,7 Millionen]. ‚Danach haben die genannten Personen das durch kriminelle Machenschaften erworbene Vermögen legalisiert’ – so die Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

Wladimir Fjodorow wird wegen Erpressung und Betrug sowie bandenmäßiger Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte in besonders großem Maßstab [§§…] angeklagt. Elena Muchina wird der Erpressung und der Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte bezichtigt [§§…].

Die Straftat wurde von der Ermittlungsbehörde der Generaldirektion des Innenministeriums für den föderalen Bezirk Nord-West untersucht. Für Fjodorow wurde Untersuchungshaft angeordnet, Muchina wurde gegen 5 Millionen Rubel Kaution auf freien Fuß gesetzt. Die Unterlagen der Untersuchung sind zur Prüfung an das Nowgoroder Stadtgericht überwiesen worden.

 

Erläuterung: Im Artikel fehlt jeglicher Hinwies auf die Hintergründe der Splav-Affäre, jegliche Andeutung, dass die Geschichte vielleicht zwei Seiten hat. Es liegt also nahe, dass die Leser von Nowgorod schließen, mit Fjodorow und Muchina seien zwei hochkarätige Wirtschaftsgauner in die Fänge der Fahnder geraten. Erste Leserreaktionen im Internetforum der Zeitung sind auch entsprechend: „Verurteilen und einsperren muss man diese Schwindler und Betrüger […].“ Dennoch entpuppt sich das Forum als mediendemokratisches Korrektiv gegen die einseitige Berichterstattung im eigenen Blatt: Am 30.4. schreibt ein weiterer Leser: „Für die, die nicht auf dem Laufenden sind, möchte ich erklären,  dass diese Affäre fabriziert worden ist, um Fjodorow in Untersuchungshaft zu halten (seit 2 Jahren) und um auf ihn Druck auszuüben, um von ihm die Aktien von Splav zu erpressen. Fjodorow selbst ist zurzeit Opfer einer feindlichen Übernahme seitens hochrangiger lokaler und föderaler Beamten. Man hält ihn fest, bloß weil er vor dem Gesetz unschuldig ist und gar nicht vorhatte, sich davon zu machen. Die ganzen Banditen sind auf freiem Fuß, die soll man lieber verfolgen. Das hat aber [für die da oben] wenig Sinn, da die Banditen eben nicht Mehrheitspakete von Aktien großer, profitabler Unternehmen kontrollieren, die man ihnen wegnehmen kann.“

Etwas mehr Licht – wenn auch nicht Klarheit - in die Sache bringt ein Artikel in der überregionalen unabhängigen („nezavisimyj“ = unabhängig) Nesawissimaja gaseta / Независимая газета vom 2.11.2010. Dort erfährt man, dass „Splav“ (=Metallegierung) mit seinen 3500 Mitarbeitern ein strategisch wichtiger Produzent von Ventilen und Armaturen für Kernkraftwerke und Ölplattformen und unter den Unternehmen Nowgorods der zweitgrößte Steuerzahler ist. Die marode Firma (ehemals „Kontur“) wurde nach ihrer Privatisierung infolge des Zerfalls der Sowjetunion von Wladimir Fjodorow, der bereits bei der Gründung 1980 (laut „Splav“ 1978) ihr Direktor war, auf Vordermann gebracht und modernisiert, so dass sie nie mehr, auch in Krisenzeiten, um staatliche Zuschüsse bitten musste; im Gegenteil, sie ist als Sponsor für lokale Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser aufgetreten und war auch ein wichtiger Geldgeber der 29. Hansetage und der Feierlichkeiten zum 1150. Jahrestag der Gründung Welikij Nowgorods im vorigen Jahr. Während der Feierlichkeiten im September 2009 haben Arbeiter der Fabrik eine Sitzblockade zur Unterstützung ihres schon damals seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft einsitzenden Direktors organisiert. Fjodorow habe selbst die Demonstranten überzeugt, zur Vermeidung von Störungen stattdessen nur eine Pressekonferenz abzuhalten. Deren Ausstrahlung im lokalen Fernsehen wurde aber – von wem auch  immer - verhindert.

Fjodorow zum Verhängnis wurde laut „Nesawissimaja gaseta“ die im Mai 2008 geäußerte Absicht, seine Mehrheitsanteile an „Splav“ an die staatliche Firma „Rosatom“ zu verkaufen: der wichtige Zulieferer wäre zum Bestandteil der staatlichen Kernenergie-Gesellschaft geworden. Laut weit verbreiteter Vermutung erklären sich die Strafanträge und Fjodorows Inhaftierung dadurch, dass andere mächtige private Interessenten die Firma übernehmen wollten – und dass sie die nötigen Verbindungen besitzen, um die Staatsanwaltschaft gegen Fjodorow in Gang zu setzen. Auch die Inhaber von Minderheitsanteilen an „Splav“ seien am – lukrativeren – privaten Verkauf der Firma interessiert. Nach der Festnahme des Direktors hat ein noch rechtzeitig als Hochstapler entlarvter „Vertreter“ der Firma versucht, die gefälschten Mehrheitsaktien zu verkaufen! Jetzt läuft auch gegen ihn ein Prozess.

Was lehrt uns diese skurrile Geschichte? Etwa, dass wir uns hier im Westen freuen sollen, da unsere Wirtschaft von solchen üblen finanziellen Machenschaften verschont bleibt?

 Übersetzungen und Kommentar: Wasja Rotsel

 

 

                              Adressen der Vorstandsmitglieder

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,  Tel. 886 414

Lisa Schapansky, Meindersstraße 3, 33615 Bielefeld, Tel. 9 890 301

Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

Klaus Trillsch, Saarbrücker Straße 19, 33613 Bielefeld, Tel. 887 930

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf -  Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041

 

  Aus dem Rundbrief Nr. 69 vom März 2010

Am Rande beobachtet...

 ..., nämlich am Rande der Jubiläumsfeier „1150 Jahre Welikij Nowgorod“ im September 2009. Der Verfasser hatte die Gelegenheit, gemeinsam mit dem früheren Oberbürgermeister Eberhard David und einem Dolmetscher als Vertreter des Kuratoriums Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e.V. und als Gast der Stadt Welikij Nowgorod an den Jubiläumsfeierlichkeiten teilzunehmen. Dabei ergab sich die Möglichkeit, gewisse Akzente zu erkennen, die sich Staat und Gesellschaft in der Russischen Föderation seit der Wendezeit Anfang der 90-er Jahre gesetzt haben. 

Als erstes fällt auf, vor allem bei einer so sorgfältig und aufwändig vorbereiteten städtischen und gesamtstaatlichen Jubiläumsveranstaltung, dass Nationalgefühl und Nationalstolz der russländischen Staatsbürger sehr ausgeprägt sind, was von der „Macht“ nachhaltig gefördert wird. Am auffälligsten zeigte sich das an der gewaltig großen Freiluftbühne auf dem zentral gelegenen Sophienplatz, die unübersehbar mit den Nationalfarben Weiß-Blau-Rot großflächig eingerahmt war.

Bei einem abendlichen Festkonzert für die offiziellen Gäste in der Philharmonie war bemerkenswert, dass Seine Eminenz, der Patriarch von Moskau und ganz Russland, Kyrill als erster Ehrengast äußerst feierlich und ehrfürchtig begrüßt wurde. Bei seinem – zeitlich  erheblich verzögerten – Einzug in den Konzertsaal erhob sich das Publikum respektvoll von den Sitzen.

An diesem Vorgang war beispielhaft zu erkennen, dass die Rolle der Russisch-orthodoxen Kirche seit den (inzwischen längst entschwundenen) Jahren von Perestrojka und Glasnost im öffentlichen Leben des Landes erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Diese Renaissance der Kirche wird auch sichtbar an zahlreichen wiederhergestellten oder neu errichteten Kirchen- und Klostergebäuden. Das heutige Verhältnis zwischen Staat und Kirche kann man durchaus als ein neuerliches Bündnis von Thron und Altar bezeichnen. Wobei es allerdings der Staat ist, der, wenn es drauf ankommt, das Sagen hat.

Das Hauptportal der im Kreml gelegenen Sophienkathedrale, die bekannte Nowgoroder Bronzetür, deren Reliefplatten Mitte des 12. Jahrhunderts in einer Magdeburger Werkstatt hergestellt worden sind, ist rechtzeitig zum Stadtjubiläum neu aufgearbeitet worden. Die beiden eindrucksvollen, großen Türflügel, auf denen u.a. Szenen aus dem Alten Testament und dem Leben Christi dargestellt sind, erstrahlen jetzt wieder in neuem Glanz.

Hingegen haben die Verantwortlichen bisher darauf verzichtet, auch das düstere Lenin-Denkmal auf dem Sophienplatz und das gewaltige Siegesmonument am Steilufer des Wolchow „runderneuern“ zu lassen. Ganz im Gegensatz zu der schlichten, würdigen Gedenkstätte mit dem ewigen Feuer für die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen der Sowjetischen Armee.

Dass viele Russen leidenschaftliche Schachspieler sind, ist bekannt. Dass es aber auch öffentliche „Schach-Häuser“ gibt, war für den Berichterstatter neu. Ein solches Haus der Schachfreunde befand sich während der Festtage in der dicht bestückten Ladenstraße zwischen Kreml und Sophienplatz. Im Inneren des Pavillons waren ca. 15 kleine Tische aufgestellt, mit Schachbrettern und den bei Schachprofis üblichen Spezialuhren. Nach Wunsch konnte der Besucher mit einem der anwesenden einheimischen Schachfreunde eine Partie spielen. Wer als auswärtiger Gast den ersten Zug machte, konnte einen der liebenswürdigen Züge unserer russischen Freunde im alltäglichen Leben bestätigt finden. Zugleich ging er aber auch das nicht zu unterschätzende Risiko ein, die Partie zu verlieren.

Eberhard Heyd

 

  

Kriegskindheiten in Russland und Deutschland

Inhalte des Vortrags von Herrn Prof. Dr. H.H. Nolte auf der Mitgliederversammlung des Kuratoriums am 16.11.09.

Da die Kindheit sehr vieler Kuratoriumsmitglieder, mich selbst eingeschlossen, in eine Zeit in und  nach dem 2. Weltkrieg fällt (für die Russen „Vaterländischer Krieg“), war das Thema nicht nur historisch interessant, sondern berührte sicherlich bei einigen Zuhörern auch eigene Erfahrungen.

Professor Nolte hat sich im Herbst 2009 mit 20 anderen russischen und deutschen Osteuropawissenschaftlern - alle zwischen 1935 und 1945 geboren – in Moskau zu einer mehrtägigen Konferenz zum obengenannten Thema getroffen. Einer der Teilnehmer, B. Bonwetsch (s.u.), hat das Tagungsergebnis anschließend herausgegeben. Warum in der Gruppe der Befragten keine Durchschnittsbürger, sondern ausschließlich Menschen zu Wort kamen, die nach dem Krieg als Professoren der gehobenen Mittelschicht angehörten, erklärt der Vortragende mit pragmatischen Gründen: eine solche Studie sei kostengünstig. Die Professoren müsse man nicht extra suchen. Sie könnten sich mündlich und schriftlich gut ausdrücken “…und täten dies nur allzu gern“. Außerdem hätten sie sich als Kinder nicht von anderen Kindern unterschieden. In einer schriftlichen Ausarbeitung des Themas kommt der Referent zu Ergebnissen, aus denen ich hier zitieren werde:

„Wie wirkte der Krieg auf die Kinder? In der deutschen Erfahrung standen Bombenkrieg, Kinderlandverschickung und für diejenigen, die östlich Oder und Neiße geboren wurden, Vertreibung sachlich im Vordergrund der Erfahrungen. Kernpunkt der westdeutschen Debatte wurde vor allem das Verwaistwerden.

Anders als in den deutschen Befragungen kommt in allen Berichten von den russischen ‚Kriegskindern’ Hunger vor. Frau Saposchnikowa schreibt,  dass der Vater schon 1941 fiel und die Mutter versuchte, die drei Kinder am Leben zu halten. Im Sommer kochten sie Suppe aus wilden Kräutern, aber im Winter waren sie darauf angewiesen, dass die Menschen, die Hofparzellen hatten, ihnen Kartoffeln abgaben. Frau Thomas berichtet von einem besonderen Fall, weil die Mutter Kosakin und der Vater Mennonit war; sie fliehen innerhalb Sibiriens und bleiben unter russischem Namen immer nur so lange, bis sie den Behörden verdächtig werden. Sie versuchen, alles ‚zur Ware zu machen’, was sie besitzen, um zu überleben; entscheidend ist, dass die Großmutter eine Kuh besitzt. Herr Tsfasman, der aus Gomel in die Gegend von Orenburg evakuiert wurde, schreibt, dass man ständig ans Essen dachte und er sich 1948 zum ersten Mal sattessen konnte. Die Mutter von Pawlow ‚tat alles Mögliche und Unmögliche, um uns vor dem Hungertod zu bewahren’ – aber sie wird denunziert, als sie ein Kleid gegen Mais tauscht und stirbt im Kontext des Strafprozesses. Er beschreibt das Essen – Frühstück aus Pellkartoffeln und heißem Wasser (manchmal mit einem Schuss Milch ‚geweißt’), mittags Kohl oder rote Beete und Kartoffeln, abends Pfannkuchenfladen aus Kartoffelmehl, das man vorher ausgepresst hatte, um die Stärke herauszuziehen. Auch das Brot besteht zum großen Teil aus Kartoffeln. Im Frühjahr suchen die Kinder Sauerampfer am Fluss und fangen auch mal einen Fisch. Auch Pawlow erinnert 1946/47 als das Jahr, in dem am meisten gehungert wurde. Suchorukow beschreibt den Hunger im Winter 1941/42 in Leningrad: ‚Um den Hunger irgendwie zu stillen, nagten wir an den kleinen Zweigen irgendwelcher Sträucher, leckten die gekalkten Wände ab, saugten Tischlerleim aus den Möbeln und knabberten an Buchrücken, weil auch sie mit Leim aufgeklebt waren, der Stärke enthielt.’ Er entgeht dem Hungertod, weil er mit einem Kinderheim im Frühjahr 1942 über den Ladogasee evakuiert wird. Nur Filitow schreibt, dass er nicht hungern musste. Jerin berichtet, ‚wir überlebten, starben nicht vor Hunger, an Unterernährung, auch wegen der Kuh’.

Warum war der Hunger derart prägend? Sowohl in der deutschen wie der russischen Geschichtsschreibung wird manchmal übersehen, dass Hunger ein geplanter Teil der deutschen Besatzungspolitik in der UdSSR war. (…) Es war ein grundsätzliches Ziel des Ostfeldzugs, in Osteuropa einen bevölkerungsarmen ‚leeren’ Raum zu schaffen, in dem dann Deutsche siedeln könnten. Konkret war es das Ziel der deutschen Regierung, Getreide und andere Nahrungsmittel aus den eroberten bzw. zu erobernden Gebieten für deutsche Zwecke zu nutzen (…).

Das Scheitern der sowjetischen Winteroffensive 1941/42 nach der Schlacht vor Moskau hatte für die Nahrungsmittelversorgung der UdSSR sehr ähnliche Wirkungen wie die, welche die deutsche Führung mit dem Abtrennen des Getreide produzierenden Südens vom industriellen Norden im Sommer 1941 geplant hatte. Der Norden Russlands hungerte also, weil die Zufuhr von Nahrungsmitteln aus dem Süden unterbrochen war und weil die Zahl der Menschen, die im Norden lebten, vergrößert worden war…. Mitte und Norden Russlands haben weithin Böden aus Grund- und Endmoräne, die mit Sandflächen, Mooren und Moränenrücken oft wenig fruchtbar sind - eigentlich nur dort, wo Seen verlandeten. Hinzu kommt, dass diese Gebiete während der Hälfte des Jahres Temperaturen unter dem Gefrierpunkt haben, so dass keine Frucht angebaut werden kann, die mehr Monate braucht, um reif zu werden. Die Humusdecken entsprechen den Vegetationsperioden, denn nur, wo viel wächst, kann auch viel Humus entstehen. Zwar gibt es also Anbauflächen für Roggen, aber mehr eben für Kartoffeln, Zwiebeln, Kohl und andere Hackfrüchte, die mit kurzen Vegetationsperioden auskommen. (…) Ohne die Lebensmittellieferungen aus den USA wäre die Todesrate sowjetischer Menschen im Kriege noch deutlich höher gewesen. (...) Auf die Hungersnot bis zum Ende des Krieges folgte im Kontext des mühsamen Wiederaufbaus und nach dem abrupten Abbruch der amerikanischen Lebensmittellieferungen 1946/47 eine weitere Hungersnot in der UdSSR, der etwa eine Million Menschen zum Opfer fielen. (...)

Im Vergleich der Erinnerungen deutscher Kriegskinder mit russischen und daraus, dass in fast allen Erinnerungen der Russen der Hunger eine große Rolle spielte, begreift man eher, wie unterschiedlich die Lebensverhältnisse auf beiden Seiten der Front waren. (...) Der Hunger war ein wichtiger Teil der demographischen Katastrophe, welche der Zweite Weltkrieg für die UdSSR und alle Nachfolgestaaten bedeutet hat. (...) Der Hunger in Deutschland hatte keineswegs dieselbe Größenordnung wie die Hungersnot 1941-1944 in der damaligen UdSSR. Niemand hatte wirklich vor, die Deutschen verhungern zu lassen oder genauer – als Morgenthau Pläne der Entindustrialisierung Deutschlands vortrug, die vielleicht auf so etwas hinausgelaufen wären, gab es in Kanada und den USA eine derartige Empörung, dass diese Vorhaben nicht weiter verfolgt wurden. (…)

Das Genre Erinnerungsliteratur ist in Deutschland weit  verbreitet;  Erinnerungen an die Zeit des Weltkriegs, an Flucht und Vertreibung sind tausendfach veröffentlicht und mehrfach sogar verfilmt worden. Sofort nach Kriegsende setzten diese Publikationen ein und gehen seitdem weiter. (…) Aus dem Vergleich wird deutlich, dass solche Erinnerungen in Russland kein derartiges Massenphänomen sind. Etabliert war in der UdSSR ein eigenes Genre der Erinnerungen an heldenhafte Taten an der Front oder als Partisan. (…) Auf der russischen Seite war die Beschäftigung mit den Traumata der Kriegskindheit unbekannt oder zum heroischen Bild erstarrt. (…) Sicher waren die Gründe für das „Vergessen“ z. T. politischer Natur, Erinnerungen an einen Alltag, der zu dem Bild vom siegreichen Sozialismus wenig passte, wurden nicht gefördert. Ein anderer Grund war aber vielleicht auch, dass die Individualisierung im Westen weiter gegangen ist als in Osteuropa. Im Westen mit seinem hohen Lebensstandard nehmen viele Menschen sich Zeit und Gelegenheit, sich mit sich selbst und der eigenen Geschichte zu befassen. In ärmeren Weltgegenden, in denen die Sorge um das tägliche Brot mehr Zeit in Anspruch nimmt, hat diese Beschäftigung mit sich selbst eine ähnlich breite Öffentlichkeit (noch?) nicht erreicht.“

 

Vielleicht kann die Konferenz dazu beitragen, wenn - wie Professor Nolte hofft - das von B. Bonwetsch herausgegebene Buch mit den Tagungsberichten ins Russische übersetzt wird, dass sich die Wissenschaft auch in Russland einmal mit der Analyse von Kriegsfolgen auf Kinder befasst (aus denen nur in diesem Fall zufällig lauter Professoren wurden). Tabus werden ja nicht sofort gebrochen, sondern eher langsam und in der Stille. Dass die Zeit reif dazu ist, hat der Vortrag deutlich gemacht.

Literatur: B. Bonwetsch (Hrsg.) Kriegskindheit und Nachkriegsjugend in zwei Welten, Essen 2009, 29.50 €

Ulrike von Savigny

 

Vermischtes aus der Nowgoroder Presse

Viele von uns haben wohl im Restaurant „Detinez“* im Nowgoroder Kreml bei einer Einladung oder einer Abschiedsveranstaltung ein leckeres altrussisches Abendessen genossen. Das Restaurant, das seit 1968 existiert, befindet sich teils im Pokrow-Turm der Kremlmauer, teils im Gebäude der ehemaligen, sich an den Turm anschmiegenden Mariä-Schutz-Kirche (Церковь Покрова Пресвятой Богородицы). Die gerichtlich angeordnete und vom Bürgermeister verfügte Schließung des Restaurants am 24. Dez. 2009 hat die Gemüter in Welikij Nowgorod kräftig erhitzt und bietet den Stoff für eine lebhafte öffentliche Diskussion – und wäre gut geeignet als Gegenstand einer soziologischen oder politikwissenschaftlichen Untersuchung über die versteckten Machtstrukturen, auch auf Kommunalebene, in der heutigen russischen Gesellschaft. Und der hier in deutscher Übersetzung abgedruckte Zeitungsartikel könnte als Beispiel für die journalistische Behandlung von heiklen Themen in der offiziellen, staatlich finanzierten und kontrollierten russischen Presse dienen.

Man wird aus dem Artikel nicht wirklich schlau, er ist voll von kryptischen Andeutungen und versteckten Anspielungen, Transparenz scheint kein Ziel zu sein. Ein Abgeordneter der städtischen Duma wird regelrecht demontiert – ob zu Recht oder nicht, ist unklar. Der Erzbischof Lew wird in einem Satz als Anstifter der ganzen Angelegenheit ins Spiel gebracht, aber Details und Belege oder eben ein Dementi fehlen. Andere Medien munkeln, dass Lew und sogar der Patriarch von Moskau und ganz Russland Kyrill I. bei der Regierung interveniert haben, weil es ihnen ein Dorn im Auge ist, dass in einer Kirche ein Restaurant betrieben wird. (Nach Bielefeld darf man sie also nicht einladen.)

Das Restaurant ist tatsächlich über die Stadtgrenzen hinaus recht bekannt; seine im Artikel wenig schmeichelhaft dargestellte Betreiberin Galina Elisarova hat im Jahr 2004 den „Goldenen Kranich“ erhalten für ihren „Beitrag zur Renaissance der Gaststättenkultur in Russland.“ Der angeprangerte Stadtduma-Abgeordnete A.A. Moiseew  ist anscheinend als unabhängiger Kandidat in die Duma gewählt worden und ist dort Vorsitzender der „ständigen Kommission für die Entwicklung des kleinen und mittleren Unternehmertums und des Tourismus.“ Der Nowgoroder Oberbürgermeister Bobryschew, der die Schließung des „Detinez“ verfügt hat, hat einen Sohn Wladimir, der zufällig Besitzer einer Reihe von Restaurants ist – Konkurrenten des „Detinez“ eben. Und schließlich sollte man wissen, dass Beanstandungen wegen Verstößen gegen die Brandschutzbestimmungen zum probaten Mittel geworden sind für Vorgehen gegen für gewisse Behörden unliebsame Institutionen und Betriebe. Aber nach der Brandkatastrophe in Perm im letzten Dezember (155 Tote) haben auch die ganz legitimen feuerpolizeilichen Inspektionen und Schließungen im ganzen Land drastisch zugenommen.

Die Schließung des „Detinez“ ist kein weltbewegendes Ereignis, die Affäre, die darum entstanden ist, birgt aber lehrreiche Einsichten in das Funktionieren des gesellschaftlichen Systems, einschließlich dem der Publizistik. 

*(Das Wort „Detinez“ [детинец] war bis zum 14. Jh. die Bezeichnung für das, was seitdem „Kreml“ genannt wird – und für beide Wörter gibt es eine Vielzahl von sich widersprechenden etymologischen Erklärungen.)
Wasja Rotsel

 


Leidenschaften und Merkwürdigkeiten

Aus den Nowgoroder Nachrichten vom 23.1.2010

Diese Woche ist die vom Gebietshauptamt des föderalen Ministeriums für Zivil- und Katastrophenschutz (МЧС) gesetzte Frist für die Beseitigung der bei einer Inspektion des Nowgoroder Restaurants „Detinez“ zahlreich festgestellten Verstöße gegen die Brandschutzbestimmungen abgelaufen. Die Forderungen des Amtes sind nicht erfüllt worden. Aber die Leidenschaften, die um den „Detinez“ entbrannt sind, haben damit nichts zu tun.

In den Medien ertönen Aufrufe zur Rettung des beliebten Restaurants, das ja nicht nur in Nowgorod, sondern im ganzen Land bekannt ist. Oder „auf der ganzen Welt“, wie der Abgeordnete der Duma der Stadt Welikij Nowgorod Andrej Moiseew sagt, der auch als ehrenamtlicher Anwalt des Restaurants auftritt. Seine flammenden Reden [gegen die Schließung des „Detinez“] wimmeln von düsteren Vokabeln, wie „auf Bestellung“, „Korruption“, „Drohung“, „Überfall“ und anderen mehr.

Einverstanden, diese Geschichte enthält eine Menge Merkwürdigkeiten. Aber die Merkwürdigkeiten führen nicht unbedingt zu uneingeschränkter Anteilnahme mit den „Vertriebenen“. Die Meinung ist weit verbreitet, dass alles vom Erzbischof „angestiftet“ wurde. Fakt ist, dass bereits am 14. Mai des Vorjahres das Nowgoroder Gebietsamt der föderalen Agentur für die Verwaltung des Staatsvermögens der „Detinez“-GmbH den Pachtvertrag gekündigt hat – wegen Zahlungsverzug beim Pachtzins. Die Vorwürfe waren stichhaltig (das muss sogar Herr Moiseew zugeben), und das Restaurant hat sich auch beeilt, den Rückstand zu begleichen. Aber die Räumlichkeiten verlassen will es nicht. Deshalb hat das Amt dem Geschäftspartner nochmals eine gütliche Trennung vorgeschlagen: Am 18. Juni wurde die „Detinez“-GmbH aufgefordert, die Liegenschaft bis zum 21. September zu räumen. Als die Frist abgelaufen war, begannen die Verhandlungen vor Gericht.

Es gäbe viel zu sagen über Traditionen und Wahrzeichen. Und umso mehr über die schwierige Situation der Menschen, die im „Detinez“ arbeiteten. Man könnte auch die Kunden fragen, ob sie in letzter Zeit mit allem in der Gaststätte zufrieden waren – mit der Qualität der Speisen, dem Service, den Preisen. 3000 bis 4000 Rubel [€70 - €95] pro Person für ein Menü mit Getränken – ist das ein Wahrzeichen?  Aber wir kommen vom Thema ab.

Im Prinzip haben wir es hier mit zwei Geschäftspartnern zu tun. Der eine bekam Zweifel bezüglich der Gewissenhaftigkeit des anderen und schlug vor, die Geschäftsbeziehungen zu beenden. Dabei hat er keine Killer und keine Gangster angeheuert, sondern hat seine Ansprüche ganz und gar zivilisiert begründet. Im Gegenzug hat der fehlbare Partner aber nicht versucht, die Missverständnisse auszuräumen, sondern ist zum Angriff übergegangen. Bei der gerichtlichen Voruntersuchung hat „Detinez“ gegen das Vermögensverwaltungsamt Gegenklage erhoben und die Annullierung des Pachtvertrags verlangt. (Es fragt sich nur, warum er dann den Vertrag bis zum Frühjahr 2009 erfüllt hat?) Dies brachte nur einen Teilerfolg: der Gerichtstermin wurde um einen Monat verschoben. Wie zu erwarten war, fiel am 25. November die Entscheidung zugunsten des Klägers (des Vermögensverwaltungsamtes).

Ich erinnere: Unsere Zeitung ist seit langem auf dem Laufenden. Wir berichteten von der Situation schon am 8. Dezember, einen Tag nachdem der „Detinez“ für 60 Tage wegen Verstößen gegen die Brandschutzbestimmungen geschlossen wurde. Durch einen Entscheid des Stadtgerichts, wohlgemerkt. Die Leiterin des „Detinez“, Galina Elisarowa, teilte damals unserem Korrespondenten mit, dass sie gegen den Entscheid Berufung einzulegen gedenke. Hat sie aber nicht. Ebenso wenig hat sie fristgerecht Berufung gegen die Kündigung des Pachtvertrags beim Schiedsgericht eingelegt.

Also, wer ist im Unrecht? Derjenige, der nach dem Buchstaben des Gesetzes gehandelt hat oder derjenige, der versucht, die Angelegenheit nach den Regeln des Verbrechermilieus zu lösen? Die Frage ist, versteht sich, rhetorisch. Weil Herr Moiseew als Anwalt des „Detinez“ fungiert, der  sich gerne auf das Gesetzt beruft, selbst aber nach den Gesetzen der Unterwelt lebt. […]  Als er von der Nowgoroderin N. eine Zweizimmer-Wohnung mietete, hat er ab dem 1. Juli 2005 vertragsgemäß die Miete bezahlt. Dann plötzlich im letzten September beschloss er, die Zahlungen auf ein Drittel zu kürzen. „Warum, hat er nicht gesagt“, beklagt sich die Vermieterin. „Er lässt mich nicht in die Wohnung ’rein und er weigert sich, ’raus zu ziehen. Ich habe ihm viele Kündigungen geschickt, aber er sagt, er hätte sie nie bekommen. Schließlich habe ich den Abgeordneten verklagt, weil es so aussieht, als hätte er vor, in meiner Wohnung auf ewig zu bleiben.“

Die Gutmütigkeit von Frau N. hat Andrej Anatoljewitsch, übrigens, weidlich ausgenützt. Laut Nina Michajlowna N. brauchte Moiseew, als er für die Duma zu kandidieren beschloss, eine Registrierung (Anmeldung). Also überredete er die Dame, ihn als wohnhaft in [ihrem] Haus im Dorf Rakomo im Kreis Nowgorod anzumelden. Hinterher musste Frau N. die fiktive Anmeldung vor Gericht rückgängig machen, was mit großen Schwierigkeiten verbunden war, und noch gestern hatte sie vor, mit dem Gerichtsentscheid zur Verwaltung ins Dorf zu fahren.

Solche Vertreter und Schützer des Volkes haben wir also. Ihre Kleider sind weiß. Aber nur nach außen. Was den „Detinez“ angeht, hat die regionale Verwaltung nicht vor, die in eine schwierige Lage geratenen ehemaligen Angestellten sich selbst zu überlassen, sondern wird, falls nötig, bei der Arbeitssuche behilflich sein. Außerdem, wie uns Denis Besrukow, Leiter des staatlichen Amtes für den Schutz des Kulturerbes beim regionalen Kulturausschuss, mitteilt, sucht man im Nowgoroder Kreml nach Räumlichkeiten, die für eine „zeitgemäße Verwendung“ geeignet wären – einschließlich für ein Restaurant mit altrussischer Küche. Es gibt schon verschiedene Möglichkeiten.

Gennadij Rjabkin

 

 
 

 

 


Rundbrief Nr. 68                                                            November 2009

 Sehr verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods!

 

Hiermit lade ich Sie ein zur

öffentlichen Mitgliederversammlung am Montag, dem 16.11. um 20 Uhr

in Raum 240 der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1

 

Unser Referent an diesem Abend wird Prof. Dr. Hans-Heinrich Nolte sein, der Osteuropäische Geschichte an der Universität Hannover lehrte. Im Oktober 2009 nahm er teil an einer Konferenz in Moskau über "Kriegskindheiten in Russland und Deutschland" und wird darüber berichten. Dieses Thema wird in interdisziplinärer Zusammenarbeit erforscht.

Von psychoanalytischer Seite kam der Anstoß, die historische Forschung nahm ihn auf und untersuchte die Kindheit und das weitere Schicksal derer, die zwischen dem Ende der 1920-er Jahre und den letzten Kriegsjahren geboren wurden.

Erziehung während der durch die nationalsozialistische bzw. stalinistische Ideologie geprägten Zeit, Kriegserfahrungen: Bomben, Vertreibung, Kinderlandverschickung, Vaterlosigkeit – wie wirkten sich diese traumatischen Erfahrungen im späteren Leben aus?

Wo liegen die Unterschiede zwischen deutschen und russischen Kindern?

Welche Rolle spielt und spielt der Opferstatus in der politischen Auseinandersetzung?

Wie intensiv wird das Thema aufgearbeitet: Gibt es hier Unterschiede zwischen Deutschland und Russland?

 

Das Thema  verspricht einen berührenden und  anregenden Abend!

Seien Sie herzlich willkommen!

Brunhild Hilf

 

 

1150 Jahre Welikij Nowgorod

Kuratoriumsreise zum Jubiläumsfest unserer Partnerstadt

 

Im Jahre 2007, anlässlich der Nowgoroder Tage in Bielefeld, luden uns die Vertreter der Stadt Welikij Nowogord ein, ihre Stadt, unsere Partnerstadt, im Jahre 2009 zu zwei herausragenden Anlässen zu besuchen. Erstmals fand vom 18. – 21. Juni der Internationale Hansetag der Neuzeit in einer russischen Stadt, in Welikij Nowgorod, statt, und vom 19. – 21. September feierte die Stadt ihr 1150-jähriges Bestehen.

 

Die Reisegruppe des Kuratoriums fuhr daher vom 16. – 24. September mit 22 Personen zu dem großen Stadtjubiläumsfest. Einige Reisende waren zum ersten Mal in Welikij Nowgorod, andere im Jahre 2006 bei den Bielefelder Tagen und ich, der Berichterstatter, war vor 15 Jahren das letzte Mal in Welikij Nowgorod gewesen. So waren die Erwartungen an die Reise ganz unterschiedlich.

Gleich am Donnerstag, 17.09., nach unserem Anreisetag, machten wir eine Stadtführung mit „unserer“ Svetlana Cvetkova. Sehr viel hatte sich in den Jahren verändert. Die Stadt präsentiert sich nun von ihrer besten Seite, und ich glaube, nicht nur wegen des Jubiläums. Die Gebäude im Zentrum sind liebevoll renoviert und restauriert.

Die goldene Kuppel der Sophien-Kathedrale strahlt über der Stadt und dem Kreml. Die Parkanlagen waren alle sehr gepflegt und die Vorbereitungen zum großen Stadtjubiläum warfen ihre Schatten voraus. Ich war sehr angenehm überrascht.

Der Freundschaftsverein hatte uns dann zu einem festlichen Abend in den Räumen der Deutschfakultät eingeladen. Nach einem bunten Programm mit dem Chor der Studenten, zwei tollen, lustigen Sketchen, Tanzdarbietungen und Gesangsvorträgen dreier Studentinnen in russischer und französischer Sprache saßen wir noch lange bei Tee und Kuchen in der Bibliothek mit den Studentinnen und Studenten beisammen, bei angeregter und interessanter Unterhaltung.

Am nächsten Tag machten wir eine Rundreise mit dem Bus zum Freilichtmuseum „Vitoslavlicy“, dem wunderschön renovierten Jurjevkloster und der Halbinsel Peryn mit der Klause der Gottesgebärerin, einem wundervollen, kleinen Kirchlein mit einer ganz besonderen Aura. Geheimtipp, sehr empfehlenswert.

Nach einem Konzert des Nowgoroder Orchesters für Volksinstrumente am Abend im Zentrum „Dialog“ war der Besuch in Gastfamilien oder bei Freunden vorgesehen. Unsere Freundschaftsgesellschaft hatte für „passende“ Gastfamilien gesorgt. Teilweise hatten sich die Gastgeber und Gäste schon am Vortag beim Freundschaftsabend kennen gelernt.

Die nächsten drei Tage standen ganz im Zeichen des Stadtjubiläums. Am Samstag war um 11.00 Uhr die festliche offizielle Eröffnungsfeier auf dem Sophienplatz  vor dem Kreml.                                                                                      

Eine große Bühne, mit den russischen Staatsfarben geschmückt, bot den Rahmen für eine imposante Zeremonie mit einer Tanzdarbietung junger Leute, mit dem Vorbeimarsch von Fahnenträgern aller benachbarten und befreundeten Städte - auch das Bielefelder Wappen war zu sehen - sowie mit einem Schauexerzieren zu Fuß und zu Pferde des Wachregiments des Präsidenten der Russischen Föderation in historischen Uniformen.

Über die ganze Stadt verteilt gab es Vorführungen der verschiedensten Art: Konzerte, Spiele für Kinder, Ausstellungen, einen mittelalterlichen Markt mit landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkten des Nowgoroder Gebietes und vieles mehr.

Den Abschluss dieses Tages bildete eine spektakuläre Lasershow am Volchov über die Geschichte der Stadt mit anschließendem riesigem Feuerwerk. 

Der Sonntag stand zur freien Verfügung, und man konnte mit seinen Freunden die Darbietungen des Stadtfestes ansehen.

Am Montag besuchte unsere Reisegruppe dann den Deutschen Soldatenfriedhof Pankovka, und nach einer ergreifenden Rede von Godehard Franzen legten wir zum Gedenken an die Kriegsopfer einen Kranz am Kreuz nieder. Anschließend trafen wir uns mit  Veteranen im Kreml, um auch hier einen Kranz für die russischen Kriegsopfer am Ewigen Feuer niederzulegen. Hier hielten Christel Franzen und ein russischer Veteran die Reden, und es war für alle ein ergreifender Moment mit symbolträchtigem Charakter.

Am nächsten Tag besuchten einige interessierte Mitreisende und  unsere Reiseleiterin, Kirsten Hartmann, das Behinderten- und Rehazentrum „Viktorija“ für Kinder und Jugendliche. Hierher hatte das Kuratorium Spendengelder überwiesen bzw. persönlich überbracht. Wir konnten uns von dem sinnvollen Einsatz der Gelder überzeugen und bewunderten den hingebungsvollen und aufopfernden Idealismus der Ärzte, Psychologen, Therapeuten und Pflegekräfte.     

Eine Schiffsfahrt auf dem Volchov bis zum Jurjevkloster am Ilmensee bildete am nächsten Tag den offiziellen Abschluss unserer Reise, bevor es am Donnerstag, den 24. September, wieder zurück nach Bielefeld ging.

 

Einen herzlichen Dank möchte ich allen sagen, die zum Gelingen der Reise beigetragen haben, der Stadtverwaltung von Welikij Nowgorod, dem Freundschaftsverein, Svetlana Cvetkova und ganz besonders Kirsten Hartmann, unserer hervorragenden Reiseleiterin.

Ich weiß für mich, dass ich bestimmt nicht wieder 15 Jahre brauche bis zur nächsten Reise in unsere Partnerstadt Welikij Nowgorod.

Armin Sachse

 

Einladung

 

Wir laden Sie ein zu einem Welikij-Nowgorod-Treff am 14. Januar 2010 im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus Am Brodhagen 36. Wir werden uns dann Bilder des Jubiläums anschauen und aktuelle und wichtige Themen besprechen.

 

 

 

Eine Silberne Ehrennadel

 

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hat unser Oberbürgermeister Eberhard David fünf Bürger unserer Stadt mit der Silbernen Ehrennadel für besonderes ehrenamtliches Engagement augezeichnet; darunter waren zwei, die sich für die Beziehungen zu Welikij Nowgorod einsetzen: Frau Brunhild Hilf und Herr Dr. Klaus Trillsch.

Ich habe zuerst gezögert, diese Ehrung anzunehmen, habe dann aber zugestimmt in dem Bewusstsein, dass jeder Preis nicht nur dem persönlich Ausgezeichneten gilt, sondern vielen anderen Menschen, mit denen er ihn eigentlich teilen müsste. So spreche ich hier Ihnen allen und insbesondere den ehemaligen und derzeitigen Vorstandsmitgliedern meinen Dank dafür aus, dass sie immer wieder bereit waren und sind, Herz und Sinn zu öffnen für die Belange der Bürger unserer russischen Partnerstadt und ihnen die Hand zu reichen.

Meine Dankesworte an Herrn E. David anlässlich der Verleihung der Ehrennadel am 27.8.2009 im Alten Rathaus habe ich in ein Plädoyer für Welikij Nowgorod und unsere Arbeit gefasst:

 

Sehr verehrter Herr David!

Unsere Familie kam im Jahre 1983 von Heidelberg nach Bielefeld.

Meine Dankesworte könnten eine Antwort sein auf die Frage: wieso Nowgorod mir geholfen hat, mich in Bielefeld heimisch zu fühlen.

Es werden drei Abschnitte sein, drei Blickrichtungen: ein Rückblick, ein Blick auf Menschen, die in der Partnerschaft eine besondere Rolle spielen, und ein kleiner Ausblick in die Zukunft.

Als im Herbst 1983 in Bielefeld wie an anderen Orten Deutschlands Menschen auf die Straße gingen, protestierten sie dagegen, dass hier amerikanische Raketen aufgestellt werden sollten, Cruise Missiles und Pershing II-Raketen, die Ziele in der UdSSR hätten treffen können. Manche Demonstranten erinnerten sich daran, dass rund 40 Jahre vorher deutsche Soldaten nach Osten gefahren waren, um die als minderwertig geltenden slavischen Völker zu vernichten und deren Land als Lebensraum für die arische Herrenrasse zu usurpieren. Die Scham darüber ließ sie nicht in Ruhe – ebenso wie die Angst, Ähnliches könnte sich in Zukunft wiederholen.

Die Erinnerung an diese finstere gemeinsame Zeit färbte so manche Begegnung am Anfang, war doch die Stadt am Wolchow im 2. Weltkrieg fast völlig zerstört worden. Aber so wurde die Idee geboren, Brüder und Schwestern in einer russischen Stadt zu suchen und zu finden. Denn auf Familienmitglieder schießt man nicht.

Der Versöhnungsgedanke beseelte und beflügelte engagierte Bielefelder, und die Begeisterung ihrer Aktivitäten steckte auch die Entscheidungsträger hier und in Nowgorod an, so dass vier Jahre später der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet werden konnte: am 17.September 1987.

Um uns ein Bild von dieser Stadt zu machen, die vor 22 Jahren Bielefelds 5. Partnerstadt wurde, möchte ich Sie bitten, mit mir einen Zeitsprung zu tun in das Jahr, in dem Bielefeld gegründet wurde: in das Jahr 1214.

Господин Великий Новгород – der Herr Groß Nowgorod (so nannte sich die Stadt) –

   besaß damals einen Freiheitsbrief, der ihm die republikanische Unabhängigkeit gegenüber dem ersten Staat auf russischer Erde, der Kiever Rus`, bescheinigte: diese Autonomie war 200 Jahre vorher erkämpft worden;

– sie war Mittelpunkt eines Reiches, das von der Ostsee, dem Nordmeer über die Waldajhöhen, wo die Wolga entspringt, bis zum Ural reichte, wo man Silber schürfte;

   sie hatte neben dem fürstlichen Bürgermeister seit 50 Jahren einen Erzbischof

und regelte wichtige Angelegenheiten in einer Volksversammlung, dem „вече“;

   sie hatte seit 15 Jahren den ersten Hanse-Handelsvertrag überhaupt „mit allen

deutschen Städten und mit den Gotländern und mit allen Völkern lateinischen Glaubens“ (so die Stadturkunde);

   sie nahm sich das Recht heraus, Fürsten, die zur Unzeit „auf dem Wolchow Wildenten und auf dem freien Felde Hasen gejagt, einem Bürger den Hof, einem anderen Silber geraubt und Ausländer aus der Stadt vertrieben hatten“ zu verjagen, in der Stadtchronik hieß es dann: „sie zeigten ihnen den Weg“ – „показаша путь“.

Die – nach langem Widerstand – endgültige und grausame Unterwerfung unter die Moskauer Zentralherrschaft im Jahre 1570 beendete die lange stolze, freiheitlich-demokratische Epoche der Geschichte Groß-Nowgorods.

Zwar ist die goldene Kuppel der Sophienkathedrale das offizielle Emblem des im kommenden Monat zu feiernden 1150-jährigen Jubiläums, aber die Heilige Sophia ist nicht mehr die Allegorie der Souveränität Nowgorods wie im kämpferischen 15. Jahrhundert, sondern das offizielle Konzept der Feierlichkeiten betont den gesamt-russischen Charakter des Festes.

Kehren wir zurück zur Entwicklung der Städtepartnerschaft: neben dem vertraglich festgelegten Austausch offizieller Delegationen traten viele andere Bürgergruppen miteinander in Kontakt und bereits im ersten Jahr auch Einzelpersonen, die einander vorher nicht kannten.

Wurden sie zu Schwestern und Brüdern? So einfach gestaltete sich dies nicht: Nowgorod ist per Luftlinie fast 2000 km entfernt,  seine Bürger lebten in einem Staat, der damals ein völlig anderes Gesellschaftssystem und damit ein anderes Menschenbild hatte. Die Perestrojka und der Zusammenbruch der UdSSR rüttelte dann die Wirtschaft, das Selbstverständnis der Russen und ihr Wertesystem gehörig durcheinander – keine ruhigen Zeiten für Neuorientierungen.

Was beförderte dennoch die Entstehung freundschaftlicher Beziehungen? An erster Stelle die überaus großherzige Gastfreundschaft des russischen Volkes. Auf beiden Seiten wuchs die Neugier füreinander, die Freude am Austausch mit Gleichaltrigen, mit Berufskollegen, allen voran die Pädagogen, mit Menschen, die das gleiche Hobby pflegen (Musiker, Tänzer, Schachspieler, Sportler...). Die Geschichte der Beziehungen zwischen Bielefeldern und Nowgorodern ist vielgestaltig, unübersehbar die vielen Beiträge vieler, vieler Menschen.

Wen soll ich heute hier persönlich nennen? Menschen, die Besonderes beigetragen haben, die stellvertretend für viele stehen oder Menschen, die mir besonders viel bedeuten?

In der Literaturwissenschaft steht die Zahl 3 für Vollkommenheit, zusammen mit der 4 – addiert oder multipliziert - ergeben sich die bedeutsamen Zahlen 7 und 12, heilige Zahlen. So möchte ich auf deutscher Seite 3 und auf russischer Seite 4 Personen nennen:

Es gibt einen schönen, respektvollen russischen Gruß: низкий поклон – eine tiefe Verneigung – entbiete ich Rudolf Lange, Dieter Schwerdtfeger und Dietrich Becker:

Sie verliehen der Idee durch ihr Wirken Inspiration und Kraft.

Als erste auf der russischen Seite der Wegbereiter nenne ich Svetlana Ivanovna Cvetkova, eine profunde Kennerin der Kunst, der Architektur und der Geschichte der Stadt Nowgorod und der Seelen ihrer Bewohner: sie hat diese vielen 100-en Bielefeldern nahegebracht. Ihre guten Kenntnisse sozialer Institutionen machen sie zur vorzüglichen Beraterin für uns, wenn es um die sinnvolle Verwendung des Gehaltscents geht.

Faszinierend für mich als Pädagogin ist der „Klub junger Matrosen“ – eine hohe Schule der Seemannskunst, besucht wird diese Schule von Schülern in ihrer Freizeit, bis sie ausgebildet sind, den Ernstfall zu bestehen: wer wie Kapitän Nikolaj Gennadijevitsch Varuchin in den Zeiten staatlicher Bevormundung Jugendlichen beibringt, wie sie in voller Verantwortung ein Schiff über die Weltmeere bewegen, verdient größte Hochachtung. (Dass dort keine Schülerinnen zugelassen werden, halte ich für einen Fehler.)

Außerordentliches hat auch Vladimir Ivanovitsch Povetkin hervorgebracht: als er bei Ausgrabungen Reststücke von Musikinstrumenten fand, weigerte er sich, diese wie üblich im Museum in einer Vitrine auszustellen. Nein, er erkundete auf musikhistorischen Exkursionen ihr ursprüngliches Aussehen und ihre kulturelle Bestimmung, restaurierte sie eigenhändig (er hat wahrhaftig „zolotye ruki“, d.h. goldene, begabte Hände) und erweckte ihren Klang zu neuem Leben. Heute leitet er ein musikhistorisches Zentrum.

Der vierte ist der Nomade, wie sein Familienname sagt, der – wie er gern hervorhebt – herumgehen darf, wenn andere stehen und applaudieren: Aleksandr Alekseevitsch Kotschevnik, denn er muss dann fotografieren. Er hat den ursprünglichen Pioniergeist nie aufgegeben, mit ihm zusammen durfte ich viele Luftschlösser bauen und sie auf ihr Fundament setzen.

Lieber, verehrter Herr David! Ihnen hat diese Städtepartnerschaft in den 20 Jahren Ihrer Dienstzeit als Oberbürgermeister besonders am Herzen gelegen. Im ersten Jahr Ihrer Amtszeit begrüßten Sie die jungen Seeleute, die vom Emdener Hafen auf dem Landweg nach Bielefeld kamen, um auf dem Rückweg Bielefelder Jungs mit an Bord nach Nowgorod zu nehmen. Ihre ausgewogene Beratung und zupackende Unterstützung hat die Arbeit des Kuratoriums stets klug und tatkräftig begleitet, vor allem anlässlich der  Festwochen in den Jahren 2006 und 2007. Ich danke Ihnen für diese großartige Kooperation zwischen Professionellen in der Stadt und Ehrenamtlichen auf unserer Seite und besonders für Ihr persönliches Engagement.

Welche Baustellen zeichnen sich ab für unsere Arbeit?

Stellvertretend nenne ich 3 Bereiche:

1. Seit wenigen Jahren erst sind Behinderte in Russland kein Tabuthema mehr. Der Gehaltscent der Bielefelder städtischen Mitarbeiter erlaubt uns, etliche Einrichtungen zu unterstützen, die mit Behinderten arbeiten. Über die materielle Hilfe hinaus wünsche ich mir auch fachlichen Austausch auf diesem Gebiet.

2. Russischsprachige Mitbürger unter uns haben mitunter Integrationsschwierigkeiten. Das wunderbare Gehörlosentheater aus Welikij Nowgorod in Zusammenarbeit mit einer Bielefelder Pädagogin und Schauspielerin ist dabei, ein gemeinsames Projekt zu entwickeln, das Schule machen könnte. Der Deutsch-Russische-Austausch in Berlin und St. Petersburg entwickelt ähnliche Arbeitsformen.

3. Ein weites Feld, das die Zukunft des Lebens auf unserer Erde bedroht, sind ökologische Fragen. Ich stelle mir vor, dass auch sie eine größere Rolle spielen könnten in unserer partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

Werden aus den Bürgern unserer Städte Brüder und Schwestern? Es sind viele Freunde und Freundinnen, viele gute Kollegen, auch Ehepaare erwachsen aus dieser Verbindung – so kann es weitergehen.

Ein Nowgoroder Maler stellte mich beim Besuch seiner Vernissage den Anwesenden und dem Fernsehen als „seine Schwester“ vor. Er meinte dies im geistig-seelischen Sinne. Viele nahmen es für BARE MÜNZE: mit solchen Pfunden lässt sich trefflich wuchern!

Wir Bielefelder können stolz auf unsere Bruderstadt Welikij Nowgorod sein.

Brunhild Hilf

 

 

 

Ein halbes „Gorodischtsche“  als Geschenk

 

Die alte Residenz der russischen Fürsten, das Gorodischtsche Rjuriks, das dicht neben dem heutigen Nowgorod liegt, bekam kurz vor der 1150-Jahres-Feier die Chance, zum Mekka für Touristen und Archäologen zu werden.

Seit die Stadt Nowgorod im Jahr 1998 durch den Erlass des russischen Präsidenten wieder zu „Welikij Nowgorod“ (Großnowgorod) und ihr ein Jahr später die westliche Seite des Hügels auf dem das Dorf Gorodischtsche liegt, zugeschlagen wurde, erfolgte jetzt dank der hartnäckigen Forderungen der Nowgoroder Duma - nachdem zuvor städtische und Gemeindechefs gemeinsam zur Ortsbesichtigung gefahren waren - auch die Rückgabe der restlichen Hektar Land, die im Mittelalter dazu gehört hatten.

Historiker und Archäologen sind glücklich über dieses Geschenk.

(Nowgorod, Städtische Wochenzeitung Nr. 37, S.9, 27.9.09)

 

 

 

 

 

Die Adressen unseres Vorstands

Karin Clasmeier, Bossestr. 21, 33615 Bielefeld, Tel. 173 502 oder 9 216 325

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Kirsten Hartmann, Oelmühlenstr. 105, 33604 Bielefeld, Tel. 1 369 528 oder 68 294 (Apotheke)

Werner Matthes, Babenhauser Str. 30, 33619 Bielefeld, Tel. 892 364 (privat) oder 86 039 (8 – 17 Uhr)

William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,  Tel. 886 414

Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

 

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf -  Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kt


             25. Jahrgang                                                                            Nr.67 /Juni 2009 
 

 

 

Einladung zur öffentlichen Mitgliederversammlung

am  Montag, dem 8. Juni 2009 um 20 Uhr

in Raum 240 der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1

 

Sehr verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods!

 

Zu unserer sommerlichen Mitgliederversammlung haben wir  als Referenten Stefan Melle eingeladen. Er ist Geschäftsführer des Deutsch-Russischen Austausches (DRA) in Berlin; dieser Verein unterstützt gemeinsam mit seiner gleichnamigen Partnerorganisation in St. Petersburg nichtstaatliche soziale Einrichtungen,  Bürgerinitiativen und Menschenrechtsorganisationen in Russland, der Ukraine und Belarus. Der DRA fördert ihre Kooperation mit anderen Sektoren der Gesellschaft, organisiert gemeinsame Projekte und Austauschprogramme. Darüber hinaus realisiert der DRA EU-Projekte, betreibt eine Freiwilligenagentur und berät als Experte für Osteuropa Stiftungen, Akteure der Politik und andere Multiplikatoren. Auch die Integration russischsprachiger Migranten in Deutschland durch deren Qualifizierung für ehrenamtliches Engagement gehört zu seinem Arbeitsbereich. Aufgrund dieser Arbeit in zivilgesellschaftlichen Wachstumsprozessen hat Herr Melle tiefe Einblicke in die Entwicklung Osteuropas bekommen, an denen er uns teilhaben lassen wird.

Herr Melle hat in Berlin und Moskau Osteuropa-Wissenschaften und Politologie studiert, als Journalist und Publizist gearbeitet und bei Publikationen über die rechtsstaatliche Entwicklung  Russlands und über Putin mitgewirkt.

 

Wir versprechen uns von diesem Abend Anstöße zur Reflexion über unser Tun und Impulse für künftiges Weiterarbeiten.

Es wäre schön, wenn Sie kommen und mithören, mitdenken, mitfragen und mitplanen!

 

Brunhild Hilf

 

 

 

 

Ein Dank mit Bildern

 

Im Winter 1993/94 zeigte das Zentrum für interdisziplinäre Forschung an der Universität Bielefeld eine Ausstellung mit Werken des Nowgoroder Malers Dmitrij Kondratjew. Dieses „Fenster nach Europa“, als solches hat der Künstler damals diese Ausstellung wahrgenommen, hat sich in der Folge für ihn weit geöffnet und Liebhaber seiner Kunst angelockt, ihm aber auch Inspiration geschenkt für sein weiteres Schaffen. Fast 70-jährig ist er im Januar 2008  verstorben.

In seinem Testament verfügt er, dass eine Gruppe seiner Bilder erneut den Weg nach Bielefeld nehmen soll, um seine Dankbarkeit zu zeigen gegenüber der Stadt, die ihm so viel neuen Lebensmut und -erfolg geschenkt hat. Wir planen, die Bilder im Oktober im Foyer des St. Franziskus-Hospitals zu zeigen; sie können dann auch erworben werden. Der Erlös ist nach dem Willen D. Kondratjews für einen sozialen Zweck bestimmt.

Brunhild Hilf

 

Über die Schwierigkeiten der Orthodoxie  im modernen Russland

Die online-Zeitschrift der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen “Kultura“ (www.kultura-rus.de) besteht seit 2005. Sie erscheint zweimonatlich und bietet - auch für Laien gut lesbar - wissenschaftlich fundierte Analysen über die Vielfalt und Gegensätzlichkeit des russischen Kulturlebens. Die aktuelle Ausgabe Nr.2-09 befasst sich mit der heutigen Situation der Orthodoxie. Kaleidoskopartig  beleuchten fünf Aufsätze die verwirrende Situation. 

Die  amerikanische Journalistin Sophia Kishkovsky berichtet über das Schicksal  religiöser Literatur seit der Oktoberrevolution und die wichtige Rolle, die die russischen Emigranten aus den USA und ihre kleine Organisation RBR, (religious books for Russia), 1979 gegründet, für ihre Erhaltung gespielt haben. Die in Amerika gedruckten und zum größten Teil ins Russische übersetzten Bücher und Broschüren erreichten die Sowjetbürger lange Zeit nur als Schmuggelware. Erst seit 1992 ist der Versand legal und immer noch wichtigste Informationsgrundlage für Gläubige und Interessierte in Russland. Der Zusammenschluss der Russischen Orthodoxen Kirche mit der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland fand 2007 unter Präsident Putin statt. Seit Gorbatschow waren auch in Russland schon eigene kleine Verlage der  seit 1979 bestehenden RBR entstanden, aber noch im Jahr 1998 wurden in vielen russischen Priesterseminaren die Bücher amerikanischer und anderer ausländischer Theologen zur Orthodoxie  als zu liberal abgelehnt. Acht Jahre vorher war der für die Ökumene eintretende Moskauer Priester Aleksandr Men  noch auf offener Straße ermordet worden.

Heute sei die Situation grundlegend anders, beteuert die Autorin. Manchmal seien es die Bischöfe selbst, die Bücher bei RBR, längst  in Zusammenarbeit mit russischen Verlagen, für ihre Priesterseminare anforderten. Aber der Mangel, vor allem an Kinderliteratur, sei weiterhin groß. Um einen  breiten Leserkreis zu erreichen, werden auch viele kostenlose Broschüren verteilt.

Ein Priester aus Pskow, der außer 24 (!) Gemeinden noch ein Gefängnis und ein Kinderheim zu betreuen hat, schrieb an den Verlag, dass er große Hilfe durch die Literatur erführe. Ein anderer berichtete aus Kolyma, einem Ort trauriger Berühmtheit durch den GULAG. „Danke für die Bücher!  Hier am Ende der Welt ist es wirklich schwierig, Bücher zu finden, die man braucht“. Gleichzeitig bat er um DVDs mit Predigten des aufgeklärten Metropoliten A. Bloom, der in London das Moskauer Patriarchat vertreten hat. Der weiter gespannte Horizont der ausländischen religiösen Literatur ist für diese Menschen tröstlich und überlebenswichtig. 

Über einen anderen Ausschnitt russischen orthodoxen Lebens berichtet die Autorin Olga Sweschnikowa in ihrem Bericht über die neue Universitätskirche in Omsk, wo zum ersten Mal ein weltliches Hochschulsystem orthodoxe Priesterausbildung ermöglicht. Der Grund war zunächst banal - das Bistum Omsk-Tara hatte kein eigenes Priesterseminar-  aber die Notlage führte zu einem Experiment mit sehr gutem Ausgang.

Im Gegensatz zu Kirchenbesuchern  in anderen russischen Städten ist die Gemeinde hier vorwiegend jung. Die Studenten verschiedenster Fakultäten kommen  während ihrer Studienzeit  „oft mit sehr vagen religiösen Vorstellungen“ in den Gottesdienst, halten dann nach Abschluss des Studiums aber den Kontakt zur Gemeinde und bringen ihre Kinder  und Familie zum Abendmahl mit in die Kirche.

Die Universitätsgemeinde ist fortschrittlich und aktiv. Die Kunststudenten der pädagogischen Universität haben ihre Kirche „ Zur Heiligen Märtyrerin Tatjana“  eigenhändig  mit Mosaiken ausgeschmückt. Die Jugendlichen aus der Gemeinde feiern  und spielen an kirchlichen Festtagen zusammen. Es gibt eine Sonntagsschule und Intensivkurse zur orthodoxen Liturgie, die an allen Werktagen abends stattfinden. Hierbei unterrichten sich Gemeindemitglieder gegenseitig, die Fortgeschrittenen die Neuanfänger. Die Jugendlichen aus der Gemeinde dürfen sowohl an den Veranstaltungen des Bistums, wie auch an Ausstellungen und überkonfessionellen Konferenzen teilnehmen. Hier zeigt sich auch der Reichtum einer multiethnischen und multikonfessionellen Stadt: In der südwestsibirischen Millionenstadt Omsk leben 79 verschiedene Religionsgemeinschaften. Die Anzahl der Protestantischen Gemeinden ist mit 33 erstaunlich hoch. 

Aus Platzgründen habe ich mich auf diese beiden, mir besonders interessant scheinenden, Aufsätze beschränkt. Auch die übrigen Beiträge seien Ihnen anempfohlen.

Inzwischen schickt die Redaktion von ‚Kultura‘ einen verzweifelten Appell aus: die „Gerda-Henkel- Stiftung“, die die Zeitschrift zwei Jahre lang unterstützt hat, fällt ab Jahresmitte als Sponsor weg. Die Suche nach neuen Sponsoren läuft zwar auf Hochtouren, aber eine Übergangszeit kann nur durch private Spenden überbrückt werden. Vielleicht kann es durch Ihre Hilfe sogar gelingen, einen langfristigen neuen Sponsor ausfindig zu machen.

Wir vom Vorstand finden, dass es ein Riesenverlust wäre, wenn diese um Zwischentöne und sorgfältige Recherchen bemühte Zeitschrift eingestellt werden müsste. Das Institut der Forschungsstelle Osteuropa ist als gemeinnützig anerkannt, Spenden sind also steuerlich absetzbar.

Bankverbindung : Forschungsstelle Osteuropa, Konto-Nr.1228 7868, Spark. Bremen, BLZ 290 501 01, Verwendungszweck ‚Spende für Kultura‘.

Ulrike von Savigny

 
 

Zweites Strafverfahren gegen Michail Chodorkowskij 

Michail Chodorkowskij war als Vorstandsvorsitzender des sehr erfolgreichen, aber inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos einer der zahlreichen russischen sog. Oligarchen (Großunternehmer) und Milliardäre. Im Gegensatz zu den meisten seiner Berufskollegen hat er sich den ehemaligen Präsidenten Wladimir Putin zum erbitterten Feind gemacht, indem er der Kremlverwaltung  -  nicht zu Unrecht  - öffentlich Korruption vorwarf und zugleich politische Ambitionen zu entwickeln begann.

 Der Kreml schlug schließlich zurück. Chodorkowskij wurde im Oktober 2003 unter spektakulären Umständen während einer Geschäftsreise verhaftet und im September 2005 unter dem Vorwurf des Betrugs, der Veruntreuung und der Steuerhinterziehung zu 8 Jahren Lagerhaft verurteilt. Die Strafe verbüßte er bisher in einer Strafkolonie im südöstlichen Sibirien. Z. Zt. sitzt er in einem Untersuchungsgefängnis in Moskau.

 Inzwischen ist ein zweites Strafverfahren gegen den prominenten Strafgefangenen eingeleitet worden, diesmal unter dem Vorwurf u. a. des Diebstahls von Rohöl in großen Mengen und der Unterschlagung. Das Verfahren wird vor einem Moskauer Strafgerichtshof durchgeführt. Nach Aussage seiner Verteidiger drohen dem Angeklagten in dem neuen Verfahren bis zu 22 Jahre Haft.

Der neue Präsident der Russischen Föderation, Dmitrij Medwedjew, hat wiederholt erklärt, er werde für eine echte Unabhängigkeit der Justizbehörden des Landes sorgen. Ablauf und Ergebnis des neuen Strafverfahrens gegen Chodorkowskij werden beispielhaft zeigen, ob es Medwedjew gelingt, diese Zusage einzuhalten.

Eberhard Heyd

  

Gehaltscent 

Mit dem Bericht über das Kinderheim in Schimsk und über die Eltern-Behinderten-Initiative Rodnitschok,  in der Sebastian Stahl arbeitet, haben Sie in den letzten Rundbriefen zwei Projekte kennen gelernt, die wir mit dem Gehaltscent unterstützen. Weitere Gelder kommen anderen Institutionen zugute, die mit behinderten Kindern und Jugendlichen arbeiten oder aber mit solchen aus verwahrlosten Familien.

Außerdem fördern wir ein Projekt, das mit Kindern unter dem Motto "Ich entscheide mich für das Leben" Informationstage über Drogenmissbrauch veranstaltet und so Suchtprophylaxe betreibt. Wir möchten auch das Gynäkologieprojekt des Franziskushospitals weiter unterstützen.

Brunhild Hilf

                                Siegfried Lenz erinnert an Lew Kopelew

Seit 2001 wird in Köln der Lew-Kopelew-Preis verliehen an Menschen, die im Geiste des Namensgebers tätig sind. Andere Empfänger des Preises waren zuletzt Hans Küng (2006) und Memorial, die russische Menschenrechtsorganisation  (2002).

Am 29.3.2009 erhielt ihn Siegfried Lenz. In seiner Laudatio würdigt er den Germanisten und Humanisten  Lew  Kopelew: 

„Der Aufklärung verpflichtet, traf Lew Kopelew eine Entscheidung, die man nur mit Bewunderung und Bewegung zur Kenntnis nehmen kann, eine einzigartige Entscheidung. Er suchte Lager mit deutschen Kriegsgefangenen auf. Er hielt Vorträge. Zu ihnen, die unter Hunger und Heimweh litten, sprach er nicht über die Lehren des Marxismus, sondern über deutsche Kultur, über den unzerstörbaren Geist des Landes, das seinem eigenen Volk ein beispielloses Unglück gebracht hatte. Er sprach über Hölderlin, über Kant und Hegel, er rief den Erschöpften, den Besiegten, ins Gedächtnis, was sie einst besaßen und brachte ihnen im Elend des Lagerlebens die Werke von Dürer und Cranach nahe. Es darf wohl angenommen werden, dass es für viele seiner Zuhörer eine erste Begegnung mit deutschem Geist war, und ich stelle mir vor, wie sie auf die tiefen Kenntnisse des Vortragenden reagierten. Dass sich neben Erstaunen eine unwillkürliche Bewunderung zeigte, scheint mir gewiss, und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass, wenn auch nur bei einigen, eine unerwartete Empfindlichkeit für das eigene Tun entstand. Die geltende Rechtsprechung erkannte in diesen Lehrstunden eine „Glorifizierung der bürgerlichen deutschen Kultur“. Wir können es anders auslegen; wir können darin eine Ethik des Verzeihens erkennen. Eine Bestätigung übrigens hörten wir von Heimkehrern, die nach langer Gefangenschaft in ihren Berichten oft genug die Mitmenschlichkeit des russischen Volkes erwähnten, seine Hilfsbereitschaft und auch sein Mitleid.“ (...)

„Die Anklage, der sich der Major der Roten Armee Lew Kopelew gegenüber sah, lautete auf „bürgerlich-humanistische Propaganda des Mitleids mit dem Feind“. Das Militärtribunal verhängte als damals angemessenes Strafmaß: zehn Jahre Straflager.“ (...)
„Nach den Schrecken des Krieges und nach überstandenen Straflagern übersetzte er Goethe und Anna Seghers, schrieb Biographien über Heine und Brecht und schuf mit seinem Buch über „Faust“ ein Zeugnis der Aufklärung, das, denkt man an Thomas Mann, einer Erkundung deutscher Wesensart gleichkommt.“ (...) 

Als Teilnehmer an Menschenrechtsaktionen verlor er 1968 seine Dozentur als Literaturwissenschaftler,  reiste auf Einladung von Heinrich Böll und Marion Gräfin Dönhoff 1980 nach Köln und verlor 1981seine russische Staatsbürgerschaft; 1990 erhielt er sie zurück.

Sein Lebenswerk ist der Verteidigung der Freiheit des Wortes gewidmet, das Brücken baut zwischen Menschen  verschiedener  Herkunft.

Brunhild Hilf

 

 

 

 

Die Adressen unseres Vorstands

Karin Clasmeier, Bossestr. 21, 33615 Bielefeld, Tel. 173 502 oder 9 216 325

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 387, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Kirsten Hartmann, Oelmühlenstr. 105, 33604 Bielefeld, Tel. 1 369 528 oder 68 294 (Apotheke)

Werner Matthes, Babenhauser Str. 30, 33619 Bielefeld, Tel. 892 364 (privat) oder 86 039 (8 – 17 Uhr)

William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

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Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

 

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf -  Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041

 

Einladung zur  Jahreshauptversammlung

am  Montag, dem 2. März 2009 um 20 Uhr

in Raum 240 der Ravensberger Spinnerei (VHS) im Ravensberger Park 1

 

Verehrte, liebe Mitglieder und Freunde Welikij Nowgorods!

 

Im ersten Teil des Abends wird der Vorstand seinen Jahresbericht (siehe Tagesordnung in der Innenseite dieses Rundbriefes) abgeben.

Im zweiten Teil wird Dr. Klaus Trillsch vom Franziskus-Hospital über sein "Gynäkologie-Projekt" sprechen.

Am Ursprung der Kooperation zwischen Geburtshelfern und Hebammen in Bielefeld und Welikij Nowgorod steht eine russische Mutter, die ihren ersten Sohn 1981 in Russland, den zweiten 1996 in Deutschland auf die Welt brachte und aufgrund der Unterschiede die Situation für Gebärende und ihre Neugeborenen in ihrer Heimat verändern wollte. Ihre Wünsche und Vorstellungen fanden Gehör in einer Nowgoroder Klinik; das Franziskus-Hospital nahm gastfreundlich Abgesandte von dort auf und  ließ sie hospitieren. Hier entstand sodann der Kontakt zu dem Gynäkologen Dr. Klaus Trillsch, der seit 2003 mit einigen Kliniken des Nowgoroder Gebietes einen intensiven Fachaustausch pflegt, welcher sich nicht nur auf theoretischer Ebene, sondern in ganz praktischen Erfahrungen darstellt. Wie in einem Land Kinder auf die Welt kommen, dies hat sehr viel zu tun mit dem Menschenbild, das man dort pflegt.

 

Ich freue mich auf einen anregenden Abend und heiße Sie herzlich willkommen!

Brunhild Hilf

 

 

 

 

Als Zivi in Russland? 

 

Wir fragen uns manchmal, welchen Ertrag die "Bielefelder Tage in Welikij Nowgorod" 2006 und die "Welikij Nowgoroder Tage in Bielefeld" 2007 gehabt haben, und sind überzeugt davon, dass viele Einzelbegegnungen das Verständnis der Bürger der Partnerstädte für einander vertieft haben. Manche Kontakte werden lange halten und das Leben der Beteiligten verändern. Gewiss ist dies der Fall bei Sebastian Stahl, der – obwohl damals Schüler im Abiturjahrgang – sich zu den Anfängern in der Klasse 11 auf die Schulbank setzte, um Russisch zu lernen. Sein Plan, als Zivildienstleistender ein ganzes Jahr in Welikij Nowgorod zu arbeiten, wurde durch die neuen Visabestimmungen durchkreuzt: nach 3 Monaten musste er wieder heimfahren. Nun suchen  wir mit ihm nach Möglichkeiten, zurückzukehren. Denn: der hier folgende Bericht zeigt, dass er das sehr gerne tun möchte und – auch gebraucht  wird.

Am 9. Januar 2009 kehrte ich nach drei erlebnisreichen Monaten aus Welikij Nowgorod zurück. Das vergangene Vierteljahr hatte ich in der Stadt als Freiwilliger für das Sozialprojekt „Rodnitschok“ gearbeitet, eine Betreuungseinrichtung für junge Menschen mit Behinderungen. Das Rodnitschok-Zentrum ging 1996 aus einer Elterninitiative hervor und hat sich seitdem unter der Leitung seiner Gründerin Olga Andreeva kontinuierlich weiterentwickelt. Heute arbeiten in der Einrichtung Frau Andreeva und zwei feste Mitarbeiter sowie zahlreiche freiwillige Helfer.

Eltern, deren Kinder eine Behinderung haben, können ihre Kinder tagsüber im Zentrum betreuen lassen. Auf diese Weise ermöglicht man den Jugendlichen eine Abwechslung im Alltag und gibt ihnen die Möglichkeit, sich auch mit anderen Jugendlichen zu sozialisieren. Ihre Eltern erhalten dadurch die Möglichkeit, ihrem Alltag oder einer Arbeit nachzukommen. Das Alter der Jugendlichen oder jungen Erwachsenen, die das Zentrum in den drei Monaten besuchten, war sehr unterschiedlich und lag zwischen 14 und in Einzelfällen bis zu 30 Jahren. Ein fester Kern dieser Betreuten kommt regelmäßig jeden Tag, während andere vielleicht wöchentlich oder seltener vorbeischauen. Manche der Betreuten sind so selbstständig, dass sie den Weg zum Zentrum jeden Tag allein zurücklegen; andere sind darauf angewiesen, von ihren Verwandten gebracht zu werden. Dies hängt stark von ihrer individuellen Behinderung ab; viele dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben eine Kombination aus geistiger und körperlicher Behinderung. Auch Rollstuhlfahrer besuchen das Zentrum regelmäßig, sind aber in der Minderheit. Zweimal am Tag gibt es im Zentrum eine Mahlzeit, die in der eigenen Küche von den Mitarbeitern zubereitet wird. Jede dieser Tageshälften wird mit Angeboten wie gemeinsames Basteln, Malen, Singen, Spielen oder Lernen ausgefüllt, die Jugendlichen können jedoch oft auch selbstständig über ihre Zeit verfügen und sich je nach Möglichkeit einer Beschäftigung zuwenden - besonders beliebt war bei einigen von ihnen das Schachspiel. An zwei Tagen in der Woche bietet eine Musikpädagogin ein kleines interaktives Programm an, welches bei den Jugendlichen sehr beliebt ist.

Für weitere Abwechslung sorgen in unregelmäßigen Abständen die Besuche mancher Grundschulklassen oder Studenten, diese präsentieren den Jugendlichen dann kleinere Theater- oder Musikaufführungen. Im Sommer unternimmt man gemeinsame Fahrten und besucht Sehenswürdigkeiten der Region. Da das Non-Profit-Projekt sich zunächst nur durch Spenden finanziert, hat es sich zur Existenzsicherung einen kleinen Nebenverdienst aufgebaut, in dem es seine Räumlichkeiten ab und an für Touristen mit oder ohne Behinderung zur Übernachtung anbietet.

Die drei Monate, die ich bei Rodnitschok mitgeholfen habe, vergingen sehr schnell. Ich hatte mich schneller, als ich zuvor erwartete, einleben können und wurde sofort in den Alltag der Einrichtung eingebunden. Die Mitarbeiter um Olga Andreeva sind sehr herzliche Menschen, die sich bemühen, den behinderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine angemessene Betreuung im Zentrum und damit eine Abwechslung in ihrem Alltag zu ermöglichen. Täglich waren zwischen zehn und zwanzig Jugendliche und junge Erwachsene im Zentrum, die meisten von ihnen kamen gleich zu Beginn am Morgen. Zusammen mit meinem Kollegen begann der Tag daraufhin mit gemeinsamen Fitness- und Motorikübungen. Die Ansage dieser Übungen wurde mit großer Freude von einem der Jungen, sowohl körperlich als auch geistig behindert, übernommen. Danach folgte das Programm der Musikpädagogin, eine Ansprache, ein gemeinsames Spiel oder aber eine Phase der Selbstbeschäftigung. Oft hieß dies für mich, dass ich mit einem oder mehreren der Jugendlichen Schach, Mühle oder ein anderes Spiel spielte – diese Brettspiele sind überaus beliebt; vor allem Schach. Manchmal aber hatte auch jemand den Wunsch, etwas Deutsch oder Englisch von mir zu erfahren, so dass wir zusammen Vokabeln lernten. Auch kleinere Spaziergänge in der nächsten Umgebung waren Teil des Vormittages. Darauf folgte das gemeinsame Mittagessen, bei dem es meine Aufgabe war, einem jungen Mann zu assistieren. Für den Nachmittag waren oftmals kleinere Angebote unter Anleitung geplant. Es wurde gemalt, gewerkelt, mit Knete modelliert oder gemeinsam das Lesen, Schreiben oder Rechnen vertieft. Nach der Volljährigkeit besuchen die Jugendlichen in der Regel keine Sonderschule mehr, und so finden sie bei Rodnitschok weiterhin eine kleine Möglichkeit, ihre Fähigkeiten etwas auszubauen oder zu erhalten. Der Abschluss des Tages war das gemeinsame Teetrinken, zu dem es auch immer etwas Süßes gab. Danach verließen die ersten Betreuten das Zentrum, und der Tag endete gegen 17 Uhr.

Parallel zu der Tätigkeit im Zentrum selbst arbeitete ich zusätzlich zweimal in der Woche mit zwei jungen Frauen, die aufgrund ihrer Behinderung momentan keine Möglichkeit haben, Rodnitschok regelmäßig zu besuchen – denn auch Hausbesuche gehören zum Angebot des Zentrums. Und so unternahmen wir Spaziergänge oder übten zur Abwechslung vom Alltag gemeinsam Fremdsprachen.

Abschließend kann ich über meinen Aufenthalt sagen, dass ich sehr froh bin, über das Kuratorium an das Rodnitschok-Zentrum vermittelt worden zu sein. Die Erfahrungen, die ich dort machte, sind sehr positiv. Obwohl die finanziellen Mittel des Zentrums knapp bemessen sind, habe ich dort eine engagierte, angemessene Betreuung der Jugendlichen erlebt. Besonders die positive Haltung, die bei vielen dieser Jugendlichen trotz ihrer Behinderung zu spüren war, hat mich beeindruckt.                                                                        Sebastian Stahl

 

 

Tagesordnung der  Jahreshauptversammlung

 

1.         Jahresberichte

1.1       Bericht der Vorsitzenden

1.2       Bericht des Kassenwartes

1.3       Stellungnahme und Entlastung durch die Rechnungsprüfer

1.4       Aussprache über die Arbeit des Kuratoriums

1.5       Entlastung des Vorstandes

2.         Neuaufnahmen

3.         Vortrag von Dr. K. Trillsch

 

An den Botschafter

der Russischen Föderation in Deutschland                                                    im Januar 2009

 

 

Mord an dem Rechtsanwalt Markelow und an der Journalistin Baburowa in Moskau

am 19. Januar 2009

Meine Freunde und ich sind seit vielen Jahren mit den Menschen Ihres Landes und deren Wohlergehen in aufrichtiger Sympathie verbunden. Wir betätigen uns aktiv im Rahmen einer langjährigen und sehr lebendigen Partnerschaft zwischen unserer Stadt Bielefeld und der Stadt Welikij Nowgorod. Immer wieder besuchen uns Bürger aus der altehrwürdigen Metropole im Nordwesten Russlands, worüber wir uns jedes Mal sehr freuen.

Um so mehr haben wir mit Entsetzen und Abscheu erfahren müssen, dass vor wenigen Tagen, am 19. Januar 2009, der Rechtsanwalt Stanislaus Markelow (34) und die Journalistin Anastasja Baburowa (25) in Moskau auf offener Straße erschossen worden sind. Dieser unfassbare, brutale Mordanschlag hat offensichtlich politische Hintergründe, denn der hinterrücks erschossene Rechtsanwalt hat u.a. Mandanten vertreten, die unter massiven Menschenrechtsverletzungen zu leiden hatten. Die bei derselben Aktion getötete Journalistin war für die Moskauer Zeitung „Novaja Gazeta“ tätig, die für ihre auf Fakten beruhende,  regierungskritische Berichterstattung bekannt ist.

 

Unser tiefes Mitgefühl gilt den Familien, den Kollegen und Freunden der so hinterhältig Getöteten.

Auch Ihnen, sehr geehrter Herr Botschafter, ist bekannt, dass in den vergangenen Jahren immer wieder russische Staatsbürger, die es gewagt hatten, aus begründeten Anlässen sich mit der Staatsmacht anzulegen, den Mut, von ihren verfassungsmäßig garantierten Grundrechten Gebrauch zu machen (z. B. vom Grundrecht der Meinungsfreiheit), mit dem Leben haben bezahlen müssen. Eines der prominentesten Beispiele ist die brutale Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja im Oktober 2006. Diese Untat trägt dieselbe schändliche Handschrift wie der aktuelle Mordanschlag vom 19. Januar 2009.

Im Interesse des Rechtsstaates Russische Föderation und im Interesse des Ansehens Ihres großen Landes im In- und Ausland erwarten wir, dass die zuständigen staatlichen Organe ohne falsche Rücksichten alles Erforderliche tun, um den Täter und seine kriminellen Hintermänner möglichst rasch zu ermitteln und sie ihrer gerechten Strafe zuzuführen.

Eberhard Heyd                                                    

 

 

Premiere in Russland:

Hanse-Tage in Welikij Nowgorod

 

Aus Anlass des 1150-jährigen Stadtjubiläums finden die alljährlichen Hansetage im Jahre 2009 in Welikij  Nowgorod statt – zum ersten Mal überhaupt in Russland, zum 24. Mal in  der Neuzeit.

Vier Tage im Juni werden der Erinnerung an diesen Handelsbund gewidmet sein, der im Mittelalter große ökonomische und politische Macht besaß. Im niederländischen Zwolle wurde 1980 die Idee geboren, die Tradition der jahrhundertealten Zusammenarbeit der beteiligten Städte wiederzubeleben – heute gehören dem neuzeitlichen Hansebund mehr als 160 Städte in 15 europäischen Ländern an. Seit 1993 ist Welikij Nowgorod darin aktives Mitglied. Unter dem Motto "Die Grenzen erweitern" sollen die Gäste der diesjährigen Hansetage vom 18. – 21. Juni 2009 in Welikij Nowgorod ihre Kenntnisse über die beteiligten Orte erneuern und vertiefen: der Hansemarkt stellt die heutigen Teilnehmer vor, während der Historische Basar im Kreml und auf dem Jaroslav-Hof Einblicke in ihre vielfältig-bunte Geschichte und Kultur erlaubt. Über Fragen der aktuellen ökonomischen Zusammenarbeit wird ein Internationales Forum debattieren.

 

 

 

Die Adressen unseres Vorstands

Karin Clasmeier, Bossestr. 21, 33615 Bielefeld, Tel. 173 502 oder 9 216 325

Christel Franzen, Kupferheide 39a, 33649 Bielefeld, Tel. 451 102

Eberhard Heyd, Bodelschwinghstr. 87, 33647 Bielefeld, Tel. 412 233

Brunhild Hilf, Schelpsheide 12, 33613 Bielefeld, Tel. 889 282

Kirsten Hartmann, Oelmühlenstr. 105, 33604 Bielefeld, Tel. 1 369 528 oder 68 294 (Apotheke)

Werner Matthes, Babenhauser Str. 30, 33619 Bielefeld, Tel. 892 364 (privat) oder 86 039 (8 – 17 Uhr)

William Rotsel, Spandauer Allee 16, 33619 Bielefeld, Tel. 105 668

Ulrike von Savigny, Auf der Hufe 23, 33613 Bielefeld,  Tel. 886 414

Michael Schräder, Leiblstr. 99, 33615 Bielefeld, Tel. 882 909

 

Herausgeber: Kuratorium Städtepartnerschaft Bielefeld – Welikij Nowgorod e. V.

Brunhild Hilf -  Schelpsheide 12 - 33613 Bielefeld

Redaktion: Brunhild und Rebecca Hilf

Konto des Kuratoriums: Sparkasse Bielefeld BLZ 480 501 61, Kto.-Nr. 114041

Zum Rundbrief Nr. 65 vom November 2008

Zum Rundbrief Nr. 64 vom Juni 2008

Zum Rundbrief Nr. 63 vom Februar 2008

Zum Rundbrief Nr. 62 vom November 2007


 



Stand: 04.12.2008